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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-04-15 · Heft 11 (15.4.1892) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 11 (15.4.1892)
Date
1892-04-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 11 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 5. frömmelte nicht, sondern saß in seiner Studierstube und weihte seine Zeit und Kraft ausschließlich der Wissenschaft. Wajigdelu lianeorim Als die Knaben heranwuchsen, wajehi Esov 18011 joclea zajid da wurde Esau ein Mann, god6a zajid, der zu täuschen und zu bestricken verstand, 18011 80d6, er war ein Materialist, ein Mann, der sich nur sür das Irdische und Zeitliche erwärmte, wejakob isch tarn, Jakob aber war ein schlichter, anspruchsloser, wahrheitsliebender Mann, josckew 011011m, ein Stubengelehrter, der die Knisse und Schliche der Welt nicht kannte, dem 'Ränke, List, Schlauheit und Jntrigue unfassbare Legriffe waren. Er täuschte ׳Niemanden und am alllerwenigsten den Vater. Da jedoch in der Regel die Mutter sür die Schwächen und Fehler der Kinder ein weit schärferes Auge als der sich gern täuschenlassende Vater hat, daher kam es, dass Isaak den Esau liebte, ihn besonders׳ bevorzugte, vajeehav jizchak es esav Und Isaak liebte den C sau kl zag Id beftf, weil dieser ihn durch süße, heuchlerische Redensarten zu berücken verstand. Nebeka aber liebte den Jakob, weil sie nicht dilrch leere Phrasen sondern durch würdige Handlungen und edle Thaten gewonnen werden konnte. Wie sehr mochte es wohl Jakob geschmerzt haben, dass Esau trotz seines lasterhaften Lebenswandels sich nicht nur der höchsten Würde sondern auch der besonderen Gunst des.Vaters erfreute. Sein Streben war daher dahin gerichtet, Esau den Priester, zu entlarven und ihn in seiner wahren Gestalt zu zeigen; denn nur aus diese Weise kann der Heuchler und Frömmler unschädlich gemacht werden. — Die Gelegenheit hiezu hat sich ihm bald geboten. Einst kam Esau müde, matt und abgehetzt von der Jagd nach Hause. Und in dem Momente, als er von einem furchtbaren Heißhunger gequält ins Zimmer trat, fand er den Jakob mit der Zubereitung eines wohlschmeckenden Gerichtes beschäftigt. Mit wahr- Haft thierischer Gier drückte er sein Verlangen aus: ״Lass mich doch versuchen diese köstliche Speise, denn ich bin müde, matt, hungrig und ganz erschöpft." ״Wie darf aber, ries ihmJakob ganz erstaunt zu, ein Mann den die Krone des Priesterthums schmückt, so genußsüchtig sein? Ein Priester muß entsagen und entbehren, seinen Körper kasteien und jedes Geschick geduldig ertragen können. Dir unserer Halbkugel er günstiger zum Wiederanbau gefunden." . . . ״Die freilich aller Zierden beraubte Pflanzenwelt am TiberiaS bezeugt eS, dass die User dieses SeeS, wenn man sie nur recht benutzen wollte, ein natürliches Treibhaus zu sein verniöchten, in welchem die Gewächse Egyptens und selbst 'Arabiens gedeihen würden." (Schubert, N. in d. M.) ״In Palästinas Boden sind die Bedingungen vorhanden, die reichste Vegetation zu erzeugen." (van de Velde, Reise durch Syrien und Palästina.) ״Die schönsten Weizen- und Gerstenfluren sprießen zuweilen aus steinbesäeten Flächen, welche in unseren Breiten gewiss ohne Eulturen sein würden." (v. 'Rath, ״durch Italien und Griechenland nach dem hl. Land.") Selbst in Judäa verleugnet der Boden seine Fruchtbarkeit nicht. ״Die röthlich braune Erde, welche in allen Löchern und Spalten der Kalkselsen sich 'sammelt und kleine, üppige Pslanzenoasen erzeugt, deutet an, wie allmälich durch menschliche 'Arbeit das 'Angesicht des Landes wieder gewandelt lverden könnte." . . . ״Angesichts dieser Fluren und 'Nebenpslanzungen der Templer (bei Haifa) gewinnt man eine Vorstellung von dem schlummernden 'Reichthum der ganzen palästinensischen Küste, welche zum größten Theil gänzlich ohne Eultur ist." (ט. Rath, ״Durch Italien" re.) Ja auch die Dünen am Strand entbehren nicht des vegetativen Lebens. ״Diese Sandstrecken scheinen nur Wasser zu bedürfen, um fruchtbar zu werden; selbst jetzt (im Mai) sind sie mit Bäumen und Gebüschen wie Hecken besetzt, allem Anscheine nach blos durch das Hinzutreten der Regengüsse." (Robinson, ״Palästina" re.) aber scheint diese Priesterwürde eine lästige, unerträgliche Bürde zu sein. Willst du dich nun derselben entledigen, so verkaufe sie mir, da ich das Joch der Entsagung zu tragen gewohnt bin, und ich gebe dir dafür diese Speise. Nlobro k aj a 11 m es becbauros’cho 11. Nachdem du dich mir heute in deiner wahren Gestalt (als Materialist) gezeigt, so möchte ich dir rathen, mir diese, von dir so wenig beachtete Würde zu verkaufen, denn ich bin gewohnt zu entsagen und zu entbehren, weil ein Idealist den Genuss überflüssiger, irdischer, vergänglicher Freuden porhorreseirr und sich nur zu veredeln und zu vergeistigen sucht, um sich die Unsterblichkeit er׳ ringen zu können." ״Wie?" entgegnet ihm Esau, ״ich soll aus alle irdische Freuden verzichten, um mich unsterblich zu machen. 111116 onanchi kaulecli lomus Ich glaube an keine Ewigkeit, an keine Zukunft, an keine Unsterblichkeit, welomo se 11 bechauro, wozu also soll mir diese Würde, etwa um meinen Körper zu kasteien? Einmal lebt man, so will ich auch die Freuden des Lebens genießen und verzichte gern aus die Würde der Erstgeburt." Ja noch mehr, um den Jakob zu überzeugen, dass er ihnt mit Vergnügen ohne jeden Hintergedanken die Würde der Erstgeburt übertrage, leistete er ihm aus dessen Verlangen einen Schwur daraus. Und Jakob gab dem Esau ein Gericht Linsen, dieser aß und trank und wajiwes esov es habchauro suchte aus diese Weise zu zeigen, wie sehr er die Würde der Erstgebürt verachte. — Esau war somit entlarvt und gerichtet. Er durste jetzt von Rechtswegen weder aus die Würde der Erstgebutt noch aus die mit derselben verbundenen materiellen Vortheile (S. M. 21. 17.) Anspruch machen. Allein in den Augen Jsaak's, wahrscheinlich weil man aus Schonung dem alten Manne das Vorgesallene verheimlicht hatte, erschien Esau immer noch als der würdige, fromme mit der Priesterwürde geschmückte Sohn, daher er ihn eines Tages folgender Weise angesprochen: ״Ich bin nun alt geworden und weiß nicht, wann der Tag meines Todes herrannahen werde, erjage mir ein Wildpret, bereite es mir schmackhaft, wie ich es gern habe, und bringe es mir, dass ich esse, damit ich dir den Segen, der dir als Erstgebornem gebührt, ertheile, bevor ich sterbe". Als Nebeka dies hörte, war sie, die von dem Treiben Esau's besser als Die natürlichen Voraussetzungen zu einer höheren Eultur sind gegeben in Palästina. Doch wer soll dieselbe bringen? Etwa die vielgeplagten Nachkommen Abrahams? Spaten und Pflug sind ihnen fremd geworden. Wie war es einst so anders! Der Jude saß aus seiner eigenen Scholle und war ihr zugethan. Er bebaute sie mit Lust und Fleiß; an den Bergen schuf er fruchtbare Terassen; die Wasser sammelte er in geräumigen Cisternen und betete um den Thau des Himmels und um die Wolke, die vom ׳Meere den liegen bringt. Heute ist er ein Fremdling geworden im Lande seiner Väter. Feige und Olive, :Rebe- und Weizenslur sind nicht mehr sein; die Terassen sind zerfallen, die fruchtbare Ackererde weggeschwemmt, die (Zisternen versiegt, die Schöpsräder müde geworden. So lebt er ein kärglickes Dasein bin. Arme Fellachen pflügen mit dem dürftigen Holzpslug den steinigen Loren ׳ Beduinen rauben und plündern ׳ das eulturseindliche Auge der türkischen Beamten lässt eine freiere :Regung nicht zu. 'Armes Land, von der 'Natur gesegnet, von den Menschen verflucht! Wie lange soll dieser Zustand noch dauern? Offenbar bis der Degnerationsprocess der augenblicklicher! Herren des Landes, der sich ja so sichtlich vollzieht, so weit vorgeschritten ist, dass ein zuchtvolleres, die Ausgaben der ׳Natur sittlich erfassendes :Regiment in das Land einziehen kann. (Schluss folgt.)

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