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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-04-15 · Heft 11 (15.4.1892) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 11 (15.4.1892)
Date
1892-04-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Gesterreichisch-ungarische «Lantoren-Zeitung. rocl'to an irgend einer west ׳- afrikanischen Universitär zn persisliren, so lafs! er durch diese Cnaliräien sehr leicht sich verführen, aus dem Stegreif jnristiscke Tk.emata populär-humoristisch ab;uhandelu. Und so begann er denn, indem er vom einem alten, in einer Ecke meines Gemacko stebenden Katheder herab im Spiegel sich und zu seinen Füßen mich scharf sirirte, den angekündigten Bortrag. (Fortsetzung folgt). Materialismus und Idealismus i» der Natriarchen;eit. Bon Dr. M. H. Fried länder. Seit undenklichen Zeiten bildete die Geschichte Jakob's und Esau's gleichsam das 'Arsenal, aus welchem die unerbitterlichsten Feinde des Indenthums sich ihre gefährlichen Waffen holen zu können glaubten, so oft sie sich anschickten, Israel, dieses Bolk der Geschichte, in Wort urd Schrift anzugreifen. ״Wie können wir den Juden", so riefen und rufen sie noch heute pathetisch aus, ״Vertrauen schenken, wie können wir sie als unsere Mitbrüder achten, schätzen und verehren, wenn ihre Religionsgeschichte, ihre heilige Bibel es klar und deutlich erzählt, dass der von ihnen hochgefeierte Patriarch Jakob bemüht war, seinen edlen und würdigen Bruder Esau zu hintergehen, zu überlisten, zu übervortheilen, zu täuschen und durchs Licht zu führen, so dass jener sich veranlasst sah, seinertiefen Entrüstung Ausdruck zu verleihen in den Worten: hachi koro schemo Jaakob, wajakbeni sek paamojim deshalb wird er Jakob genannt, er hat mich schon zweimal hintergangen, vorerst suchte er mir die Erstgeburt uud jetzt den Segen zu entlocken." Diese hämische Behauptung zu widerlegen, soll die Aufgabe dieses Artikels sein. Wenn wir die Charakterzüge der beiden Söhne Jsaak's, die uns in der heiligen Schrift geschildert werden, gründlich studiren, so gewinnen wir die Ueberzeugung, dass uns hier die Repräsentanten zweier seit Jahrtausenden sich schroff gegenüberstehenden Parteien vorgefübrt werden. Während Esau jene Partei repräseutirt, die dem Nr. 11. erassen Materialismus huldigt, vertritt Jakob jene Klaffe Menschen, die für Idealismus im hohem Maaße begeistert ist. Ein )Materialist ist derjenige, der die Materie, den Stoff, das Irdische und Zeitliche abgöttisch verehrt, der vor dem Goldklumpen hinfällt und ausruft: Sail’i umzodoti meint Fels! mein Schatz! ment Alles! und dessen ganzes Streben ausschließlich dahin gerichtet ist, in den Besitz irdischer und zeitlicher Güter zn gelangen, um auf großem Fuße leben, der Geitußsucht fröhnen, seinen Ehrgeiz und seine Herrschgier befriedigen zu feitiieit. Der Materialist ist ein Praetiker in des Wortes reinster Bedeutung. Er kennt das Lebett, kennt die Kniffe und Schliche der Welt, besitzt feine, salonfähige Manieren, er zeichnet sich durch süße, heuchlerische, berückettde und bestrickettde 'Redensarten aus. Keitt Mittel ist ihm zu schlecht, so es gilt, sein sich vorgestecktes Ziel zu erreichen. Er, der alles Heilige und Religiöse, alles Göttliche und Ideale, alles Edle und Erhabene, verhöhnt, verspottet und verlacht, ist zutveilen im Stande ist, als fromm, religiös und gotteöfürchtig zu erscheinen, so er hiedurch einen materiellen Bortheil zu erringeu glaubt. Der Idealist hingegen ist einfach, schlicht, wahrheitsliebend bis zur höchsten Potenz. Er spricht nur die Wahrheit, lebt für die Wahrheit, .kämpft für die Wahrheit, selbst wenn ihm die ungewöhnlich große Wahrheitsliebe Ungemächlichkeiten und Widerwärtigkeiten mannigfacher Art bereitet. Esau war von Scheitel bis zur Zehe Materialist. Er bewegte sich in Kreisen, wo der Genußsucht gesröhnt wurde, bei rauschenden Festgelagen und lärmenden Freuden war er in seinem Elemente. Alles heilige und Ideale war ihm in der tiefften Tiefe seiner Seele verhasst, nichtsdestoweniger erschien er zuweilen als hochfromm, so es galt, dett alten Vater zu täuschen, ihn in dem Wahne zu bestärken, dass sein erstgeborener Sohtt, der nach damaliger Sitte der Priester im Hause war, ein wahrhaft frontmer Priester sei, und eine aseetische, echt priesterische Lebensweise führen. ״Theurer Vater," frug der fromme Esau, ״kech measrin es katewen, wie wird vom Stroh der Zehnt gegeben?" Musste da nicht Isaak glauben, dass sein Esau ein äußerst streng religiöser, für das Ideale int hohen Maaße begeisterter Mann sei? Jakob aber heuchelte nicht und Zur Geschichte der Kodemultur and des Klimas von Palästina. Von Dr. Otto Ankel. (Fortsetzung.) Demgegenüber glaubt der Stuttgarter Geologe O. Fraas au tiefgreifende klimatische 'Aenderungen in historischer Zeit, während er der türkischen Uneultur nur einen bescheidenen Äntheil an der Berwabrlosung des Landes zuschreiben möchte. Das Land soll ehedem weit niederschlagsreicher, von Wiesen und Feldern bedeckt gewesen sein: Abraham, Jakob und Josua waren noch Zeugen des Wasserreichthums. Mussten aber nicht schon Abraham und Lot sich sebeiden, weil das Land ihre Herden nicht ernähren konnte? Das Borwiegen der Kleinviehzucht heutzutage lässt sich sehr wohl historisch begründen. ״Herden von Rindvieh sind selten. Es scheint das türkische Svstem der Abgaben gewesen zu sein, das vom Großen zu Großes nahm, oder auch die:Raubsncht der herrschenden Fremdlinge des Landes, der sich das Kleitte leichter verbergen und entziehen ließ als das Große, was der eifrigen Zucht der Rinder solchen Eintrag that; denn man darf wohl sagen, dass wenn noch hundertmal so große Herden als jetzt da sind, in den fruchtbar gebliebenett Auen und Gefilden weideten, sie in den verwildetett Saatfeldern mehr niedertreten würden, als sie verzehren könnten." (Schubert, Reise in das Morgenland.) Uebrigens wurden schon zu Salomos Zeiten 100 Schafe täglich für die königliche Tafel geliefert; 3000 Schafe und 1000 Ziegen galten als ein großes Vermögen; Hiob hatte sogar 7000 Schafe neben 3000 Kameelen und 500 Joch Rindern. Zahlreiche Beobachtungen einsichtiger Reisender bestätigen, dass im Boden Palästinas wunderbare Kräfte schlummern, die nur der menschliche Fleiß zu weckeu braucht, um das Laud der Berwahrlosuttg zu entreißen. ״Welcher Boden könnte von 'Natur fruchtbarer uud zum Anbau günstiger sein, als der von Palästina? . .'. So sehr aber auch das eigene Volk des Landes, aus 'Neid gegen den srentden Eroberer und Herrscher, und so sehr die Feinde desselbett, deren Zorn so oft diese Stätte der alten Segnuttgen traf, gegen den innerett Wohlstand derselben gewüthet haben, i]t es mir dennoch unbegreiflich, dass nicht blos Spötter uttd geistige Feinde des Landes, sondern selbst manche frühere )weisenden Palästina als eitte natürliche Einöde, als einen Boden, der weder vormals noch jetzt zum eittträglichett Attbau taugte, nt böses Geschrei bringen konnten. Wer die unerntessliche Fülle des PslanzettreichthumS ant Karmel uttd ant Saunte der Wüste, wer die grünenden Gefilde von Esdrelon und in der Jordansaue, die Laubwaldungen ant Tabor; wer die User des Liberias- und Merontsees gesehen, denen ttichts fehlt, als die anbauende Menschenhand, welche dem üppigen Boden ihre Samenkörner uttd Pflanzungen anvertraut, der mag doch sagen, welches attdere, vott tausendjährigen Kriegett entvölkerte Land

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