Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 10 (1.4.1892)
- Date
- 1892-04-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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. Gerte 6 Hesterreichisch-rmgarische Lantoren-Zeitung. Pr. .10. .. .׳äÜen Ääeisters nach seiner Einfassung, und wenn sie die glän- NHesÜste Wäred -Der Glanz ihrer Persönlichkeit überstrahlt den ^Äußeren- Glanz, und während sonst die .Persönlichkeit oft nur r der! Rahmen K,. ohne Inhalt, so dass mit dem Zerfall des rMahmens nichts.'-übrig, bleibt,. steigt im Gegentheil ihr Bild, -,׳ aller״!Vergänglichkeit entklcidet, umso verklärter vor unseren ::.Angen auf und drängt selbst die-Schatten ׳des Todes zurück. .:L - Soll ich-dieses Bild zu zeichnen versuchen? Der gramgebeugte Gatte hat mir den Wunsch ausge- "sp rochen, ich׳ Möge kurz sein, und ich kann diesem Wunsche ׳״leicht entsprechen. Denn ich kann hier mit wenigen Worten auf ״Ml Hinweisen, auf einen reichen Schätz der edelsten Tugenden, '״'während viele Worte doch oft den Eindruck zurücklassen, dass wenig zu sagen bleibt. Hier aber geht viel, unenendlich viel ״״׳verloren, und ich weiß mich der Zustimmung Aller gewiss, die ׳ 'M gekannt'haben, wenn ich auf sie den biblischen Löbsprnch anwende: ״Viele Töchter habensich wackererwresen, sie aber ׳-ragtüber alle hervor". Und wie wenig wollte sie hervorragen! ״'״Moll׳ rührender Anspruchlosigkeit ist-sie durch ihr kurzes Leben ' ^ahrngezogen, wie ein Kind, die einfachen Blumen vom Wege - ״aüstlesend und-die reichen Blüten der Liebe spendend. In Liebe ״Äe sie zu den Eltern empor, in Liebe umfieng sie den verschrien Gatten und gründete mit ihm ein Familienleben,' wie ״ es ffchöner und inniger nicht gedacht werden kann, in Liebe ״-widmete'sie sich den Kindern, und wie sie die Aufgabe der Er- ״Ziehung׳ schon׳ Äs Jungfrau׳ zuihrem Studium gemacht hatte, so löste sie als Mutter diese Aufgabe in Hingebung Und Ver- ״׳Pändnis an den eigenen Sprösslingen. ' ' ׳ . Wer an dem Palaste vorübergieng, in dem sie als Herrin' ' . schaltete und waltete, der ahnte wohl nicht, dass sie jedes ein- ''fache.Haus, ja jede Hütte geziert und in einen Palast ver-; ~ wandelt haben würde, durch ihre Pflichterfüllung, durch den Adel ihres Geistes, durch die Reinheit ihrer Gesinnung, durch ^Hien״ Reichthum ihres guten Herzens. Aber die in den Hütten 7.wohnen, die..-Armen und Dürftigen, die wussten es, wie nahe ^ie.Herrin jenes Palastes ihnen verwandt war. Den. Kindern. 7MUd Greisen, den Verlassenen der Jugend, und des Alters, hat?sie Asyle gegrüirdet und noch im letzten Augenblicke ihres Lebens - gedächte sie ihrer Dienerschaft. -Nachde ׳ sie den Eltern die Hand zum Abschicde gereicht. <^nachdem sie dem Matten die Worte des Bekenntnißes. nachge- -l'-sprochen: ״Höre Israel, der Ewige, unser Gott ist ein ein- > Oiger Gott", nachdem sie den ältesten Sohn ermahnt hatte, den ''.'Geschwistern ein gutes Beispiel zu geben, da kam auch die Dienerschaft an die Reihe, die sie dem Gatten empfahl, als ^wollte sie sagen: ״Ich. war. nur eine Dienerin, berufen, den '. ״Kreis'-von Menschen zu beglücken, in den mich Gott gestellt"-. ״Mun hat sie ausgedient, eine Priesterin im Dienste der Familie, sin,Dienste der Menschheit, sin 'Dienste Gottes. So ziehe hin :׳ M.Srieden, Amen!" ׳ - Machten schon diese Worte einen mächtigen -Eindruck auf Me Hörer, so war cs für die Anwesenden überwältigend, als ',' . der ,greise Vater an der Bahre niedersank, sein Haupt in das ,-,Hahrtuch drückte und laut schluchzte. Gatte, und Kinder brachen 1 :üdabei -in lautes Weinen aus. Man trug den Leichnam zur Gruft und bettete die Frau an der Seite ihrer als zartes Kind ״ ׳veDorheyen Tochter Charlotte.. Alles kehrte dann in die Cereuwnrenhalle zurück, wo Bdron Albert -Rothschild Und' die . -beiden ältesten Söhne.das übliche Laddiseli-Gebet verrichteten. Nicht unerwähnt darf die nachahmenswerthe Thatsache bleiben, dass im Palais R o t h s ch i l d das' Sterbezimmer der verewigten Baronin in eine Haussynagoge umgewändelt wurde, in welcher das ganze Trauerjahr hindurch gebetet werden soll. Für die Lelrivv'a ist Obercantor Singer bestellt, die üblichen Gebete zu verrichten, sür die spätere Zeit übernimmt Leetor F r i e d m a n n diese Functi on, Die Eltern der verstorbenen Baronin. Baronin Alphons Roths chi ld und Gattin, Lord Rothschild aus London, Baron Rothschild aus Frankfurt am Main, Madame Goldschmidt-Rothschild, Herr und Frau v. Ephrussi, Baron Bleichröder aus Berlin und andere Notabilitäten nahmen an,-den..'ersten Gottesdiensten theil Auf Wunsch der Familie wurde nach Olenu von Obercantor Singer das in Frankreich übliche ״ono adonaj zur aulomim“ vorgetragen, worauf Baron Alphons dasselbe Gebet französisch recitirte und die beiden ältesten Söhne, George und Alphons, Kaddisch sagten. Der wahrhaft religiöse Geist im Hause Rothschild ist zur Genüge bekannt, als dass er, hier besonders gekennzeichnet werden müsste, doch sei lobend hervorgehoben, dass alle obgenannten. und anderweitigen religiösen Einrichtungen der Anregung des Religionslehrers Dr. Kanitz entstanden sind, welcher seinen Zöglingen in idealer Weise den Geist des alten Judenthums zu erläutern bestrebt ist. Mögen die schönen, und erhabenen Traditionen des Hauses Rothschild, die namentlich von der nunmehr verblichenen Baronin - in so edler Weise geübt wurden, auch von ihren Heranwachsenden Kindern ..weiter gepflegt werden, zur Ehre-des Judenthums, zum Wohle' der . Menschheit! Wien. Jüngst wurde in den Wiener Blättern die. Ver- Wendung des Reinerträgnißes vom Jndustriellenball verröffendicht, wobei es uns in sehr unangenehmer Weise auffiel, dass vom Reinerträgnisse wohl mehrere, streng confessionelle, katholische und protestantische Institutionen betheilt, jedoch die jüdischen Humanitäts-Anstalten ganz übergangen wurden. Diese Thatsache ist um so bemerkenswerther, als ein großer Theil der Wiener Industriellen Juden ist und das Reinerträgnis doch wohl auch aus ihrer Cassä geflossen ist. Es gibt , halt nichts über die Gleichberechtigung —- beim Zahlen! Wien. Der Abgeordnete Dr. Ebenhoch.hat im oberösterreichischen Landtag einen Gesetzentwurf, betreffend die Reorganisation des Landschulrathes, eingebracht. Nach den Hestimmungen dieses Antrages soll der Vertreter der israelitischen CultusgemeindeN nur bezüglich der israelitischen Schulangelegenheiten eine, beschließende Stimme haben. . . Nach her Znsammensetzung des oberösterrcichischm Landtages und der führenden Rolle, welche Dr, Ebenhoch in diesem Vertretungskörper spielt, zu schließen, dürfte dieser Gesetzantrag wohl, zum Beschlüsse׳ erhoben , werden. Ob derselbe aber auch von der Regierung zur a. h. Sanction empfohlen werden wird, möchten wir. füglich bezweifeln, da die erwähnte?Bestimmung hinsichtlich des Vertreters der israelitischen Cultusgemeinde gegen', die staatsgrundgesetzlich gewährleistete Gleichberechtigung der Confessionen verstößt. In dem Augenblicke, wo der. Vertreter der Juden .im Landesschulrathe nur auf die. Cultusangelegenheiten seines Glüubensbekenntnißes Einfluss nehmen darf, müssten auch die Rechte der übrigen Vertreter der Rcligionsgenossenschaften. in gleicher Weise beschränkt , werden. Denn das auch für Oberösterreich zu Recht bestehende und daher von dem Landtage dieses Kronlandes zu respectirende Reichs-Volksschulgesetz erklärt die öffentlichen Schulen als' interkonfessionell. Der. Antrag .Ebenhoch beabsichtigt nichts Geringeres, als .dass ״wohl -die- Vertreter der katholischen und protestantischen. 'Religion Änr