Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 10 (1.4.1892)
- Date
- 1892-04-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 10 Hesterreichisch-ungarische ßantoren-Zeilung. ' Seite 5. Gras Boos-Waldeck und Gcmälin, Graf Hnnyady, Georg Graf Stockau' und Gemalin, Gräfin Hoyos-Sprinzenstem, Baron Bourgoing und Gemalmt Baronin v. Langenau, ׳General Kodolitsch, Bürgermeister' Dr Prix, Gencral-Consul Lindheim, Cönsul Biedermann, Baron Bleichröder, Roderich Freiherr v Walterskirchen/ die Hofrüthe Klaps und Doczy, Generaldirector Schüler, Baron Hopfen, Bankgouverneur Kautz, Ritter von Täußig, die Directoren Blum, Lenz, Hofrath Jeittelcs, Hofrath Schreiner, Hofräth Pelz, die Regierungsräthe Ritter v. Hahn, v. Bezecny, der Präses der israelitischen Cultusgemeinde Ritter v. Gutmann mit'dem gefämmten Vorstande, Präses Rusfo der türkisch-israelitischen Gemeinde mit dem Vorstande, Abg. Dr. Jaques, Stadtrath Ritter v. Goldschmidt, die Gemeinderüthe SimoN und Bauräth ^Straßny, Oberregisseur Ritter v. Sonnenthal, die Banqniers Stametz, Hutterstrasser, Kaulla, Ritter v. Bauer, Dr Ludwig Ritter v. Gutmann, Hofrath Professor Monti und Dr. Hofmann als Deputirte des Seehospiz-Vereines, Primarius' Dr. Wölfler, die Procuristen des Hauses Rothschild. Dub unb^koAüW 'mit den Beamten und der Dienerschaft, Deputationen ^bes' israelitischen Fraüen-Wohlthätigkeits-Vereines, der Freiwillsgen Rettungs-Gesellschaft und anderer humanitärer Institute. ׳ ׳׳. - Obercantor S i n g e r, assistirt von den Cantoren Schiller und Blatt, executirt'e. als der Sarg um 10 Uhr gehoben wurde, in wahrhaft ergreifender Weise die rituellen Trauergesänge. Dann trug man den Todtenschrein, den ein schmuckloses schwarzes Tuch deckle, die Treppen hinab. Hinter dem Leichenwagen fuhren Vater und Gatte der Verblichenen, ihre Söhne Georg und Alphons, sowie die Herren Ferdinand und Edmond Freiherren von Rothschild. Unter den Leidtragenden, die in leinet;endlosen Reihe von Wagen folgten, waren Botschafter Gras Nigra und Statthalter Graf Kielmannseggg. digen Regen, und dein Erbe, das dürre ist, erquickst du"; du tränkest des Landes Furchen und feuchtest sein Gepflügtes"; ״mit Regen machst du /es weich und segnest sein Gewächs"; denn siehe, der Winter ist vergangen, der Regen ist weg und dahin; die BlüMen sind hcrborgekommen im Lande"; ״er gibt Schnee wie Wolle, er streuet Reif wie Asche; er wirst seine Schlossen wie Bissen; wer/kann bleiben vor seinem Frost?" Im Großen und Ganzen hat sich also das Klima Palüstinas in historischer Zeit nicht geändert, einfach weil die dasselbe bestimmenden Bedingungen dieselben geblieben sind. Wie heute, so zerfiel ehedem das Jahr in eine regenlose und eine Regenzeit. Auf dem rechtzeitigen Eintreffen der Früh- und Spätregen beruhte der Ertrag des Lundes/ Besonders trockene Jahre, welche Theuerungen im Gefolge hatten, waren auch im Alterthum nicht unbekannt (s. Kön. 17, 1: ״es soll diese Jahre Weder Thau noch Regen kommen"; 17, 7: ״und es geschah nach etlichen Tagen, dass der Bach vertrocknete, denn es war kein' Regen im Lande"), Donner und Regen zur Zeit der Weizenernte aber unerhört. Schnee und Hagel, Thau und Reif wären und sind wohlbekannte Erscheinungen im Jordanlande; Temperatur-Extreme gehören zur Regel; die Winde und Meeresströmungen sind dieselben geblieben; die Levanteschifffahrt folgt noch denselben Naturgesetzen, wie in den Zeiten der Phönizier. Auch die Temperatur hat sich wenig geändert; die Nordgrenze der Dattelpalme und die Südgrenze des Weinstockes fallen an den Jordannfern zusammen wie ehemals; i.n Thale Eskol gedeiht die Traube ebenso herrlich, wie in den Tagen der Kundschafter; bei Gaza reift die Palme ihre Frucht; Wäre das Klima kälter geworden, die Dattelpalme hätte Küste und Jordanthal verlassen; wäre es um vieles Würmer heute, die Rebe würde ans dem Thale von Hebron verschwunden sein. Um 11 Uhr kam der Leichenzug auf der israelitischen Abtheilung des Centralfriedhofes an, die von der Wache mit Mühe freigehalten wurde, da von der christlichen Abtheilung her mehr als 20.000 Menschen gekommen waren und sich angestellt hatten. Der Sarg wurde in die Ceremonienhalle getragen. An der Kopfseite nahmen die Mitglieder der trauernden.Familie Aufstellung, und nachdem der Obercantor Singer das ״Harnr tomim“ recitirt hatte, ergriff Ober-Rabbiner Dr. Güd.emann das Wort zu folgendem Nachruf: ״Wir gedenken vor Gott, dem Vater des Erbarmens, unserer dahingeschiedenen edlen Glaubensschwester, der Frau Bettina v. Rothschild, die Er nach seinem unerforschlichen Rathschluss hat abberufen aus dieser Welt, als ihre Stunde war gekommen. Wenn ich sonst an dieser Stätte zu reden berufen bin, da muß ich nicht selten fürchten, zu viel zu sagen. Hier aber, an der Bahre dieser, von Men betrauerten, von Allen gepriesene Frau, beschleicht mich die entgegengesetzte Besorgnis. Ja ich fürchte nicht blos, sondern ich weiß es, dass mein Wort hinter ihr zurückbleibt. Denn was sie gewesen ist, das künden Worte überhaupt nicht; das fühlt der Gatte, das fühlen .die Eltern, die Kinder und Geschwister, und aus diesem engsten und vertrautesten Kreise theilte es sich unausgesprochen, aber tiefempfunden weiteren Schichten der Bevölkerung mit, was sie gewesen ist und was an ihr verloren geht. Es war für Alle eine Trauerbotschaft schmerzlichster Art, als die Kunde verlautete: Bettina v. Rothschild ist todt. Ich rede nicht von dem, woran die Welt gewöhnlich zunächst denkt, wenn sie diesen Namen hört. Ich würde das Andenken der Entschlafenen zu entweihen fürchten, wenn ich von dem Glanze spreche, in dem sie ausgewachsen und aus dem sie hinweggerissen ist, von dem Glanze, der vor dem Tode erbleicht Wer fragte auch vor dem vielbewunderten Bilde eiyes Eine wesentliche Acnderung des Klimas hat in dem histo rischen Palästina nicht stattgefunden. Zugeben muß man freilich dass die durch zahlreiche Umstände hinlänglich bewiesene Zunähme der Trockenheit des großen Steppen- und Wüstengürtels, der vom atlantischen Ocean bis fast an den Stillen, reicht, vor allem der Sahara, nicht spurlos an den benachbarten Gebieten vorübcrgegangen ist, sondern örtliche Modifikationen des Klimas, der Vegetation und Lebewelt zur Folge hatte. So mag cs auch in Palästina sein. In der Hauptsache aber sind es geschichtliche Vorgänge, die dem Lande das vielfach verödete Aussehen verliehen haben. .Auch für Palästina gilt, was Th. Fischer von Sicilien sagt: ״Namentlich in Sicilien drängt sich unabweisbar die Ueberzeugung auf, dass auf den drei südlichen Halbinseln Europas und mit ihnen auch in Kleinasien der Gang der Weltgeschichte das entscheidende Moment bei der jetzt bestehenden, im Orient noch immer wachsenden Verwahrlosung ist, dass sich nicht die Natur geändert hat und ändert, sondern die Menschen". Das ist betrübend und erfreulich zugleich. Denn ist es der historische Factor, sind es die Menschen gewesen, über die zerfallene Städte und verödete Fluren, vertrocknete Eisternen und verschüttete Gründe, entwaldete Höhen und versumpfte Niederungen zu klagen haben, so ist die Hoffnung nicht ausgeschlossen, dass jener Factor, der ja mit kürzeren Zeitspannen rechnet als der physische, sich wieder zum Besseren wenden kann; dass aus den Ruinen vergangener Jahrhunderte neues Leben erwachse, aus ihrem Schutt neue Cultur erblühe; wenn nur die Menschen andere werden wollen, wenn an die Stelle dumpfer Resignation und traumhaften Hinlebens ein lebendiger Wettbewerb wirthschaftlich tüchtiger Kräfte tritt. (Fortsetzung folgt.)