Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 10 (1.4.1892)
- Date
- 1892-04-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 chesterrerchisch-rmgärische Kanloren-Zertung. Freitag den 25. März ist Frau Bettina Baronin Rothsch i l d, Gemalin des Chefs des Wiener Hauses Rothschild, nach längerem, schmerzvollen Leiden, im 34 Lebensjahre verschieden. Mit ihr ist eine Zierde der Wiener Gesellschaft dahingegangen, eine Dame, die geschmückt mit allen Tugenden des Herzens und des Geistes in den allerhöchsten Kreisen große Sympathien genoß, aber auch in den Hütten der Armen durch ihre edle, vielgeübte Menschenfreundlichkeit gepriesen und verehrt wurde. Se. Majestät der Kais er.ließ, von dem Trauerfalle in Kenntnis' gesetzt, durch den Obcrsthofmeister Prinz Hohenlo he dem Baron Albert Rothschild sein Beileid ausdrücken, und. die Kaiserin sandte aus Corfu ein in warmen Worten .abgefasstes Beistids-Telegramm. Aus allen Kreisen langten Beileidskundgebungen ein^ und auf dem Condolenzbogen, welcher im Palais Rothschild'' austag, zeichneten sämmtliche Vertreter der auswärtigen Mächte, die Minister, die obersten Chefs der Verwaltungsbehörden, die hervorragendsten Adels- Familien und was Wien sonst an Celebritäten besitzt, ihre Namen ein. Das Leichenbegängnis fand Sonntag den 27. unter imposanter Betheiligung statt. Eine fast unabsehbare Menschenmenge drängte sich zu der Leichenfeier, an der sich zahlreiche humanitäre Vereine, die all'der Verewigten Me eifrige Wohl-' thäterin verlieren, durch Deputationen betheiligten. Die Dis- Positionen Zur Trauerfeier wurden von dem Friedhof-Verwalter Becker mit großer Umsicht getroffen. Einfach, wie die Herzens- Nr. 10. güte Dame trotz ihres. Reichthums 'lebte,, wurde.. sie auch/ ׳zu Grabe getragen. Der Wagen, der Ihren Sarg trug, war geschlossen und zweispännig, doch drei Vlumenivagen mussten die Kränze tragen, die man der ällgcliebten Frau als letzten Gruß mitgegeben hatte. Um 9צ/ב Uhr schon war die Heugasse vom Palais Rothschild bis hinab zum Palais Schwarzenberg von einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge dicht besetzt. Um 9 Uhr, zu welcher Zeit die Auffahrt der Trauergäste begann, stand dicht gedrängt schön das Publicmü 'auf dem Rennweg und in der Simmeringerstraße. 1 Im Palais Rothschild fanden sich ein: Jn Vertretüng des Herzogs von Cumberland GM. Graf Oswald Kielmänsegg, Gardecapitän G. d C. Graf Neippberg, Finanzminister Dr. Steinbach, die Botschafter Prinz zu Renß, Sir Augustus Paget mit Gemalin, Mr. Decrais und Gemalin, Graf Nigra der russische Botschaftsrath Fürst Cantacnzenc,' die Gesandten Oberst Grant, Baron Mancler und Gemalin, der ehemalige französische Finanzministcr Leon Säy, der französische Botschaftsrath Marquis Mon'tmarn, Le'gations-Secretär Graf Montgelas und Gemalin, Botschafts-Seeretär Graf Pahlen, der großbritannische Militür-Attachö Major Douglas Dawson, Statthalter Graf Kielmansegg und Gemalin, G. d. C. Prinz Leopold Croy und Gemalin, Fürst und Fürstin Metternich, Fürst Arenberg und Gemalin, Fürst Ferdinand KinDky und Gemalin, Fürst Alexander Thurn und Taxis, Graf Podstatzky- Liechtenstein und Gemalin, Graf Lamezan, General Graf . Cores und Gemalin, die Herrenhausmitglieder Baron Bezecny, Jgüäz Edler v. Plener, Nicolaus Dnmba, Johann Gögl und Barö'n Sochor, Baron Alfred Springer, 'Graf und Gräfin Louis Apponyi, Graf . Anton Apponyi, die Grafen Ferdinand? und Rudolf Kinsky, Gräfin Hans Wilczek mit Comtessen, ^Gras Hans Wilczek ftni. und Gemalin, August Attgraf.Sätm-Reifferscheid, Markgrafen Alexander und Alfons Pallavicini, Philipp Zur Geschichte der Kodencnllrn nud des Klimas vo« Palästina. Von Dr. Otto Ankel. (Fortsetzung.) - ׳ Im ersten Falle zeigt der'Urtext י^ך, im zweiten letzteres von Luther in richtiger Eikennlucs mit'״Haide" nversetzt. Es erscheint völlig haltlos, anzunehmen, dass zu einer Zeit, äls Salomo sein Bauholz vom Libanon kommenließ, hier in Judäa, in der. Nähe der Hauptstadt, hochstämmige Wälder bestanden haben. Um dem Mangel derselben abzuhelfen, scheint schon Salomo künstliche Waldkultur versucht zu haben. Aus Neh. 2, 8, wo Artäxerxes dem Nehemia eine Anweisung an Assaph. den Holzfürsten des Königs,׳ mitgibt, geht hervor, dass der Perserkönig in dem nach der Wegführung in die Gefangenschaft weniger bevölkerten Palästina königliche Forsten pflegen ließ. Noch auf eine andere Thatsache will ich aufmerksam machen. Wüsten im eigentlichen Sinne hat es in Palästina nie gegeben, heute so wenig, wie ehedem. In der Bibel ist'zwar häufig von Wüsten die Rede, aber das ^2^2 des Urtextes bezeichnet die großen, waldlosen, wenig augeimuten, zu Viehtriften benutzten Matten, an denen Kanaan so reich ist. Denn wie sollte man es anders verstehen, wenn es heißt: ״Er bauete auch Schlösser in der Wüste"; ״die Auen in der Wüste verdorren"; ״ich muß .... bei den Hürden in der Wüste klagen"; ״das Feuer hat die Auen in der-Wüste verbrannt"; ״die Wohnungen in der Wüste sind auch fett?" Auf Grund dieser Zeugniße glaube ich die Behauptung aussprechen zu dürfen, dass für die nahezu 4000 Jahre historischer Vergangenheit eine umfangreiche Waldabnahme in Palästina nicht stattgefunden hat. Im Gcgentheil! Man besteig, kaum einen Berggipfel, an dem man nicht zwischen wildem Gebüsch die Spuren alter Terassen zur Anlage von Wein- und Feigengärten oder zu Kornfeldern bemerken könnte, wo nicht in. den Felsen cingehanene Keltern, zu Dreschtennen abgeplattete Steinbänke, primitive Cisternen u. s. w. Zeugnis ablegten von dem Fleiße vergangener Geschlechter, der auch die dürftigen Bodenstellen nutzbar-zü machen verstand. Wann diese Arbeiten ausgeführt wurden, ist schwer zu sagen;' jedenfalls aber: zu einer Zeit, wo das, was man in- Palästina ״Wald" nennt, in engere Grenzen^gebaimt war, als heute. . . Ich wende mich nunmehr der Frage zu, ob andere Zeuguiße eine Aenderüng des Klimas im ׳Wandel historischer Zeiten wahrscheinsich machen. Da bedarf cs nun keines Beweises-, dass an derfortschreitenden .Entwicklung des Erdkörpers auchdie klimatischen Factoren theiluchmen. Aber nicht der . Wirkung gewaltiger Hammerschläge gleicht das Werden und Vergehen in der Natur, sondern'alle großen kosmischen' und tcllürischen Erfcheinungen sind beherrscht von dem immanenten Gesetze der Continuität, das im ״unendlich Kleinen" seine wissenschaftliche Begründung erfährt. -. . Schon Link (״Die Urwelt und das Alterthum") hat darauf hingewiesen, ..dass sich in der Bibel keine Zeugniße für eine Aenderüng der klimatischen Elemente Palästinas entdecken lässeü. Noch heute, wie zu alten Zeiten, gilt: ״des Tages in der Hitze und des Nachts in dem Frost liegen"; -,-,wie es im Sommer dürre wird"״der Thau blieb über meiner .Ernte״ ,;״denn mein Haupt ist voll des Thaues. und meme Locken voll Nachttropfen"; ״du lässest quellen Brunnen und Bäche; du lässest versiegen alle Ströme"; ״nun aber gibst'du, Gott, einen gnä