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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-03-21 · Heft 9 (21.3.1892) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 9 (21.3.1892)
Date
1892-03-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Dksterrkichisch-ungsrische Cantoren-Zkitung. Nr. 9. Am Friedhofe sprach noch der als Gast hier weilende Chacham aus Athen, welcher im Stistungshanse des Verblichenen dessen Gastfreundschaft genoss. So ist denn, wieder einer der besten und Edelsten dahingeschieden; aber sein Name wird sortleben für ewige Zeiten, und dies mag ein schwacher Trost sein für die. trauernde edle Gattin, und die tiefgebeugten Söhne. Der durch seine Hochherzigkeit rühmlichst bekannte nunmehrige Chef des Welthauses Herr Abraham M. Elias und dessen Brüder Heinrich und Jaques Elias werden sicherlich im Hinblicke auf das verklärte Bild ihres Vaters in seinem Sinne weiter wirken und seine Traditionen pietätvoll bewahren. תנצב״ה Kleine Chronik. Wien. Dienstag den 15. d. M. fand aus Anlass des Geburtssestes Sr. Majestät des Sultan Abdul Hamid II. im Tempel der türk, israel. Gemeinde ein Festgottesdieust statt, welchem Se. Excellenz der türkische Botschafter Zia Bey ,mit dem gesammten Botschastspersouale, der Militär- Attache Prinz Fouad Bey, Rappaport Bey aus Eonstantinopel, Herrenhausmitglied Nicolnus Dumba und viele bekannte Persönlichkeiten beiwohnten. Se. Excellenz wurde, vom Präses Marcus Ru s so, dem Vorsteher Licco A d ut t und den Beiräthen G. H. A d u t t, S. Ä s r i e l und R. M. Mazliach im Ceremoniensaale empfangen und unter Orgel- und Harfenklang in die festlich geschmückte Synagoge geleitet, woselbst ein 16gliederiges Comite, gebildet aus jungen Herren der Gemeinde, Spalier bildete. Unter Anderem gelangte auch eine von Herrn Heinrich EliaF dem Sultan gewidmete Composition (Psalm 21, adouaj beos’cho) mit Orgel- und Harfenbegleitung zur Aufführung, welche von Cantor und Chor, letzterer unter Leitung, des Chordirigenten Löwit, äußerst wirksam und exact wiedergegeben wurde. Die Festrede hielt Chacham Papo, die gesangliche Function versah Obercantor Bauer. Sc. Excellenz und sämmtliche anwesende Gäste sprachen ihre besondere Anerkennung über die äußerst erhebende und musikalisch gelungene Feier aus. . Wien. (VI. Jahresversammlung des Vereines der Wiener Fachpresse.) Unter Vorsitz des Herrn Robert Kulka fand am 14. März a. c. die diesjährige Jahresversammlung statt. — Nach Erledigung der üblichen Tagesordnung wurden die Neuwählen vorgenommen, wobei Herr Adolf Lichtblau (״Gambrinus") zum Präsidenten, Herr Dr. Ungar-Szentmiklosy (״Elektrotechniker") zum Vicepräses und die Herren Friedrich Ellermann . (Pädagog. Schriftsteller), Sigmund Friedl (״Weltpost") Dr. Sigm. Goldberger (jurist. Fachschriftsteller), Carl Ludw. Koretz (Schriftstelle!), Robert Kulka (״Metallarbeiter"), Carl J. Pappenheiin (״Gasteria"), Dr. D. Samek (Fachschriftsteller) und Leopold Schotz (״Gerber-Courier") in den Ausschuß gewählt wurden. Wien. Herr I. Wittmann, Obercantor an der Schiff- Synagoge hier, hat am. 19. d. M. das Barmizwahsest seines einzigen Sohnes abgehalten. Bei diesem Aulaffe gab sich die Liebe und Achtung der Gemeinde für ihren geliebten Cantor in würdiger Weise kund, indem zu dem Feste viele Vorstands- Mitglieder und die Intelligenz der Gemeinde erschienen sind. Aus den dargebrachten warmen Gratulationen war ersichtlich, dass die Anhänglichkeit zu ihrem Cantor, trotz unliebsamer Zwischenfälle, nicht im mindesten abgeschwächt wurde. Auch viele College!! und aufrichtige Freunde haben' durch ihr Erscheinen ihre Werthschätzung für ihren College!! deutlich bekündet. Die Consirmation gieng in sehr feierlicher Weise vor sich. Außerdem dass der Consirmand nach traditioneller Weise die Parascha aus der Thora selbst las, hielt er noch Nachmittags einen exegetischen Vortrag, welcher einen' sichtlichen Eindruck auf die Anwesenden machte. Das Verdienst gebührt in erster Reihe seinem Lehrer, Herrn Rabbiner Felix Blau, aber auch dem talentirten Kinde, das die in ihm verborgenen Geistesfähigkeiten zur Genüge an den Tag gelegt hat. UobrtsHtM. Am 14. d. M wurde wie alljährlich di? Generalversammlung der Chewra Kadischa zu Tobitschau einberufen, und Jeder, der ein selbstständiges Heim sich gründet, rechnet es sich zur Ehre an, dieser heiligen Bruderschaft.anzugehören. Vor Verlesung des Rechenschaftsberichtes, welcher Heuer' trotz der erlinenen Lücke in Folge des Baues der Gallerte dennoch einen hübschen Ueberschuß zu verzeichnen hatte, wurden verschiedene Anträge gestellt. Einstimmige Annähme fand der Antrag des Chewra Vorstandes, der Herren Meitner Emanuel, Tutsch und Jellinek, nämlich aus Dankbarkeit und Pietät den theuren Heimgegangenen Eltern des allgemein bekannten Wohlthäters, unseres hochgeachteten und verehrten Gutsbesitzers, Herrn David Ritter v. Gutmann, eine Haskarah zu errichten, und zwar soll an den Jahrzeitstagen das Jahrzeit gebrannt die üblichen Kadeschim, verbnuden mit Psalm-Gebeten verrichtet, und an den Seelenheiltagen unter den übrigen Verstorbenen deren Namen in Erinnerung gebracht werden. Dann folgte ein kleines Brudermahl, bei welchem es an Nichts fehlte. Alles war heiterV und vergnügt, auch der launige sinnreiche *הירא זמר wurde executirt. Hieraus begannen Toaste,. von welchem der erste Se. Majestät dem allgeliebten Kaiser und dem Kaiserhause, der zweite der von uns sehr hochgeehrten Familie David von Gutmann dargebracht wurde. In dieser heiteren und fröhlichen Laune fühlte jeder das beseligende Bewusstsein .הנהי מד טוב ומה נעים שבת אחים גם יחד. Zum Schluffe folgte das Tischgebet mit einem מי שבירך sür die ganze Chewra unti Gemeinde. Bis spät nach Mitternacht blieben die Festgenossen beisammen und trennten sich sodann mit dem angenehmen Bewusstsein, einige recht vergnügte Stunden verlebt zu haben. H>rag. Am 10. April ist der Actuar der hiesigen israelitischen Beerdigungs-Brüderschaft, Herr Koppelmann Lieben, im 80. Lebensjahre gestorben. Seit 1843 bei der Prager Cultusgemeinde angestellt, war selber einer der besten Kenner der Genealogie der alten Prager israelitischen Familien und der Alterthümer der Prager Judengemeinde. Um die Erhaltung des berühmten alten Judenfriedhofes hat sich Koppelmann Lieben als Custos desselben große Verdienste erworben. Aer Secretär der Wiener Cultusgemeinde, Herr Dr. Theodor Lieben, ist ein Sohn des Verblichenen. Lemöerg. (Die j ü d i s ch e n E h e b ü n d n i ff e i n Galizien.) Die. galizischen Gerichte wurden durch eine Weisung des Justizministeriums darauf aufmerksam gemacht, dass die galizische Judenschaft die Ehebündniffe nach wie vor nach mosaisch-ritueller Sitte mit Außerachtlassung der gesetzlichen Vorschriften eiuzugehen pflegt, demzufolge die Nachkommenschaft derartig zusammenlebender Eheleute der gesetzlichen Erforderniffe bei Erbantretungen ^entbehrt. Die Gerichte wurden daher angewiesen, bei Verlasfenschasts-Abhandlungen auf die Nachweisung der legitimen Herkunft Bedacht zu nehmen und hieuach den gesetzlichen Vorschriften gemäß vorzugehen. Wreßburg. Die antisemitische Hetze, welche in unserer Stadt fast schon ausgestorben schien, erhebt nun neuerdings ihr Haupt. Ein willkommener Anlass ist ihr der Umstand, dass die israelitische Gemeinde einen neuen Tempel bauen will. Da das gegenwärtige Bethaus längst zu enge geworden und man an besonderen Festtagen genöthig ist, Privatlocalitäten zu miethen, zu welchem Zweck seit Jahren der sogenannte Palffy-Saal gedient hat, der jedoch nunmehr verloren geht, indem dieses Object zum Baue einer Realschnle durch den Staat erworben worden — so scheint der Bau eines neuen Tempels als eine dringende Nothwendigkeit. Nach langer Suche hat man endlich als den einzig geeigneten und bestgelegensten Bauplatz an der Ecke der Juden- und Langengasse gefunden. Das sehr große Gebäude ist Eigenthum der israelitischen Gemeinde und sollte blos die Hälfte desselben als Bauplatz für den im schönsten maurischen Styl projectirten neuen Tempel dienen. Es wurden dem Stadtbauamte die Pläne vorgelegt und von demselben die Baubewilligung auch ertheilt. Mit dem Baue darf jedoch nicht begonnen werden, weil die katholische Gemeinde einen Recurs gegen die Baubewilligung beim Magistrat eingereicht hat. In dem durch den Anwalt des katholischen

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