Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-03-21 · Heft 9 (21.3.1892) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 9 (21.3.1892)
Date
1892-03-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/1304829-3453241-3453250--3419-3457772
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 9. Desterreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung. Seite 7 Patronats Dr. Jul. Umlaufs-Frankwell namens der katholischen Gemeinde verfassten Recurse wird vor Allem der Umstand betont, dass durch den 60 bis 7.0 Meter (Luftlinie) vom Krönungsdome entfernt zu stehen kommenden Tempel der Dom verstellt wird, was jedoch nicht der Fall ist, indem der Tempel gegen den Fischplatz und nicht gegen den Domplatz gekehrt sein würde. Weiters heißt es in dem Recurse, man wolle den Platz um den Dom freilegen, das ist jedoch ein Ding der Unmöglichkeit, denn da müssten mehr als 20 Häuser eingelöst werden, wozu der arg verschuldeten Stadt das Geld fehlt. Die Eingabe hat in unserer Stadt großes Aussehen erregt, und sah man der Entscheidung des Magistrates mit Spannung entgegen. Als nun die Zeit der Reichstagswahlen herangekomme.1 war, hatte man Angst bekommen, dass die israelitischen Wähler, falls dem Recurse Folge gegeben wird, oppositionell stimmen werden, und um ihrer Stimme für Jnstizm nii'ter Szilägyi sicher zu sein, hat der Magistrat den Recnrs abschlägig beschieden und die katholische Gemeinde mit ihrem Einwande abgewiesen. Man wendete sich nun sofort mit dem Recurse an die zweite Instanz, an das Ministerium des Innern. Während der Wahlen wurde die Nachricht verbreitet, dass auch der Minister den Recurs abweisen wird. Seither ist ein Monat verflossen. Das Ministerium will sich's weder mit den Katdoliken noch mit den Israeliten verderben und meint sich die Entscheidung dadurch zu erleichtern, dass es sich behufs Einholung fachmännischer Meinungsäußerung — natürlich nicht direkt — an die Landescommission zur Erhaltung von Kunstdenkmälern wendete. Diese Commission erhielt selbstverständlich auch von Seiten der Recurrenten einen wohlzuverstehenden ״Stupfer" und hielt dieselbe kürzlich in Budapest eine Sitzung unter dem Präsidium des Grafen Eugen Zichy ab, in welcher die Angelegenheit der ״in der Nähe des Preßburger Krönungsdomes zu erbauenden Synagoge" verhandelt wurde. Man beschloß, ״eine motivirte Eingabe an das Ministerium zu richten." Der Erfolg dieser Eingabe ist leicht! vorherzusehen — man wird die israelitische Gemeinde mit ihrem I Synagogenbau abweisen./ Die Wahlen sind vorbei und der! Mohr hat seine Schuldigkeit gethan.! Wudapefl. Am 1. d. versammelten sich hier mehrere un- > garländische orthodoxe Rabbiner zu einer vertraulichen Confe׳ l renz, um Stellung zu nehmen gegen die Bewegung betreffend j die Reception der jüdischen Confession. Vorsitzender Schreiber,! Oberrabbiner aus Pressburg, erklärte in einer längeren Rede, j dass er die Reception der jüdischen Confession noch nicht für! zeitgemäß halte und gab schließlich seiner Befürchtung Ausdruck,; dass diese Bewegung auch noch das Mischehegesetz nach sich ziehen j werde, welch letzterem Redner rücksichtslos opponieren müsste. > Die Conferenz wird an die o rthodoxen Rabbinen ein Circular versenden, in welchem dieselben aufgefordert werden, mit allen ihnen zu Gebote siebenden Mitteln eine Bewegung gegen die . Reception der isr. Confession zu inscenieren. Keilöronn. Ein origineller Strike ist letzten Samstag hier ausgebrochen, dessen Ursache in Folgendem dargestellt wird: Die Synagogen-Chorsänger Heilbronns hatten vor einiger Zeit auf den 14. März ihren Damen einen Ball versprochen. Durch Uneinigkeit der männlichen Mitglieder des Synagogen-Chores wurde nun dieser Ball abbesteUt, trotzdem die Damen ihre Toiletten rc. zu dem sehnlichst erwünschten Abend schon gerichtet! hatten. Erfinderisch, wie nun Frauen und Mädchen sind, be- I schlossen sie, zu striken, das heißt in der Synagoge nicht mehr zu singen. Am letzten Freitag und Samstag war von den Sängerinnen des Synagogen-Chores keine zu bewegeu, den Gottes-׳ dienst durch deu Gesang ihrer Stimme zu verschönern. Man ist gespannt,-was dieser seltsame Strike für ein Ende nehmen wird. Afchaffenöurg. 11. März. Unter großer Betheiligung fand gestern die Beerdigung des quieszirten Predigers und Lehrers Jakob Rosenhaupt statt. Derselbe hatte das hohe Alter von 80 Jahren erreicht und fast ein Menschenalter seines Amtes gewaltet und vor einigen Jahren hat er mit seiner ihn überlebenden Gattin, die in aufopfernder Hingebung ihm bis zur Todesstunde zur Seite stand, die goldene Hochzeit gefeiert. An dem langen Leichenkoudukte konnte man ersehen, welche Beliebtheit der Entschlafene sich in hiesiger Stadt erworben, und welche Achtung derselbe unter seinen Mitmenschen genossen hat. Am Grabe.sprach außer dem hiesigen Herrn Rabbiner (S. Bamberger) Herr Oberkantor Moritz Rosenhaupt von Nürnberg, ein Sohn des Verstorbenen, ergreifende Abschiedsworte, worin er hervorhob, was sein sel Vater seiner Familie war, wie derselbe das Gebot der Nächstenliebe zu verbreiten und selbst auszuüben verstanden habe. Wie er selbst keinen Unterschied unter Konfessionen für sich gelten ließ, so wusste er dieses Gebot der Toleranz auch seiner ihm anvertrauten Jugend, sowie seinen eigenen Kindern ins Herz einzupflanzen. Es ist daher auch nicht zu verwundern, dass bei seinem Begräbniße Angehörige verschiedener Konfessionen vertreten waren. Im Namen seiner Kollegen wollte einer derselben seinem verstorbenen Freund und Kollegen am Grabe einige Worte des Nachrufes widmen; dies musste aber leider unterbleiben, da der amtirende Herr Rabbiner aus unerklärlichen Gründen dagegen Verwahrung einlegte. Wuris. Das ״Journal des Dobats" kann schon heute die Vorrede eines neuen Buchs von Ernest Renan geben, welches unter dem Titel ״Feuilles detachees“, faisant suite aux ״Souvenirs d’enfance et dejeunesse“ im Lause dieser Woche erscheinen wird. In dem Eingänge setzt Renan mit Freundeshand dem verstorbenen Verleger, Calmann-Levy, einen Denkstein. Er gehörte wahrhaftig zu dem Stamme derer, welche nach der Gerechtigkeit streben. Seine Seelenruhe war die eines rechtschaffenen Mannes, der weiß, dass er mit einem höheren Gesetze in Einklang steht. Er besaß die wahre Frömmigkeit, die in einer Herzensüberlieferung fußt, und hielt sich an die Vorschrifr Hillel's: ״Seid Jünger Arons, welcher den Frieden liebte." Der abscheuliche Egoismus unserer Tage hatte sein Haupt nicht erfasst; denn er selbst war kein Egoist. Das tiefe Gefühl der Liebe und Ehrfurcht, welches seine Mitarbeiter für ihn hegten, war etwas Rührendes. Er hatte für sich die große Schwierigkeit unserer Zeit überwunden, die da ist, zahlreiche Untergebene an ein gememeinschafliches Werk zu fesseln. Er hatte sie überwunven, indem er ihnen Liebe zu seiner Person und zu ihrer Arbeit einflößte. Wenn doch alle Häupter großer Judustrie-Unternehmungen ihm nachstreben wollten, dann wären die Wunden, die an uns fressen und das Leben der heutigen Gesellschaft bedrohen, bald geheilt." An die P. T. Mitglieder des österr. urrgar. Cantoren-Bereines. Da die ' jährige NIandatsdauer des gegenwärtigen Vorstandes am 18. April l. I. abläuft, wurde in letzter Sitzung beschlossen, die Neuwahl am 21. April vorzunehmen Laut § 23 der Statuten findet dieselbe auf schriftlichem Wege statt und werden die Wahlzettel den 1\ T. Mitgliedern demnächst zugestellt werden. Wien, am 17. 2.17ärz 1892. Ker Vorstand der österr.-ungar. Kantoren Vereines. PrLmirt Weliaussteilung Paris 1889. älteste, bestrenommirte '^7'1־axst- ־ujelcL Selcüafleiscla.-rer&a.seaa.-IE’a.'bräJc TETD Wien, ll.7 Circusgasse 38 empfiehlt ihr Sortiment ביצר Wurst-, SelclilleisVh-Waave» Ungar, und Veroneser Salami bester Qualität. Vermöge gut ventilirter Trockenkammern, durch Aufstellung der neuesten Maschinen und Kühlapparate ist sie in der Lage, jederzeit frische "VVaare zu erzeugen, Vorräthe bester und trockenster Salami auf dem Lager zu halten. כשך Fleischextract,System Liebig, ist stets am Lager. I MM 51, Samlrinfffiaffl Road m DALSTON. 1. rue d’Hauteville Sgü

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.