Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-03-21 · Heft 9 (21.3.1892) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 9 (21.3.1892)
Date
1892-03-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/1304829-3453241-3453250--3417-3457770
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 5. Pr. 9. Besterreichifch-ungarischc Csntoren-Zeitnng. besser ferne, eingedenk des weisen Sprichwortes unserer Nachbarn: weit vom G'schütz gibt alte Kriegsleut. Nämlich nicht blos Schonung bedürfen die Sitteraten; sondern es ist ihnen auch Bedürfnis, Andere nicht zu schonen. Mit deutlichen Worten: sie werden manchmal recht grob. Eine Ausnahme nur mache ich: die Herren Kollegen. Diese werden durch den Umgang, sei er nun oerübergehend oder dauernd, Unersetzliches gewinnen, durch gegenseitige Mittheilung, Belehrung und Ermuthigung. Den Uebrigen sind Unterhaltungen mit litterarischen Berühmtheiten gänzlich unersprießlich. Entweder der Herr redet uns vom Wetter oder von der Salatcultur statt von Goethe und Schiller, oder er wirft Einem technische Belehrungen an hen Kopf, die ihn gerade interessiren, aber uns nicht; in keinem Falle wird er das thun, was wir von ihm begehren, nähmlich poetisch werden. Ein echter Dichter wird überhaupt nie poetisch. Dergleichen müssen Sie sich von gebildeten Hausfreunden besorgen lassen. Und nun zum Abschied, damit ich Sie mit einer erhebenderen Vorstellungsreihe entlasse, die bloße Nennung der beiden persönlichen Cardinalvorzüge des echten Dichters: sie heißen Edelmuth und Seelengröße. Die schwersten Tugenden sind ihm gerade die leichtesten: Hingabe eines ganzen Lebens an einen idealen Zweck, ohne Lohn und oft auch ohne Hoffnung — Verzicht und Verzeihung und die legendäre Vergeltung des Bösen mit dem Guten. Das alles fließt ihm so natürlich aus dem Charakter wie aus dem Brunnen der Quell. Er kann gar nicht anders. Wenn Sie aber finden sollten, dass die einzige Tugend der Großmuth einen ganzen Rosenkranz von entstellenden Schwächen wett mache, so werde ich Ihnen nicht widersprechen. Menachkm H. Elias .«ל נפטר ביום ערב שבת פ׳ תצוה תרנ״ב יים־ק. Eines der hervorragendsten und geachtetsten Mitglieder der türkischen Jsraeliten-Gemeinde in Wien, Herr M e n a ch ent H. Elias, der Begründer des Großhandlungshauses Gebrüder A. H. Elias, ist Freitag, den 11. d. M., im 80. Lebensjahre gestorben. Mit ihm ist eine wahrhaft patriarchalische Er׳ scheinung von hinnen gegangen, ein Mann, der durch sein sriedliebendes Wesen, durch seine gewinnende, abgeklärte Persönlich-! keit einen großen Einfluß in der Gemeinde besaß, und anderer-!! seits durch seinen vielgeübten, edel angelegten Wolthätigkeitssinn j sich für ewige Zeilen ein ehrendes Andenken gesichert hat. Tiefe! Trauer erfüllt darum die gesammte Gemeinde und deren Beamtenj körper, und wehmutsvoll rufen sie aus: noflo atereth roschi. .,! Unzählig sind die Wohlthätigkeitsacte, welche der Dahingeschiedene mir freigebiger Hand übte, und dies lhat er in so zarter und großmüthiger Art, dass selbst der Aermste und Dürftigste die Bitterkeit des Almosens nicht fühlte. Viele! rituelle und humanitäre Institutionen sind an den Namen Elias! geknüpft. Er gab der türkischen Talmud-Thora und dem Beth-! Hamidrasch ein eigenes Heim und stellte die übrigen Räumlich-! leiten des ihm gehörigen Hauses in der Novaragasse als unent-! geltliche Wohnungen den Beamten der Gemeinde zur Verfügung. Ij In diesem Stistungshause wurde auch von ihm ein Fremden-!! locale (הכנסת אורדדם) zur Beherbergung der zugereisten, frommen und dürftigen Fremden, namentlich ans dem Orient, ein- | gerichtet. jj Den frommen, gottgefälligen Lebenswandel bethütigte Herr j Menachem H. Elias auch in seinen letzwilligen Verfügungen.! Er wollte streng nach den Satzungen der Religion begraben! werden und ordnete an, dass diejenigen Personen, die an seiner! Leiche die Waschungen vornehmen, vor dieser Function ein! rituelles Bad nehmen müssen. Weiters verfügte er, dass er j ohne Sarg in das Grab gelegt, dass täglich während der! Schitva mindestens eine Stunde ימוד*? gehalten werde, und jeder männliche Besucher im Trauerhanse 10 Capitel תהילים lese. Bis ins kleinste Detail wurden von ihm alle Anordnungen für die 30 Tranertage und für das Ende des Trauerjahres getroffen und jeder Fnnctionär, sowie jeder Arme wurde fürsorglich bedacht. Am Leichenbegängniße nahmen die gesammte türkische Ij Gemeinde, die Schulkinder der Talmud-Thora, die Vorsteher I der Chewra Kadischa der Wiener Cultusgemeinde und zahlreiche! Vertreter der Finanz- und Handelswelt theil. Im Trnuerhause j sprachen Chacham Papo, Director Groag und Chacham Alkalay,! welche mit beredten Worten die Verdienste des Verblichenen! schilderten. Hierauf stimmte Obercantor Bauer, unter Assistenz > des Chorpersonales die üblichen Tranergesänge an und unter; tiefer Bewegung der ganzen Versammlung wurde die Leiche II nur von den Vorstandsmitgliedern zum Leichenwagen getragen. druck in den erwähnten Mosesworten gibt es, den man nicht;! voll auf das heutige Palästina anwenden könnte. Die Bäche sind die Wadis, die zur Regenzeit reichlich Wasser führen,! im Sommer dagegen mit wenig Ausnahmen trocken sind.! Salomo weihte seinen Tempel im Monat Ethanim (vom! Neumonde des October bis zu dem des November), dem | Monate der fließenden Bäche, als nur wenige Rinnsale Wasser j führten. Jesaias verkündete seinem Volke, ״dass die Fliege und! Biene (d. h. die Egypter und Assyrer) kommen und alle sich j legen an die trockenen Bäche und in die Steinklüfte und in! alle Hecken und in alle Büsche." Jeremias redet von ״Lügen-! bächen", d. h. von solchen, die im Sommer kein Wasser führen.! Die Brunnen sind die heutigen 'Ayun, perennirende und theil-! weise reiche Quellen, deren man besonders in Galiläa, aber! auch in Samaria und Judäa eine Menge zählt. Wein und j Weizen, Feigen und Granatäpfel gedeihen auch heute noch; der j Oelbaum ist der König unter den Bäumen des Landes. Wie jj viel Gewicht schon im Alterthum auf die Brunnen und Quellen! gelegt wurde, beweisen die Namen vieler mit באר (Brunnen) j und עין (Quelle) zusammengesetzten Orte, wie Beeroth, Der,! .Versaba, Ain, Enam, En Gannim, Engeddi, Endor, Enhada, > Enhazor, En Eglaim u. A. Bekannt sind die Brnnnenstreitigj keiten, ebenso, dass man aus Rache seines Feindes Brunnen? verstopfte, um ihn so am härtesten zu treffen. Und wer gej dächte nicht der verstoßenen Hagar, welcher Abraham einen i Krug Wasser mit auf die einsame Wanderung gab? j Wie steht es nun mit der Entwaldung? Kein Wort — , und es lag doch im Gegensätze zur Wüste und den Nilländern -so nahe — sagt Moses von 'Wäldern. Es mögen solche hie! und da die Höhen der Berge bedeckt haben; es sind auch Art schlüge gefallen zur Ausrodung des Waldes (Jos. 17,. 18: ״Sondern das Gevirge soll dein sein, da der Wald ist, den -haue um"). Dass im dünnbevölkerten Libanongebiete und im transjordanischen Palästina Wälder vorhanden waren, unterliegt keinem Zweifel: ״Thue deine Thür auf, Libanon, dass das Feuer deine Cedern verzehre. Heulet, ihr Tannen, denn die Eedern sind gefallen, und das herrliche Gebäude ist verstöret. Heulet, ihr Eichen Basans, denn der feste Wald ist umgehauen." Wo aber hätte in dem kleirren Kanaan mit seiner dichten Bevölkerung der Platz Herkommen sollen für ausgedehnte Waldbestände? Durch die häufige Erwähnung von Wäldern im alten Testamente darf man sich nicht irre machen lassen. Von den beiden hebräischen Wörtern für Wald bedeutet ד,רש das Buschdickicht oder mit Gestrüpp bewachsene Stellen der Wüste, יער das Rauhe, das Walddickicht, der Wald. Wesentlich für j ben יער ist das Vorkommen von Bäumen; zuweilen bezeichnet er geradezu die Wildnis, oder steht im Gegensätze zum Culturlande; in ihm leben Bären und Wildschweine; man findet Honig in ihm; hin und wieder ist die Rede von Waldbränden. Unter יער haben wir aber durchaus keinen Hochwald in unserem Sinne, sondern ein niedriges, bis mittelgroßes Busch- und Strauchwerk zu verstehen, dem — gerade wie heute — höhere Bäume, vereinzelt oder gruppenweise nicht fremd waren. Als Beweis für den ehemaligen Waldreichthum Palästinas zieht man vielfach die Wälder von Hareth und Siph in Judäa heran, die Zufluchtsorte David's. (Fortsetzung folgt.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.