Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 8 (11.3.1892)
- Date
- 1892-03-11
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8. Desterrrichisch-ungsrisrhk Csntoren-Zeitnng. Seite 5. die der verblichene Rabbi mit seinem Seherauge so oft erschaut, wie er einst dem Schreiber dieser Zeilen versicherte: ״Beim Nachdenken über die Erläuterung der מתץ תררה: . . ., da sah mein Aug den Himmel offen". So jubelt nur der/echte, fromme, gottbegeisterte Führer und Lehrer mit dem Brusttöne überzeugungsvollster Frömmigkeit; sein Angedenken sei gesegnet! Mrünu. (Tempelbesuch der Soldaten.) Kürzlich erschien ein an sämmtliche Militär׳Territorial-Commandanten gerichteter Erlaß des Reichskriegsministeriums bezüglich, der Pflege des, religiösen Geistes im Heere, worin insbesondere. betont wird, dass nach dem zweiten Absätze des § 98 des Dienstreglements für das k. u. k. Heer die Mannschafft Mindestens allmonatlich einmal zur Kirche zu führen ist. In Folge eines Stationscommando-Befehles erschien am Samstag den 28. Feber um 10 Uhr vormittags im jüdischen Tempel zum ersten Male die dienstfreie, der jüdischen Confession angehörige Mannschaft unserer Garnison unter Führung eines Corporals. Die Soldaten, 37 an der Zahl, unter denen sich solche fast aller Truppenkörper befanden, nahmen in den letzten Bänken Platz und wohnten dem Gottesdienste und der Predigt bei. Mudapest, Oberrabbiner Albert Wozel in Kronstadt hat an den Unterrichtsminister eine Eingabe gerichtet, dass die jüdischen Kinder an Sabbath- und Feiertagen vom Schreiben und Zeichnen in den öffentlichen Schulen dispentirt werden. Daraufhin ist dem Kronstädter Schulinspectorcue folgende Entscheidung zugekommen. ״Bezüglich des mir unterbreiteten Gesuches des Kronstädter Oberrabbiners Albert Wozeft bringe ich dem Schulinspectorate in Kronstadt Folgendes zur Kenntnisnahme und Darnachrichtung: Die jüdischen Schüler, welche eine nichtjüdische Elementarvolksschule besuchen, können an den nachstehenden jüdischen Feiertagen vom Schulbesuche befreit werden: an beiden Tagen des jüdischen Neujahres; am Versöhnungstage; an den Vormittagen des ersten, zweiten und achten Tages des Laubhüttenfestes; an den Vormittagen des ersten, zweiten, siebenten und achten Tages des Osterfestes; schließlich an den beiden Pfingsttagen. Erscheinen die jüdischen Schüler an diesen Feiertagen in der Schule, so kann man sie zum Schreiben Zeichnen und Rechnen nicht zwingen, Vom Schulbesuche am Samstag kann man die jüdischen Schüler nicht befreien, doch.müssen sie am Samstag in den Elementarvolksschulen vom Schreiben, Zeichnen und Rechnen enthoben werden, wenn die Eltern oder der Vormund des Kindes ein bezügliches Ansuchen an die Schulbehörde richten. In den Bürgerschulen kann jedoch eine solche Enthebung bei dem jüdischen Schüler nicht stattfinden, weil in diesen Schulen eine solche Eintheilung des Lehrstoffes und der Unterrichtsstunden, dass das Schreiben Rechnen und Zeichnen am Samstag vermieden werde, das Resnltat des Unterrichtes aus ein Minimum rednciren würde, ja sogar undurchführbar wäre. Die fragliche Enthebung kann also in den Bürgerschulen nur ausnahmsweise stattfinden; ich werde daher ausschließlich jenen Schülern, die sich der Rabbinerlaufbalm widmen und dies Nachweisen, aus ein an mich im Wege des Schuliuspectorats zu richtendes Gesuch von Fall zu Fall die Erlaubnis ertheilen, dass sie sich am Samstag des Schreibens, Rechnens und Zeichnens enthalten dürfen; trotzdem mitß aber der betreffende Schüler am Samstag jeder Unterrichtsstunde beiwohnen und kann er auch zur mündlichen Antwort aufgerufen werden. Es sollte demnach nach Möglichkeit, besonders wenn die Zahl der jüdischen Schüler groß ist, darauf geachtet werden, dass der Schreib- und Zeichenunterricht nicht auf einen Samstag falle. Wenn indessen die betreffende Elaste am Samstag in einer Stunde nur mit.Schreiben und Zeichnen beschäftigt ist nnd keine mündliche Erklärung vorkommt, ist der betreffende ׳ Schüler zur Wiederholung seiner Lection anzuhalten und in den anderen Stunden einer umso eindringlicheren Prüfung zu unter- Wersen. Budapest, 22. Jänner 1892. In Vertretung des Ministers: Albert Berzeviczy na. p., Staatssecrelär." Naab. Herr Obercantor Smulowitz hat seinen Namen magyarisiren lassen und heißt von nun ab Adolf Szantö. Mekgrad. Vorige Woche fand unter/großer Betheiligung das Leichenbegängnis des durch nahezu 35 Jahre hier fungierenden Chasan der sephardischen Gemeinde Herrn Schemuel M. Melamed statt. Der Heimgegangene war vor obbeuannter Zeit ein reicher und angesehener Kaufmann und wurde durch Schicksalsschläge gezwungen, sich diesem Fache zu widmen. .1ת נ צ ב ״ Merlin. Der Norddeutsche Lloyd und die White Star- Line verweigern die Beförderung russischer Juden als Zwischendeck- Passagiere wegen der Schwierigkeiten, welche die amerikanische Regierung der Landung. derselben bereitet. Dagegen traf die Hamburg-anierikanische Paketfahrt-Gesellschaft mit dem amerikairischen Consulat in Hamburg das Abkommen, russische Juden, welche in Hamburg unter der Controle des Consulats von zwei Aerzten untersucht wurden, zu befördern. Merlin. Bekanntlich hat die königliche Regierung in Kassel an 'sämmtliche .Kreis- und Stadtschulinspectoren ihres Bezirkes, eine Verfügung erlassen, wonach es den Lehrern zur Pflicht gemacht wird, dass sie dem für ■ die Schulzucht schädliehen Treiben mancher christlichen Schüler, welche israelitische Erwachsene und Kinder öffentlich in ihrer Eigenschaft als׳ Juden geschmäht und verhöhnt haben, überall mit Entschiemann mit Einem oder Anderem schon prozediert worden wäre, selbiger allsogleich wieder restituiert werde." Nichts ist charakteristischer zur Beurtheilung der damaligen Verhältniße, als der Umstand, dass die Hofkammer nicht im Stande war, anders Geld zu beschaffen, als durch Der-, setzung von Kleinodien aus der kaiserlichen Schatzkammer bei Haager und Amsterdamer Banquiers, während die beiden Söhne des verstorbenen Oppenheimer, Emanuel in Wien und Wolf in Frankfurt a. M., trotz des Concurses ihrer Firma soviel Ansehen und Vertrauen in der Geschäftswelt von ihrem Vater ererbt hatten, da sie schon im Monate Juli 1703 die in Stockung gerathenen Lieferungen für die kaiserlichen und deutschen Reichstruppen wieder in Fluss brachten. Diese Verdienste blieben nicht ohne Anerkennung, denn der damalige Hofkammer-Präsident Graf Starhemberg, ließ es sich angelegen sein, dass Emanuel den. Titel eines Kciegsfactors und Hofjuden erhielt, während Ludwig von Baden die Ernennung Wolf's zum kaiserlichen Oüerfactor betrieb. Zugleich trachtete Graf Starhemberg die Regelung derOppenheimer'fchen Angelegenheit durchzuführen, als erste Bedingung, um der Geschästswelt wieder Vertrauen einzuflößen. Kaiser Leopold I. ehrte das Andenken des verstorbenen Oppenheimer dadurch, dass er eine Eingabe des Königs Friedrich I., welcher sich 25. April 1705. namens der Erben des verstorbenen Eisenmenger an ihn .um Behebung der Eonfiscation des Eisenmenger'schen Buches wandte,. abschlägig beschied. Ein ferneres Einschreiten desselben Königs beim Kaiser Josef I. blieb auch diesmal ohne Erfolg. 40 Jahre lagen 2000 Exemplare der Eisenmenger'schen Schrift unter Siegel in Frankfurt , a. M. Eine in Königsberg veranstaltete zweite Aufläge war zwar ohne schädliche Fvlgen; allein noch heute bildet Eisenmenger die schmutzige Quelle, aus der die Judenfeinde ihnen Durst stillen. Samuel Oppenheimer war auch ein Freund und Förderer der jüdischen Litteratur und besaß eine Sammlung sehr seltener, werthvoller Handschriften, die er zum größten Theile durch Vermittlung des Prinzen Eugen angeschafft. Diese seltenen Handschriften dürfte Prinz Eugen in den türkischen Kriegen annectirt haben. David Oppenheimer, Oberrabbiner ,zu Prag — geboren 1664, gestorben 1730 — erbte diese interessante Sammlung von seinem Oheim. Sie bildete, den Grundstock der berühmten Bibliothek dieses Gelehrten. Im Jahre 1829 kaufte die Oxforder Bibliothek diese Bodleyana, deren .Zierde sie jetzt bildet. Fast zweihundert Jahre sind seit dem Tode Samuel Oppenheimers verflossen, allein sein Andenken gieng nicht unter. Ein begeisterter Kämpe für seine Glaubensgenossen, in seiner Stellung als-Oberfaktor und Hauptarmeelieferant war er ein vollgiltiges Muster von Ehrlichkeit und Biederkeit. So ost die hochintelligente israelitische Cultusgemeinde Wien an den hohen Festtagen an geheiligter Stätte im ״Jiskor“ der beimgegangenen Edlen und Großen gedenkt, wird auch der Name Samuel Oppenheimer als der Besten Einer noch heute genannt.