Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 6 (21.2.1892)
- Date
- 1892-02-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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~•־--®eite^^״-“־r;■“ל־־־.- ■־־׳Dksterrrlchisch-ungarischt Canloren-Zeitung. , .xwch.auf den! Podeu-scinLs künstlerischen Berufes stehen kann. ,,. Man, hört immer nichts .mehr- - als auf den langathmigen und 7.eintönigen,. sogenannten syllabischen Gesang ein Hymnus über .j! den. andew anstimmen, als ob: er Mein die Quintessenz allen ^7iKpnstgesangeswäre, während:.der bedauernswürdige figurirte - und colorirt-e.Gesang in .allen.Tonarten verdammt, und als ,:,»Schnörkel",- ״krauser,-Gesang" oder gar als ״polnischer ־n Singsang"; verschrieen wird.?:-And doch, vom wirklichen Kunst- .standpunkte aus betrachtet, hat der melismatische Gesang eben jo -gut seine Berechtigungwie der syllabische, ja er steht noch ,.;-Ms-:viel Höherer Stufe,- weil-er. eine weit größere Gesangs- .,technik und׳ Naturbegabung, gepaart mit einer gründlichen must- Mischen; -AusbMung^.- ^:foxbkrt. Man sieht also, dass aus diesem - Wunder-baren; Verhalten -dieser Frage gegenüber nicht übergroße --Knn-stbssstissenheit und ,übermäßige Urtheilsreife spricht; sondern .,dass -diese abfälligen..Aeußerungen über, den Coloraturgesang ^- einer Quelle, zu . entspringen scheinen, welche Maimonides in .seinem ,More" 1. Theil- 32-Cap. so wahrheitsgetreu schildert ., ^und. vortrefflich kennzeichnet,, indem er sagt: ״Den Thoren und -.Faulen ist es viel bequemer-., ihre Unfähigkeit und Unkenntnis .Mr, höchste -Vollkommenheit- und Wissenschaftlichkeit auszugeben, .;.die;wirkliche Vollkommenheit und Kenntnis Anderer aber als - Mangel und Gebrechenauszurufen". 5,:7 ״ Um diesen Gegenstands gründlich zu beleuchten, müssen wir ...das,,was wir vor längerer Zeit an anderer Stelle darüber . Msgeführt Haben, hier wiederholen. Wir können es umso eher .,Hun,: als unsere diesbezüglichem Ansichten-noch.nicht die mindeste »Llenderung. erlitten.haben-und wir noch,jetzt für jeden dort ausgesprochenen Satz mit aller unserer Verantwortungspflicht voll und. ganz einzustehen,bereit sind. Auch ist unsere damalige -.-Arbeit für einen weit kleineren Leserkreis bestimmt gewesen, .und -selbst bei diesem mögen, .unsere Worte schon längst verklungen, sein und.. jetzt - ganz neu und unbekannt erscheinen. p-iil■■•-■: :(Fortsetzung folgt.) Die Persönlichkeit -es Dichters und Künstlers*). - Eine psychologische Studie von Carl Spitteler. .111־7. - -7 :: -5 Also eine 7Ruhelose,-: wenn 'Auch keineswegs freudenlose lArbeil v.on,-beWM'sLt''׳AWUnung bis zur Besessenheit, das 'fff die Bedingung' des ^Künstlers und Dichters großen Stils, ^ccupation oder MäoctupMyy, niemals völlige Pause. Können De. nun hoffen, Mit entern dexach in sein Lebenswerk gefangenen Menschen gedeihlichen Umgang-zu pflegen, mit ihm zu ״schwärmtzn" oder ihm überhaupknür für irgend etwas Anderes ein .tieferes ^ZMeffe^'-emzHWeyIHnmöglich. Rücksichtslos wird Men?fferyey/.-jL-mDigenfLWHerstörLn,- was ihn hemmt. Menschen und? Vcrhältniße. UM Mit./Recht. Denn Menschen und Verhältniße vergehen', sein Werk aber soll bleiben. Dadurch kommt . MfArs/Moi'smus, wie übrigens jeder stDigeMenM Hätten Er. nur Hel von demjenigen ״Egoismus" MemHdeatzn^rWerkfoHertl —- Mit welcher Naturgewalt aber:.beienergisch produktiven Künstlern das jeweilige Arbeitsthema - -den Menschen -gefangen nimmt und für alles MMeDi^M^uy^veMe!äjH,׳',dMr besitzen wir einen hübschen HHM. Äff^Oalzäe!.'Hm'.'.einmal ein Freund wichtige '*) Vortrag, gehaMn äni'lö/Mceniber rm Kaufmännischen Verein in St. Gallen -sM Nr. 6. Nachrichten brachte, unterbrach er. ihn: ״Sprechen wir lieber von der Wirklichkeit", sagte er und fieng an von einer seiner Romanfiguren zu reden/ Das trifft den Nagel auf den Kops: dem Künstler^.und Dichter großen Schlages ist sein Werk Wirklichkeit, alles Andere verhängt ein Schleier. . Nicht etwa wegen ״Begeisterung"; denn ein großer Geist ist nie ״begeistert", sondern wegen Pflichtgefühl oder richtiger wegen des Bewusstseins dessen, was er thun ^kann und deßhalb thum muß. Indem ich dem Dichter Begeisterung äbspreche, muß ich wohl dieses Paradoxon etwas erklären. Erhebung und zwar hohe Erhebung findet gewiss statt, ja, sie bildet die Grundbedingung des Schaffens, allein nur in der allerersten Zeit wird dieselbe als Exaltation empfunden, später lebt der productive Künstler dermaßen mit der Phantasie beständig in der Höhenluft, dass eine Steigung nicht mehr wahrgenommen wird. Selbst die Vision oder Conception oder wie man den plötzlichen Keimproceß der geistigen Schöpfung sonst nennen will, stellt sich nicht mehr unter Erschütterungen des ganzen Menschen ein, wie in der ersten Jugend, sondern nur. unter seelischem Bildglanz, durch welchen eine tiefe Traurigkeit zittert. Denn alle Wahrheit, von der Höhe des Lebens geschaut, ist traurig und die Visionen, die sich dem erwachsenen Dichter aufdrängen, tragen das Todtenhemd begrabener Hoffnungen. Sich innerlich aufzuschwingeu, um in den Lüften nach Einfällen zu jagen, das fällt keinem Meister ein; der hat genug zu thun, die von selbst auferstehenden Todten theils zu bannen, theils zu befriedigen. Wie Odysseus in der Höhle, als die Schatten ihn bestürmten, um Leib und Leben bettelnd, so dass er sich ihrer mit.dem Schwerte erwehren musste. Die meisten Schatten lassen sich abwehren, einige von ihnen aber werden so zudringlich, so lästig, so drohend, dass ihre Forderung bewilligt, werden muß. Das sind die Stoffe die׳ man wirklich ausführt, das werden die Bücher, die man schreibt. Auch während der Ausführung versagt sich der Meister den Genuss der Begeisterung an den eigenen Bildern. Stoff und Arbeit, Aufgabe und Lösung, das sind seine Kategorien; richtig und genau zu vollfertigenwas die Conception erheischt, das ist seine bange Sorge. Was an Schönheit dabei absällt, heimst er eifrig ein, aber ohne sich dabei aufzuhalten, ohne es aufzukosten, wie es der Anfänger thut- und wie es später der Genießende thun wird und thun soll und darf; weil aller Fortschritt darauf beruht, dass das Erstaunliche als selbstverständlich empfunden werde. Das ganze Verhältnis, ich meine den Unterschied zwischen der poetischen Schwärmerei des Anfängers und der Kaltblütigkeit des Meisters angesichts der entzückendsten Visionen hat La Bruyere sehr schön in folgendem Paradoxon ausgedrückt: ״Der Unterschied zjvischen einem Genie und einem Pfuscher, sagt er, bestehe da׳ in, dass der Pfuscher sich bemüht, erhaben zu sein, während das Genie sich damit begnügt, exact sein zu wollen." Ich möchte Ihnen noch folgendes erklärende Bild empfehlen: der Dichter, der sich begeistert, mahnt mich an den Knaben, der.an der Mauer eines Weinberges die verzweifeltsten Sprunge ausführt, um womöglich zufällig eine Traube herunterzureißen; wer dagegen groß genug ist, um an die Rebstöcke hinanzureichen, der wählt sich festen Standes mit scharfem Auge die schönsten Muskateller aus und seine Sorge ist hauptsächlich darauf gerichtet, dass beim Pflücken keine Beeren verloren gehen. (Fortsetzung folgt.) ׳