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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-02-11 · Heft 5 (11.2.1892) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 5 (11.2.1892)
Date
1892-02-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr, 5. .. Besterreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung.__ Seite 5. Zu dem Ausgabsconto übergehend, heben wir in erster Linie die Gewährung eines Witwenbeitrages hervor. Unser College David Beutler in Auscha ist im abgelaufenen Zahre gestorben und der Vorstand war, bei diesem traurigen Anlasse in der erfreulichen Lage, der Witwe die Summe von 300 fl. zur Gründung einer Existenz zu gewähren, immerhin ein Betrag, der in kleinen Verhältnißen schon schwer in die Wagschale fällt. Auch in anderen Fällen haben wir, soweit es unsere Mittel und die Bestimmungen unserer Statuten erlaubten, die traurige Lage von Unglück betroffener Berufsgenossen zu mildern gesucht und hiemit dem collegialen Humanitätsprincip, auf welchem der österr.-ungarische Cantoren-Verein basirt ist, Ausdruck. gegeben. Unser Streben soll es auch ferner sein, aus dieser Bahn weiter fortzuschreiten und unseren Berufsgenossen im Falle der Noth thatkräftige und wirksame Unterstützung zu bieten. . Die beiden Posten ״Kanzleiregie" und ״Verwaltungsspesen" weisen gegen das Vorjahr, eine Erhöhung von nahezu hundert Gulden auf. So sehr wir dies bedauern, müssen wir dennoch mit Stolz darauf Hinweisen, dass hierin die enorme und erfolgreiche Thätigkeit, welche der Cantoren-Verein im abgelaufenen Jahre nach Außen hin entwickelt hat, Ausdruck findet. Es war eigentlich nur eine Fortsetzung der bereits im vorigen Jahre eingeleiteten Schritte zur Wahrung der Interessen des Cantorenstandes mit Rücksicht auf das neue Gemeindegesetz vom Jahre 1890. Verschiedene unserem Stande feindliche Strömungen, welche in einigen Enqueten zum Ausdrucke gelangten, die von der Regierung behufs Abfassung der neuen jüdischen Gemeindestätuten einberufen wurden, gaben dem Präsidium des Cantoren-Vereines Anlass, bei Sr. Excellenz dem Herrn Minister-Präsidenten Graf Taaffe, als Leiter des Ministeriums des Innern, und ebenso bei Sr. Excellenz dem Herrn Cultusminister Baron Gautsch Audienzen anzusuchen und beiden Ministerien Eingaben mit Betonung der Bedürfniße und Wünsche des Cantorenstandes zu überreichen. Die Zusagen, die das Präsidium an hoher Stelle erhielt, gaben uns die Beruhigung, dassdie Regierung unseren Bestrebungen wohlwollend gegenüberstehe und ein factischer Erfolg der von uns eingeleiteten Schritte hat sich auch bereits in einigen zur Veröffentlichung gelangten Gemeindestatuten gezeigt. Mögen die verehrten Collegen überzeugt sein, dass der Vereinsvorstand jederzeit bereit ist, als Wächter und Schützer der Interessen des Cantorenstandes mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln für das allgemeine Wohl mannhaft einzutreten. Als alljährlich wiederkehrenden Ausgabsposten finden wir noch die Subvention an das Vereinsorgan, und wir erachten es als eine Pflicht, in Anknüpfung daran der Redaction unseres Fachblattes, der österreichisch-ungarischen Cantoren-Zeitung, für die eifrige publicistische Förderung unserer Bestrebungen unsere vollste Anerkennung auszusprechen. Die Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben führt uns schließlich zu dem mühevollen Walten unseres verehrten Vereinscassiers, dem wir — und dies gewiss auch im Sinne sämmtlicher Mitglieder — für seine aufopfernde Thätigkeit hiemit öffentlich Dank abstatten. Möge es ihm und uns vergönnt sein, von Jahr zu Jahr auf immer größere Erfolge hinzuweiseu, und in diesem Bewusstsein wird uns kein Opfer zu groß sein, um es aus den Altar der gemeinsamen collegialen Wirksamkeit niederzulegen. Der Vorstand des öftere.-imgar. Cantoren Vereines: Jacob Bauer, Präses-Stellvertreter. Josef Singer, Präses. Kleine Chronik. Wien. (Internationale Ausstellung für M'usik- und Theaterwesen.) Der Wiener Männergesang- Verein, dessen Besitzstand an Musik-Objecten, Reliquien und ähnlichen Dingen außerordentlich groß ist, hat sich für die Ausstellung einen eigenen Pavillon reserviren lassen. Die Rückwand des Pavillons wird mit Bannern und Fahnenbändern aus dem Besitze des Vereins bedeckt werden, dem Kaiserbanner mit den Fahnenbändern, welche Kronprinzesfin-Witwe Stephani lichen und gemietheten Truppen übernehmen wollten. Wenn die Hofkammer sich in der größten Noth befand und ihr selbst die Geldmittel zur Deckung der momentanen Bedürfniße fehlten, so wusste in der letzten Stunde der alte Hofjude doch immer durch das Vertrauen, welches er aller Orten genoß und durch seine ungemein weitreichenden Verbindungen neue Hilfsquellen zu erschließen. . Solch erhebliche Dienste leistete ein Jude eiuem Monarchen, der selbst fanatisch und überdies von seinem Weibe beherrscht, die Juden seines Landes in Noth und Elend hinausstieß! Es war daher'selbstverständlich, dass Kaiser Leopold I. dem um den Staat so hochverdienten Samuel Oppenheimer einen weitgehenden Einfluss und Privilegien einräumte, wie solche früher ein Jude in Oesterreich nie besaß. Aber Samuel Oppenheimer war auch des Glückes Werth, das ihm in so reichem Maße zn Theil geworden, denn er machte seinen Einfluß stets zu Gunsten seiner Glaubensgenossen geltend. Wie.einst (1360) Manessier de Vesou die ausgewiesenen Juden nach Frankreich zurückführte, so führte Samuel Oppenheimer im Jahre 1684 die vertriebenen Juden uach Oesterreich zurück und ließ dieselben sogar an den eigenen Privilegien theilnehmen, nachdem die Juden sich ja nur unter dem Rechtstitel ״zum Gesinde Oppenheimer's" zu gehören in Wien niederlassen durften. Trotz der kaiserlichen Gunst war Oppenheimer in Wien dennoch nicht gegen jede Gefahr seitens der Judenfeinde geschützt. Sein Diener . soll sich einem christlichen Gesellen gegenüber nicht ehrerbietig genug benommen haben. Das war damals Grund genug zu einer Verschwörung gegen den jüdischen Herrn, der für das Vergehen seines Knechtes empfindlich gestraft werden sollte. Am 12. Juni 1700 wurde sein Haus von einer wilden Rotte überfallen und erbrochen. Das Gesindel nahm alles, was sich in der Wohnung Werthvolles vorfandund plünderte die Kassa auf den letzten Heller aus. Der Kaiser war darüber sehr aufgebracht und ließ zwei der Rädelsführer an die Fenstergitter des Oppenheimer'schen Hauses hängen. Er ließ jede Ausschreitung gegen die Juden strenge bestrafen. Doch kann auch ein kaiserliches Einschreiten gegen die Zornesausbrüche einer systematisch fanatisirteu und verhetzten Bevölkerung keine volle Sicherheit für Leben und Eigenthum bieten. Oppenheimer, selbst bedroht, musste um so größere Anstrengungen machen, um seinen Glaubensgenossen gegen die Wutbausbrüche eines verhetzten und raubfüchtigen Pöbels ausgiebigen Schutz zu verschaffen. Aber nicht blos für die jüdischen Schutzbefohlenen in Wien hatte Oppenheimer zu wirken, auch die Juden Deutsch lands wandten sich an den edlen und einflussreichen Faktor in Wien um Abwendung von drohenden Gefahren. Ein protestantischer Professor der orientalischen Sprachen, Johann Andreas Eisenmenger, schrieb ein Buch von zwei starken Bänden, welches die fürchterlichsten Anklagen gegen Juden und Judenthum enthielt. Er stellte abgerissene Sätze aus der tatmudischen und rabbinischen Literatur, aus einigen unbekannten anderen antichristlichen Schriften zusammen, um Waffen, gegen die Juden daraus zu schmieden. Er behauptete, dass es dem Juden nach talmudifcher Vorschrift nicht gestattet sei, einem Christen aus Lebensgefahr zu retten, dass die rabbinischen Gesetze sogar befehlen, Christen um's Leben zu bringen. (Schluss folgt.)

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