Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 5 (11.2.1892)
- Date
- 1892-02-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Desterreichisch'ungsrische Csntortn-Zeitung, Nr.. 5, Seite 4.. längerer Zeit als Rabbiner fungirte. Später wurde Weil von von^der Erfurter Gemeinde zu ihrem Rabbiner ernannt. Wir besitzen von ihm Responsen, aus welchen zur Genüge erhellt, dass er seiner eminenten Gelehrsamkeit wegen von seinen Zeitgenossen als eine rabbinische Autorität geschätzt und gewürdigt wurde, und dass er trotz seiner großen, Bescheidenheit, Sanftmuth und Anspruchslosigkeit den Muth hatte, das Laster zu geißeln und die Lasterhaften an den Pranger zu stellen. Selbst gegen seinen Verwandten Abram Esra, der gegen seinen eigenen Wohlthäter David Zehner sich sehr undankbar benommen, kannte er keine Rücksicht. Schonungslos tadelte er sein unwürdiges Benehmen und drohte ihm mit dem Banne, so er nicht dem Zehner die Geldsumme, die jener für die Befreiung seiner Frau und Enkelin aus dem Kerker verwendet hatte, zurückerstatten würde. (Resp. I. Weil 148.) Wie sein Lehrer Möln hatte auch er es sich zur Lebensausgabe gemacht, für die Verbreitung und Förderung des Talmudstudiums Sorge zu tragen. Von allen Seiten strömten schaarenweise wissbegierige Jünger herbei, die, um ihren Wissensdurst befriedigen zu können, mit gespanntester Aufmerksamkeit seinen Worten lauschten. Ishrrsberichl -es österreichisch-ungarischeu Crmtoren-Verelns. Mit besonderer Genugthuung gehen wir Heuer daran, den geehrten Mitgliederndes österr.-ungarischen Cantoren-Vereines den Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr vorzulegen, da wir von dem befriedigenden Bewusstsein erfüllt sind, dass der Cantoren-Verein noch nie seine statutarisch vorgezeichneten Zwecke Ln dem Maße erfüllt hat, wie im verflossenen Jahre. Diese erhöhte Thätigkeit findet beredten Ausdruck im Jahresbudget und ihr ist es auch zuzuschreiben, dass der Ueberschuss des Jahres 1891 gegen die früheren Jahre zurücksteht. Aber trotzdem können wir eine nicht unbeträchtliche Erhöhung des Vermögensstandes constatiren, die bei den gegebenen bescheidenen Mitteln nur durch strengstes Maßhalten im Ausgabsconto herbeigeführt werden konnte. Ein Blick auf den Cassa-Äusweis zeigt uns, dass die Mitgliederbeiträge fast die gleiche Summe wie im Vorjahre ergaben, da der Stand der Mitglieder sich nur wenig verändert hat. Wir müssen sagen leider, denn noch immer steht ein großer Theil der Berufsgenossen unseren gemeinnützigen Bestrebungen theilnahmslos gegenüber, und an diese richten wir den eindringlichen Appell, dem Cantoren-Vereine beizutreten und mit uns für das Wohl unseres Standes thätig zu sein. Bezüglich der Einzahlung der Mitgliederbeiträge würden wir eine größere Pünktlichkeit wünschen, wodurch die zahlreichen Mahnungen überflüssig wären und dem Vereine unfruchtbare Arbeiten und unnöthige Auslagen erspart würden. Nächst den Mitgliederbeiträgen ergeben die Zinsen des Vereinsvermögens den größten Einnahmsposten, deren gradueller Aufstieg von Jahr zu Jahr die sicherste Gewähr für die ma-׳ terielle Kräftigung Und fortschreitende Entwicklung des österr.׳ ungarischen Cantoren-Vereines bietet. 7׳ ■ ■ Die Spenden haben sich auch Heuer auf einem sehr niedrigen Niveau bewegt, und nur die löbliche Cultusgemeinde Tobitschau ist Uns treu geblieben. Ihr sowie dem dort amtirenden Collegen, der alljährlich die gezeichneten Beiträge sam-׳ melt und an die Vereinscafsa einsendet, sei hiemit öffentlicher Dank ausgesprochen. Wie viel ließe sich auf diese Weise erreichen, wenn auch die übrigen Vereinsmitglieder das gleiche Interesse für die Vereinscasse zeigten!. Als wir vor Jahren Sammelbögen aussandten, wurden uns von vielen Gemeinden und Privaten Jahresbeiträge zugefichert, und nur der Lässigkei der geehrten Herren Collegen, die es unterlassen, diese Beiträge einzusammeln, ist es zuzuschreiben, dass es bei bloßen Versprechungen geblieben ist. Vielleicht hat die heutige Mahnung einigen Erfolg. Samuel Bppercheimer, kaiserlicher Faktor und Hofjude. Von Ä. Stein, Trans. (Fortsetzung.) Die angesehenste rmd nahmhafteste der Finanzgrößen, welche zur Zeit Leopold I. mit dem Staate und dem Generalkommissariate in ausgedehnter geschäftlicher Verbindung, stand, war eben Samuel Oppenheimer. Gleichzeitig in Wien und Franksurt etabliert, vereinigte er in seiner Hand fast alle Lieferungen an Naturalien und selbst an Munition für die kaiserlichen' Truppen in allen Ländern. Als der kaiserliche Generallieutenant Markgraf Ludwig von Baden am 19. August 1691 bei Slankamen den glänzendsten Sieg erfochten, sah er sich außer Stande wegen Mangel an materiellen Mitteln denselben gehörig auszunützen. In Wien war man nicht in der Lage, momentan Geld für die Armee auszubringen. In dieser Bedrängnis war es Oppenheimer, der dem Markgrafen 800.000 fl. bald darauf wieder 300.000 fl. sandte. Oppenheimer's Geld'konnte dem Markgrafen nichts mehr nützen, denn er kommandierte schon in Ungarn; aber der Feldmarschall Graf Auersperg war durch dasselbe in die Lage versetzt, die Armee einigermaßen zu versorgen und die Belagerung von Großwardein zu beginnen. Samuel Oppenheimer wurde nun über Vorstellung des Markgrafen beim Kaiser Leopold zum privilegirten Oberfactor und Hoijuden ernannt. Von da an knüpften sich zwischen ihm und den leitenden Männern des -SraateA in Wien- und auf dem Regensbürger Reichstage engere Beziehungen. Im Jahre 1697 übernahm Feldmarschall Prinz Eugen von Savoyen das Commando in Ungarn. An chem Gelingen des großen Sieges bei Zenta hatte Oppenheimer wegen seiner Geschäftsgewandtheit und seines Unternehmungsgeistes bei der Verpflegung des Heeres großen Antheil. Prinz Eugen ließ es sich deshalb angelegen sein, für Oppenheimer bei dem Kaiser das bis dahin unerhörte Privilegium zu erwirken, in der inneren Stadt das eingangs gedachte Haus erbauen und besitzen zu dürfen. i Es folgte das Jahr 1701, kaum 2 Jahre nach dem Frieden von Karlowitz, da trat abermals Gott Mars in Action. Es begann der große über halb Europa sich erstreckende Kampf um das Erbe der erloschenen spanischen Habsburger. Es fehlten aber wieder alle finanziellen'Mittel, Der Credit der Hofkammer lag vollends darnieder; in den öffentlichen Kassen ׳war gähnende Leere. Prinz Eugen richtete an Kaiser Leopold eine Denkschrift über den verzweifelten Zustand des Heeres, worin der Satz zu lesen war: ״Die Offiziere geben ihr eigenes weniges Geld her, um den Soldaten Schuhe und׳ Strümpfe anzuschaffen, aber die Armuth dieser Ofiziere ist jetzt schon so groß, dass es Bettler geben dürfte, die kein so mühseliges Leben führen — es droht die Monarchie zu Grunde zu gehen." Die Initiative, der Unternehmungsgeist Samuel Oppenheimer's und ׳einer beiden Söhne Emanuel und Wolf, sowie der von ihm in allen großen Handelsplätzen bestellten Agenten erschien daher als letzter Anker im Sturme. Um das Haus Oppenheimer, gruppirten sich alle größeren Firmen, welche irgendwelche Lieferungen für die in der Lombardei, am Oberrhein, in Tirol, in Baiern und in Ungarn fechtenden kaiser