Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 5 (11.2.1892)
- Date
- 1892-02-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/1304829-3453241-3453246--3382-3457731- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6. Desterreichisch-ungsrischk Cantoren-Zeitung. . . Nr. 5. als Braut im Schlosse Lacken darangeheftet hat, und den Bändern, welche der Verein von seiner italienischen Reise mit nach Hause brachte. Mehr als 200 Denkmünzen, sowie eine bedeutende Anzahl von Humpen, Krügen und Ehrenpokalen aus Edelmetall werden in Vitrinen zur Schau gestellt werden. Auch 'die Büste Franz Schubert's, welche sein Grab schmückte, ehe der Wiener Männergesang-Verein ihm das neue Grabdenkmal setzte, wird im Pavillon ihren Platz sinden. Außerdem exponirt der Verein noch Reliquien und Autographen berühmter. Tondichter und Musiker. Der in Wien weilende Componist M a s s enet hat in einer Zuschrift an die Ehrenpräsidentin der internationalen Ausstellung für Musik- und Theaterwesen, Frau Fürstin Metternich, die Mittheilung gemacht, dass er der Ausstellung eine eigene Composition widmet, welche er im Monate August persönlich dirigiren wird. Vom Newhorker Männergesang-Vereiu ״Arion" ist die Nachricht eingetrossen, dass er am 15. Juni nach Wien kommen und zwei große Concerte in der Ausstellung geben wird. Wien. Sonntag, den 31. Jänner, fanddie Trauung des Herrn Rudolf Urbach mit Frl. Henriette Schlesinger, Tochter d-s Obercantor M. Schlesinger in Ottakring, statt, welcher ein zahlreiches distinguirtes Publikum, der Gemeindevorstand und viele Cantoren anwohnten. Den Trauungsact vollzog Herr Rabbiner Deutsch, der eine gediegene Ansprache an das Brautpaar richtete, und den gesanglichen Theil der Function besorgte der Brautvater in erhebender und rührender Weise. Wien. Herr Dr. Eduard Thaler, Sohn des Obercantor Thaler in Oedenburg, wurde zum Secretär der türk, sephardischeu Gemeinde in Wien ernannt. Krag. Der Justizminister hat den Gerichtsadjuncten beim t k. Landesgerichte in Prag, Herrn Dr. Ferdinand U n g e r, zum Rathssecretär beim Kreisgerichte in Tabor ernannt. Dieser ist in Böhmen der erste Jude, welcher in der Richteramtssphäre ein solches Amt bekleidet. Herr Rathssecretär Unger hat das Judenthum niemals verleugnet, um an hohen Festtagen dem Gottesdienste beiwohnen zu können, hat er sich in seinem Amte vertreten lassen. Dieses Festhalten an seinem angestammten Glauben hat Ihn in seiner Pflichttreue nicht gehindert und die ihm von seinen Amtscollegen und Vorgesetzten gezollte Achtung nicht im Geringsten geschmälert. Der Weg zu weiterer Beförderüng ist ihm hoffentlich frei gemacht, und bei der Vorurtheilslosigkeit und dem Gerechtigkeitssinn unseres Justizministers steht zu erwarten, dass die Beförderung aller jener Gerichtsadjuncten israelitischer Confession, welche nicht .fahnenflüchtig geworden und eine lange Reihe von Dienstjahren hinter sich haben, nicht mehr lange ausbleiben wird. Wudapest. Bei den eben vollzogenen Wahlen für das ungarische Abgeordnetenhaus wurden zehn Juden gewählt. Es sind die Herren: Moriz W a h r m a n n, Dr. Franz C h o r i n, Dr. Arthur Jellinek, Dr. Julius Rosenberg, (Bruder des Wiener Apothekers Dr. A. Rosenberg), Dr. Alexander Nagy, Dr. Paul Mandl, Dr. Armin Neumann, Dr. Samuel V i s o n t o i, Dr. Ambros Nem 6 nyi, Baron Armin Popper, (Schwiegersohn des General-Directors der Länderbank Regierungsrath R. v. Hahn.) Aatassa-Hyarmat. Die hiesige orthodoxe Judengemeinde . hat den Beschluss gefasst, sich der Bewegung in Angelegenheit der Reception der israelitischen Religion nicht anzuschließen, sondern selbstständig eine Petition um Einführung der allgemeinen Religionsfreiheit an den Reichstag zu richten. Weu-Werbäß. Die Alt- und Neu-Verbäßer israelitische 8tatu8 guo-Cultusgemeinde fasste in ihrer jüngsten Plenar- Versammlung den einstimmigen Beschluss, sich den die Herbeiführung der Gleichberechtigung der israelitischen Confession bezweckenden Schritten des zu diesem Behufe in der Hauptstadt constituirten Comitös mit Begeisterung anzuschließen und votirte den Initiatoren dieser Bewegung Vertrauen und Dank. Aerkiu, 9. -Februar.׳ Der preußische Justizminister Schelling ist gestern im Abgeordnetenhause von Herrn Stöcker anlässlich der vielbesprochenen Ermordung eines Knaben in kanten heftig angegriffen worden. Wir haben bereits vor einiger Zeit erzählt, worum es sich bei der Lantener Sache, handelt. In einem Straßendurchgunge wurde die Leiche eines ermordeten christlichen'Knaben gefunden; sofort erhob sich das Gerücht von einem rituellen Morde. Der Verdacht der Thäter-׳ schüft lenkte sich auf einen jüdischen Fleischhauer^ Namens Buschoff, welcher ver haftet wurde, aberentlassen werden musste, weil kein Beweismyterial vorhanden war. Das Gerücht von. einem angeblichen rituellen Morde aber war damit nicht beseitigt, es wurde vielmehr von antisemitischer Seite geflissentlich ' genährt, und schließlich entsendete der Justizminister einen Beamten des Ministeriums nach kanten, um sich an Ort und Stelle zu informiren. Seitdem ist. lustig weiter denuncirt und gehetzt worden, und der Fleischhauer Buschoff wurde neuerdings wegen eines inzwischen aufgetauchten neuen Belastungsmomentes verhaftet. Dies ist der Thatbestand, welchen heute Herr Stöcker im Abgeordnetenhause benützte, um über den Justizminister herzufallen, wobei er noch einige antisemitische Beschwerden gegen die Rechtsprechung an den Mann brachte. Der Justizminister hielt natürlich nicht stille, sondern leuchtete dem Ex-Hofprediger gebührend heim, der sich heuchlerisch, wie es seine Art ist, gegen die Annahme eines Ritualmordes verwahrte, aber von Morden sprach, welche aus Fanatismus von Juden an Christen verübt worden wären. Herr Stöcker spielte eine überaus klägliche Rolle, denn der Justizminister wies ihm nach, dass er ohne alle sachliche Kenntnis von den Dingen gesprochen habe. Leipzig. Den Führern der antisemitischen Partei blüht eine recht unangenehme Ueberraschung. In den allernächsten Tagen erscheint nämlich in Berlin unter dem Titel: ״Ein Jahr im Centrum der deutsch-socialen Partei" eine Brochüre, deren Zweck nach dem Vorworte des Verfassers der ist, jene Virtuosen der Verstellung zu beleuchten, die so meisterhaft verstehen unter einem Schwall von Phrasen ihren-Charakter zu verdecken und unter dem Deckmantel der Volksfreunde ihrer Eitelkeit und ihrer Selbstsucht zu fröhuen." Der Autor ist Hermann Lucko, der frühere׳ Chefredacteur des hiesigen antisemitischen ״Tages- Anzeiger". Er kündigt, wie 'er sagt, ״den Pharisäern Fritsch und Genossen" die Gefolgschaft und gibt die seltsamsten Ent- Hüllungen. Wraudenvurg a. K., 21. Jänner. Der ״Jüd. Pr." wird nachstehender Vorfall gemeldet: Unser Cautor, Herr Ziegelroth, hatte auf dem hiesigen Schlachthof einen Ochsen geschlachtet und denselben für ״koscher" erklärt; doch kaum hatte er dem Fleisch die Siegel augehestet, als der Schlachthaus-Jnspector die polizeilich vorgeschriebene Untersuchung vornahm und das Fleisch als für die Gesundheit schädlich verwarf. Der Fall erregte in den betheiligten Kreisen umso größeres Aufsehen, als man bisher immer angenommen hatte, dass das für koscher erkärte Fleisch vollkommen gesund sei. Herr Cantor Ziegelroth hatte das Bewusstsein, sich streng an dte religionsgesetzlichen Vorschriften gehalten zu haben und unterbreitete deshalb die Sache unserem Rabbiner, Herrn Dr. Rosenberg. Auf Grund des mitgetheilten Thatbestandes erklärte sich dieser ganz mit seinem Urtheil einverstanden und erklärte, dass jenes Fleisch unmöglich der Gesundheit schädlich sein könne und dass somit der. Bescheid des Schlachthaus-Jnspectors ein unrichtiger sein müsse. Der Gemeinde-Vorstand sah sich daher veranlasst, dem betreffenden Fleischer den Rath zu ertheilen, mit dem Erkenntnis des Schlachthaus-Jnspectors sich nicht zu begnügen und eine abermalige Untersuchung' durch den Kreisthierarzt, öor der Polizeibehörde zu verlangen. Diesem Verlangen wurde auch insofern stattgegeben, als ein hiesiger Oderstabsarzt mit der nochmaligen Untersuchung betraut wurde und nach ׳dessen eingehender Untersuchung stellte sich dann heraus, dass das Fleisch völlig unschädlich und ganz gesund ־ sei, weshalb dem Fleischer der uneingeschränkte Verkauf desselben gestattet wurde. Dieses Vorkommnis ist umso beachtenswerter, weil gewöhnlich der jüdische Schächter etwas für ״trefah" erklären muß, was vom Fleischbeschauer als gesund befunden wird, während hier das GegeNtheil der Fall war/. Stuttgart. Die ״Neue Musik-Zeitung" (Stuttgart, Carl G r ü n i n g e r's Verlag) stattet ihre Nummern, mit einem stets interessanten und wechselvollen Inhalt aus, der namentlich die actuellen musikalischen Vorkommniße in seinen Bereich zieht,