Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-02-11 · Heft 5 (11.2.1892) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 5 (11.2.1892)
Date
1892-02-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/1304829-3453241-3453246--3379-3457728
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 5. Desterrychisch-ungarifche Cantoren-Zettung. ' Seite 3. in Angelegenheit der Regelung der israelitischen Glaubensangelegenheiten je früher einen »Gesetzentwurf zu^unterbreiten. Diese Eingaben erhielten erst am 12. März 1880 eine Erledigung, indem das Abgeordnetenhaus nach viertägiger Ver- Handlung beschloss: ״dass das Erträgnis des israelitischen Landes-Schulfonds für die Unterrichtsbedürfniße der gesammten vaterländischen Judenschaft, im Sinne der Stiftung und innerhalb des Vaterlandes, derart zu verwenden fei,, dass die aus diesem Fond erhaltenen gemeinsamen Anstalten, wie da sind: das Rabbmenseminar und die Lehrerbildungs-Anstalt, sowohl hinsichtlich der Administration, wie auch der Organisation den Bildungszwecken der gesammten vaterländischen Judenschaft dienende, ungarische Institute seien." Das Abgeordnetenhaus acceptirte daher nicht jene Motivirurg der orthodoxen Durchführungscommission,. dass der Beschluss vom 18. März 1870 zwei israelitische Confessionen geschaffen hat, sondern äußerte sich in dem Sinne, dass es nur ein Judenthum kenne und dass sowohl der Schulfond, wie auch die aus demselben erhaltenen Anstalten das gemeinsame und untheilbare Eigenthum des einheitlichen Judenthums bilden. In der That sind es denn auch heute' schon in überwiegender Mehrzahl Kinder orthodoxer Eltern, welche die Wohlthaten dieser Anstalten in Anspruch nehmen, wobei wir den Umstand gar nicht erwähnen, dass jene Lehrer, welche in unserer Präparandie ein Diplom erhielten, in den Schulen unserer orthodoxen Religionsgemeinden mit Vorliebe angestellt werden.- Die Landeskanzlei richtete zunächst ihr Augenmerk auf die Regelung der jüdischen Gemeinden und erstattete in dieser Angelegenheit noch am 16. September 1880 eine umfangreiche Unterbreitung an. den Cultus- und Unterrichtsminister, worin die damaligen Zustände in ihrer Unhaltbarkeit geschildert und hinsichtlich der Art und Weise der Regelung concrete Vorschläge sormulirt wurden. Die Landeskanzlei ging von dem Gesichtspunkte aus, dass wir, um die Confession auf culturellem Gebiete vorwärts zu bringen, in erster Reihe die materielle Kraft unserer Religionsgemeinden heben , oder doch sichern müssen zu dem Behufe, damit diese die Entwicklung ihrer intellectuellen Kraft zu erreichen fähig sein mögen. Wenn unsere Religionsgemeinden vorwärts schreiten, macht auch die Confessiyn Fortschritte; tritt aber bei den Gemeinden ein Rückfall ein, so vermag keinerlei Organisation oder Vereinigung das Siechthum der Confession auszuhalten. (Schluss folgt.) Zur Biographie Ralcki Jakob Möln Halewi. Von Dr. W. H. Friedländer, Pisek. ׳ ' ' - (Schluss.) ׳In demselben Maße, wie Jakob Halewi für die Erhaltung religiöser Bräuche und Ceremonien Sorge getragen, war er auch bestrebt, alte synagogale Melodien der Vergessenheit zu entreißen. Er wollte es durchaus nicht dulden, dass an einer Melodie, an welche die Gemeinde feit lange her gewohnt war, gerüttelt werde, weil seiner begründeten und vollkommen berechtigten Ansicht nach eine Aenderung der einmal eingebürgerten Melodien der Andacht durchaus nicht förderlich sein kann. R. Jakob Halewi stand dei den deutschen Juden in solch' hohem Ansehen, dass alle seine Anordnungen streng beobachtet und seine Entscheidungen als maßgebend betrachtet wurden. Als das deutsche Reichsheer, welches gegen die wilden, wuthentbrannten Scharen der Hussiten ins Feld zog, das schöne (?) und fromme (?) Gelöbnis ablegte, bei seinem glücklichen sieggekrönten Rückzuge sämmtliche Juden schonungslos niederzumachen, da wandten, sich die meisten deutschen Judengemeinden an R. Jakob Halewi, damit er vom himmlischen Vater Erbarmen erflehe. R. Jakob ließ in Folge dessen all* gemeines Fasten veranstalten und inbrünstige Gebete verrichten. Es war dies im September 1421. Unwillkürlich waren die Juden damals gezwungen, für den Sieg der Hussiten zu beten, weil ein Sieg des Reichsheeres für sie verhängnisvoll geworden wäre. Der Himmel hat-auch ihr Gebet erhört,, denn, im Lager der Barbaren bei Saaz in Böhmen ist bei der Nachricht von Ziska's Nähe eine solch furchtbare Panik ausgebrochen,, dass sie alle plötzlich die Flucht ergriffen haben. Viele derselben erschienen auf ihrer Flucht bettelnd an den Thüreu der Juden, von welchen sie in großmüthiger Weise kräftigst unterstützt und liebevoll behandelt wurden. So rächt sich der Jude/ —. Herr Vaschati und seine Gesinnungsgenossen, die sich vorgenommen haben, ihren jungczechischen Liberalismus (?) durch die Förderung und Verbreitung des Antisemitismus in Böhmen zu bekünden, mögen sich dies merken und bedenken, dass, wie die Geschichte es lehrt, bis nun noch alle Barbaren, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die moralische und Physische Existenz des jüdischen Volkes in Frage zu stellen, ein schmähliches Ende hatten. Im Emek habacha wird über den Huffitenkrieg Folgendes berichtet: Im Jahre 1419 erhoben sich die Anhänger einer neuen Religion in dem Lande Bohemia, erschlugen alle Raths- Herren des Volkes in Prag, zerstörten die Klöster der Mönche und steckten sie in Brand, und auch ihre Bilder schlugen sie kurz und klein, so dass die Stadt Prag verödet ward. In jenem Jahre (am 16. August) starb der König Wenzel, und Sigismund kam statt seiner zur Regierung. Da empörten sich alle Einwohner Böhmens gegen ihn sammt ihren Anführern und Fürsten und es wurden damals Viele erschlagen. Nach Verlauf eines Jahres schickten sich die christlichen Könige an, gegen die Anhänger jenes Glaubens, welche Hussiteu genannt wurden, Krieg zu führen, um sie von der Erde zu vertilgen, auf dass ihr Name nicht ferner gedacht würde. Als aber Sigismund nebst den übrigen Reichsfürsten gegen sie zu Felde zog, wurden dieselben, obwohl ihr Herr aus 100.000 Kriegern bestand, von den Hussiten in die Flucht geschlagen, wobei der größte Theil getödtet wurde. Der König musste zu Fuß fliehen und kam noch mit dem Leben davon, die übrigen eilten von dannen und mussten vor den Thüren der Freigebigen, wohin sie sich zerstreuten, Brot betteln, um nur ihr Leben zu fristen. Auch zu Schiffe kämpften sie damals mit ihnen und die Hussiten eroberten ganz Böhmen, das ihnen tributpflichtig wurde. Viele von denen, welche in den Krieg gezogen waren, hatten sich vorgenommen, mit den Juden nach Willkür zu schalten, wenn sie wohlbehalten wieder nach Hause kommen würden. Deshalb fürchteten sich die Juden sehr und geriethen in Angst. Unter ihnen befand sich der fromme Nabaril (R. Jakob Molin Lewi); es wurde ein Fasten beschloffen, und Gott errettete sie." Trotz der traurigen Vorgänge im deutschen Reiche war Möln denn doch unausgesetzt bemüht, seine ganze Kraft der Förderung des Studiums der Religionsgesetze zu widmen und in Gegenwart zahlreicher wissbegieriger Jünger, die er auch materiell unterstützt hatte, Vorträge zu halten. Einer seiner vorzüglichsten Schüler war R. Jakob Weil, der von ihm die Autorisation zur Bekleidung des Rabbineramtes erhalten hatte. Jakob Weil lebte anfangs in Nürnberg, wo er aus Bescheidenheit sich von der Ausübung rabbinischer Functionen zurückhielt, weil daselbst R. Salomon Kohen seit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.