Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1892)
- Date
- 1892-01-11
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/1304829-3453241-3453243--3354-3457700- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Indem der Vater in dem Glücke seines Kindes sein eigenes Glück erblühen, so wie der Lehrer sich durch die glücklichen Resultate seines Schülers reichlich belohnt sieht. 32. ״Vor der That berathschlage Dich, während derselben zeig' Entschlossenheit, nach der That darf Dich nichts mehr reuen." (B. Mez. 37.) Unentschlossenheit zeigt einen schwachen Charakter. Das Schwanken hin und her schadet sehr. Ueberlegung vor der That ist weise; hingegen lässt sich das Geschehene nicht ungeschehen machen. Erst besonnen, dann begonnen. Erst gethan dann bedacht, hat Manchem schon viel Leid gebracht. 33. ״Das häufige Reisen zieht drei schlimme Dinge nach sich : Die Kraft nimmt ab, die Börse wird erschöpft, der Ruf geschwächt," (Bad. Anfangs 16611 166110). Bleib im Lande und nähr Dich redlich. Wer fremde Länder bereist, der muß den Beutel offen und den Mund zu halten. 34. ״Wenn die Lampe noch brennt, gieße Oel dazu, ehe sie erlischt; ist sie aber erloschen, dann nützt das Oel nicht mehr," (Jalk. Koh. 589). In Deiner Jugend lerne, in Deiner Manneskraft arbeite, unterdrücke böse Neigungen, hast Du das vernachlässiget, im Alter ist's zu spat, die Kraft ist erlahmt, das Licht verlöscht. 35. ״Besser ein scharfes Pfefferkorn, als ein Korb voller Kürbisse," (Megil 7.). Ein gewisser Grad von Scharfsinn ist vorzüglicher, als eine Masse von geistlosem Wissen. Besser ein Quentchen Na861, als ein Pfund Odoolmro. 36. ״Wehe dem, der sich eine Thüre macht, ohne ein Haus zu besitzen," (Juma 72). Der nämlich in der Vorhalle des Lebens stehen bleibt, ohne an den Ernst und Hochzweck desselben zu denken, ohne sich auch ein Haus, eine bleibende Stätte zu gründen. 37. ״Das Gestein der Wände und das Gebälk des Hauses zeugen wieder die Handlungen des Menschen," (CJhagiga 16). Die Gelehrten wollen dies auf die Glieder des menschlichen Körpers angewendet wissen, welche oft durch Leichtsinn und Sinneslust entnervt und kraftlos werden; sie sind Zeugen des wüsten Lebens. 38. ״Eine schlechte Zucht ist dem Menschen nachtheiliger, als ein fürchterlicher Krieg," (B1a611. 7). Selbst der zerstörende Krieg hat einerseits seinen Nachtheil, anderseits wieder seinen Vortheil, hingegen eine schlechte Erziehung hat nur nachtheilige Folgen. Der hat ein Ende und der Friede folgt, gleicht dann später Alles aus; der Entartete aber lebt in stetem Unfrieden, ist stets im Kampfe begriffen. 39. ״Worte, die vom Herzen kommen, dringen wieder zum Herzen," (B6ra611. 22). Ist der Redner von dem Gegenstände, den er bespricht, selbst durchdrungen, dann machen seine Worte aus die Zuhörer einen tiefen Eindruck; ist das aber nicht der Fall, wandelt der Redner selbst den Weg nicht, den er bezeichnet, weil er selbst nicht davon durchdrungen ist, kann die Rede wohl schön, bewundernswürdig sein, aber den Zweck erreicht sie bei den Zuhörern nicht. Wenn der Prediger selbst fühlt und empfindet, was er spricht, dann finden seine Worte einen Widerhall im Herzen seines Auditoriums. 40. ״Was Dir verhasst ist, das thue auch einem Andern nicht." (Sab. 31). Dieser Spruch stammt von Hillel, dem großen Lehrer in Israel, als Erklärung des biblischen Gebotes: ״Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst" (5. N. 19. 18.), und bemerkt dazu, den Gesammtinhalt der mosaischen Lehre bildet dieser Spruch, das Uebrige ist nur Auslegung und Ausführung dieses Spruches. Das Prinzip der ganzen Religion ist die Liebe zu Gott, zu seinem Nebenmenschen und zu sich selbst; darin sind alle Pstichtarten begriffen. 41. ״Es ist verdienstvoller sich für den Armen zu verwenden, als ihn selbst zu unterstützen" (B. Batra 9). Arme unterstützen, ihnen Almosen zu ertheilen, ist wohl religiös, human und lobenswerth; aber es ist dies kein besonderes Verdienst, selbst wenn die Gabe in reiner Absicht geschieht. Denn eine Schwalbe macht keinen Sommer, und die Gabe eines Einzelnen kann nicht ausreichend helfen. Wer aber sich des Armen, des verschämten Armen, mit Wärme annimmt, auch bei anderen bemittelten Männern sich für ihn verwendet, um durch reich- Als bereits 1400 Seelen ausgewandert waren und viele von diesen den ungewohnten Strapazen erlagen, versuchte der Rest von etwa 300 Seelen eine abermalige Bittschrift an den Kaiser. Sie erklärten, dass die Verbannten nun und nimmer eine andere Heimat finden können, da der Kaiser als solcher Herr von halb Europa sei. Auch diese Bitte wurde abgewiesen. Alle mussten Wien verlassen, nur die Familie des Hoffaktors Markus Schlesinger Jaffa durfte wegen geleisteter Dienste in Wien bleiben *). Das Judenquartier kaufte der Magistrat dem Kaiser für st. 100,000 ab und benannte es dem Kaiser zu Ehren Leopoldstadt. Der Platz der Synagoge wurde zu einer Kirche verwendet. Am 18. August 1670 legte der Kaiser den Grundstein zu diesem Baue zu Ehren seines Schutzpatrons. I (Fortsetzung folgt.) Erinnerungen. Von M. Rosenfeld, Cantor in Pisek. (Fortsetzung). IH. Habe ich vorigesmal von einem klugen, geistreichen Vorsteher erzählt, so will ich diesmal den Schames zu Worte kommen lassen, und zwar den alten Feischl Schames, der in meiner Heimatsgemeinde A. bedienstet war, dessen vis eomiea schon Heiterkeit erregte und dessen kaustischer Witz das Gaudium der Balebatim bildete. *) Dr. L. A. Frankl, ״Inschriften des Wiener jüdischen Friedhofes". Nr. 430. An einem Jomtow, während die Leute fleißig die Jozros sagten, saß Feischl ganz müßig da, ohne ein Wort mitzusagen. Von seinem Sitznachbar befragt, warum er sich nicht ebenfalls am ״Mitsagen" betheilige, erwiderte er, auf das Machsor deutend, gelassen: ״Sehen Sie, hier ist angemerkt ״Chasen", also sagt es doch der Chasen; hier ist wieder angemerkt ״Kohl" und in ״Kohl's Sachen" misch ich mich nicht gern d'rein." Ein anderesmal saß er im Bethause neben einem Manne, der mit dem Jwrilesen auf gespanntem Fuße stand. Feischl erhob sich zu wiederholten Malen von seinem Sitze und ließ sich wieder nieder. Um die Ursache dieser sonderbaren Procedur befragt, antwortete er: , Es steht in der Thora: Vor einem Greise sollst du ausstehen, und der da macht gar so viele ״Greisen" (Fehler). Einmal wieder äußerte er sich dahin, wenn er ein Vermögen von 10.000 fl. hätte, wäre er in die Lage versetzt und besäße das Mittel, ewig zu leben. Man lachte und fragte ihn, wie er denn das anftellen würde, da doch sogar Millionäre sterben müssen. Darauf erwiderte er: ״Wenn ich ein solches Vermögen besäße, würde ich mich gleich nach P6zel (einer sehr armen Khile) ziehen. Dort ist noch niemals Einer gestorben, der ein Vermögen von 10.000 fl. gehabt hat. Als er eines Tages mit einem armen Manne Streit hatte und ein Dritter herbeikam, um den Streit zu schlichten, rief ihm Feischl zu: ״Lassen Sie das gut sein, ich und Reb Maier haben ja mit einander nichts." (Fortsetzung folgt.) .