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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-01-11 · Heft 2 (11.1.1892) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 2 (11.1.1892)
Date
1892-01-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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welcher in der Deklamation mit dem s/4= und ^-Takt übereinstimmt; ferner der ^/4-Takt, mit dem 6/g-Takt übereinstimmend, endlich der 4/8, der mit dem 4/4 gleich ist. Sehr selten kommen der 4/2, 6/16 und 2/1tz-Takt vor, die jedoch leicht auf die bekannteren 4/4, 6/8 und 9/8 zurückgeführt werden können. IV. Das dynamische Klemmt. Es ist dem jungen Klavierspieler zu empfehlen, im großen und ganzen aste Arten von Uebungen lieber ein wenig kräftig, als zu. schwach zu spielen, also etwa 016220 forte (mfr). Er entgeht dadurch leichter der Gefahr, in Bezug auf den Stärkegrad ungleichmäßig zu spielen, als wenn er zu leise spielt, indem dadurch die Finger gleichmäßig gestärkt werden. Wer hätte nichtschon bemerkt, dass der Anschlag mit dem Daumen, zweiten und dritten Finger kräftiger erscheint, als der mit dem schwächeren vierten und fünften. Nach diesen Uebungen greife der Spieler zu Tonstücken, 'an welchen die. dem mezzo forte zunächst liegenden Stärkegrade, das piano und forte zu studieren sind. Alle diese Exercitien sind also dann zuerst leise, dann mit kraftvollerem Anschläge durchzunehmen, endlich solche Stücke, an denen die Uebergänge vom piano in das forte (crescendo), vom forte zum piano (decrescendo oder diminuendo) zu erlernen sind. Hierzu sind zahlreiche werlhvolle Muster unserer guten Klaviertonsetzer zu empfehlen. Natürlich muß die Schwierigkeit derselben dem Standpunkt des Spielers angemessen sein. Alle Passagen, leiterartige wie harmonische und gemischte, die sich nach der Höhe wenden, sind ebenso anwachsend zu spielen, wie die, welche sich abwärts bewegen, in der Stärke abnehmend vorzutragen sind, wenn der Componist dies auch nicht besonders angegeben hat. - -• Es ist darauf zu achten, von welchem Stärkegrade aus die aus- oder absteigende Bewegung beginnt. Fängt eine aufwärtsgehende Passage von einem Piano an, so darf, vorausgesetzt, dass dies nicht ausdrücklich gefordert wird, das crescendo Samuel Oppenheimer, kaiserlicher Faktor und Hofjude. Von A. Stein, Taus. Von 1658 bis 1705 regierte!^Österreich Kaiser Leopold I., der persönlich kein Freund der Juden war. Ursprünglich für den geistlichen Staxxd bestimmt, gehörte er selbst als Kaiser dem Jesuitenorden an und war deshalb allen Akatholiken feindlich gesinnt. Trotzdem hätte sich der Kaiser nicht aus eigener Willenskundgebung zur Austreibung der Juden entschlossen, da er doch von denselben eine bedeutende und sichere Rente in der Form von Schutzgeld bezog. Die jüdische Gemeinde Wiens, damals an 2000 Seelen stark, zahlte jährlich fl. 10,000 an Schutzgeld, während die kleineren Landgemeinden fl. 4000 leisten mussten. Außer diesen Beträgen brachten ihm die Juden unter verschiedenen Formen und Titeln noch einen Betrag von fl. .50,000 ein, eine Summe, die xxnter den damaligen traurigen finanziellen Verhältnißen nicht leicht zu missen oder zu ersetzen war. Allein seine Gemahlin, Kaiserin Margaretha, Tochter der fanatischen spanischen Regentin Maria Anna von Österreich, hasste die Juden wie ihre Mutter. Als sie einst in Folge einer Frühgeburt in Todesgefahr schwebte, glaubte sie als Dankopfer für ihre Genesung ein dem Himmel gefälliges Werk zu üben, wenn sie die Austreibung der Juden eifrigst befürwortete. Der Kaiser legte die Angelegenheit dem Staatsrathe vor. Ein Mitglied desselben, der streugrechtliche und hochgeachtete Graf Jörger, widersetzte sich der geplanten Austreibung aus allen Kräften, indem er betonte, dass eine etwaige Austreibung der Juden, welchen die Niederlassung durch ein kaiserliches Wort nicht zum forte ausarten; ist jedoch der Anfangsgrad mf oder /, so mag die Kraftsteigerung sich bis zum / beziehungsweise ffr ausdehnen. Ebenso verhält es sich umgekehrt. Vom p mag sich die Stärke zum pp, von mf zum p, vom / zum mf, von ffr zum f abschwächen. Die äußersten Gegensätze im starken und schwachen Spiel, namentlich wenn sie beim Passagewesen im schnell' steigenden cresc. und dim. verlangt werden, erfordern eine besonders sorgfältige Einübung, und wolle man passende Beispiele, an denen es in unserer guten Klavierlitteratur nicht fehlt, hier fleißig anwenden- Manchmal verlangt der Komponist, dass eine längere Passage in ihrer ganzen Dauer cresc. oder dim. zu Gehör ge׳ bracht werden soll. Da hat nun der Spieler darauf zu achten, dass er das Anwachsen oder Abnehmen der Tonstärke gleichmäßig vertheilt, dass er also beim cresc. die erforderliche größte Stärke, beim dim. die leiseste Stelle der Part nicht zu früh erreicht, sondern dass an jedem einzelnen. Punkt derselben ein Wachsen beziehungsweise Abnehmen der Tonstärke zu bemerken ist. Diese Uebungen sind sehr geeignet, den Geschmack zu bilden. Oesters erscheinen in einem Stücke Noten mit den Zeichen < oder A auch sf, fz., Diese sollen eine besondere dynamische Hervorhebung (Accentuation) haben, wiewohl sie nicht überall gleich sein können. Bei Pianostellen werden sie nicht so kräftig markiert werden dürfen, als wenn die Stelle schon an sich stark zu spielen ist. Ueberall das richtige Maß halten, das ist es, wodurch sich eine correcte Auffassung des Spielers dokumentiert. Das Moschol. Nach seiner Bedeutung und Anwendung in biblischen und nachbiblischen Schriften. (Fortsetzung.) _ _ XXII. 31. ״Der Vater beneidet nicht das Glück seines Sohnes und der Lehrer nicht das Gkück seines Schülers," (Land. 105) verbrieft worden war, eine Rechtsverletzung bedeute und das Vertrauen in des Kaisers Wort würde bei allen seinen Unterthanen erschüttert. Allein alle Argumente waren hinfällig und nxachtlos, wenn ein fanatisches Weib seine Laune durchsetzen wollte. Am 14. Feber 1670 wurde ein kaiserlicher Befehl publiziert, dass die Juden binnen einigen Monaten unter Androhung bei Leibes- und Lebensstrafe Wien zu verlassen haben. Die Juden ließen es an Bemühungen nicht fehlen, das Ausweisungsdekret wirkungslos zu machen. Sie überreichten bei einer feierlichen Veranlassung dem Kaiser einen goldenen Pokal und der Kaiserin ein sehr schönes silbernes Handbecken nebst Gießkanne. Das kaiserliche Ehepaar nahm die dargebrachten Geschenke mit sichtlicher Freude an; aber an dem traurigen Entschlusse änderte dies nichts. Da wendeten sich die verzweifelten Juden in ihrer trostlosen Lage an Isaak Texeira, den Residenten der Königin Christine von Schweden, der als der einflussreichste und begütertste Jude der damaligen Zeit galt. Jsak Texeira benützte seine weitgehenden Verbindungen, um mit Hilfe der. spanischen Granden auf den Beichtvater der Kaiserin einzuwirken. Auch die Königin Christine, die in echtkatholischen Kreisen sich hoher Achtung erfreute, unterließ es nichts ihren Einfluss zu Gunsten der Juden in die Wagschale zu werfen. Sie schrieb an den päpstlichen Nuntius, an die Kaiserin, an deren Mutter die spanische Regentin — doch Alles umsonst. Auch die römischen Juden, die beim päpstlichen Hofe hohen Einfluss hatten, boten alles auf, ihren bedrängten Brüdern Österreichs zu helfen. Vergeblich war auch diese Mühe. Die Juden mussten den Wanderstab ergreifen und Heimat unb alles Liebe und Th eure hier zurücklassen.

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