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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-01-01 · Heft 1 (1.1.1892) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 1 (1.1.1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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״n her Spitze der Wiener Cultusgemeinde steht, das 40jährige Jubiläum ihres geschäftlichen Bestandes. Durch unermüdlichen Ftzjß und streng rechtliches Gebühren hat sich dieses Haus von HWeideuen Anfängen zu einer dominirenden Stellung in der östMeichischen Industrie emporgehoben, und mit Stolz kann das ZudMHUM aus diese Firma blicken, deren Chefs auf der Hohe Drer sozialen Stellung dem Glauben ihrer Väter treu geblieben frd und eine der schönsten Traditionen unserer Religion, die fiege wahrer und echter Humanität, bei jeder Gelegenheit in munistcentester Weise bethätigt haben. Den zahlreichen Ovationen, MW diese schöne Feier in Vorbereitung sind, schließen auch Mr uns mit unseren herzlichsten Wünschen an, indem wir uns HMkbar erinnern, dass das Haus Gutmann bei Gründung des österreichisch-ungarischen Cantoren-Vereines unsere Bestrebungen HMch eine namhafte Spende gefördert hat. ׳ Wrett. (VondenrustischenJude n.) Das ״Deutsche Mntralcomite für die russischen Juden" sendet uns folgende Nit- Heilungen : Die Lage der russischen Juden hat sich, wie uns von Whlunterrichteter Seite geschrieben wird, im Lause der letzten Wochen sehr erheblich verschlimmert. Im Mai und Juni dieses tWes stellte, wie seinerzeit auch durch die'Preste berichtet wurde, MÜ Moskauer General-Gouvernement den dort noch verbliebenen Httden Aufenthaltsscheine auf die Dauer eines halben Jahres Ms- Zugleich wurde diesen zeitweilig geduldeten Familien eröff- Dt, dass sie die Verlängerung der Geduldscheine im Herbste zu eröitten hätten. Die Entscheidung ist nun erfolgt, sie lautet Mrchwegs ablehnend, so findet denn nun mitten im strengsten Winter der Wegzug oder Ausweisung dieser Hunderte von größten- HkiM sehr armen Familien statt; es handelt sich dabei fast nur M Handwerker. Eine weitaus, größere Zahl Won Opfern fordert eine zweite Maßregel. In den Gouvernements Wilna Md Kiew wurde die Ausweisung aus den Dörfern bisher, nicht Menge durchgeführt; vielleicht scheute die russische Regierung Mn deshalb davor zurück, weil diese Provinzen die relativ größte Zahl jüdischer Dorfbewohner aufweisen und man vorläufig Vermeiden, wollte, die Masten in Bewegung zu setzen. Seit Witte November ist dies Pipers geworden; die bisher als Guss- und Mühlenpächter, als Wirthschafsbeamte, ein sehr großer Theil auch als Taglöhner aus christlichen Gütern ihren Unterhalt gefunden, werden nun in die städtischen Ghetti ver- Wiesen, woher sie oder ihre Eltern stammen, es gibt. Familien darunter, die bereits in der dritten Generation ländlicher Beschäftigung nachgegangen, also den Verhältnißen ihrer Heijyatsorte ganz entfremdet find; in den überfüllten Märkten und Städten erwartet sie nun der sichere materielle Untergang. — Wenso tief einschneidend erweist sich eine dritte Maßregel: die Durchführung der gesetzlich von jeher bestehenden, aber bisher pur ausnahmsweise durchgeführten sogenannten ״Fünfzig-Werst- Gxxnze," d. h. die Ausweisung der Juden aus solchen Orten, M fünfzig Werst von der Reichsgrenze entfernt sind. Gerade M jeflett beiden Grenzgouvernements, wo die jüdische Bevölkerung uw Echtesten haust, in Bestärabien und Podolien, werden nun M Ausweisungen im Hinblick auf diese veraltete Verordnung tzjtz schärfsten durchgeführt; so sind z. V. vor einige Wochen M Hupen aus Kamienitz-Podolski, wo sie seit der Besitzergrei׳ Mg WH Rußland, also seit länger als einen Jahrhundert, unbe- HWgt gewohnt, ausgewiesen worden. Daraus erklärt sich die HMrsge Erscheinung, die in der bisherigen Geschichte der jüdi- MH Uußwanderung aus Rußland nicht ihresgleichen hat; trotz . pH. Winters währt die Emigration ungeschwächt fort, und der HstWiH in welchem die Unglücklichen auf deutsches Gebiet treten, Mostet scher Beschreibung: Das ״Deutsche Centralcomite für die MsstschkN Juden" in Berlin hat die Aufgabe der Unterstützung Mp Beförderung dieser Auswanderer nach Amerika bisher voll können; hoffentlich fließen ihm auch ferner die dazu Npthigen, allerdings sehr beträchtlichen Mittel zu. Wien- 1. Jänner. Vorgestern Abends fand im Sitzungssaale des israelitischen Bethaüses in der Seitenstettengaste eine -Versammlung der Vorstände der israelitischen Cultusgemeinden von -Wien und - den Vororten statt, in welcher der Präses der israelitischen Cultusgemeinde Wien, Ritter .von Gutmann, den gestern von uns' publicirten Erlass zur Kenntnis brachte, der die Einverleibung der Vororte-Cnltusgemeinden verfügt. ׳ Der - Versammlung wohnte der Verwaltungsausschuß der Wiener Cultusgemeinde bestehend aus den Herren Präses Ritter p. Gutmann, Vicepräses GR. ׳Gustav Simon, GR. Dr, Alfred Stern und Karpeles, Sekretär Dr. Lieben, der Präses .der Cultusgemeinde Sechshaus Gottlieb Tauffig, der Präses der Cultusgemeinde Hernals - Ottakring - Neulerchenfeld Salomon Rosner und der Präses der Cultusgemeinde Währing Emanuel Hofmann bei... Nachdem dieser Erlass zur Kenntnis genommen worden.war, theilte der Vorsitzende mit, dass die neuen Statuten bereits beim Cultusministerium eingereicht sind. An die Neu- Wahl des Ausschusses werde jedoch vor September 1892 nicht geschritten werden können. Die Vorstände der Vororte-Cultusgemeinden wurden daher ersucht, mit ihren Ausschüssen die Steuern wie in der bisherigen Weise einzuheben, wobei bemerkt wurde,/ dass weder eine Erhöhung, noch eine Neusatirung vorzukommen habe. Im Jänner wird ein Delegirter der Wiener Cultusgemeinde bei den . verortlichen Cultusgemeinden erscheinen und deren Jnventarien und Stiftungen übernehmen. Betreffend die Matrikenführnng wurde dem Wunsche der Vorortevoritände gemäß beschlossen, vorläufig auf die von diesen beantragte Dezentralisirung der Matriken einzugehen. Sekretär Dr. Lieben würde auch beauftragt, in diesem Sinne mit dem Referenten in der.Statthalterei, Statthaltereirath Ritter von Marx, zu konferiren. Auch die Chevra-Kadischa hat in gleicher Weise wie bisher zu fUngiren, doch werden die Taxen von der Cultus- . gemeinde Wien behoben. Wien. Der Verein der Montan-, Eisen- und .Maschinen- Industriellen in Oesterreich, sowie der Industrielle Club haben beschlossen, Herrn Wilhelm R. v. G u t m a n n, welcher am 6. März 1892 sein vierzigjähriges Geschäfts-Jubiläum feiert, durch eine Deputation der Vorstände begrüßen zu lasten. Es wird ' bei dieser Gelegenheit Herrn Wilhelm v, G u t m a n n,׳ welcher die erste Anregung zur Gründung beider Vereine gab, ׳ eine künstlerisch aüsgestattete Adresse im Namen seiner Collegen überreicht werden: Misenz (Mähren). Die Chevra Kadischah feierte am' 27. December 1891 ihr 25jähriges Jubiläum׳. Gründer dieses Vereines war der verewigte Rabb. P. Tof, dessen Nachfolger der unvergeßliche Rabb. Dr. N. Brüll gewesen. Am 27. December v. I. waren nicht nur sämmtliche Mitglieder, sondern auch zahlreiche Ehrengäste anwesend und nebst zahlreichen Toasten wurde auch dem Liede aus der sangesfreudigen und sangeskundigen Kehle des allbeliebten Obercantors Josef Kühner volles Recht als Würze der Tafel zuerkannt. Besonders ergreifend׳ wirkte der Vortrag des EI moleh racli’mim des hochbetagten Cantors und fürwahr kein Auge blieb thränenleer, als er der bereits in die Ewigkeit eingegangenen Mitglieder gedachte. Auch der Jungbunzlauer Rabbiner, Herr Dr. M. Grünwald, der auf seiner Durchreise nach Ung.-Brod behufs eines wissenschaftlichen . Vortrages im dortigen Vereine Ch016I)11 seine Eltern in Bisenz . besuchte, wurde bom Chevra Eadisoliali Vorstand zur Festseier geladen und hielt bei dem Male eine Ansprache über die unvergleichliche Institution der Chevra Kadischah, tte nicht nur für die Sterbenden, sondern auch für die Lebenden Sorge trägt, dass deren Leben ein lobenswerthes sei. - Julktt. Für die hiesige Cultusgemeinde wurde Herr I. Nuss bäum, Schüler des Obercantor I. Bauer in Wien, einstimmig als Cantor und Religionslehrer acceptirt. Kremfier. 20. December. Heute fand an der hiesigen. Talmud-Thoraschple im Beisein des Rabbiners Dr. Frankl. und des . Cultusvorstandes Carl L i e b m a n n eine Prüfung statt, welche alle Anwesenden befriedigte. Als ein Schüler die biblischen humanen Grundsätze über das Pfandrecht mit Verständnis vortrug, konnte ein Mitglied des Schulcomites die Bemerkung nicht unterdrücken; ״Schade, dass nicht Rohling, und Schneider anwesend sind, um aus dem Munde der Kinder eines Besseren belehrt zu. werden:" Nachmittags wurden hie

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