Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/1304829-3453241-3453242--3347-3457692- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Kinder reichlich beschenkt. Sonntag Abends hielt der Reli gions - lehrer Dr. Max G r ü n f e l d einen interessanten, durch Beisall ausgezeichneten Vortrag über das ehemalige Landesrabbinat in Kremsier. Wudapest. Die israelitischen Familien der Gemeinde Kleinpest haben sich zu einer Religionsgemeinde vereinigt und wollen nunmehr zum. Bau einer Synagoge schreiten. Die Gemeinde Kleinpest hat den erforderlichen Baugrund unentgeltlich, zur Verfügung gestellt und das Ministerium des Innern Hut unter Z. 69.386 gestattet, dass zur Verwirklichung des hehren Projectes die Sammlung freiwilliger Spenden eingeleitet werde, da die materiellen Kräfte.der neuen Gemeinde nicht ausreichen, um die Kosten des Tempelbaues zu decken. Der Vorstand der Gemeinde wendet sich nun vertrauensvoll an die Glaubensgenossen mit der Bitte um hochherzige Spenden, sowie mit dem Ersuchen, die ausgegebenen Subscriptionsbogen im Kreise von Verwandten und Freunden möglichst zu verbreiten. Die Namen der edlen Spender werden in einem--Gedenkalbum verewigt werden. Budapest. Die Witwe des gefeierten Staatsmannes Grafen Julius Andrassy hat der jüdischen Gemeinde, in M.-Ludas ein Grundstück zu dem Bau einer Synagoge geschenkt. — In der Hauptstadt wurde — wie ״Föv. Lapok" berichten — eine Bewegung in Angelegenheit der Reception der jüdischen Religion eingeleitet. Mehrere junge Advocaten und Schriftsteller haben jüngst Berathungen gehalten und eine Denkschrift an das Abgeordnetenhaus ausgearbeitet/ ° für welche sie mindestens 50.000 Unterschriften sammeln wollen. Es wird darin ausgesührt, wie sehr es an der Zeit sisi, dass hie 1867er Emancipation vollständig gemacht und die'Gleichberechtigung der Juden auch auf die jüdische Religion ausgedehnt werde. Bei den bevorstehenden Abgeordnetenwahlen werden die Juden von den Candidaten das Versprechen, für die Reception einzutreten, verlangen. Komorn. Der hiesige ״Wohlthatigkeits-Verein" veranstaltete am 12. Dezember eine Vorstellung, in welcher nebst anderen Kunstkräften auch, unser allbeliebter Obercantor, Herr Samuel. Knrzniänn, mitwirkte. Seine gesanglichen Vorträge — Cavatine Nr. 8 und Romanze Nr. 16 aus ״Troubadour", ״Ich grolle nicht" von Schumann — ernteten stürmischen Beifall. Die hiesige Presse zollt Herrn Kurzmann wohlverdientes Lob und Anerkennung umsomehr, als das , Reinerträgnis von 400 fl. namentlich seiner Mitwirkung zu verdanken ist. A. E. Sarmstadt. Vor Kurzem waren die am 7. Juni erwählten Delegirten, israelitischen Gemeindevorstände der Provinz Starkenburg hier versammelt, um eine an die Großherzogliche Staatsregierung zu richtende Eingabe, betreffs Aendernng der israelitischen Gemeindeverfassnng und Einsetzung eines oberen Organs der israelitischen Cultusgemeinden zu berathen. Die wichtigste Aufgabe dieser Institution sollte danach zunächst die gründliche Reform des Religionsunterrichts der Landgemeinden sein, ein Ziel, das nur erreichtwerden kann, wenn die Gemeinden solidarisch für einänder eintreten. Ueber die solchen Inhalts vorbereitete Vorstellung wurde allerseits Einverständnis erzielt. Ein durch oben erwähnte Versammlung ernannte Deputation hatte jungst die Ehre, das Schriftstück in einer bercitwilligst gewährten Audienz persönlich Sr. Excellenz dem Herrn Staatsminister Finger zu überreichen. Aarmstadt, 19. Dezember. In der vorgestrigen Stadt- Verordneten-Sitzung hat der Antisemitismus eine kräftige Absertigung erfahren. Anlass gab eine vor vierzehn Tagen im städtischen Saalbaue abgehaltene antisemitische Versammlung, -in welcher der Reichstags-Abgeordnete Dr. B ö ck e l. eine seiner bekannten Hetzreden Hielt und darauf, wie : wenigstens seine . Freunde behaupten, von zahlreichen Anwesenden das Versprechen erhalten haben soll, dass künftig nichts mehr bei Israeliten werde gekauft werden. Eine große Anzahl hiesiger Einwohner hatte daraufhin in einer Petition an die Stadtverordneten gebeten, derartigen Versammlungen, welche geeignet seien, den religiösen-Frieden zu stören, künftighin den Saalbau zu ver- ' Miessen. Die Petition wurde nun. allerdings aus localen Gründen abschlägig deschieden,, die antisemitische Bewegung selbst jedoch von den verschiedenen Rednern sehr scharf verurtheilt. Stadtverordneter B l u m e n t h a l theilte bei diesem Anlasse mit, er habe vor einem halben Jahre beim Großhere zog Audienz gehabt, welcher damals erklärte, die antisemitisch- Bewegung sei ihm umsomehr ein Gräuel, als Eindringlinge es unternähmen, diese Agitation in sein Land hereinzutragen. Es sei richtig, dass auch Kaiser Friedrich den Antisemitismus als eine Schmach bezeichnete. Der Vorsitzende La Uten sch Lag er hat darauf in einem Schlussworte, die bisherige religiöse Eintracht in der hiesigen Stadt als ein heiliges Vermächtnis den Kindern zu überliefern. Für die antisemitische Bewegung wurde, keine Stimme laut. THorn. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde Thorn hat die aus alter Zeit stammende, durch ihre Bauart merswürdige Treppe der früheren Thorner Synagoge nach deren Ab? bruch der Verwaltung der Marienburg angeboten. Die Verwaltung hat die Beachtung verdienende Antiquität mit Dank angenommen und ihr in der Burg einen Platz bestimmt Warschau. Als Folge einiger minder glücklicher Ersahrungen, welche man mit der gegenwärtigen Art der Durchsührung der Colonisation der russischen Juden in Argentinien gemacht hat, soll die von Baron Hirsch eingesetzte oberste Leitung beschlossen haben, der russisch-jüdischen Studentenschaft, welcher ihrer Consession halber alle höheren Lehranstalten in der Heimat verschlossen sind, durch Stipendien, die in größerer Zahl systemisirt werden, die Ausbildung zu ermöglichen, doch mit der engeren Beßimmung, dass die Stipendisten dem Studium der landwirthschastlichen Lehrfächer sich zuwenden. Vornehml ch sind die höheren landwirthschaftlichen Lehranstalten Österreichs in Aussicht gßnommen, in denen die russich-jüdische Intelligenz ihre fachliche Ausbildung erwerben soll, um dieselbe dann zum Nutzen der Stammes- und Leidensgenossin zu verwerthen. Diese jungey, theoretisch und praktisch gebildeten Ökonomen rvürden dann die directe Leitung in den Colonien übernehmen. Ein^esen-et. Wien, den 30. Dezember 1891. Geehrte Freunde und Amtsgenossen! In kürzester Zeit, am 16. Jänner 1892, feiert Herr Ober-Eantor Josef Singer in Wien, der zu wiederholten Malen unsere Interessen an hohen Stellen vertreten, dessen fachmännische Arbeiten im Jntereffe unseres Standes jedem von uns aus diesen Blättern genügend bekannt sind, .seine silberne Hochzeit. Vereinigen wir uns, geehrte Amtsgenoffen, an diesem Tage, indem wir diesem verdienstvollen Manne die Palme der Ehrung reichen, da wir ja hiedurch gleichzeitig dem Inhalte und Wesen unseres Standes die verdiente Bedeutung verleihen. Herr Obercantor Singer hat es abgelehnt, sein 25 jähriges Amtsjubiläum zufeiern. Würdigen wir nun diesen Act der Bescheidenheit, indem alls Amtsbrüder Österreich-Ungarns ihm an dem Familienfeste seiner Silberhochzeit die nöthige Anerkennung möglich herzlichst zum Ausdrucke bringen. Ich lebe der Überzeugung , dass es blos dieses Aufrufes'bedarf, um in den Herzen meiner Amtsbrüder ein reges Jntereffe für diese Frage wachzurufen, und erlaube ich mir, als der Herrn Obercantor Singer zunächstehende College, biejBitte auszusprechen, eventuelle Kundgebungen, resp. Spenden zur Anschaffung einer Ehrengabe an mich gelangen lassen zu wollen. Mit collegialem Gruße Isaak Schiller Cantor am Stadtbethause, Wien I., Seitenstettengasse 4. Korrespondenz der Hledaktion. W. in T. Ihre Angaben stimmen. Entschuldigen den Jrrthum. R. in R.. .z. Ihre Mittheilung wird durch unsere Buchung bestätigt. vis geehrten Herren Abonnenten werden dringend ersucht, den Abonnementsbetrag pro 1892 nnverziiglich einzusenden. Durch Aufstellung einer eigenen Druckerei für mein Jahrzeitstabellen-Geschäft bin ich in der angenehmen Lage, den Herren Collegen ein prachtvoHst ausgeführtes Gedenkblatt ohne Rücksicht auf Grösse und Format mit eingedruckem Texte und Umrechnung — nur gegen vorherige Bin׳־ Sendung des Betrages, da die Nachnahme das Porto um 36 kr. erhöht — um 80 kr. franco zu liefern. Meine Blätter sind für 2 —2l/3 ft, die kleinen, für 2>/2—5 fl. die grossen verkäuflich. Muster gratis. — Ebenso empfehle ich Smaae hatefilos- und Kerenkajemes-Tafeln, sowie eere Gedenkblätter billigst. Adolf Ttirk, Obetcaator in Mähr..Oatraa, Mäbren