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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-01-01 · Heft 1 (1.1.1892) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 1 (1.1.1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Zur Theorie des Klavierspirls*). Von H. Nürnberg. I. Pas Uempo, die Fonart, der Fakt. Merke dir, ehe du von einem Tonstück nur einen Ton spielst, die drei ״T“, Tempo, Ton (Tonart) und Takt. Nichts in der Welt kann man sogleich virtuos machen; es gehört dazu in erster Reihe Zeit und Ueberlegung. Aus diesem Grunde wird man auch beim Spiel eines neu zu studierenden Tonstückes dasselbe in den seltensten Fällen sogleich im richtigen oder Original-Tempo zu spielen vermögen, um dies um so weniger, je bewegter das Stück gespielt werden soll. Die Schnelligkeit wird daher in den meisten Fallen verringert werden muffen, das Stück also mehr oder weniger langsam geübt werden, als der Komponist ungegeben hat. Es trägt nicht bloß die ganze Struktur (Beschaffenheit) eines Musikstückes, sondern auch sein Tempo, in welchem es zu Gehör kommen soll, nicht wenig zu seinem Charakter bei. Eine wichtige Aufgabe des Spielers ist es daher, gleich beim Beginn des neu zu übenden Klavierstückes auf den Charakter und die vom Komponisten beabsichtigte Wirkung desselben zu achten, was ihm, wenn er sich von vornherein an solche Vorbetrachtungen gewöhnt hat, gar nicht schwer fallen kann. Dann wird der junge Klavierspieler, wenn er auch das Tempo erheblich verlangsamen muß, wissen, wie er das ihm bekannt gewordene Ziel erreichen kann. Er wird das Tempo nicht übermäßig verschleppen, sondern schon in seinen Uebungen es merken lassen, in welchem Zeitmaß das' Stück dereinst zu Gehör .kommen soll. Durchschnittlich kann angenommen werden, dass das Tempo im ganzen etwa um die Hälfte des Originaltempos verlangsamt werden kann, derart, dass das Andante und Andantino im Tempo des Adagio, das Allegro etwa Andante oder Allegretto, das Allegro molto (Presto) ungefähr wie Allegro moderato genommen werden mag. Hierher gehört auch, dass beim Studium größerer, meist in der Form der Sonate geschriebener Stücke, der Periodenbau derselben ins Auge zu fassen ist, d. i. es müssen dieselben in einzelne, für sich abgeschlossene The.ile zerlegt und diese dann auch, jeder für sich allein, in dem ursprünglich gewählten Tempo geübt werden, um endlich in geschlossener Reihe abgerundet erscheinen zu können. Wie oben' gesagt, wird keineswegs derlangt, dass der junge Spieler dies jetzt schon im vorgeschriebenen Tempo erreichen soll — das gehört einer späteren Zeit an — aber in dem einmal genommenen Tempo müssen die Sachen, sie mögen kurz oder lang sein, untadelig gehen. Da man von einem jungen Spieler unmöglich verlangen kann, dass er selbst eine solche Theilung der Perioden bewerkstellige, zumal er vorläufig die rein technische Seite des Klavierspiels zu behandeln hat, und von dem Aufbau besonders eines größeren Tonstückes, noch keinen rechten Begriff haben kann, so wolle ein musikalischer Beirat, dem er'sich anvertraut hat, ihn mit dieser Sache, soweit sie eben die Technik nythwendig erscheinen lässt, nach und *)Indem wir obigen Artikel aus der ״Musikalischen Jugendpost" -(Verlag von Carl Grüninger, Stuttgart, wiedergeben, erlauben wir uns auf diese gediegene Jugendzeitschrift aufmerksam zu machen und selbe den Eltern musikalischer Kinder besonders zu empfehlen. . Die Redaction. nach vertraut machen, womöglich ihm im Anfang die einzelnen Abschnitte des zu studierenden Klavierstückes durch Striche mit farbigem Stift vor Augen führen. II. Der Ton, oder wie gewöhnlich, aber nicht gerade gut, gesagt wird, die Tonart, wird durch die Art und Anzahl der Vorzeichen angegeben, und muß sich ein jeder Spieler, ehe er mit dem Spiel beginnt; vollständige Rechenschaft über die zu greifenden Töne geben. Es ist nichts häßlicher, als wenn in einem Stück mit mehreren Kreuzvorzeichnmigen k statt 68, c statt eis, oder in einem mit Been 6 statt b, e statt es u. s. w. gegriffen wird. Es . ist dem Spieler hier sehr zu rathen, dass er vor dem Beginn des Spieles die Tonleiter des Tons durch die ganze Klaviatur spielt, in dem das Stück steht. Auch mache sich der jugendliche Pianist damit bekannt, welchem Tongeschlecht das zu spielende Stück angehört, ob es in einem Dur- oder Noll-Ton geschrieben ist. Ist er nicht im Stande, dies dem Tonstück von vornherein anzusehen, so wird ihm der Hauptfchluß des ersten Satzes in dem meisten Fällen darüber Aufschluß geben. Um dies aber mit voller Sicherheit zu vermögen, so lasse er sich von einem Ersahrenern das Wesen der Tongeschlechter Dur und Noll aus der Leiter wiederholt vorführen. Auch mögen an dieser Stelle schon Uebungen in der Bildung von Dur- und Noll- Dreiktängen und ihren verwandtschaftlichen Verhältnißen stattfinden. Da ein längeres Tonstück sich in den seltensten Fällen in . ein und demselben Ton (Tonart) bewegt, — es würde dadurch einen zu monotonen Charakter erhalten — so ist es notwendig, dass der junge Spieler auf solchen Tonwechsel aufmerksam gemacht, womöglich auf die Anzeichen hingewiesen werde, die dem wirklich vollzogenen Tonwechsel schon vorangehen. Nur dann kann er von einem Klavierstück Verständnis erlangen. Das dritte »T« ist die Taktart, die der Spieler ins Auge fassen muß, ehe er nur einen Ton anschlägt. Er muß sich klarmachen, wie zu zählen ist. Dies scheint nun zwar, weil der Takt gleich nach der Tonvorzeichnung angegeben ist, ziemlich leicht zu sein, und ist es doch nicht immer. Der Spieler sagt sich zwar, dass, wenn 4/4 vorgeschrieben ist, er 4, bei 3/4 Takt 3, bei 2/4 Takt 2 u, s. w. zu zählen ist, sofern eben Viertel gezählt werden, und er hat auch im ganzen recht. Jedoch liegt die Sache etwas anders, vorzüglich bei Berücksichtigung des Tempos. Das allererste ist, dass er sämmtliche gebräuchliche Taktarten kennt. Mag der Spieler nun Achtel, Viertel, halbe Notenwerte oder selbst ganze Takte zählen, so geschehe dies in allen Fällen sehr gleichmäßig, und stelle er zu diesem Zweck unter Anleitung praktische Vorübungen an, wozu die gleichmäßigen Pendelschwingungen eines Stubenregulators ein recht gutes Mittel bieten. Um aber zu wissen, welche Notenwerte zu zählen sind, ist es, wie oben gesagt, nötig, die Tempobewegung des zu spielenden Stückes zu berücksichtigen. Ist das Tempo bewegter, so werden größere Werte zu zählen sein, also beispielsweise im 4/4 Takt statt Viertel, halbe Notenwerte; ist es dagegen ruhiger oder wohl gar langsam, so wird der Spieler kleinere Werte, also in derselben Taktart Achtel statt Viertel zählen müssen. Ist der Spieler gezwungen, das Tempo zu verlangsamen, so ist im allgemeinen zu raten, anfänglich halbe Werte zu •">rד ־ yf ־..

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