Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 33 (21.12.1891)
- Date
- 1891-12-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Merkle unb Suter zu. verwerfen, und die Frage grundsätzlich zu entscheiden. Damit wird die Diskussion geschloffen. Zu der Abstimmung wird zunächst eventuell das Amendement Suter zum Mehrheitsantrag mit großer Mehrheit und Las Amendement Merkle zum Minderheitsantrag mit 44 gegen 43 Stimmen abgelehnt und sodann der Antrag der KommissionsmHrheit gegenüber dem der Minderheit mit 80 gegen 43 Stimmen unverändert angenommen, das heißt die Rekurse-Berns und Aargaus werden in Uebereinstimmung mit dem Bundesrath und dem Ständerath abgewiesen. Meine Chronik. Wim. (Kaiserliche Spende für einen S y n ag og en bau.) Nachdem vor zwei Jahren ein Legatstr 25.000 fl. zum Baue einer polnisch-jüdischen Synagoge in Dien bestimmt hatte, wurde zur Aufbringung der übrigen Baukosten dem zu! diesem Zwecke unter dem Ehrenpräsidium des k. k. Baurathes Stiaßny gebildeten Comite die Veranstaltung einer Effecten- Lotterie bewilligt, für welche der Kaiser als Haupttreffer ein reichverziertes silbernes Kaffee-Service gespendet hat. Durch diese hochherzige That hat unser Monarch neuerlich bewiesen, dass er in der väterlichen Fürsorge für seine Unterthanen, gleichviel ob sie Juden oder EhrPen sind, keinen Unterschied kennt. Die dem Comitä zugemittelte hohe Verfügung lautet: K. u. 1 General-Direcction der A. H.. Privat- und Familien-Fonde. ^660 An das geehrte Comite zur Erbauung einer polnisch-jüdischen SynagogeinWien. Seine kaiserliche and königliche Apostolische Majestät haben dem geehrten Comite für die zu veranstaltende Effecten-Lotterie, deren Reingewinn dem Zwecke der Erbauung einer polnischjüdischen Synagoqe in Wien gewidmet wird, als Gewinnst- Gegenstand ein silbernes, reich verziertes Kaffee-Service im Style Louis UV. für sechs-Personen, bestehend aus einer des Wiener Hofes, in Paris durchaus die Marquise von > Pompadour auf die geschminkten Wangen küssen wollte. ״Hat > mich doch die Kaiserin geküsst," rief er zornig aus, ״und diese La will mir keinen Kuss geben!" Es war ein Glück, dass die allmächtige Maitresse diese Worte nicht verstand, sonst wäre es! dem Wunderkuaben wohl schlecht ergangen am Hofe zu Paris;! indeß aber wurde er verwöhnt und verhätschelt, und auch in׳ London überhäuften ihn die Majestäten mit Aufmerksamkeiteu; König Georg MI., der die Musik sehr liebte, ließ keine Gelegenheit Vorbeigehen, ohne die österreichische Musikerfamilie auszüzeichnen, und die Königin ließ sich von dem kleinen Wundertraben zu ihrer Lieblingsarie (eiu Lied von Händel) begleiten. Da wurde der Vater plötzlich krank und die Mozartische Familie war in nicht geringer Angst um sein Leben. Nach wochenlangem Krankenlager erholte sich der Kranke endlich und die Familie konnte an die Heimreise denken; war ja der . Aufenthalt in Englands Hauptstadt trotz der kostbaren Geschenke, die sie erhielten, immer noch zu kostspielig für ihre geringen Mittel. Während seiner Krankheit aber hatte der alte Mozart gelobt, falls er gesunden sollte, zehn Dankmesseit in der Kirche lesen zu lassen und ein Judenkind, das im gleichen Alter mit seinem Wolfgang siche, zum Christenthum zu bekehren. Dieses Kind fand sich in dem achtjährigen Sohne des Violincellisten Sipruntini, der zur selben Zeit aus Holland kam, um in Englands Hauptstadt durch sein Spiel viel Geld zu verdienen. Eifrig gieug denn auch der alte Mozart an die Bekchrmtgsversuche, von denen aber selbstverständlich unser Wolfgang nicht die mindeste Ahnung hatte; und schwerlich würde ihm diese Art der Dankbarkeit recht zugesagt haben. Auch später, in seinen Mannesjahren und in den Tagen seines höchsten Ruhmes hatte Mozart Beziehungen zu Juden. Kaffeekanne, einer Milchkanne, einer Zuckerschale und - einem silbernen Plateau sammt-- Ledercassetre, aus der. Allerhöchsten Privatcaffa huldvollst zu spenden geruhet. . - Indem ich diesen Gewinnst-Gegenstand zugleich mit der Verständigung dem geehrten Comitys 'übergeben lasse, ersuche ich, die EmpfaNgnahme desselben, gefälligst -bestätigen -zu wollen. Wien, am 3. December 1891. Mayr m. p. Wien- (Gaudenzdorf.) Anlässlich des Regiernngs-Jubiläunzs Sr. Majestät des Kaisers ist in unserem Bezirke ein Humänitätsverein ״Edelsinn" gegründet worden, mit der Tendenz, dürftige Wöchnerinnen zu unterstützen und eventuell die Beistellung eines Gevatters zu besorgen. Die Anregung hiezu ist von unserem Cantor, Herrn Carl Grün f e ld, ausgegangen, der durch 17 Jahre bereits hier amtirt und; sich allgemeiner Beliebtheit erfreut. In der vorjährigen Generalversammlung wurde der Antrag gestellt, für den Verein ein Sefer- Thora anfertigen zu lasten und dem Sechshauser Bethäuse zu , übergeben. Mit Einwilligung des Bethausvorstandes fand! שבת פ' תולדות die Einweihung des Sefer statt. Den gesanglichen Theil besorgte Herr Cantör Grünfekd, der auch als Vereinsvorstand die Feier mit einer Ansprache eröffnete. Nach der Einweihungsrede des Herrn Rabbiner Hirsch, erfolgte die Uebergabe des Sefer an den Präses des Bethauses, Herrn Hofbauer, welcher seine Rede über die humane Tendenz des Vereines mit einem Hoch auf den Kaiser schloß. -Unter den geladenen Gästen waren: Ehrwürden Bezirks-Rabbiner Dr. Schmie d l, Cantor Stern und der Vorsteher der Cultus-׳ gemeinde Fünfhaus, Herr David K o h n, der auch eine bedeutende Summe dem Vereine spendete. Graz. (Grenz er Weiterung der israelitischen Cultusgemeinde.) Ein Erweiterung ist abermals bei der hiesigen Cultusgemeinde bevorstehend, und zwar vollzieht sich dieselbe auf Kosten der Triester Cultusgemeinde, welche also demgemäß eine Reducirung erfährt. Die Israeliten Krains nämlich, welche bis jetzt zur Cultusgemeinde in Triest gehörten, haben an die hiesige Cultusgemeinde das Ersuchen gestellt, derselben im Sinne des Gesetzes vom 21. März 1890 zugewiesen zu werden. Aus verschiedenen Gründen wollen dieselben aus > In dem Hause eines reichen Juden, . des sonst nicht be- > kannten Barons v. Wetzlar, verlebte Mozart auch die erste Zeit seiner jungen Ehe; dass er sich in dem Hause sehr wohl fühlte und zu seinen Hausleuten in vertrautesten Beziehungen stand,! davon gibt ein Schreiben Wolfgangs an seinen Vater beredtes Zeugnis. Der junge Mozart berichtetvon einem Hausballe, den ec in seiner Wohnung gegeben und bei dem auch der Baron Wetzlar sammt Frau zugegen war. Der reiche jüdische Baron zeigte sich auch dem Künstler gegenüber stets von der bereitwilligsten Liebenswürdigkeit; so steht auch der Name des Herr v. Wetzlar unter Mozarts Gönnern auf der Subscriptionsliste zu den Fastenconcerten, welche Mozart an den drei letzten Mittwochen in den Fasten im Saale des Buchhändlers Trattner am Graben gab. Baron Wetzlar, ein großer Musikliebhaber, hatte sogar die Bekanntschaft Mozarts mit dem italienischen Dichter Lorenzo da Ponte, der später den Text zum ״Don Juan" schrieb, vermittelt und erwies sich auch bei dieser Gelegenheit als großmüthiger Gönner. Da Mozart die Besorgnis äußerte, eine von ihm compoNierte Oper werde nicht zugelassen werden, erbot sich Wetzlar, für den Text dem Dichter ein angemessenes Honorar zu zahlen und die Aufführung der Oper, wenn die Hinderniße in Wien unübersteiglich sein sollten, in London oder Paris zu erwirken. Ueber all' diesen persönlichen Beziehungen steht aber der, Geist der Liebe und Humanität, von dem Mozarts unsterbliche Tondichtungen durchglüht waren, jener Geist, der Vorurtheil und Hass zurückgedrängt und vernichtet und die Kinder Israels aus dem Banne des Ghettos erlöst, der auch die Liebe zur Tonkunst und die Ausübung derselben in ihrer Mitte von Neuem geweckt hat, so dass auch sie heute mit der ganzen Menschheit das Andenken des großen Tondichters feiern dürfen".