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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-12-21 · Heft 33 (21.12.1891) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 33 (21.12.1891)
Date
1891-12-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7׳ dem Verbände der Triester Cultusgemeinde scheiden und der hiesigen angehören, worauf dieselbe auch bedingungsweise einzugehen geneigt ist. Doch werden die Israeliten Krams nicht an dem Vermögen der hiesigen Gemeinde participiren. Demgemäß wild nun die hiesige Cultusgemeinde, nach dem Gesetze vom 21. März 1890, aus den im Weichbilde der Stadt Graz wohnhaften Angehörigen und aus den in Steiermark,. Kärnten und Krain domicilirenden: Zugewiesenen bestehen. H>rag. Der ״Gemeinde-Zeitung" wird berichtet: Die Bne Israel sind auch in Europa wohlbekannt; denn es sind dies jene Juden, die in einigen Städten an der Westküste Indiens leben und eine braune Gesichtssarbe haben, lieber ihre Abstammung ist schon viel geschrieben worden, ohne dass Geschichtsforscher und Ethnographen darüber einig geworden wären. Das Wahrscheinlichste ist, dass diese Juden von jenen jüdischen Bergwerksarbeilern abstammen, die Salomon nach Indien geschickt, damit sie die reichen Goldlager daselbst, die aber jetzt schon völlig erschöpft sind, ausbeuten und die dann Töchter dieses Landes heiratheten und mit ihnen Nachkommen zeugten, welche die Gesichtsfarbe der Mutter beibehielten. Diese Nachkommen heiratheren wieder Jndierinnen, und so erhielt sich ihre braune Gesichtsfarbe bis heute. Diesmal will ich jedoch blos hervorheben, dass die englisch-indische Regierung schon längst die Bene Israel als Soldaten anzuwerben pflegte — in Indien, wie in England ist der Militärdienst nicht obligat und werden auch hier in Indien die Soldaten blos angeworben oder gemiethet — und mit ihnen auch vollkommen zufrieden ist, da dieselben äußerst muthig, tapfer und kühn sind und nur selten zu Klagen Anlass geben. Noch seltener geschieht es, dass über diese jüdisch-indischen Soldaten wegen Ungehorsams eine Disciplinarstrafe verhängt werden müsste. Für die Kaiserin-Königin Victoria und ihr erlauchtes Haus haben die schwarzbraunen Juden, wie alle Juden Indiens, eine fast schwärmerische Verehrung, da sie wohl wissen, dass sie ihre angenehme bürgerliche Stellung, die fast nichts zu wünschen übrig lässt, nur dem milden und toleranten Scepter Englands verdanken. Selbst die einheimischen indischen Blätter müssen es eingestehen, dass diese Bene Israel, oder wie sie in der Mahrattensprache heißen, die Kutschi, recht tüchtige Soldaten sind, und eines dieser Blätter, der ״Rasti Gutta!"' hat jüngsthin wörtlich geschrieben: ״In unserer einheimischen Armee herrscht volle religiöse Duldung und Freiheit und jeder Krieger kann frei und treu dem Glauben anhängen, der ihm gefällt und in dem er ist erzogen worden. Die Soldaten, ob sie nun heute Hindu, Christen, Mohamedaner oder Juden (Kutschi) sind, tragen daher mit Freuden ihre Waffen und sind sie auch zu jeder Stunde bereit, ihr Blut und Leben für ihre hohe Gebieterin, die Kaiserin-Königin zu lassen ... Aber auch eine wahre Brüderlichkeit herrscht unter unseren Kriegern, weil sie alle gleich tapfer, alle gleich gehorsam und alle gleich duldsam sind, und der Kutschi erträgt ebenso willig alle Mühseligkeiten des Kriegerlebens, wie der Hindu und Mohamedaner. Unsere Kaiserin-Königin kann daher mit vollster Zuversicht auf ihre indische Armee blicken, die ein scharses Schwert ist. Gr.-Kanizsa, 14. December. Nicht vielgepriesene Wohlthätigkeit, die oft marktschreierisch in hohen Tönen ausposaunt wird; nicht hochgesellschaftliche Stellung, de zumeist durch unbescheidenes Vordrängen erzwungen wird; auch nicht Förderung gemeinnütziger Zwecke, die in den gewöhnlichsten Fällen eitle Rangsucht zum Ausgangspunkte hat; kein Künstlertalent, kein classisches Element, weder Gelehrsamkeit noch religiöse Begeisterung veranlassen es diesmal, dass ich über eine Person, die wir heute zu Grabe geleitet, Bericht erstatte. — Frau Jda Weiß, Gattin des hier wohnenden Herrn Emil Weiß, eine blühende, junge Frau, die im Alter von kaum 30 Jahren nach 12jähriger glücklicher Ehe das Zeitliche gesegnet, war eine stille, bescheidene Frau, die im buchstäblichen Sinne des Bibelwortes den Adel ihrer weiblichen Würde im Innern trug. Als reizend anmuthige Erscheinung hatte sie sich durch ihre Liebenswürdigkeit alle Herzen, die ihr im gesellschaftlichen Verkehre nahe kamen, erobert, und selbst aus besseren intellektuellen Kreisen Freund und Freundin erworben. Ihre Tugenden weiblicher Vollkommenheit, als arbeitsame Haushälterin, als treue Gattin, als unvergleichlich zärtliche Mutter von 4 reizenden Kindern, für die sie, allen weltlichen Gerausches und zeitverschwendender Tändeleien abseits, ernstlich lebte und strebte, fanden in dem ihr am Sarge gehaltenen Nachrufe lebhaften Ausdruck. Ihre Wohlgelittenheit und allgemeine Verehrung manifestirten sich auch in glänzender Weise bei ihrem heute stattgefundenen Leichenbegängniße. Eine unübersehbare Menge aus allen Schichten der Stadtbevölkerung folgte ihrem Sarge und die jederseits bekundete, wahrhaft herzliche Theilnähme war eine rührende. Möge in das seines herrlichsten Schmuckes beraubte Trauerhaus, wo ein vom Schmerze gebrochener Gatte, 4 mutlerverwaiste Kinder, und tieftrauernde Verwandten von Jammer niedergedrückt weilen, bald wieder׳ Trost, Ruhe, Friede und Freude einkehren. 6-.... Lemberg. Wie dem ״Dziennik polski“ aus Odessa gemeldet wird, überraschte das russische Justizministerium diese Stadt mit einem Erlasse, der unter vielen jüdischen Familien große Bestürzung hervorgerufen hat. In diesem Erlasse werden die Friedensgerichte und sonstigen Justizbehörden aufgefordert, sämmtliche Juden, die in diesen Aemtern als Schreiber sungireu, oder sonst welchen Posten bekleiden, sofort zu entlassen. Das heilige Rußland kennt aber, so es sich um Beschränkung der Rechte der Juden handelt, gar keine Grenze. So ist seit jüngster Zeit in diesem Reiche den jüdischen Kaufleuten nur so viele Handlungscommis und sonstige Gehilfen aufzunehmen gestattet, wie viel der Gouverneur des betreffenden Ortes gestattet. Ein Gremium jüdischer Kaufleute appellirte daher an den juridischen Senat, um diesen Erlaß zu annulliren. Der hochweise Senat hat aber ihre Bitte abschlägig beantwortet. Hepkitz. Am 30. v. M. fand im Fürst Clary'schen Gartensalon ein vom Tempelverein zu Gunsten der Bekleidung armer Kinder veranstaltetes Wohlthätigkeits Concert statt. Dasselbe war sowohl in künstlerischer als pecuniärer Beziehung vom schönsten Erfolge begleitet. Den Anfang machte ein Concert für zwei Violinen mit Clavierbegleitung, das sich durch das!restliche Zusammenspiel der Herren Kapellmeister Groß, Concertmeister Müller und Kwitschala auszeichnete. Die übrigen Mitwirkenden, Herr de Beer, der eine Arie aus der Oper ״Josef und seine Brüder" zum Vortrag brachte, sowie die Sängerin Frl. Amalie Stöger, ferner Herr Frankel, Frl. Czermak, v. Thelen und Rosen, Herr Obercantor Großkopf und der Operettentenor Herr Pauly ernteten reichlichen Beifall. Petersburg. Die Offiziere des 19. Kaiserjäger-Regiments mit ihrem Obersten an der Spitze bereiteten vor kurzer Zeit ihrem Kameraden, dem Staatsrath Dr. Alexander F i nk e l st e i n, welcher 21 Jahre als Regimentsarzt bei dieser vornehmen Truppe gedient hatte, eine öffentliche Abschiedsfeier. Die zu Ehren des Gefeierten veranstaltete Soiree und die kostbaren, ihm überreichten Geschenke zeugen von der hohen Achtung, in welcher er beim Officierscorps stand. London. Mit Genehmigung des Rabbiners hat der Vorstand der ״United Synagoge" einen Gottesdienst für die Frauen eingerichtet; dieser findet alle 14 Tage am Samstag Nachmittag statt, und zwar im Gesellenhans der jüdischen Arbeiter; derselbe besteht aus einem hebräischen Gesänge, englischen Gebeten, Lectüre und Erklärung der Bibel und einem Schlußgesang. Mailand. Die Zahl der jüdischen Parlamentsmitglieder ist durch die Wohl des Ritters Jppolito Luzzati für den Wahlbezirks Casale auf 10 gestiegen. Es ist dies der erste Jude, der aus den alten Provinzen in das Parlament gewählt wurde. Herr Luzzati, von Beruf Advokat, ist ein gewandter Schriftsteller, ein vorzüglicher Redner und einer der tiefsten Denker in Italien. Z)ie geehrten Kerren Abonnenten werden dringendst ersucht, die Rückstände ehestens zu begleichen, da anch mit zum Jahresschluss größere» Verpflichtungen nachzukommen haben. Die Administration.

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