Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 32 (11.12.1891)
- Date
- 1891-12-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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— e ansteckend, nach dem Spital der barmherzigen Schwestern (Nonnen-Spital) gebracht wurde, woselbst es am Samstag gestorben ist. Als der hiesige' Verein בני־לוית die Beerdigung desselben veranstalten wollte, machte man dem Vorstande die Mittheilung, dass das verstorbene Mädchen vor dem Tode getauft worden sei. . . Die Nachricht verbreitete sich rasch in der .Stadt und erregte die größte Sensation. Vergebens bemühten sich Rabbiner Dr. Caro und Cultuspräses Horowitz darum, dass man die Verblichene auf dem jüdischen Friedhofe beerdige, da doch die Taufe an einer Typhus-Kranken, welche sich fortwahrend im Delirium befand, nicht giltig sein könne. Die Versrorbene wurde unter Polizeibewachung auf dem christlichen Friedhöfe beerdigt. Wie verlautet, wird die Repräsentanz den Lemberger Gemeinde die nöthigen Schritte einleiteu, um zu bewirken, dass die Taufe für ungiltig erklärt und die Verblichene nach jüdischem Ritus aus den jüdischen Friedhof zurückgebracht werde. Wrrdaxest. (״Chevra Kadiseha“) Seit den anderthalbtausend Jahren, dass die Juden, aus ihxem palästinischen Vaterlande endgiltig vertrieben, sich in alle 'Welt zerstreut haben, bekunden sie überall, wo sie sich in größerer Anzahl beisammen finden, das menschenfreundliche Streben, aus ihrer Mitte einen engeren Bund zur Unterstützung der Armen, zur Pflege der Kranken und Siechen und zur Bestattung der Todten zu gründen. Es ist dies die Chevra Kadisclia, die in allen Zonen, wohin die jüdische Diaspora gedrungen, mit der gleichen Organisation und mit der gleichen frommenABestimmung anzutreffen ist. Aus der babylonischen Gefangenschaft, aus der Heimat dieses Bundes, stammen die ernsten und bedeutsamen Brauchthümer, unter welchen das neue Mitglied der Bruderkette an gefügt und in seine neuen Pflichten eingeführt wird. In einem feierlich erhellten Raume, . in den kein Lichtstrahl von draußen einfäüt, sitzen an einer langen Tafel die Häupter und Zierden der Glaubensgenossenschast, die ״Aeltesten Israels^, und rings umher die heiligen Schriften und heiligen Geräthschaften. An der Spitze der Tafel das greife Oberhaupt des Bundes, das nach Beendigung der Ceremonie den Neuaufgenommenen willkommen heißt, worauf ihm - alle Uebrigen mit den Worten: ״Nunmehr unser Bruder!" die Rechte drücken. Der neuanfgenommene Genosse steuert bei dieser Gelegenheit nach Maßgabe seiner Kräfte zu den Ausgaben, des frommen Bundes bei und Redekmrdige fühlen sich im Momente der Aufnahme unter der ergreifenden Wirkung der ganzen Sceuerie Wohl auch veranlasst, den Gefühlen, die auf sie einstürmen, wohlklingenden Ausdruck zu verleihen. Von drei zu drei Jahren wiederholen sich diese Aufnahmscereinonien, und auch in diesen Tagen läuft ein neuer Cyclus der Pester Chevra Kadisclia ab, die, just vor hundert Jahren gegründet, jetzt eben ihre Eentennarfeier begeht. Schon seit einigen Tagen herrscht in dem Bureau des heiligen Vereins (Waitznerboulevard 37), wo seit Jahrzehnten der greise Präses Carl Krauß voller Hingabe seines Amtes waltet, ein reges Kommen und Gehen, denn es werden daselbst die An- Meldungen für die am 6. December beginnenden Aufnahmsfeierlichkeilen entgegengenommen. Während der hundert Jahre seines Bestandes hat dieser wahrhaft heilige Verein Millionen von Gulden den Werken der Menschenliebe zugeführt. Der letzte Jahresbericht belehrt uns darüber, dass der Verein im Jahre 1890 für das israelitische Spital die letzte und vierte Baurate seiner 50.000 fl.-Stiftung entrichtet und außerdem mit 15.000 fl. für die Jahreskosten dieser menschenfreundlichen Anstakt aufgekommen ist; dass er für Armen- und Krankenunterstütz ung über 20.000 fl. verausgabte und nicht weniger, als 2006 Personen, darunter inehr als die Hälfte vollkommen gratis, mit einem Kostenaufwande von nahezu 19.000 Gulden auf würdige und humane Weise bestattet. Ueberdies aber hat der Verein soeben im Stadtwäldchen einen neuen Monumentalbau für feine armen Sirchen vollendet und sein gemeinnütziges und von edlem Erbarmen geleitetes Wirken ist für alle Welt so einleuchtend und offenbar, dass er trotz der immer auf's neue entstehenden Humanstären Vereinsrivalen noch immer den ersten Platz einnimmt unter den Wohlthätigkeits-Jnstituten der ungarischen Hauptstadt, vyn deren meisten er sich auch dadurch unterscheidet, dass vermöge seiner Organisation die Hilfe dort, wo sie noththut, sofort und zu jeder Tageszeit ohne jegliches bureaukratisches Verfahren gewahrt wird und dass dem Kranken geschulte Pfleger wann immer ohne jedes Entgelt zur Verfügung gestellt werden können. Eine solche Vereinigung guter und hilfbereiter Menschen verdient es wohl, dass sie bei ihrem Eintritt in ihr zweites Säculum von den guten Wünschen edler Humanität auf's innigste begleitet werde. (״Pest;. Lloyd״.) Wudapest, 30. November. Eine glänzende Trauung fand gestern im israelitischen Tempel in der Tabakgasse statt. Herr Hugo Weiner, Theilhaber der Firma Weiner & Grünbaum, führte Fräulein Stefanie Grünbaum, die Tochter des Herrn Max Grünbanm, als Gattin heim. Die Trauung vollzog Prediger Dr. Kohn, welcher an das junge Paar eine ergreifende Ansprache richtete. Sowohl vor, als auch nach der Träuungsceremonie trug der große Tempelchor unter Leitung des Obcrcantors Lazarus der Gelegenheit angepasste Gesänge in vollendeter Weise vor. Unter den Hochzeitsgästen sah man den FML. Lukinacz, den Reichstags-Abgeordneten Jellinek, die Stadtrepräsentanten königlicher Rath Johann Merö und Josef Renn sen., den Präsidenten der Ungarischen Kaufmannshalle Heinrich v. Jellinek; ferner waren der Vorstand der israelitischen Cnltusgemeinde und die Kaufmanns- und- Handelskreise durch zahlreiche Mitglieder vertreten. Die Auf- und Abfahrt des imposanten Hochzeitszuges nahm nahezu eine Stunde in Anspruch. — Ebenfalls gestern führte im großen Tempel in der .Tabakgasse Herr Geza.Goldzieher das Fräulein Jlma Weltner, die Tochter des hiesigen Kaufmanns Josef Weltner, zum Traualtar. Bei dieser Trauung war die Kaufmannswelt sehr zahlreich vertreten. Den Trauact vollzog Dr. Kayserling. — Herr Gustav Wilczek, Mitchef der Firma Mautner & Wilczek, vermälte sich mit Fräulein Gisela Mautner, der Tochter seines Compagnons Adolf Mautner. Der Trauung wohnten die Mitglieder der Kaufmannshallc mit ihrem Präsidenten Heinrich v. Jellinek an. — Herr Emil Strauß, Ingenieur und Architekt, führte das Fräulein Ilona Grünstein, Tochter des bekannten hiesigen Juweliers Heinrich Grünstein, zum Traualtar. Die beiden letzteren Eheschließungen vollzogen Dr. Kohn und Obercantor Lazarus. Wudapest, 30. November. Gestern Nachmittags 4 Uhr veranstaltete der ״Chinuch J5eorim“־SBerein in seinem Gottes- Hause eine Seelenandacht für den jüngst verstorbenen Gründer dieses Vereines, weiland Simon Bacher. Der Trauerfeier wohnte im schwarzdecorirten Betlocale ein zahlreiches Publikum an. Die Vereinsleitung mit ihrem Präsidenten Jakob M e ssinger war vollzählig erschienen. Cantor A. Stern verrichtete den Abendgottesdienst, worauf Rabbiner Simon Goldb erg er die Gedenkrede hielt. Der Rabbiner würdigte Bacher als Menschen, als Juden, als Gelehrten und als Dichter. In letzterer Eigenschaft hat sich Bacher einen klangvollen Namen gemacht, er war überall, wo Juden wohnen, gekannt, und seine literarischen Arbeiten waren sehr geschätzt. Cantor Stern verrichtete noch das Seelenheilgebet für den Verewigten, womit die Trauerfeier ihr Ende erreichte. Agram. Am 20. v. M. wurde der Wintertempel, der durch die Munificenz unseres hochverehrten Mitgliedes, Herrn Leopold Schwarz, erbaut wurde, eingeweiht. Die Weihrede hielt Herr Oberrabbiner Dr. Jakobi, den gesanglichen Theil versah Oberkantor S ch l o m. Wertin. Die ägyptische Abtheilung der königlichen Museen in Berlin hat von dem Fabrikbesitzer Herrn Julius Jsaac in Berlin ein geschichtlich sehr bemerkenswerthes Denkmal zum Geschenk erhalten. Es ist dies ein großer Alabasterblock in Form eines heiligen Schreins, in dem einst die Gefäße mit den Eingeweiden des Königs Scheschonk I. (um 930 v. Chr.) aufbewahrt wurden. Auf dem dachartigen Deckel des Schreines ruht ein theilweise im Reliefe gearbeiteter Geier. Auf den Seiten des Untertheils sind die Göttinnen Isis und Nephthys dargestellt, die mit ihren Flügeln den heiligen Inhalt des Schreines beschützen. Auf der Vorderseite steht außerdem noch der Name des Königs, Scheschonk I. ist eine auch in der Bibel erwähnte historische Persönlichkeit. Dort heißt er Schischak und I ist derselbe, der im fünften Jahre des Königs Nehabeam nach