Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 32 (11.12.1891)
- Date
- 1891-12-11
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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— *Y — Palästina zog, Jerusalem eroberte und von da die Schätze des Tempels und Palastes, namentlich die von Salomo gestifteten goldenen Schilde, mit sich wegführte. Der Schrein ist in dem .,Saale des neuen Reichs" in dem ägyptischen Museum zur Aufstellung gelangt. Magdeburg. Der Colonisationsplau des Barons von Hirsch in Argentinien wird — wie die ״Magdeb. Ztg." berichtet — von der dortigen Presse sehr lebhaft besprochen. Die Auswahl des Landes, welches im Norden unweit Nueve de Julio liegt, wird als nicht günstig bezeichnet. Das ״Argentinische Wochenblatt" schreibt, es wäre besser gewesen, man hätte die russischen Israeliten in südlicheren Gegenden angesiedelt. Die- Besiedelung sei im Norden selbst für Elemente, deren Colonisationstüchtigkeit keinem Zweifel unterliegt, schwierig. Daran sei aber weder die Beschaffenheit und Ertragsfähigkeit des Bodens noch das Klima schuld, wohl aber die ungeheure Schwierigkeit, frisch eingewanderte Europäer an die Lebens- und Arbeitsweise in diesen Gegenden zu gewöhnen, sowie die irrationelle Productionsweise, wie sie meist in den subtropischen und tropischen Ländern betrieben wird. Diese Uebelstände werden sich auch gegenüber den Israeliten fühlbar machen und ein günstiges Ergebnis der Besiedelung könnte nur durch strenge Disciplin in der Lebensweise und durch praktische rationelle Arbeitsweise ermöglicht werden. Wiesbaden. Der russische Minister des Aeußern, Herr v. G i e r s, welcher vor Kurzem hier weilte, empfieng am 7. November einen Mitarbeiter des ״New-Aork Herald" und äußerte sich gegen denselben über verschiedene politische Tagesfragen. Aus dem Bericht des Correspondenten sei hier die Stelle wiedergegeben, welche sich auf die Maßnahmen der ruf ft■- scheu Regierung gegenüber den Juden bezieht. Es heißt darin: ״Auf eine Anspielung wegen der willkürlichen Behandlung der Racenfragen in Rußland" bemerkte Giers: ״Ich versichere Sie, nichts überrascht mich mehr, als die auswärtige Kritik über diese Frage.. Ein Gutsbesitzer muß doch sicher wissen, wie er sein Gut verwaltet, und jedes Arrangement, welches seinem Nachbar nicht schadet, geht ihn allein etwas an. Sind wir der einzige Staat, welcher es für nothweudig hält, durch Disciplinarmaßregeln Ordnung in das Chaos zu bringen? Blicken Sie auf die Geschichte Friedrichs des Großen, aufseine eiserne Disciplin in öffentlichen und privaten Angelegenheiten, auf seine rücksichtslose Autorität und seinen Absolutismus, und doch war er in Wirklichkeit ein großer König und Gesetzgeber. Blicken wir ferner auf die Geschichte des Continents von Waterloo bis Sadowa. Ich brauche Sie nur hinzuweisen auf die Verbannung Heine's, die Spionage über Niebuhr, Fritz Reuter's Gefangenschaft, die Geschichte des Herrn Marx, dessen Vater schon kein Jude war und für einen treuen Schüler Hegel's galt und auch als gefährlich angesehen wurde. Soll ich ferner auf Schurz und Andere verweisen, welche seitdem groß und klug geworden sind, und können Sie behaupten, dass wir solche Lichter unter unseren ruhestörenden Elementen haben, deren einzige Idee einee Revolution ist Mord, Raub und Nihilismus? Ich kann nicht begreifen, wie civilisirte Nationen unsere Regierungsmethode kritisiren können, wenn sie nur auf England und seine Behandlung Ostindiens zur Zeit des Aufstandes zu sehen brauchen. Was würde Ihre Presse sagen, wenn wir Hunderte von Nihilisten vor die Kanonen binden und in die Luft sprengen würden? Jeder weitere Vergleich scheint mir überflüssig zu sein׳" — Wer wird da noch an eine Milderung der harten Maßregeln gegen unsere Glaubensgenossen in Rußland glauben? Kekder (Holland). Als eine Seltenheit können wir mittheilen, dass vor einiger Zeit /im Tischrimonat) am Bord des im hiesigen Hafen liegenden Kriegsschiffes — Instructions-Brigg ״Salamander" — eine Beschneidnng stattsand, und zwar bei dem Söhnchen des Schiffscommaudanten Velleman, der mit seiner Familie auf dem Schiffe wohnt. Herr Coltof, welcher die Beschneidung vollzog, knüpfte seine Tischrede an die Minchah- Haftarah des Versöhnungstages. — Auf demselben Schiffe wird auch alljährlich am Peßachfeste die Sederfeier nach dem vorgeschriebenen Ritus abgehalten. Es ist dies ein Beweis, dass man an jedem Orte und in jeder Lebensstellung das jüdische Religionsgesetz beobachten kann, wenn man nur ernstlich will. . Straßburg. Der Municipalrath schenkte der jüdischen Gemeinde einen Platz für den Bau der neuen Synagoge und gewährte außerdem eine ansehnliche Geldsubvention.. Karis. In der ziemlich umfangreichen Abtheilung Hebraica in der Nationalbibliothek existiren nur noch zwei, der jüdischen Litteratur gewidmete Büchereien, die des rabbinischen Seminars und der Alliance Israelite Universelle. Die Benützung der letzteren ist leider durch eine durch nichts gerechtfertigte Verwaltungsroutine sehr erschwert. Man muß tags vorher brieflich die Bücher bezeichnen, welche mau zu benützen wünscht, obwohl die ganze Bibliothek in einem großen Saale und in zwei Nebenzimmern ausgestellt ist. Es ist leider kein Katalog der/ wenn wir gut unterrichtet sind, 4000 Nummern umfassenden Bibliothek vorhanden, obwohl ein solcher von einem tüchtigen Fachmanne in weniger als 14 Tagen mit verhältnismäßig geringen Kosten hergestellt werden könnte. Ein fernerer Uebelstand ist der, dass der Leser wie verstohlen in einem Durchgangszimmer Platz nehmen muß, wo er natürlich durch das ewige Ein- und Ausgehen der Beamten und Besucher in seinen Studien sehr gestört wird. Man könnte, ohne den Dienst der Alliance irgendwie zu beeinträchtigen, den Bibliothekssaal (mit Ausnahme der Sitzungstage), denn die Sitzungen der Centralcomite finden im Bibliothekst saale statt), der allgemeinen Benützung überlassen. Bisher haes den Anschein, als ob die Bibliothek eine Privatbibliothek wäre; das ist sie jedoch nicht, da sie aus den Mitgliedsbeiträgen gekauft wurde und jährlich ergänzt wird. Vielleicht tragen diese.Zeilen dazu bei, dem von den in Paris weilenden, jüdischen Gelehrten unangenehm empfundenen Nebel abzuhelfen. London. Oberrabbiner Dr. Adler schloß kürzlich seine Predigt in der Dalston-Synagoge mit einem Gebet für baldige Genesung des erkrankten Prinzen Georg von Wales. Ein Mitglied der Gemeinde scheint hievon den Prinzen Albert von Wales (Vater des erkrankten Prinzen) in Kenntnis gesetzt zu haben, denn Rabbiner Dr. Adler erhielt Samstag Abend ein Telegramm aus Marlborough-House, welches folgenden Wortlaut hatte: ״Oberrabbiner Dr. Adler, 22 Finsberg-Sequare. Habe ein Telegramm ohne Unterschrift erhalten, welches mittheilt, dass Sie für meines Sohnes Genesung gebetet haben. Ich danke Ihnen aufrichtigst Die Genesung schreitet fort. — Albert Eduard." — Dr. Adler versicherte in Beantwortung des Telegrammes Seine kgl. Hoheit, dass die Mitglieder seiner über das ganze Königreich verbreiteten Gemeinde von aufrichtiger Loyalität und ergebener Sympathie für die Mitglieder Kgl. Hauses erfüllt seien. Moskau. Nach einer Wilnaer Meldung der polnischen Blätter wird in Folge der von der russischen Regierung gegen die Juden eingeleiteten Action unter den Bauern Littauens in bedenklicher Weise der Racenhafs genährt. Ermuntert durch die Judenaustreibungen, haben die Bauern im Wilnaer Gouvernement die aus zwölf Personen bestehende Familie des Guts- Pächters von Antopol mit erschreckender Bestialität erschlagen. ״LAI0LE“ Französische Lebensversicherung* - Gesellschaft. Gewährleistungsfonils: 22 Millionen Francs. Versicherungen auf Abu. Erleben in allen Combinationen. Leibrenten ete. Gewinnbetheiligung mit jälirlieher Auszahlung. Direction für Oesterreich: I., Schottenring 14.