Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 29 (11.11.1891)
- Date
- 1891-11-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Gemeinde im Chore angestimmt wurden. Durch diese Reminiscenz wird aus Pietät der Wunsch in ihm rege, das Gottes- Haus am nächsten Versöhnungsiage zu besuchen. Am Rüsttage des Jom-Kippur setzt er seinen elektrischen Apparat in Bewegung und sofort erscheint sein Diener vor ihm, dem er zuruft: Morgen um 10 Uhr Vormittags soll der Wagen bereit dastehen, da ich das jüdische Gotteshaus zu besuchen beabsichtige. (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik. Wien Im Jahre 1892 findet in Wien eine internationale Musik- und Theater-Ausstellung statt, welche in allen musikalischeu Kreisen ein hervorragendes Interesse wachrufen dürfte. Die Vorarbeiten sind bereits im Zuge und von dem eifrigen Comite wurde nachfolgender Aufruf erlassen: ״Die große Aufgabe, der politische und wirthschaftliche Mittelpunkt des immer fortschreitenden Kaiserreiches zu sein, ist. nicht die einzige, welche die Geschichte unserer geliebten Vaterstadt Wien anvertraut. Es ist ihr auch die Mission geworden, auf dem Gebiete der Litteratur, der bildenden Künste, der Musik und des Theaters den edelsten Zielen zuzusteuern. Seit die unvergänzliche Musik eines Haydn und Gluck, eines Mozart und Beethoven in die Welt getreten, zieht ein breiter Strom geistigen und künstlerischen Lebens durch diese Stadt. — In Grillparzer, Anastasius Grün, Nicolaus Lenau und Bauernfeld, in Franz Schubert und Ferdinand Raimund fand der Genius Oesterreich's seine Verkörperung in Lied und Drama. Mit ihnen Hand in Hand gieng eine Schaar treffsicher Sänger und Darsteller, würdiger Interpreten der schaffenden Künstler. In dem Augenblicke nun, in welchem durch ein erhabenes Kaiserwort die Reichshauptstadt eine neue geschichtliche Epoche ihres Lebens und ihrer Entwicklung beginnt, gedenkt Wien seiner künstlerischen Vergangenheit und will durch eine große Musik- und Theater-Ausstellung ein Spiegelbild dieser Vergangenheit sowie der Gegenwart bieten. Da aber Musik und Theater, da die so hochentwickelte Technik und das Kunstgewerbe auf beiden Gebieten nicht an Landesgrenzen gebunden sind, so soll die Ausstellung einen internationalen Charakter an sich tragen und die Solidarität der künstlerischen Culturarbeit der Nationen vor Augen führen. Es soll zugleich der Bevölkerung Wiens eine neue Quelle von Arbeit und Erwerb erschlossen werden. Eine Commission hat sich zu diesem Zwecke constituirt, und Se. kaiserl. und königl. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog Carl Ludwig hat in Huldvollster Weise das Protectorat über die Ausstellung zu übernehmen geruht. Als Ehren-Präsidenten der Ausstellung fungiren: Ihre Durchl. Frau Pauline Fürstin Metternich-Winneburg, Handels-Minister Olivier Marquis Bacquehem, Unterrichts- Minister Dr. Paul Freiherr Gautsch von Frankenthurn, Statthalter Erich Graf Kielmannsegg und Bürgermeister Dr. Joh. Nep. Prix. Ein Garantiefond — bis jetzt in der Höhe von über 90.000 ft. — sichert dem Unternehmen. eine feste financielle Basis. Es, ergeht nun an alle Fachmänner auf den Gebieten der Musik und des Theaters, der mit denselben tut Zusammenhänge stehenden Industrien, an alle bezüglichen Genosfenschaften und Eorporationen, an die Vertreter der einschlägigen Litteratur und Geschichte, mögen sie welcher Nation immer angehören, insbesondere aber an unsere Mitbürger die dringende Bitte, dieses Unternehmen dttrch Beschaffung geeigneter Ausstellungsobjecte zu unterstützen. Da die Ausstellung im Sommer des Jahres 1892 stattfindet, so konnte für dieselbe der volksthümlichste Vergnügungsort und schönste . Naturpark Wien's, der Prater, gewählt werden, dessen Rotunde nebst den Annexen als großartiger Ausstellungsraum populär geworden ist. — D i e Commission für die i n t e r n a t i o n a l e Musik- und Theater-Aus ste llung." Wien. Der Bethaus-Verein am Volkert, der durch die Opferwilligkeit seiner Mitglieder eine Reihe von Jahren hindurch ein eigenes Bethaus in tadelloser Weife verwaltet, hat nunmehr beschlossen, einen neuen Tempel zu bauen. Dieser Beschluss ist um so lobenswürdiger, als die Leopoldstadt factisch eines zweiten Tempels bedarf und es eigentlich Sache der Wr. Cultusgemeinde gewesen wäre, diesem dringenden Bedürfniße schon längst abzuhelfen. Mit Hilfe der Spenden hochherziger Männer sowie des Beitrages der Cultusgemeinde wird es dem Comite, bestehend aus dem Obmann Adolf Schrame k, Obmann-Stellvertreter Leopold Fried und Vorstandsmitglied Dr. Markus Spitzer, hoffentlich gelingen, die nöthigen Fonds aufzubringen. Gleichzeitig hat der Vorstand beschlossen, die Bezüge des Cantors, Herrn S. Wein berget׳, der sich im Verein allgemeiner Beliebtheit erfreut und sich um die Hebung des Gottesdienstes verdient gemacht hat, entsprechend zu erhöhen. 3. Ministerium mit der Aufschrift: ״Abraham, Jsak, Jakob." 4. Ministerium Bonim mit der Aufschrift: ״Rachel beweint ihre Kinder". 5. Ministerium Nowe — Ministerium des göttlichen Hauses mit der Aufschrift: ״Mein Haus, Gebet-Haus aller Völker". 6. Jinon ---- Ministerium des Aeußeren, Messianisches Ministerium genannt, mit der Aufschrift: ״Der Herr wird König über die ganze Erde." 7. T'esoduva — Ministerium der Buße mit der Aufschrift: ״Und es ward Licht". Es würde zu weit führen, eine förmliche Pragmatik des Dienstes zu entwerfen; der Leser möge es daher mit den Andeutungen des Tagebuches vorlieb nehmen: Das Ministerium für Gesetzeslehre, unter dem verantwortlichen Kanzler und Minister Moses, soll einst eine coloffale Erweiterung erfahren, bis einst das Messianische ausgelassen sein wird. Es dürfte dann jene Weltausstellung einnehmen, die das Ministerium für Gottes Thron schon heute inne hat. Während die Lehre nur Märtyrern anvertraut werden konnte, ist die Rechts-Idee als Trägerin des göttlichen Thrones, in allen Stern-Agenden, Departements und Nationen in den Gewissen der erschaffenen Vernunstwesen befestigt worden, so dass dieses Reffort überall in gleicher Weise gehandhabt wird. Verantwörtlicher Minister: Ich, Du, Er, Wir, Ihr, Sie, deren rechtswidrige Handlungen als Majestätsbeleidigungen gegen den göttlichen Thron den Verantwortlichkeitsfall begründen. Die Ministerien ״Väter" und ״Söhne" gleichbedeutend mit ״Unterricht" in der Hand Esra's vereinigt, der die nationale Continuirlichkeit überwacht. Wenn an die Söhne die Versuchung in Gestalt von Haus, Hof, Macht, Weib, herantritt, so müssen sie die Aufschrift lesen können: ״Rachel beweint ihre Kinder". Der Jüngling, dem die Sprache der Eltern, fremd ist — mit wem soll er sich am Tage der Versuchung beurlauben? Das Ministerium des göttlichen Hauses —in der Hand Aron's — den die ewigen äußerlichen Schmuck - Reparaturen vollauf in Anspruch nehmen und zu ununterbrochenen Veredelung der Formen unentwegt anhalten. Das Messianische Ministerium — schon 4000 Jahre der provisorischen Amtsleitung Jehudalem's anvertraut — wird, wie oben angedeutet, in dem Momente aufgelaffen, als die Egalisirung der Nationen auf der Höhe der sittlichen Ideen durchgeführt ist. Hiemit ist dessen Ressort ״Aeußeres" vollständig gekennzeichnet. Im Ministerium der Buße lösen einander, rücksichtlich der Geschäftsführung, die Engel der Jacobs - Letter ab. In neuester Zeit drängen sich einige antisemitische Gerngroße an dieses Portefeuille. Ob es einem gelingen wird? Die Geschäftsführung der ״Buße" theilt sich in Prophylaxis und Desinfection. Erstere überwacht Luft, Licht, Wasser rc. behufs Hintanhaltung ansteckender Krankheiten, insbesondere des Aberglaubens, der Vorurtheile, der Trägheit, des Eigendünkels, der Frühreife rc.; letztere beruht auf dem Principe, dass verschiedene Säuren, z. B. Hyper - antisemitische Schwefelsäure und manche bittere Erden, z. B. Golus-Erde, die Widerstandsfähigkeit gegen ansteckende Jnfizirungen erhöhen. (Schluss folgt.)