Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 29 (11.11.1891)
- Date
- 1891-11-11
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7׳ Kolkeschau. Unser allbeliebter Cantor, Herr Simon Nuss bäum, zvird am 21. November sein 70. Geburtsfest feiern. Herr Nussbaum ist seit langen Jahren auch Mitglied des österr.-ungar. Cantoren-Vereines. Oreßöurg. Der bekannte Schriftsteller und Herausgeber des in zahlreichen jüdischen Familien aufliegenden Tableaux ״Palästina", Herr S. Hornstein hat sich mit Frl. Fanny Fried, eine absolvirte Conservatoristin aus Constantinopel, die gegenwärtig hier wohnt, verlobt. Kannover. An Stelle des nach Pest berufenen Obercantors Lazarus wurde hier Herr L inhart ans Basel zum Obercantor gewählt. Herr Linhart hielt am Sabbat-Parschat- Bereschith den Probevortrag und wurde sofort acceptirt. Köln. Die Kölner Gemeindezeitung berichtet über ein kleines Abenteuer, das jüngst dem Pariser Baron Rothschild passirte. Baron Rothschild, welcher gern zu Fuß ausgeht, hatte kürzlich einen weiten Gang unternommen und gerieth schließlich in das Stadtviertel hinter dem Pantheon, das ihm gänzlich unbekannt war, so dass er sich bald völlig verirrte. Anfangs sah er sich einigermaßen unruhig um, er erblickte aber weder eine Droschke noch einen Omnibus, ja kaum einige wenige Fußgänger; sein Mißmuth über diesen Zufall schwand, als er überlegte, welche amüsante Zerstreuung ihm dies kleine Abenteuer bieten könne, und er begann ganz vergnügt weiter zu schweifen und gleichsam auf Entdeckungsreisen auszugehen, denn dieses Stadtviertel von Paris war für ihn eine ebenso unbekannte Gegend wie Amerika vor der Landung des Columbus für die Europäer. Plötzlich bemerkt er den Laden eines Trödlers,! tritt hinzu, beschaut sich das bunte Gewirr von den verschiedenartigsten Gegenständen und entdeckt mitten unter diesem Wust einen alterthümlichen Barometer aus der Zeit Ludwigs des Sechszehnten, der zwar keine Spur mehr von seiner ursprünglichen Vergoldung zeigte, aber trotzdem im Schnitzwerk noch vollkommen wohl erhalten war. Der Baron ist ein eifriger Lieb- Haber und Kenner von dergleichen Kuriositäten, und so beschloß er sofort, den Barometer zu kaufen. Der Preis dafür betrug zehn Francs, und ganz erfreut über eine so wohlfeile Acquisition, greift Rothschild in die Tasche, um zu bezahlen, aber oh Weh! in der Eile und Zerstreuung hat er zu Hause seine Börse liegen lassen. — ״Nun, das schadet nichts, ich nehme auf alle Fälle diesen Barometer", sagt er zu der Trödlerin; ״schicken Sie ihn mir zu, ich bin Baron Rothschild, man wird Ihnen das Geld in meinem Hotel einhändigen". — ״Den Namen und die Adresse kenne ich nicht, mein Herr", entgegnete die Trödlerin, ״und überdies schicke ich niemals den Leuten Sachen zu, die nicht vorher bezahlt worden sind." Jetzt stand der Baron völlig verblüfft da, denn er hatte sichs nicht träumen lassen, dass Jemand seinen Namen nicht einmal kenne, aber da er einmal bei guter Laune war, so amüsirte ihn dies nur um so mehr und er stand eben im Begriffe, der Frau einige Aufklärungen über seine Stellung zu geben, als er auf der anderen Seite der Straße einen Dienstmann vorübergehen sah. Er winkte denselben herbei und frug ihn lächelnd: ״Weißt du vielleicht etwas von dem Baron Rothschild?" ״Na, das ist aber eine komische Frage, das ist ja unser Geldkönig. Warum fragen Sie^mich aber danach?" setzte der Mensch etwas patzig hinzu, da er glaubte man wolle ihn vielleicht mystificiren. ״Weil Madame hier ihm soeben einen Kredit von zehn Francs versagt hat", sagte Rothschild, auf die Trödlerin zeigend. ״Ist das wirklich wahr, Madame Duclos?" rief der Dienstmann in höchsten Grad erstaunt. ״Ja sehen Sie, Monsieur Pierre, man kann doch aber nicht alle Welt kennen", erwiderte die Trödlerin ganz verlegen. ״Sie kenne ich aber, und wenn Sie mir darfür garantiren wollen." Bei diesen Worten unterbrach der Baron die Frage durch ein so herzliches Gelächter, dass er sich eine ganze Weile kaum beruhigen konnte. . ״Nun gut, Monsieur Pierre", sagte er dann noch immer lachend, ״wenn Sie denn die Bürgschaft für mich übernehmen wollen, so gehen Sie einmal vor allen Dingen mir einen Wagen zu holen, und dann tragen Sie diesen Barometer in meine Wohnung." Der Packträger ließ sich dies nicht zwei Mal sagen; er grüßte den Baron sehr respektvoll, schaffte ihm rasch den anständigsten Wagen, den er nur auftreiben konnte, und eilte dann mit dem Barometer in das Hotel des Geldfürften, wo er für das ״übernommene Risiko" wie Rothschild sagte, reichlich belohnt wurde. Wabua. Am 1b. v. M. fand im Tempel der hiesigen Aschkeuafi-Gemeinde die Vermählung der Signorina Ada Luzzatti, Tochter unseres Glaubensgenossen, des italienischen Schatzkanzlers Luigi Luzzatti, mit Signor Enrico Pontremoli di Vercelli statt. Die Synagoge, welche mit reichen Stoffen und prachtvollen Blumen decoriert war, war von einer erlesenen Gesellschaft bis auf den letzten Platz gefüllt. Die religiöse Ceremonie wurde vom Oberrabbiner Professor Eude Lolli vollzogen. Unter den Hochzeitsgeschenken bemerkte man ein prachtvolles goldenes Armband mit großen Brillanten und Saphiren besetzt, ein Geschenk des Königs Humbert und ein Silber-Kaffeeservice, welches Marquis de Rudini geschickt hatte. Veremsnachrichtrn. In der letzten Sitzung des österr.-ung. Cantoren-Vereines wurde der Witwe des verstorbenen Vereinsmitgliedes, Cantor David Beutler in Auscha, ein Witwenbeitrag von 300 fl. aus der Vereinscasse zugesprochen. Bei den verhältnismäßig geringen Mitteln des Vereins ist es doppelt erfreulich, dass der Vereinsvorstand eine so hohe Summe bewilligen und der unglücklichen Witwe die Möglichkeit bieten konnte, sich mit diesem Capitale eine, wenn auch bescheidene Existenz zu gründen. Mit Bedauern wurde hiebei zur Kenntnis genommen, dass mehrere Mitglieder noch immer mit dem Pflichtbeiträge für den verstorbenen Collegen im Rückstände sind, und einstimmig beschlossen, gegen die Saumseligen streng nach den Bestimmungen der Statuten vorzugehen. In einem solchen Falle unpünktlich zu sein, zeugt nicht nur von Nachlässigkeit, sondern von Herzlosigkeit und Mangel jeden collegialen Gefühles. Mit Rücksicht auf den Umstand, dass in vielen jüdischen Gemeinden nunmehr die neuen Statuten fertig gestellt werden, wurde weiters beschlossen, die geehrten Collegen und Vereinsgenossen dringend aufzufordern, in ihrem Wirkungskreise den möglichsten Einfluss dahin aufzubieten, dass die P. T. Gemeinden sich bei den den Cantor betreffenden Punkten das Statut der Wiener oder Troppauer Gemeinde zum Vorbild nehmen, woselbst dem Cantor eine bedeutsame Stellung eingeräumt wird. In manchen Fällen wird es vielleicht angezeigt sein, den Vereins- Vorstand auf eine eventuell einzuleitende Action nach dieser Richtung hin aufmerksam zu machen. Ueberhaupt wäre es wünschenswerth. dass die Vereins- Mitglieder mit größerer Theilnahme den Aufgaben des Cantoren- Vereines entgegentreten und den Vorstand, der in der letzten Zeit zu wiederholten Malen warm für die Interessen des Cantorenstandcs eingetreten ist, wirksamer unterstützen würden. Per Worstand des österr.-ung. Cantoren-Vereines. ״HacLras Kodesch.“ hat sich schnell hei den Kollegen des In- und Auslandes eingebürgert. Dasselbe enthält, wie bekannt, leichte melodiöse Chore, Solid, Rezitativs für den Kantor, Lieder und Gebete, liturgische Notizen etc., also den ganzen Kultus nebst Kasualien. Gegen Einsendung von 5 fl. ö. W. oder Nachnahme zu beziehen vom Herausgeber IM. Tintaeir» Kantor und Lehrer iu Bunzlau (Schlesien, Preussen). Kollegen in kleinen Gemeinden gewähre gern eine Ermässigung.