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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-11-11 · Heft 29 (11.11.1891) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 29 (11.11.1891)
Date
1891-11-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 durcheinander schreien und lärmen. Israel!verwirklichte, sagt Dr. Jellinek so geistreich, alle Bezeichnungen der hebräischen Sprache für Beten, es bat, es schrie, es klagte, es seufzte, es weinte, es drängte, es stürmte, es flehte und betete wie kein anderes Voll auf Erdenk) In seinen Gesängen herrscht kein Gesetz, kein Maß und keine Regelt), zeigt sich dieselbe Willkür, mit der es von den Böllern draußen behandelt wurde, und aümälig vermischten sich jene mit Melodien und Weisen der Länder, durch welche es zog in seinen Wanderungen.») (Fortsetzung folgt.) Zur Geschichte des jüdischen Schulwesens mit vesonderer Berücksichtigung -es Leseunterrichtes. Von Rabbiner L. Wollner, Wien. Die Errichtung von Kinderschulen im jüdischen Alterthum für den gemeinsamen Unterricht der Kinder der Ortsangehörigen war erst eine nachbiblische Schöpfung, im biblischen Alterthum kommt hievon noch nichts vor. Der Kinderunterricht wird zwar an mehreren Stellen in der Bibel zur Pflicht gemacht; aber derselbe wurde von dem Vater oder von andern Familienangehörigen ertheilt; jeder Vater war verpflichtet, für den Unterricht seiner Kinder Sorge zu tragen (5. M. 11, 19.) Hatten die Leviten, die Priester, die Propheten auch die Pflicht, die Ausbreitung der Gesetzeskunde und der Lehre zu besorgen, so war dies doch nur für Erwachsene, eigentliche Kinderschulen gab es nicht. Wohl versetzt die Agadah die Errichtung von Schulen schon in das graue Alterthum, in die Zeit der Patriarchen. Sem, der Sohn Noas, soll der erste gewesen sein, der eine Unterrichtsschule stiftete, worin hauptsächlich die Einheit Gottes gelehrt wurde. Sein Urenkel Eber hat sie fortgepflanzt, und noch Jsak habe dort Unterricht erhalten, da ihn Abraham, nachdem er vom Berge Moriah gekommen, zu ihm geschickt haben soll. Auch Jakob sei auf seiner Flucht vor Esau dahin gegangen und habe sich bevor er zu Laban gekommen, vierzehn Jahre daselbst aufgehalten. (S. Rab. 1. M. Absch. 68.) Zur Bibelstelle (1. M. 25, 22.) ״Rebekka gieng Gott zu befragen", bemerkt der Midrasch (Jall. z. St.): Hat es denn schon zu dieser Zeit Gotteshäuser gegeben? Das wohl nicht, aber sie gieng in. das Lehrhaus des Sem und Eber. Doch das sind nur agadische Reflexionen, die keinen geschichtlichen Hintergrund haben. Erst dem zweiten jüdischen Staatsleben in Palästina war die Gründung von Kinderschulen Vorbehalten. Im Anfänge des letzten Jahr- Hunderts von der j. Zeitr. hat der Shnhedrialpräsident, Simon Len Schetach, in Betracht der Unvollständigkeit des Jugend- Unterrichtes Lurch die Eltern und der völligen Ermanglung desselben bei verwaisten Kindern die Bestimmung getroffen, dass die *) Dr. Jellinek citirt den Sifti zu 'Wo’es’chanon, wo das Beten genannt wird: ועקה שועה צרה רנה פגיעה ניפול פלול עתירה עמידה דדלד חינון• 4) In den Predigten aus der Wr. israelitischen Gemeinde S. 64 sagt Dr. Jellinek: Aechzen, Seufzen, Jammern, Wehklagen und Aufschreien, das sind die regellosen Laute, die uns aus dem Munde der unterdrückten Israeliten zu Gott an unser Ohr dringen. Seine Brust hat keine» Ton, seine Kehle keinen Klang, seinen Mund keinen Gesang; nur fteie Männer können ihre Stimmen im Gleichklange erheben. s) Man erzählt, dass einst der Fürst Gortschakoff, als er bei einem Besuche einer ausländischen Synagoge die Keduschah nach einer bekannten russischen Melodie singen hörte, sich sehr freute; seine Freude wurde aber gleich gestört, indem das bald folgende Tikanto in einer polnischen Nationalmelodie zu seinen Ohren klang. Kinder den Unterricht gemeinsam in Schulen erhalten sollen (Jeruschalmi Kethubot am Ende.) Daselbst wird berichtet, dass es in Jerusalem 460 Lethäuser gab, und jedes Bethaus hatte (״Bet Sefer Lemikro'9 eine Kinderschule, wo Lesen und Bibel und (״Lek Sefer Lemischne") eine Schule, wo Mischnah und Talmud gelehrt wurde. Eine Erneuerung und Erweiterung erhielt die Verordnung durch den Hohepriester Josua ben Gamla, der gegen 70 nach j. Zeitr. Schulen an allen von Juden bewohnten Ortschaften errichten ließ. Der Bericht darüber lautet: Es möge dieses Mannes nur zum Guten gedacht werden. Josua Sohn Gamla, hieß er, lebte er nicht, die Thora wäre in Israel vergessen worden. Erst unterrichtet der Vater, sein Kind, da geschah es, dass die verwaisten Kinder ganz ohne Unterricht aufwuchsen. Man traf die Anordnung, dass in'Jerusalem Kinderlehrer angestellt wurden. Das genügte aber noch immer nicht, da.nur die unterrichtet wurden, die nach Jerusalem kommen konnten, wahrend die zurückgebliebenen Kinder, die der Armen, ohne jeglichen Unterricht blieben. Man stellte darauf Kinderlehrer in jedem Bezirke an, auch dies genügte nicht. Da ordnete der Hohepriester, Josua ben Gamla an, dass Lehrer in jeder Stadt eingesetzt wurden. (B. Batra 21.) ״Die Gottesfurcht ist der Anfang alles Wissens," lautet ein Bibelspruch (Spr. 1. 7.) oder mit andern Worten, die Gottesfurcht muß dem Wissen voraus gehen, die sittlich religiöse Erziehung ist die Grundlage der wissenschaftlichen Bildung. Wir können ebenso gut behaupten: ״Der Leseunterricht ist der Anfang alles Wissens." Zuerst muß der Schüler die Schriftsprache, durch welche er sich ausbilden will, richtig lesen lernen. Ob jetzt in alter Zeit die Eltern selbst ihre Kinder unterrichtet haben, ob schon Schulen bestanden, wirft sich uns die Frage auf: Wie hat man den Kindern m der hebräischen Sprache, die nur aus Mitlauten besteht, den Leseunterricht beigebracht? Die Antwort würde lauten: durch die Punktation, welche die Selbstlaute vertritt, wie es auch jetzt geschieht. Nun folgt aber eine zweite Frage: Ist denn die Punktation so alt, wie das hebräische Alphabet, oder ist sie nicht erst eine spätere Erfindung? Darüber! herrschen verschiedene Ansichten; es ist das ein alter Streit, der heute noch nicht entschieden ist. Elias Levita, Martin Luther, Ludwig Capellus und Andere halten die Punktation für eine spätere Erfindung. Die beiden Buxdorfe mit einem gleich starken Gefolge behaupten wieder, dass die Punktation zu den göttlichen Schöpfungen des! grauesten Alterthums gehöre. Auffallend ist es, dass der Talmud, der sonst jeden Haarstrich in der heiligen Urkunde zählt, wiegt und bespricht, keine Veranlassung fand, die Vokalpunkte zu erwähnen. Warum? Weil ihre Nichtexistenz in damaliger Zeit es verhindern musste. Wären die Vokale vorhanden gewesen, welche Streitigkeiten hätten sie im Talmud veranlasst. Dr. Johann Severin Vater in seiner hebräischen Sprachlehre, (Leipzig, 1814,) bringt Seite 37 eine Abhandlung über das Alter der hebräischen Vokalzeichen und bemerkt ganz richtig folgendes: ״Die Juden haben in ihrer Synagogen durchaus unpunktirte Thorarollen, und da sie immer an die ursprünglichen Gebräuche anzuschließen suchten, so ist diese gesetzliche Einrichtung Beweis von einer festen Tradition, dass die Bibel ursprünglich unpunktirt. gewesen." Auffallend ist, dass Maimuni in seinem großen Werke, ״ Jad Haehasakah“ (Hilcliot Sefer Thora, 10. Abschnitt), zwanzig Fälle aufzählt, die eine Thorarolle zur öffentlichen Vorlesung als unstatthaft erklären, und eine punktirte Thora, nicht dazu rechnet. Hingegen in ״Jöre

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