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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-11-01 · Heft 28 (1.11.1891) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 28 (1.11.1891)
Date
1891-11-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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e für alle Lieben, mit denen es durch die Bande der Familie und Freundschaft verbunden war, wie warm schlug es für die ganze Menschheit! Ein Guttheil allgemeiner Menschenliebe, der Menschheit höchstes, sorgsam uns erworbenes Gut, senken wir iu diese Gruft. Nun that dies goldene Herz den letzten Schlag. Als wäre das Schicksal, das so viel ihm gab — mehr noch zeigte, um es zu versagen — sich plötzlich seiner Grausamkeit bewusst geworden, so sendete es, von so viel Dulden selbst gerührt, zum Schlaf den Zwillingsbruder Tod. Entschlafen ist nun unser lieber Ernst. Wir Alle liebten dich und werden mit treuer Liebe deiner stets gedenken. Ist doch die Liebe das Höchste, Beste, was wir uns einander bieten können. Lebe wohl! Die Erde sei dir leicht." Wre«. Am 25. v. M. verschied hier nach kurzem Leiden Frau Ernestine Kraus, eine in den weitesten Kreisen der Wiener Gesellschaft durch ihre oft bekundete Mildthätigkeit wohlbekannte Dame. Die Theilnahme am Leichenbegängniße war eine recht zahlreiche, und da die Verstorbene zu mehreren vornehmen türkischen Familien in Wien in verwandtschaftlicher Beziehung stand, war auch die türkische Gemeinde durch die Herren Vorsteher Marcus Russo und Licco Adutt, sowie durch Obercantor Bauer und Chacham Papo vertreten. Die rituellen Functionen im Trauerhause und am Friedhofe versah Obercantor Singer, unterstützt von den Cantoren Schiller und Blatt. Liekrtg. Am Llausabauob Rabba fand hier das Leichenbegängniss unseres durch sein ehrliches Handeln und redliches Wandeln weit und breit verehrten Milbürgers, Johann Sögner, Fleischhauer, Realitätenbesitzer uud mehrjähriger Gemeinderath, statt. Die allgemeine, aufrichtige Theilnahme der von Nah uud Ferncherbeigeströmten Menschenmenge zeigte von dem großen Ansehen des Verstorbenen. Und thatsächlich erblickte auch jeder in ihm den festen Stützpunkt der Commune und den allgemeinen Menschenfreund in Freud und Leid. Obwohl Christ, hatte er auch für unseren Synagogenverein ein eifriges Interesse und documentirte dasselbe durch mannigfache ergiebige Unterstützungen zu Gunsten des Vereins. Johann Sögner verabreichte 15 Jahre dem jüdischen Publikum Koschersteisch und respectirte stets gewiffenhaft jede rituelle Aeußerung seines Schächters. O, mögen die Sprößlinge dem Stamme nachgerathen. ״Friede seiner Asche!י' 21. October. Seit dem Beginne der heurigen Theater-Saison ist ein Sänger, ein Glaubensgenosse, an der hiesigen Bühne engagirt, der solch' glänzende Erfolge erzielt, dass es wohl den geehrten Leserkreis dieses geschätzten Blattes interessiren dürfte, etwas hierüber zu erfahren, umsomehr als der betreffende Sänger viele unserer Collegen zu seinen Freunden und Bekannten zählt. Der Namen dieses Sängers ist Le misch, geb. Pole, der in Wien seine Ausbildung genossen hat. Herr Lemisch hat hier bereits den Manrico, Noul und den Leyonel gesungen und jede seiner Leistungen, besonders aber als Roul und Leyonel, ist mit solcher Begeisterung ausgenommen worden, wie wir es hier in unserem TheaRr noch selten mitgemacht haben. Als Leyonel wurde er fünf Mal herausgerusen und musste die Arie im 3. Acte wiederholen. Herr Lemisch ist im Besitze einer mächtigen, sehr sympathischen Tenorftimme, die von seltener Kraft und Fülle in der Höhe wie in der Tiefe ist. Herr Lemisch singt seine Partien zum ersten Male und wird, da er seine eigentliche Laufbahn erst beginnt, noch recht viel zu lernen haben. Geschieh! dies, und dafür bürgt sein ernstlich fleißiges Streben, so wird derselbe in nicht langer Zeit zu den besten Tenoreu unserer Zeit gezählt werden können! — Der Direktor des hiesigen Theaters bot Herrn Lemisch bereis die doppelte Gage für das nächste Jahr an, doch werden ihm anderweitig von großen Theatern günstige Anträge gestellt, dass er sich noch nicht entschließen kann, Verbindungen einzugehen. Wenn es Sie interessirt, würde ich Ihnen nächstens noch Näheres darüber mittheilen. 8. AemLerg. Dem ״Przeglond" wird aus Kiew berichtet, dass bei den jüngsten Excessen in zahlreichen Ortschaften des Tschernigower Gouvernements dreißig Inden erschlagen wurden und gegen fünfhundert Juden mehr oder weniger erhebliche Schusswunden davongetragen haben. Einzelne Polizei-Organe hätten offen mit den Rädelsführern sympathisirt und erst das requirirte Militär sich bemüht, die Ordnung wenigstens theilweise wieder herzustellen. Von Anarchisten wäre das Gerücht verbreitet worden, dass die Juden heimlicherweise große Getreidemengen aufgehäuft haben, um eine Preissteigerung herbeizuführen. Leobschüh, 20. October. Eine seltene, aber umso erhebendere und schöne Feier war es, die ich heute zu verzeichnen habe. Der nicht nur in unserer Gemeinde, sondern auch in allen Schichten der Bevölkerung unserer Stadt sehr verehrte und hochverdiente Herr Commerzienrath Moritz T e i ch m a n hat mit seiner Gemahlin Amalie geb. Forell — umgeben von einer stattlichen Anzahl ihrer Kinder und Enkel — das Fest der goldenen Hochzeit gefeiert. Um 1072 Uhr begann im Hause des Jubilars — durch mehrwöchentliche Krankheit war der Jubilar noch zu schwach, um die Synagoge zu besuchen — die religiöse Feier, resp. die Einsegnung des Jubelpaares. Herr Cantor Liebe l eröffnete dieselbe durch Absingung einer zu diesem Zwecke eigens verfassten hebräischen Cantate, deren ergreifende Töne auf die Zuhörer eine tiefe Wirkung hervorriefen. Hierauf ergriff Herr Rabbiner Dr. Krackauer das Wort und knüpfte an den Hinweis, dass jetzt das Hüttenfeft oder ״E r n t e f e st" in Israel gefeiert werde, die Betrachtung, dass die heutige Feier auch für das Jubelpaar ein ״Erntefest" fei, für die Mühe und Sorgfalt, die es auf seinem gemeinschaftlichen Lebenswege angewandt und bekundet habe. Dieser Lohn zeige sich nicht nur in der Liebe und Verehrung, mit welcher der ganze Familienkreis auf das Jubelpaar blicke, sondern auch in den Zeichen der Werthschätzung und Verehrung die dem Jubelpaar aus allen Kreisen der Stadt heute zu Theil würden. Dieser Tag sei ein Tag der doppelten Freude, zunächst weil die Gnade Gottes das Jubelpaar beschützt habe, dann aber auch weil dasselbe das beglückende Bewusstsein haben könne, mit den reinsten G e s i n 1111 ngen bis auf den heutigen Tag durch das Leben gewandelt zu sein. Die Herzenstreue sei der Leitstern ihres Lebenswandels gewesen, nach den Worten des Psalmisten: ״D e n W e g der Treue habe ich erwählt, deine Gesetze — o Herr —habe ich vor Augen gehalten." Diese Treue habe sich bekundet in dem ehelichen Leben des Jubelpaars, in dem Werke der Erziehung, in dem Walten des Jubilars als Vorsteher der jüdischen Gemeinde, als Stadtverordneter und als Chef für seine Untergebenen. Der Redner forderte unter spannender Aufmerksamkeit der Versammlung die heranblühenden Enkel des Jubelpaares auf, diesen Tag stets in Erinnerung zu behalten und die Großeltern als Muster und Vorbilder der Herzenstreue zu erwählen. Hierauf überreichte der Redner unter e h r f u r ch t svollem Hinweis auf die erhabene Person des Monarchen die Ehejubiläums - Medaille und sprach das Gebet für den Kaiser. — Die Worte des Redners machten auf die Herzen Aller einen ersichtlich tief ergreifenden Eindruck. Nach dieser wahrhaft erhebenden und weihevollen Feier, reihte sich Deputation an Deputation und zahlreiche Privatpersonen erschienen, um das allverehrte Jubelpaar zu beglückwünschen. Besonders hervorzuheben sind die Deputationen: des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, des Vorstands- und Repräsentantencollegiums der hiesigen jüdischen Gemeinde, des Vorstands des ,.Brüdervereins", dem Jubilar Ehrendiplome überreichend. Ferner Deputationen des jüdischen Frauenvereins — des Gewerbe- und Kaufmännischen Vereins. Das Beamtenpersonal der Fabrik, eine silbene Blumenschale decorirt mit lebenden Blumen, das Arbeiterpersonal eine große prachtvolle Photographie des Jubelpaares und ein goldenes Bouquet überreichend. Und wenn ich noch erwähne, dass aus Nah und Fern Glückwunsch- Telegramme und Gratulationskarten zu Hunderten dem Jubelpaare zugiengen, so zeigt dies, welche Verehrung und Hochachtung dasselbe in allen Kreisen und Schichten der Bevölkerung genießt. Möge es ihm vergönnt sein, noch recht lange die Früchte seines segensreichen Wirkens in körperlicher und geistiger Frische zu genießen. ישמח משה במתנת חלקד L..... Mettthen (O.-Schl.) Am Kol-Nidre-Abend wurden die hiesigen Tempelbesucher durch Feuerlärm erschreckt. Einer der

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