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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-11-01 · Heft 28 (1.11.1891) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 28 (1.11.1891)
Date
1891-11-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Fenstervorhäuge war einer Gasflamme zn nahe gekommen und loderte plötzlich während der Predigt in Heller Lohe auf, einen großen Qualm verbreitend. Die im Tempelraum anwesende Feuerwehr löschte den Brand in kurzer Zeit, und die zum Ansgang drängende Frauenwelt ans der Gallerie kam mit dem! bloßen Schrecken und einigen leichten Ohnmachtfällen davon. ' Wertin. Die vom deutschen Ceutralcomito einberufene Versammlung auswärtiger und deutscher Notablen zur Berathung der Hilfsaction für die russischen Juden ergab in allen wesentlichen Punkten volle Uebereinstimmung in den Anschauungen über die Nothwendigkeit und die Mittel der Hilfsaction. Die Versammlung beschloß die Veröffentlichung eines von Carl Emil Franzos (Berlin) entworfenen Ausrufes zu Geldbeiträgen,; da die Bedürnnße steigen. Die von Commerzienrath Goldj berger und Rechtsanwalt Breslauer erstatteten Berichte ergeben, dass eine Aenderung in der Haltung der russischen Regierung nicht zu erwarten und die Fortsetzung der bisherigen Hilfsaction für die bedürftigen Opfer der Admiuistrativ-Maßregeln nothwendig sei. Freiwillige, nicht bedürftige Emigranten werden nicht unterstützt. Das Comito in Deutschland musste zuletzt etwa 3000 Köpfe wöchentlich befördern. Carl Emil Franzos erstattete einen sehr eingehenden Bericht über den Stand der Colonisatious-Frage. Wetersöurg, 24. October. Ueber die schon gemeldete, am 11. October stattgehabte Judenhetze in der Stadt Starodub im Gouvernement Tschernigow liegen folgende Details vor: Den Anlass bot die den Juden ertheilte Erlaubnis, am Sonntag von 11 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends Handel zu treiben. Als dies bekannt wurde, durchlief die Stadt das Gerücht, die Juden würden gewaltsam am Handeln verhindert werden. Am Sonntag den 4. October durchzogen Scharen junger Burschen seit frühem Morgen die Straßen. Die im Bazar ausgestellten Früchte rc. wurden vernichtet. Die Inden wagten nicht, ihre Magazine ^zu öffnen. Dank den Maßnahmen der Polizei verlief der 4. October ohne weitere Zwischenfälle. Am folgenden Sonntag den 11. October besetzte die Polizei den Bazar. Berittene Landgendarmen waren ans dem Kreise requirirt worden. Nach dem Gottesdienste erschienen in den Straßen Haufen von jungen Burschen. Sobald die Juden die Magazine öffneten, stürzte die Menge unter Hurrahrufen auf die Buden. Die Polizei war machtlos, die Buden wurden schleunigst geschlossen, die Menge wuchs immer mehr an, der Bazar füllte sich mit Tausenden von Menschen, die Fenster der jüdischen Häuser wurden durch Steinwürfe zertrümmert. Plötzlich hieß es, ein Jude hätte einen Russen erschlagen. Nun gieug das Demoliren los, die Juden flüchteten auf das Feld, sonst wären sicherlich viele von ihnen erschlagen worden. Aus den demolirten Häusern geworfene Sachen wurden von den auf der Straße stehenden Excedenten im Moment vernichtet. In wenigen Stunden waren alle jüdischen Häuser in der Mostowajastraße geplündert.. Von hier durch die Polizei vertrieben, zogen die Excedenten nach der Tschernigowstraße, hinter ihnen her die Feuerwehr zur Ver- Hütung von Feuerschaden. Als diese dem Pöbel den Weg verlegte, zog derselbe wieder in den Bazar und demolirte die dortigen Weinkeller. Nun zogen die Excedenten durch verschiedene Straßen, alle jüdischen Häuser und Buden demolirend. Beim Hause des jüdischen Bankiers Eisenstadt erschienen unter Glockengeläute zwei Popen entblößten Hauptes und beschworen die Menge auseinauderzugeheu, doch ohne Erfolg. Die Menge setzte das Zerstörungswerk fort. Aus einem jüdischen Hause wurden sechs Revolverschüsse abgefeuert und einige Tumultuanten verwundet. Als die Menge sich in den demolirten Weinkellern berauscht hatte, begann das Stehlen. Gegen Abend herrschte allgemeine Trunkenheit. Viele fielen auf der Straße wie leblos um. Nun brach dicht an der Kathedrale Feuer aus. Da nur jüdische Häuser' brannten, versagte das Volk der Feuerwehr seine Unterstützung. Auch die Bitten des Jsprawnik waren fruchtlos. Erst als die Kathedrale direct bedroht war, schleppte das Volk Wasser herbei. Das Feuer wüthete bei heftigem Winde drei Stunden lang. Es wurde behauptet, dass die Juden selbst das Feuer aulegten, um dem Zerstörungswerke des Pöbels Einhalt zu thuu. Kaum war die Feuersgefahr beseitigt, so begann abermals unter furchtbarem Gejohle die Demolirung und Plünderung. In später Abendstunde kamen die Bauern aus den umliegenden Dörfern nach der Stadt, um reich beladen mit dem geraubten Gut Nachts wieder heimzukehren. Unterdessen dauerten die Ausschreitungen fort, wobei die Tumultuanten wieder ein jüdisches Magazin in Brand steckten. Als die Fenerwehr erschien, brannte es bereits lichterloh. Erst am folgenden Morgen kehrte die Ruhe wieder. Welersönrg, 24. October. Die ״Nowoje Wremja" meldet gerüchtweise, es bestehe die Absicht, den Juden im ganzen russischen Reiche die Betbeiliguug an Kornliesernugeu, ferner die Fabrication und den Verkauf von Spiritus und spiritushältigen Getränken, mit alleiniger Ausnahme der Fabrication dieser Artikel für den Export, zn verbieten. London, 27. October. Der englische Botschafter in Consiantinopel theilte dem Marquis Salisbury telegraphisch mit, dass die Pforte aus hygienischen Gründen die Einwanderung aller Juden, nicht nur der russischen, verboten habe; einzelnen Individuen aber werde die Einwanderung gestattet. San Krancrsco. Heute, da man von nichts als von an den Juden in Rußland verübten Grausamkeiten erfährt, berührt es angenehm, von einem Akt der Menschenfreundlichkeit zn hören, den der jetzige Kaiser einst an einem jüdischen Knaben, dem heutigen Cantor an der Mason Street-Synagoge in San Francisco, Rev. David Meyerson, übte. Dieser wurde in St. Petersburg geboren und war schon in seiner Jugend unter den Namen ״Lucca-Tenor" bekannt. Dieser Titel verdankte er folgendem Zufall: Als die berühmte Sängerin (Lucca) eines Abends während eines starken Schneestöbers aus dem Theater kam, breitete Herr Meyerson seinen Pelzmantel über den Schnee, damit der zarte Fuß der Sängerin in Folge der Berührung mit dem Schnee nicht durch Kälte leide. Als nun der damalige Prinz Alexander von dieser romanhaften That hörte, ließ er den ritterlichen Jüngling aus dem schmutzigen Judenquartier holen und als Günstling in den kaiserlichen Palast ausnehmen. Als dann der Prinz den Knaben singen hörte, und zu der Ueberzeugung gelangt war, dass demselben eine große Zukunft bevorstehe, schickte er ihn nach Paris, woselbst er mit Unterstützung der Rothschild's acht Jahre lang das Conservatorium besuchte. Später hat er in fast allen enorpäischen Hanptstädten gesungen, bis er vor ungefähr sieben Jahren nach Californien gieng, wo er die glänzendsten Erfolge erzielte. Obschon er nie für das Rabbinatsfach studirt hat, besitzt er dennoch ein bedeutendes hebräisches Wissen; er ist bewandert in der englischen, französischen, deutschen, italienischen, spanischen, hebräischen, russischen und polnischen Sprache und wird von seinen Collegen gewöhnlich der a m e r i t a n i s'ch e Sulzer genannt. Dank! Für die mich erfreuenden Neujahreswüitsche meiner geehrten Herrn Collegen statte ich ihnen meinen ergebensten Dank ab und erwidere sie von ganzem Herzen. Breslau, October 1891. Cantor Deutsch. Meinen lieben Schülern, Collegen und Freunden, welche mir zur Eröffnung meiner von der hohen k. k. Statthalterei couceffionirten ״Cantoren-Bildungsaustalt" (nach sephard. Ritus) gratulirt haben, statte ich hiemit meinen herzlichsten Dank ab. Obercantor Jaks- Aaner. Aertoöungs - Anzeige. Die Verlobung meiner Tochter mit Herrn Sstttitf ÄlNtzillger Hierselbst, beehre ich mich hierdurch ergebenst anzuzeigen. Hannover, im October f89s. Ursu Obereantor Kerggrün Täcilis geb. Scheider.

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