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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-11-01 · Heft 28 (1.11.1891) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 28 (1.11.1891)
Date
1891-11-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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allein das Cantorat gebührend gewürdigt, sondern es wird auch den Cultusgemeinden wie dem^ Gottesdienste zum Wohle sein! So, nur so, im Bewusstsein einer sicheren, lebenslänglichen Stellung, nicht der Laune und der Willkür eines einzelnen Vorstehersausgesetztzu sein, kann der Cantor freudig Gedeihliches zur Verherrlichung unseres erhabenen Gottes- Lienstes leisten. Unsere geehrten Collegen und Freunde fordern wir auf, für die Verbreitung dieses Auszuges der Statuten Sorge zu tragen. Herr Dr. Sonnenschein wird gewiss auch gerne bereit sein, über Wunsch einige Exemplare dieser Statuten! zu senden. Sing ermann, Ober-Cantor. Die Sauten -es isr. Neligwnsgebsndes. Von Dr. M. H. Friedländer, Bez.-Nabbiner in Pisek. (Fortsetzung folgt.) Als Moses den göttlichen Auftrag erhielt, nach Egypten zu gehen und das Amt eines Lehrers, Führers und Befreiers Israels anzutreten, rief ihm eine höhere Stimme zu: hamukauin ascher atta omed olow: Die Stätte, an der d u dich besindest, ist heilig, da, wo d u stehst, wo d u eine segensreiche Thätigkeit entwickelst, ist der Boden heilig, der Ort wird durch den Mann, aber nicht der Mann durch den Ort verherrlicht — Moses bat daher mit Recht vor seinem Scheiden, Gott, der Herr, möge einen Mann an die Spitze der Gemeinde setzen, der vor Allem in Folge seiner hohen Tugenden im Stande sei, sie nach Außen würdevoll zu reprasentiren. Und wie er nach Außen durch Gelehrsamkeit glänzen, ebenso soll er bemüht sein, im Innern der Gemeinde die Kenntnis der Thora zu verbreiten, die Jugend wie die Erwachsenen für die edelsten und höchsten Güter der Menschheit, für das Ideale und Göttliche zu begeistern. Er muß vor Allem bestrebt sein, den Gemeinsinn in den Herzen der Mitglieder wach zu rufen und rege zu erhalten, damit sie die Thora und die Träger derselben zu würdigen verstehen und für die heiligsten Institutionen des Judenthums die nöthigsten Opfer zu bringen bereit seien. Bescheiden, sanstmüthig und liebevoll soll er seine Gemeinde leiten und führen, auf dass er sich die Liebe und Achtung derselben erwerbe, als die maßgebenste Autorität betrachtet werde, ״und die Gemeinde Gottes nicht gleiche einer Herde, die herumirrt ohne einen Hirten." R. Jose b. Kisma erzählt folgende Geschichte, die geeignet sein dürfte, die hier ausgesprochene Behauptung zu beleuch- *en: ״Einst befand ich mich auf der Reise, da begegnete mir ein Mann, der mich freundlichst grüßte und ich erwiderte den Gruß. Dann frug er mich: Rabbi, woher bist du? und ich entgegnete ihm: ich bin aus einer Stadt, die ihrer vielen Gelehrten und Schristkundigeu wegen berühmt ist. Nun stellte er an mich die Frage: Wärest du nicht geneigt, unsere Stadt zum Schauplatze deiner Thätigkeit zu wählen? und ich würde dir tausende und aber tausend von Denaren an Gold und Edelsteine geben. Ich aber antwortete ihm'; wenn du mir auch alles Silber und Gold, alle Perlen und Edelsteine der Welt bieten möchtest, so würde ich doch nur jenen Ort zu meinem Wohnsitze wählen, wo die Kenntnis der Thora eine allgemeine ist." Welch' ein erhabener Sinn liegt in dieser Erzählung. R. Jose b. Kisma war einer der bedeutendsten Lehrer seiner Zeit, der sich wegen seiner hervorragenden Gelehrsamkeit wie wegen seiner hohen Tugenden und Eigenschaften einen glanzenden Namen gemacht und einen bedeutenden Ruf erworben hatte. Die Stadt, wo er seinen Wohnsitz aufgeschlagen, gehörte zwar nicht zu den größten und reichsten Städten des Landes, nichtsdestoweniger war sie sehr berühmt und zwar der zahlreichen Gelehrten und Schriftkundigen wegen, die zu ihren Mitgliedern zählten. Sie wurde allgemein die Stadt der Intelligenz genannt. Einmal unternahm R. Jose eine Reise nach der größten volkreichsten Stadt der Monarchie. Der vornehmste und begüterste Mann dieser großen Gemeinde machte ihm seine Aufwartung und begrüßte ihn auf die ehrerbietigste Weise. Bei dieser Gelegenheit stellte er an den Rabbi die Fragen: Woher bist du? Was ist das für ein Ort, wo du wohnst? Wie kommt es, dass du, der jeder großen Gemeinde zur Zierde gereichen würde, in einem so kleinen Orte wirkest? Du irrst gewaltig, entgegnete der Rabbi, wenn du glaubst, dasd ich in einem unbedeutenden Orte wohne; ich bin vielmehr aus einer großen Stadt, die zu den berühmtesten und angesehensten Städten des Reiches gezählt wird, weil sämmtliche Bewohner derselben einen solch' hohen Grad von Bildung und Intelligenz besitzen, dass sie die Thora und die Träger derselben zu würdigen und zu achten verstehen. Aber was nützt das Alles, erwiderte ihm jener Reiche von Idealen allein kann man doch nicht leben, und deine Gemeinde kann beim besten Willen dir doch nicht das bieten, was du zu beanspruchen berechtigt wärest. Wärst du also nicht geneigt unsere Stadt zum Schauplatz deiner Thätigkeit zu wählen? und ich allein weani eten loch, würde dir tausende und abermals tausende von Denaren an Gold und Edelsteine geben. Wenn du allein es bist — im atta nosen li — der für die Verbreitung der Kenntnis der Thora Sorge tragen und für die heiligsten Institutionen dieser Gemeinde die größten Opfer bringen mußt, während sich die anderen zahlreichen Mitglieder um die Lehre des Judenthums nicht im Entferntesten kümmern, kann ich mich, selbst wenn du mir alles Gold und Silber und alle Kostbarkeiten der Welt bieten würdest, durchaus nicht entschließen, meine für die Güter der Religion, im höchsten Maße begeisterte Gemeinde zu verlassen und deinem Rufe Folge zu leisten. Ich flehe im Dienste der Religion und mein Lebensziel ist nicht die Erwerbung irdischer Schätze und Reichthümer, die doch alle nichtig und flüchtig sind, sondern die Verbreitung der Kenntnis der Thora, die allein die Lebenskraft des Judenthums bildet. Dieses erhabene Ziel kann aber nur in einer Gemeinde erreicht werden, wo sämmtliche Mitglieder die Thora und die Verkünder des göttlichen Wortes zu würdigen verstehen. Die Thora ist ein Baum des Lebens für die, die sich für sie begeistern und wahrhaft glückselig sind diejenigen, die die Verbreiter der religiösen Wissenschaft kräftigst unterstützen. — Und in der That lehrt auch die Geschichte, dass in Zeiten, da es niemand in Israel gewagt, die Autorität der hervorragendsten Lehrer zu verletzen, in Zeiten, wo die Gemeinden bereitwilligst die größten Opfer brachten, so es galt kenntnißreichen Männern, die sich durch Charaktergröße wie durch wahrhafte Frömmigkeit auszeichneten, das heiligste Amt eines Volksleh^xs zu übertragen, wahrend unberechtigte und unbefähigte Individuen mit Entrüstung abgewiesen wurden, dgs Judenthum trotz aller Verfolgungen und Bedrückungen felsenfest und unerschütterlich dastand, während in trüben und düsteren Tagen, in welchen die Thora nicht beachtet, die Verkünder des göttlichen Wortes nicht berücksichtigt wurden, und Heuchler, Halbwisser, frömmelnde Augenverdreher, die das, was ihnen an Wissen abgieng, durch Heuchelei, Kriecherei, Servilismns

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