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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-10-11 · Heft 26 (11.10.1891) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 26 (11.10.1891)
Date
1891-10-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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ein Darlehen kann eine Existenz erhalten, eine Familie für die Dauer gerettet " werden. Auch kann man das Darlehen wieder zurück erhalten, was bei einem Almosen nicht der Fall ist, und kann wieder damit Wohlthaten ausüben. 0. ״Wohlbedächtig prüf' und schau, die du wählest dir zur Frau" (Jebam. 63.) Ein Bund, von dem das ganze Glück und Unglück für alle Zukunst abhängig ist, muß bedächtig gefchehen, ein übereilter Schritt kann einen gefährlichen Sturz herbeiführen. ״Prüf' und schau", ermahnt der weise Spruch. Schauen allein genügt nicht, man kann sich leicht verschauen, durch äußere Vorzüge Hinreißen lassen und täuschen; darum prüfe und fei bedächtig. _ (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik. Wien, 8. October. Ein hervorragender, als Arzt und Gelehrter in großem Ansehen stehender Glaubensgenosse, der ehemalige Leibarzt des Schah Nasr-Eddin von Persien, Dr. Jacob Eduard Polak ist heute hier im Alter von 71 Jahren gestorben. Dr. Polak war im Jahre 1851 von Wien aus nach Persien gegcurgen, um in der neu errichteten Militärschule zu Teheran die Stelle eines Lehrers der Kriegs-Chirurgie zu übernehmen. Dort eignete er sich so rasch die persische Sprache au, dass er nicht nur im Stande war, seine Vorträge schon im zweiten Jahrin dieser Sprache zu halten, sondern auch in derselben zwei Lehrbücher der Anatomie und Physiologie und ein medicinisches Wörterbuch für seine Schüler schrieb. Auf seinen Vorschlag errichtete die persische Regierung eine chirurgische Klinik in Teheran, an der Dr. Polak öffentlich Ordination hielt. Zugleich unternahm er ausgedehnte Reisen zur geographischen Erforschung Persiens und kam dabei in Gegenden, die vor ihm kein europäischer Reisender betreten hatte. Dr. Polak genoss in hohem Grade die Gunst und das Vertrauen des Schah Nasr-Eddin, der ihn gegen die Jntriguen der Hof- Würdenträger schützte und ihn im Jahre 1855 zu seinem Leibarzte ernannte. In dieser Stellung blieb Dr. Polak bis zum Jahre 1860 in Teheran, woraus er nach Wien zurückkehrte, um hier die Resultate feiner Studien zu verwerthen. Im Jahre 1865 begann er die Herausgabe eines großen Werkes über Persien, worin er viel Neues über die Flora und die geologischeu Verhaltniße, sowie über die alten Culturdenkmäler des Landes veröffentlichte. Bis in die letzten Jahre war er auch in Wien und im Sommer in Ischl als Arzt thärig und sehr beliebt und geschätzt. In der Gelehrtenwelt genoss Dr. Polak großes Ansehen; viele Forscher, die sich nach Persien begaben, nahmen vorher seinen Rath und seine einstußreichen Beziehungen in Anspruch. Mehrere von in Persien neu entdeckten Pflanzen und Gesteinsarten tragen den Namen Polak's. Der Gelehrte war mit einer großen Zahl ausländischer Orden ausgezeichnet, kam jedoch in seinem still bescheidenen Wesen niemals um Bewilligung zum Tragen derselben ein. Den höchsten Werth legte er aus die ihm von unserem Kaiser verliehene große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft. In seinem Testament hat Dr. Polak verfügt, dass ihm das einfachste Leichenbegängnis bereitet werde: man möge ihm keine Blumen oder kostbare Pflanzen, welche nur der Lust und der Freude dienen sollen, auf das Grab legen und die dadurch ersparte Summe Armen ohne Unterschied der Confeffion zukommen lasten. Für seinen Grabstein hat er als Legende folgende Verse des persischen Dichters Hafis bestimmt: ״Der Gütige schließt kein Thor. Er öffnet denn ein anderes zuvor." Wie«- Herr Tr. Lueger hat nicht mehr allein aus den Ehrentitel eines ״Herrgottpfänders" Anrecht, er muß von nun ab dieses schöne Attribut mit seinem Freunde H a u ck, dem Abgeordneten der Wieden, theilen.Die ״Sonn- und Montag-Zeitung" berichtet hierüber folgendes: Die Lorbeeren, welche sich Herr Dr. Lueger als Schützer und Schätzer des ״kleinen Mannes" geholt, ließen den Mechaniker Wilhelm Hauck nicht ruhen und er beeilte sich deshalb, ebenfalls in der durch seinen Freund und Eollegen volksthümlich gewordenen Rolle des ״Herrgottpsänders" zu debutireu. Ort der Handlung: der ״Rothe Hof" im X. Bezirke, welche Realität Herr Hauck, wie von uns vor einiger Zeit nachgewiesen wurde, aus dem bei Antisemiten nicht mehr ungewöhnlichen Wege des Wuchers vor mehreren Jahren an sich gebracht hat. In dieiem ״Rothen Hof" wohnte eine arme Witwe Namens, Anna Klaus, welche, während sie krank im Lpitale darniederlag, wegen eines geringfügigen Zinsrückstandes von dem reichen Hausbesitzer Hauck vollständig gepfändet! und exequirt wurde. Das armselige Mobilar der bedauerns-! werthen Frau — darunter ein auf neunzig Kreuzer geschätzter Christus unter Glassturz — wurde auf den Dachboden des Hauses Nr. 64 in der Himbergerstraße, ebenfalls Eigenthum Hauck's, gebracht. So zu lesen 8115 Z. 571/III. 6x 1891 in der Registratur des Bezirksgerichtes Favoriten. Herr Hauck ist bekanntlich einer der eifrigsten Vorkämpfer gegen die ausbeuterische Macht des Capitals und die Bedrückung der ärmeren Volksclasseu. Nun, wir glauben,-dass die Verkünder einer bestimmten Lehre in allererster Linie verpflichtet wären, derselben entsprechend zu handeln und zu leben. Herr Hauck aber denkt anders, er; macht es seinem Vorbilde Lueger nach, er'predigt, dass man der l Ausbeutung der Armen und der Vernichtung zahlreicher Existenzen! durch das mobile Capital entgegenwirken soll, geht aber selbst! hin und nimmt einer armen kranken Witwe das letzte Stück! ihrer kärglichen Habe weg. Und wie der Schüler gar oft den; Meister übertrifft, so auch Hauck, der nicht einmal als Anwalt! eines Andern, sondern für seine eigene werthe Person dem! edlen Gewerbe des ״Herrgottpfänders" obliegt. Doch, so sind sie Alle, die antisemitischen Wortführer, sie beschuldigen Andere gewisser Schlechtigkeiten, um die Aufmerksamkeit von ihren eigenen Sünden abzulenkeu. Irgend ein Makel, der den Menschen gesellschaftlich unmöglich machen sollte, hastet an. jeder antisemitischen Größe, so dass man fast einen Preis ausschreiben könnte für einen Antisemiten-Häuptling, dem man nichts vorwerfen kann. Wien. (Auswanderung russischer Juden.) Der Vertreter des Baron Hirsch in Buenos-Ayres kaufte dreieinhalb Millionen Hektare Land von der argentinischen Negierung zu Colonisationszwecken. Die Grenzcomitss in Galizien werden nunmehr ununterbrochen mit der Beförderung von dreihundert Auswanderern wöchentlich nach den argentinischen Häsen beginne . Arnold White reist neuerdings nach Petersburg zur Constituirung der von der russischen Regierung principiell genehmigten localen Auswanderuugs-Comites.! Wien. (D i e e r st e electro ׳ pn eum atische Orgel j in Wi e n.) Die neugebaute Collegiumskirche in der Uniongasse zu Hernals besitzt seit einigen Tagen eine sogenannte elektrische Orgel, welche von einer mechanischen insofern abweicht, als die mechanische Tractur durch elektrische Leitungen ersetzt ist, so dass, ähnlich wie bei den bekannten Haustelegrapheu, durch Herstellung eines Contactes die Klingel ertönt, hier durch Niederdrücken einer Taste, welche den Contact vermittelt, die Pfeife spricht. Zu diesem Vorgänge gehören eine elektrische und pneumatische Function. Das Werk wurde durch die Orgelbaufirma Gebrüder Brauner aus Mährisch-Neustadt hergestellt und durch die Herren j Professor Joseph Böhm und Dr. Otto Müller revidirt. Wrag. Zum Kaiserbesuche in Smichow wird uns mitgetheilt: *Rechts von der Ehrenpforte nach den k. k. Behörden hatte der Vorstand und die Repräsentanz der Smichower israelitischen Cultusgemeinde mit dem Herrn Rabbiner Dr. Samuel Back im festlichen Ornate Ausstellung genommen. Seine Majestät schritt auf dieselben zu und sprach die huldreichen Worte : ״Ich freue Mich sehr, Sie hier zu sehen". Hierauf geruhte sich Seine Majestät nach der Bevölkerungszahl der israelitischen Gemeinde zu erkundigen, stellte an den Herrn Rabbiner die Frage, ob die Gemeinde eine Synagoge besitze und ob sie eine eigene. Schule habe? Nach Verneinung der letzteren Frage frug Seine Majestät weiter, ob die israelitischen Kinder die allgemeine öffentliche Schule besuchen? Zum Schluffe wiederholte Seine Majestät in der gnädigsten Weise die huldreichen Worte: ״Ich habe Mich sehr gefreut, Sie hier zu sehen". Lemberg. (Antisemitismus in Galizien.) Die Direktion der Wechselseitigen Brandschaden-Versicherungs-Gesellschaft in Krakau

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