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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-10-01 · Heft 25 (1.10.1891) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 25 (1.10.1891)
Date
1891-10-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Schluss heißt: ״Freuen wir uns, wenn hier ein solches Wort erlaubt ist, dass dies ein Kind des harmoniereichen Deutsch- Land ist, bas lange mit seinen bewältigenden Tönen das edle Frankreich entzückt hat. Es soll dies ein Grund mehr sür den sympathetischen Accord -zwischen beiden Nationen sein. Möchte der Name Meyerbeer und das Andenken an unsere Trauer, die sich mir dem Schmerz des Volkes jenseits des Rheines v ereint ein Unterpfand mehr sein der Einigung der zwei schwesterlichen Nationen, die nichts trennen sollte, und möchte ein starkes und dauerhaftes Band sich Herstellen zwischen dem Vaterland Mozart's Beethovens und dem Vaterlande Herold's, Halevy's und Auber's." Dann wurden die sterblichen Reste Meyerbeer's nach Berlin überführt und aus dem jüdischen Friedhofe zur letzten Ruhe bestattet. Durch des Tondichters Tod war die Aufführung der ״Afrikaner!!:" um ein Jahr verschoben worden, und fand erst am 28. April 1865 an der großen Oper in Paris statt, und zwar mit sensationellem Erfolge, Dank der wirkungsvoll aufgebauten Handlung und der unerhörten Decorations Pracht in Verbindung mit einer Kunst der Jnnrumentirung, welche die Farbenwunder der Tropenländer in einer vorher ungeahnten Weise wiedergibt. Dass der kolossale Erfolg der Opern Meyerbeer's zum Theil auch der Mitwirkung günstiger Umstände zugeschrieben werden muß, wurde schon Eingangs erivähnt. Meyerbeer befand sich in der glücklichen Lage, nicht blos gänzlich unabhängig zu sein, sondern auch zur Befestigung seiner Erfolge durch seine Mittel erheblich üeizutragen. Heine's bekanntes Witzwort: ״Meyerbeer's Ruhm wird so lange leben, als er selber und noch einige Jahre darüber hinaus, denn so lange hat er dafür voraus bezahlt," ist wohl als eine übertriebene Charakterisirung dieser Seite seines Wesens auszusassen. Sie zeigt'indessen, dass die Sorgfalt, die der stets vorsichtige Maestro der öffentlichen Meinung angedeihen ließ, bereits in jenen Tagen gewürdigt wurde. Heine nennt ihn bei Erwähnung des ,,Robert" ein ängstliches Genie, dem der siegreiche Glaube an sich selbst mangelte. Der kleinste Tadel erschreckt ihn, er schmeichelre allen Launen des Publikums und gab links und rechts die eifrigsten Poignees de main, als habe er auch in der Musik die Volkssouveränetät anerkannt und begrünt, e sein Regiment auf Stimmenmehrheit, im Gegensatz zu Roffini, der als König von Gottes Gnaden im Reiche der Tonkunst absolut herrscht. Schon Beethoven hatte sich, als Meyerbeer als junger Mann bei seinem ersten Aufenthalt in Wien mit ihm bekannt wurde und bei einer Aufführung seines symphonischen Tongemäldes ״Welüngton's Sieg bei Vitoria" als Trommelschläger im Orchester mitwirkte, über diese eigenthümliche Zaghaftigkeit treffend geäußert : ״Ha, ha, ha! ich war gar nicht zufrieden mit ihm, er kam immer zu spät, so dass ich ihn tüchtig heruntermachen musste. Es ist nichts mit ihm, er hat keinen Muth, zur rechten Zeit dreinzuschlagen." Das Bild dieses seltenen Mannes würde ein unvoll- . ständiges sein, wenn die hochherzige Art und Weise, mit der er so manchem bedürftigen Talente mit seinem Vermögen zu Hilfe kam, unerwähnt bliebe. Der Trieb zur Wohlthätigkeit, ein Erbtheil seiner Mutter, die von Heine als eine edelgesinnte, gemüthvolle Frau geschildert wird, hat sich in allen seinen Lebenslagen geltend gemacht und noch nach seinem Tode in mehreren reich dotirten Legaten Ausdruck gefunden; unter diesen ist in erster Linie die sogenannte Meyerbeer-Stiftung zu erwähnen, die begabten jungen Stipendiaten die Mittel gewähren soll, zu ihrer Ausbildung Studienreisen nach Paris, Italien und durch Deutschland zu unternehmen. ' Kleine Chronik. Wien. Die orthodoxe Partei in Mariahilf hat von jeher einen besonderen Gottesdienst, der bis vor Kurzem in einem Privatlocale abgehalten wurde. Nun ist es einigen opferwilligen Männern gelungen, ein, wenn auch kleines, aber immerhin würdiges und hübsch ausgestattetes Gotteshaus zu errichten, dessen Einweihung" Sonntag den 27. September stattfand. Den Einweihungsakt vollzog Herr Rabbiner Dr. Schmiedl aus Sechshaus, der das Ker tomid anzündete und hierauf eine gehalt und wirkungsvolle Weiherede hielt. Die Festrede wurde wurde vom Vorsteher Herrn Dr. Jacob Weiß gesprochen und die cantorale Function durch Herrn Cantor Schreiber in anerkennenswerrher Weise verrichtet. Der Feierlichkeit wohnte ein zahlreiches Publikum bei. Wien. Vom Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung für Galizieu und die Bukowina wurden bisher nachfolgende Beiträge bewilligt: Jahrespräliminarien für die Schulen Tarnow fl. 4500, Neusandez fl. 4200, Boryslaw fl. 2400, Kolomea fl. 6000, Chrzanow fl. 4200 für die Schule Buczacz bewilligte Jahrespräliminare fl. 14.000, für Schule Brody einmalige Subvention fl. 3500, Stipendien für 10 Lehramts-Candidäten und 5 Stipendien für Kindergärtnerinnen in Ostgalizien fl. 3000, Stipendien für Schüler der Gewerbeschule in Bielitz pro 1890 —91 ca. fl. 1170, 14 Stipendien für Schüler der Gewerbeschule in Bielitz pro 1891—92 ft. 2700, Stipendien für Gewerbeschüler in Czernowitz pro 1890—91 fl. 500. Diverse Gewerbestipendien für Westgalizien fl. 290, Unterbringung von 115 Handwerkerzöglingen in Ostgalizien fl. 6200, Subvention für 2 Gewerbe-Abendschulen in Ostgalizien fl. 700, für 10 Weber-Schüler in Gliniany fl. 1030, zur Bekleidung armer Schulkinder in Sambor und Sadogora fl. 500 zur Anstellung eiues Religionslehrers in Sadagora fl. 500, Verwaltungskosten für Krakau und Lemberg pro 1890 fl. 2419 diverse einmalige Subventionen fl. 850; zusammen fl. 61.489. Mrag, 27. September. Bei dem gestrigen Empfange des israelitischen Cultusvorstandes Dr. Arnold N o s e n b a ch e r und des Oberrabbiners Ehrenfeld bat dieser den Segensspruch für Seine Majestät sprechen zu dürfen. Der Monarch I willfahrte dieser Bitte und Oberrabbiner Ehrenfeld sprach! den Segen in hebräischer und deutscher Sprache. Als sich Seine I Majestät bei Dr. Rosenbacher über die Verhältniße der Cultus-! gemeinde in Prag näher erkundigte und Dr. Rosenbacher! unter Anderem antwortete, es würden täglich in 30 Synagogen Prags für das Wohl Seiner Majestät und der allerhöchsten Dynastie Gebere gesprochen, sagte der Monarch: ״Ich weiß, daß die Israeliten sehr patriotisch sind. Insbesondere haben die Israeliten Prags diesen Patriotismus stets bewährt. Graz Schon im October vorigen Jahres hat die Statt- Halterei die Aufforderung an die hiesige Cultusgemeinde gerichtet, Anträge zu stellen über die Neu-Organisation des auf Grund des Gesetzes vom 21. März 1890 zu errichtenden Gemeinde- Spreugels, namentlich über die Frage, ob derterritoriale Umfang der Cultusgemeinde ganz Steiermark umfassen oder auf das Weichbild der Landeshauptstadt Graz beschränkt bleiben solle. Gleichzeitig kam vom Landespräsidium in Klagenfurt eine Aufforderung im gleichem Sinne, welche wiederum die Einbeziehung der Israeliten in Kärnten zum Gegenstände hatte. Nach der bisherigen Organisation sind nämlich die Israeliten von Steiermark und Kärnten schon seit 1876 der hiesigen Cultusgemeinde gesetzlich zugetheilt und in Beziehung auf Ehc-Angelegenheiten und Matrikelwesen zuständig. Die Gemeinde hat aus dieser Zutheilung keinen materiellen Nutzen zu ziehen vermocht, da ihr die Berechtigung, auch von den auswärtigen Israeliten eine Cultussteuer einzuheben, nicht eingeräumt wurde. Dagegen har sie sich der Bestimmung fügen müssen, für Kärnten eine selbstständige Matrikel anzulegen und dein von ihr allein besoldeten Rabbiner die Führung und Verantwortung derselben zu übertragen. Als die Cultusgemeinde vor etwa 5 Jahren eine Aenderung ihrer Statuten in dem Sinne anstrebte, dass sie die auswärtigen Israeliten zur Beitragsleistung für die Er- Haltung ihrer Institutionen anhalten dürfe, so hat die Statt-

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