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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-10-01 · Heft 25 (1.10.1891) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 25 (1.10.1891)
Date
1891-10-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Canzone des Pagen, die Schwerterweihe und vor Allem das berühmte Liebesduett im vierten Akt. Vortrefflich ist die Charakterzeichnung in dieser Oper; mit plastischer Schärfe sind Marcel, Valentin, Raoul geschildert. Auch das szenische Element kommt trefflich zur Geltung. Von der contrapunktischen Kunst Meyerbeer's gibt u. A. die Volksszene im dritten Act ein lebendiges Bild, in welcher das ״Rataplan" der Soldaten mit einer Prozession von betenden Frauen zu nicht gerade harmonischeu, aber immerhin effectvollen Toncombinalionen sich verbinden, die Manchen freilich durch ihre aus die Spitze getriebene Charakteristik abgestoßen haben. Ueberhaupt blieb der Erfolg der ״Hugenotten" ebenso wenig unbestritten wie der des ״Robert", dessen Musik Mendelssohn ״kalt und herzlos" nannte. Besonders R. Schumann war über die ״herabwürdigende" Anwendung des protestantischen Chorals: ״Ein' feste Burg" außer sich. Er verurtheilt die ganze- Tendenz des Werkes, seine ״lächerlich gemeine Heiligkeit" auf's Schärfste und erblickt nur Verzerrtheit, Unnatur, Unmusik und Unsittlichkeit, Stillosigkeit und Nicht- Originalität darin. ״Was ihm aber durchaus angehört", fährt er fort, ״ist jener berühmte, fatal meckernde, unanständige Rhythmus, der fast in allen Themen der Musik durchgeht." Im Jahre 1842 wurde Meyerbeer von König Friedrich Wilhelm IV. nach Berlin berufen und mir dem Ehrenamte eines kgl. preuß. Generalmusikdirectors betraut. Eine Festoper ״Das Feldlager in Schlesien", die er zur Einweihung des neuen Berliner Opernhauses schrieb und die anekdotische Züge aus dem Leben Friedrich des Großen enthält, wurde zehn Zahre später umgestaltet und unter dem Titel ״Der Nordstern" an der Pariser komischen Oper aufgeführt, bei welcher Gelegenheit sich der alte Preußenkönig eine Metamorphose als russischer Czar gefallen lassen musste, ein Beweis, dass man sich schon damals auf gewisse sympathische Beziehungen zwischen der Seine und der Newa verlassen durste. In keiner von beiden Gestalten vermochte indeß dieses Werk Wirkungen zu erzielen, wie man sie bei Meyerbeer bisher gewohnt war. Ebensowenig war dies der Fall bei der Musik zu der Tragödie ״Struensee" seines frü verstorbenen Bruders Michael Beer. Erst der ״Prophet", 1849 zum ersten Male in Paris mit Frau Pauline Viardot als 'Fides mit jubelndem Beifall aufgeführt, brachte dem Componisten einen vollen und bis auf unsere Tage nachwirkenden Erfolg. Das hochgesteigerte Raffinement der Maschinerie, die ausgiebige Verwendung des Ballets und die effectreiche Behandlung des gesammten Klangapparats, wie sie sich z. B. in der Krönungsfcene kund gibt, zeigt ihn auch hier wieder als den vollkommenen Meister der Bühnenwirkung. Freilich tritt im ״Prophet" bereits hinter dem Aufgebot äußerlicher Kunstmittel die eigentliche schöpferische Originalität bedeutend zurück, soviel gelungene Einzelheiten dieses Werk auch enthalten mag. Das gleiche Verhältnis stellt sich bei der dreiactigen komischen Oper ״Dinorah" (1859) heraus, die überdies den Nachweis lieferte, dass Meyerbeer an originellen Einfällen zwar nicht arm war, jedoch für die herzbefreiende Wirkung der Komik nicht den nöthigen gesunden Humor in sich hatte. Dass ״Dinorah" sich noch immer lebensfähig erwiesen hat, liegt wohl hauptsächlich an der Titelpartie, die als wirksame Paraderolle für Koloratursängerinnen nicht leicht zu ersetzen sein dürfte. Noch einmal versuchte Meyerbeer das Glück des BühneiV erfolges mir der ״Afrikanerin", seinem letzten Werke. Er hatte schon 1838 mit Scribe den Plan zu dieser Oper verabredet und die sorgsam ausgeführte Partitur bereits jahrelang im Pulte fertig liegen, er verzögerte jedoch aus Furcht vor einem Misserfolg ihre Aufführung bis kurz vor seinem Tode. Endlich entschloss er sich die ״Afrikanerin" in der großen Oper zu Paris über die Bretter gehen zu lassen, kam jedoch damit zu spät, denn mitten unter den Vorbereitungen zur Premiere starb er, über 72 Jahre alt, plötzlich am 2. Mai 1864, nachdem er schon in der letzten Zeit öfters von Krankheit heimgesucht worden war. Bei der großartigen Leichenfeier in Paris, an der die ganze geistige Elite Frankreichs theilnahm, hielt unter Andern Emil Ollivier eine denkwürdige Ansprache, in welcher es zum Der Doctor: Aber um so prächtiger im Lichtstrahle der Wissenschaft, dessen verklärende Wirkung das Judenthum nur kräftigen muß. Wegen der primitiven Beleuchtung leidet auch der Güterverkehr. In diesem Halbdunkel werden oft die Adressen aufgegebener Güter falsch gelesen. So liest man oft anstatt ״an König David" — ״vom König David" und dann wird das Gut als unbestellbar an König David zurückgeschickt, der selbstverständlich die Annahme verweigert. So wurden auch häufig Eingaben des Propheten Jsaias anstatt dem Ministerium des Aeußeren, dem für Cultus zugeleitet u. s. w. und das soll beiläufig der Entwurf der Predigt werden. Jehudalem: Zu welchem Zwecke? Der Doctor: Damit auch die Volksschullehrer der hebräischen Grammatik mehr Sorgfalt widmen. Und zum Schluffe soll die Predigt unter Hinweis aus den babylonischen Thurmbau etwa so lauten. Erfasse, Israel, den Geist der mosaischen Tradition.' Nach Jahrtausenden ein neu erstandenes Bild im alten Rahmen! Die da wähnen einen Thurm bis zur Höhe des siebenten Himmels zu bauen, sie ereilte das Geschick himmelftürmender Ahnen. Denn der Herr verwirrte ihre Sprache und einer versteht den anderen nicht — mangels Grammatik. Amen. Jehudalem: Herr Doctor, Sie kamen, sahen und siegten! und Brutus zerbricht den tückischen Dolch und wünscht Cäsar langes Leben. — Jetzt muß ich einmal Mähren bereisen, aber über Wien, wo ich den Herren Antisemiten Dankesbesuche abzustatten habe, weil sie mir meine Juden gar so schön zur Einigkeit führen; wenn das so andanert, bleibt für mich nichts zu thun übrig und ich melde mich zur Pension. Beide zugleich: Ich habe die Ehre! II. Motto: ״Ich habe Silber, ich habe Gold, spricht der Herr Zebaoth. Unser Held hat sein Wort eingelöst und die rasche Reise gieng über Wien nach Mähren. — Da aber der Besuch von Ungarn aus angekündigt war, so empfieng ihn an der Landesgrenze eine Deputation mährisch jüdischer Geistesgrößen, aus deren Mitte Ober-Messias-Aspirant Marpharius als Fürsprecher mit auffallend lauter Stimme die Begrüßungsrede hält: ״Sei gegrüßt von den Tausenden Manasses, gegrüßt von den Myriaden Efraims! — (bei Seite) Malvin & Franz hätten hier besser gepasst, als Manasse & Efraim. — Von Nah und Fern kamen wir gezogen, um Dir anbetende Huldigung mit edlem Sinnen darzubringeu. Denn wahrlich eine günstige Stunde brachte Dich zu uns und heilbringend soll der Besuch sein. Nur eine große Bitte gewähre den Fürsprechern des mährisch jüdischen Volkes hier an der Schwelle des Landes, damit unser Vertrauen in deine hohe Person die Mutter jener Liebe werde, die in der Freude der Kinder ihr höchstes Glück sucht! (hier gibt sich Jehudalem ein Stückchen Baumwolle ins Ohr) Verzeihe meine lauteStimme! Unser Volk schnarcht auf dem Strohsacke des Jndifferentismus, vielleicht erwacht es doch. Lege ab den Namen Jehudalem und nenne Dich Julianus von Aerernheim! denn die Zeit rollt unaufhaltsam näher, wo die großen Ideen des Judenthums, von den Schlacken des Orientalismus gereinigt, europäische Tracht annehmen; darum öffne die Flügel der Erfüllungspforteu unseren Bitten, die Frucht jenes weifen Vorbedachts zu genießen, der in der vollen > Anerkennung des Zeitgeistes den wahren Fortschritt erprobt hat.! (Fortsetzung folgt.)

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