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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-09-21 · Heft 24 (21.9.1891) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 24 (21.9.1891)
Date
1891-09-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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einem Glanz umgeben, der seine musikalischen Zeitgenossen auf lange hinaus in den Schatten stellte. Interessant ist, was Heinrich Heine über die Premiere des Werkes voll Begeisterung an die ״Augsburger Allg. Ztg." schrieb: ״Meyerbeer ist wohl der größte jetzt lebende Kontrapunktist, der größte Künstler in der Musik; er tritt diesmal mit ganz neuen Formschöpfungen hervor, er schafft neue Formen im Reiche der Töne, und auch neue Melodien gibt er, ganz außerordentliche, aber nicht in anarchischer Fülle, sondern wo er will und wann er will, an der Stelle, wo sie nöthig sind. Hierdurch eben unterscheidet er sich von andern genialen Musikern, deren Melodienreichthum eigentlich ihren Mangel an Kunst verräth, indem sie von der Strömung ihrer Melodien sich selber Hinreißen lassen und der Musik mehr gehorchen als gebieten". An anderer Stelle heißt es: ״Erst durch dieses Werk gewann Meyerbeer sein unsterbliches Bürgerrecht in der ewigen Geisterstadt, im himmlischen Jerusalem der Kunst. In den Hugenotten offenbart sich endlich Meyerbeer ohne Scheu; mit unerschrockenen Linien zeichnete er hier seinen ganzen Gedanken, und Alles, was seine Brust be-. wegte, wagte er auszusprechen in ungezügelten Tönen". (Schluss folgt). B«rsn Hirsch und die russischen Inden. Nach Mittheilungen der Londoner ״Times" hat Baron Hirsch an die Juden Rußlands nachstehenden Aufruf gerichtet: ״An meine Glaubensgenossen in Rußland!" Ihr wisst, dass ich mich bemühe, Euer Los zu verbessern. Es ist deshalb meine Pflicht, offen zu Euch zu sprechen und Euch die erforderlichen Mittheilungen zu machen. Ich kenne die Gründe, welche viele von Euch zur Auswanderung zwingen, und ich will gerne Alles was in meiner Macht thun, um Euch in der Stunde der Noth beizustehen. Ihr müsst mir dies jedoch ermöglichen. Euere Auswanderung darf nicht einer kopflosen, überstürzten Flucht gleichen, bei welcher der Wunsch, der einen Gefahr zu entfliehen, im eigenen Untergang endet. Ihr wisst, dass sorgfältig organisirte Komitss mit Zustimmung und unter der Oberaufsicht der russischen Regierung demnächst in Rußland errichtet werden. Die Pflicht dieser Comites wird es sein, die Auswanderung in geschäftsmäßigem Wege zu organisiren. Alle Personen, welche auszuwandern wünschen, werden sich an die Lokalkomitös zu wenden haben, die allein berechtigt sind, Euch die nothwendigen Erleichterungen zu gewähren. Nur die von den Komitös erwählten Personen können auf meine Hilfe und auf die meiner Mitarbeiter rechnen. Jeder, der das Land verlässt, ohne im Einverständnis mit den Komites zu stehen, thut es auf seine eigene Gefahr und darf nicht auf irgendwelche Hilfe von mir rechnen. Es liegt auf der Hand, dass die Zahl der Emigranten zu Anfang keine große sein kann. Es müssen eben nicht allein Zufluchtsstätten, für die, welche zuerst abreisen, gefunden, sondern auch die erforderlichen Vorkehrungen für die Nachfolgenden getroffen werden. Späterhin wird die Auswanderung in der Lage sein, größere Dimensionen anzunehmen. Denkt daran, dass ich nichts für Euch ohne die wohlwollende und gnädige Hilfe der russischen Regierung thun kann. Zum Schuss appellire ich an Euch. Ihr seid die Erben Eurer Väter, welche seit Jahrhunderten so viel gelitten haben. Tragt diese Erbschaft noch eine Weile mit gleicher Ergebung. Habt auch weiter Geduld und macht dadurch Denen, welche Euch helfen wollen, ihre Aufgabe möglich. Ich sende Euch diese Worte der Warnung und Aufmunterung in meinem eigenen Namen, wie in dem von Tausenden Eurer Glaubensgenossen. Nehmt sie zu Herzen und versteht sie. Möge der gute Gott Euch und mir und den Vielen helfen, welche mit so viel Aufopferung mit uns zu Eurem Besten arbeiten". In derselben Nummer berichtet die ״Times" über eine Unterredung ihres Pariser Correspondenten mit Herrn Arnold White, dem Emissär des Baron Hirsch. Herr White befand sich am 15. d. auf seiner Rückkehr von Kopenhagen in Paris Ichu-alem. Aus dem Tagebuche des ewigen Juden. Von Samuel Jellinek (Ung.-Brod). Motto: Vom Herzen, zum Herzen. I- In neuester Zeit nehmen die Wanderungen des ewigen Juden, Dank den schnellfüßigen Dampfrossen ein rascheres Tempo an. Sein Tagebuch ist jetzt pikanter, weil entferntere Punkte mit ihren Gegensätzen einander näher gerückt erscheinen, also ein bunteres Farbenspiel der Contraste den Effect erhöht. Da heutzutage Alles auf den Effect ankommt, so hat auch unser Held den Namen Jehudalem mit dem Jncognito-Titel ״General- Jnspector sämmtlicher jüdischer Geistes-Bahnen" angenommen, deren bedeutendere Depot-Stellen zugleich die Stationen seines Schnellzuges sind. So erreicht er, auf den Siebenmeilenstiefeln des Dampfes von Wien ausfahrend, mit Blitzesschnelle Pausingen. Die Pforte Ungarns eröffnet seinem Ange ein Panorama, das seinesgleichen in der Welt sucht: Ueberall ein übermächtiges Entfalten strotzender Naturkräfte! Ein Boden, der sich selbst düngt — eine Flur, die der pflegenden Hand entrathen zu können scheint — eine Fauna, die des wirthlichen Daches ent- Lehrt — ein Volk, das mit der Muttermilch mehr Constitutioualismus einsaugt, als alle Philosophen, Helden und Staatsmanner West-Europas aus weise durchdachten Systemen — hier der Zigeuner, der vom Hörensagen Musikant, ja Musikus wird — ohne theoretischen Unterricht und sei es nur in den Anfangsgründen, dort — man verzeihedie Nebeneinanderstellung, alte Gewohnheiten der Schulbücher — dort jüdische Hörer, der Theologie ohne die mindeste Kenntnis grammaticaler Urbegriffx, Ueberrascht, entzückt, verwirrt, betäubt ruft Jehudalem aus: Dampfross gebiete deinem Schnaufen; hier gilts, zu Fuße zu wandern und das farbenschillernde Bild in der Nähe betrachten. Und munter fördert er die Schritte und spricht die Pflanzen, die Thiere, den Magyar, den Zigeuner, den Juden an: ״Im Namen aller Götter, deren so viele in Euerem lieben Ungarlande thronen, von welcher Speise nährt Ihr Euch, dass Ihr so groß geworden? Die Pflanzen sagen: ״Wir trinken mehr Donauwasser als unsere westlichen Nachbarn." Die Thiere sagen: ״Große Pflanzen machen große Thiere." Der Magyar spricht: ״Muttermilch und Wein machen es allein." Der Zigeuner: ״Nationale Weisen lieben nationalen Boden." Der Jünger jüdischer Theologie in Demuth aber auch in Wahrheit: ״Ich bin groß unter Kleinen." Unser Jehudalem-Jbicus gibt sich noch nicht zufrieden. Und munter fördert er die Schritte Und sieht sich in der Großstadt Mitte; Da sperrt auf gedrungen Steg Ein-Doctor plötzlich seinen Weg. Jehudalem: ״Herr Doctor! Im Namen aller Götter! von welcher Speise nährt Ihr Euch, dass Ihr so groß geworden?" Der Doctor (in gereiztem Tone): ״Wollet Ihr Euch lustig machen? Glaubt Ihr vielleicht, ich ahne. nicht die ironischen Schlage Eures Shakespeare Schlegels? Gebet nur sein acht, dass nicht aus Eurem gespielten Brutus ein wirklicher Brutus (Tölpel) werde."

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