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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-09-11 · Heft 23 (11.9.1891) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 23 (11.9.1891)
Date
1891-09-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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liche, entzückende Stimme haben. (Taanit 16.) Und in der That haben die meisten Vorbeter des Mittelalters all die hier bezeichneten Eigenschaften mid Tugenden in sich vereinigt; sic waren nicht blos Meister des Gesanges, sondern auch der hebräischen Sprache, und viele von ihnen. haben sogar die Liturgie mit poetischen Producten, Piutim, bereichert, daher sie sich gleich den hervorragendsten Rabbinen der damaligen Zeit der allgemeinen Hochachtung erfreuten und von denselben auch besonders gewürdigt und bevorzugt wurden Es kann aber nicht geleugnet werden, dass es nicht nur in dem letzten Jahrhundert, sondern auch damals schon viele Chasauim gegeben, die fremde, profane, gar oft der Bühne entnommene Melodien felbst au den hohen Festen in den Shnagogen langen, um das Publikum mehr zu unterhalten und zu amüsircn, als zu erbauen, welches unwürdige Vorgehen von den bedeutendsten Autoritäten getadelt und mißbilligt wurde. R. Salomo b. Areret wendet auf solche Chasanim in einem Bescheide an die israelitische Gemeinde zu Hueska den Vers an: ״Es erhebt gegen mich seine Stimme, darum hasse ich es". (G. A. 215.) Ebenso tadelnd haben sich N. Ascher b. Jechiel, R. Efraim Lentschütz, Schor, R. Jecheskel Landau u. v. A. gegen diese Art Vorbeter geäußert. Letzterer konnte es den Chasauim feiner Zeit nicht verzeihen, dass sie ״ihres ungeregelten und unharmonischen Gesanges wegen die Worte verstümmelten und corrumpirten". Ein Vorwurf, der den mode r n c n Canto reu nicht gemacht werden darf, da der geregelte Choralgesang derartige Mißbräuche nicht zulässt. (Vgl. M. H. Friedländer ״Abodat Israel" S. 22.) (Fortsetzung folgt.) Das Moschol. Nach seiner Bedeutung und Anwendung in biblischen und nachbiblischen Schriften. - XIX. (2160t 5, 7.) Sieben Dinge sind an Ungebildeten und sieben an den Weisen zu bemerken. Der Weise spricht nicht von dem, der ihn an Weisheit und Jahren überlegen ist; er fällt nicht in die Rede eines Andern ein; er antwortet nicht vorschnell; er fragt zur Sache gehörig und antwortet dem Inhalte gemäß; er spricht über das Erste zuerst und über das Letzte zuletzt; von dem, was er nicht begreift, sagt er, ich habe es nicht verstanden und bekennt die Wahrheit. Das Gegeutheil von dem allem ist der Ungebildete (Golem). ״Ordnung hilft Haushalten", so lautet ein bekannter Spruch, Ordnung darf nirgends fehlen, sie ist in jedem Berufe unbedingt nothwendig, wo sie fehlt, dort herrscht Unordnung und erschwert den Fortgang in jeder Beziehung; denn wo Unordnung herrscht, dort ist die Trägheit mit im Spiele. Ordnung hilft Haushalten, aber auch Schulhalten. In einer guten Schule darf die Ordnung nicht fehlen, ist sie gestört, dann fehlt es an Disziplin, dann muß auch der Unterricht mangelhaft sich gestalten. Ordentliches Betragen von Seite der Schüler, Ordnung in den Schulrequisiten. Alle diese trefflichen Lehren, die uns die Mischna vorführt, wurzeln in der Ordnung und sind sehr zu beachten. Der Verständige fragt zur Sache gehörig, antwortet dem Inhalte gemäß, spricht über das Erste zuerst, er thut nichts zur Unzeit, stört überhaupt die Ordnung nicht. Wer dagegen handelt, ist ein Golem, ein ungebildeter, unordentlicher Mensch. (Abot 6, 12.) ״Es gibt unter Schüler vier Arten: Wer schnell begreift und schnell vergisst, wird des Vortheiles durch den ' Nachtheil verlustig, und wer schwer begreift und schwer vergisst, hebt den Nachtheil durch den Vortheil auf; wer schnell begreift und schwer vergisst, der hat ein gutes Theil; wer schwer begreift und schnell vergisst, der hat ein schlimmes Theil"( Das Leben ist-eine große Lehranstalt, welche fortwährend an der Vervollkommung der Menschheit arbeitet, aber die Lebensschüler lauschen nicht alle mit gleicher Aufmerksamkeit auf den tausendstimmigen Unterricht, erfassen deren Wahrheiten nicht mit dem rechten Ernst auf und Prägen sie nicht gleich tief im Geiste ein. So lauge wir leben, müssen wir lernen, und leben auch nur so lange, als das Bestreben in uns nicht abstirbt. ״Schnell begreifen und schnell vergessen", mag wohl auf ein schwaches Gedächtnis beruhen; aber da kann häufiges Wiederholen gute Dienste leisten. ״Schwer begreifen und schwer vergessen", hebt wohl den Nachtheil durch den Vortheil auf, aber zu einem erheblichen Besitzthum kommt es eben so wenig, wie zu irgend einer Meisterschüft in der Schule des Lebens. Aber auch da kann durch gespannte Aufmerksamkeit theilweise nachgeholfen werden. ״Schnell begreifen und schwer vergessen", das ist ein guter Theil. Halle weit geöffnet dein empfängliches Her;, sammle treu, ununterbrochen und verwerthe, was du erwvrbeu, du kommst dann dem Reiche der Vervollkommnng näher. ״Wer schwer begreift und leicht vergisst", ist amzschlechtesten daran. An solchen wird jeder Verstand irre, ist jede Arbeit vergeblich. Auch da kann der Schüler nachhelfen, durch stete Aufmerksamkeit und häufiges Wiederholen. (Abot 5, 15.) ״Es gibt vier Arten von Schülern im Lehrhause:Schwan! m, T r i ch t e r, S^e i h e und Schwing e. Dem Schwamme gleicht, der alles einsaugt; dem Trichter gleicht, der einerseits anfnimmt, anderseits durchlässt; einer Seihe gleicht, wer den Wein ausscheider und den Treber znrückbehält; einer Schwinge gleicht, wer die Kleie fortwirft und das Mehl zurückbehält". Der Mensch darf dem Schwamme nicht gleichen, der alles aufsaugt ohne Unterschied, das Klare und das Trübe, das Angenehme und das Widerliche. Der Schüler darf nicht alles lesen, was ihm zur Hand kommt. Erkenntniße, welche dem gereiften Mann heilsam sind, können der Jugend Verderblich werden. ״Der Einfältige nur glaubt jedes Ding, aber der Vorsichtige merkt auf jeden Schritt", lehrt der weise Spruchdichter (Spr. 14, 15.) Wer ungeprüft, wie der Schwamm alles aufnimmt, trägt eine trübe Mischung in sich. Ganz rathlos aber fühlt man sich dem Trichter gegenüber, der da aufnimmt und dort wieder durchlässt. Ihm gleichen die theitnahmslosen Schüler, an welchen das Leben vorübergeht, wie das Schattenbild an der Wand, sie sind für nichts zu gewinnen, durch nichts zu bewegen. Am traurigsten ist es aber, der Seihe zu gleichen, den Wein auszuscheiden und die Trebern behalten, das heißt soviel, für sämmtliche Vergnügungen und bösen Neigungen leicht zugänglich zu sein, dem Reize der Tugend aber sich zu verschließen und jeden bessern Einfluss kalt von sich zu weisen. Was ist von einer solchen Jugend, ja von einer solchen Menschheit zu erwarten? Der Schwinge sollt ihr es gleich machen, welche die Spreu dem Winde gibt, aber die fetten Körner zurückbehält, die Kleie ausscheidet, das Kraftmehl aber treu bewahrt. In einer Welt, wo Licht und Schatten abwechseln, wo Laster und Tugend nebeneinander gehen, wo die Dinge Wesen und Schein haben; da ist Vorsicht nothwendig, Gutes und Böses, Wahrheit und Lüge von einander zu unterscheiden. ״Nur im Herzen des Unterscheidenden wohnt die Weisheit", lautet ein Spruch des weisen Salamon (Spr. 14, 33.) Dieses merket euch. (Abot 6, 4.). ״So nur kann man das Ziel erlangen- Thorakunde zu erringen. Brot mit Salz fei deine Speise, Wasser trink in karger Weise — und dein Lager sei die Erde und dein Leben voll Beschwerde — dann wirst du weise, wird dir in diesem Leben und Jenseits Heil gegeben". Das ist ein schönes

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