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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-09-11 · Heft 23 (11.9.1891) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 23 (11.9.1891)
Date
1891-09-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 schloß mit den Worten: משה עלה למרום .;■©er ■©ei.fi biefeä Moses hat sich zu Gott emporgeschwungen, dort am Gottesthrone wird er für uns beten und im mächtigen Chore der Engelschaar miteinstimmen, um die Herrlichkeit Gottes zu besingen. Fahr' wohl! Ruhe in Frieden!״ Am Abend machten die Cantoren in corpore eine Condolenzvisite bei der Wittwe. Cantor Suschny betete מוהה und sämmtliche Cantoren sagten.קדיש. Unter den unzähligen Beileidskundgebungen, welche der Familie von Seiten der Gemeinden, Institute, Cantoren und Privaten zukamen, sei hier die vom Vorstande des Oesterr. ungarischen Cantoren-Vereines besonders erwähnt. Die wichtigsten Institutionen -es Iudenthnms nach der Bibel, dem Talmud und den Aussprüchen der Weisen in Israel. Dargestellt von Dr. M. H. Friedländer, Bez. - Rabbiner in Pisek. II. Aas Gotteshaus. (Fortsetzung.) Auch aus vielen andern Stellen im Talmud und Midrasch ist klar und deutlich zu entnehmen, dass das Gotteshaus die mächtigste Säule des Judenthums sowohl im grauen Alterthume als .im finstern Mittelalter war, dass ohne dasselbe Israel spurlos aus der Geschichte geschwunden wäre. So z. B. hat R. Jochanan in einem Vortrage die Worte des klagenden Jeremias ״Doch erwidere ich dies meinem Herzen und Hofsnung kehrt zu ihm (Gott) zurück" (Klagl. 3, 21) durch folgendes Gleichnis zu erklären und zu illustriren gesucht: ״Einst schloss ein Fürst mit einer würdigen Frau den Bund der Ehe und machte ihr im Ehevertrag sehr bedeutende Verschreibungen. Einige Zeit später unternahm er eine Reise übers Meer und blieb sehr lange, vom Hause weg, so dass man seine Rückkunft bezweifelte. Die Freundinnen der Fürstin besuchten sie ^oft und riefen ihr, nicht ohne Schadenfreude, zu: ״Dein Gatte hat dich verlassen und kommt nie mehr wieder zurück." Diese Worte verfehlten nicht, einen tiefbetrübenden Eindruck auf die Fürstin zu machen, sie brach in Thränen aus und jammerte sehr. Sie verfügte sich dann in ihre Gemächer, holte ihren Ehetzertrag hervor, und als sie die großen Verschreibungen, die ihr der Gatte gemacht, gelesen, war sie beruhigt und befriedigt, denn sie betrachtete dieselben gleichsam als Unterpfand der Liebe. Nach langer Zeit kam der Fürst von seiner weiten Reise zurück und rief bei seiner Ankunft seiner Gattin zu: ״Ich bewundere, meine Tochter, deine Treue gegen mich, wie deine seltene' Ausdauer!" ״Wäre ich nicht," entgegnete sie, ״durch die vielen Verschreibungen, die du mir gemacht, von deiner wahren, aufrichtigen, innigen Liebe und Treue zu mir überzeugt gewesen, wahrlich, die Spöttereien und ironischen Redensarten meiner Freundinnen und Nachbarinnen würden mich wankend gemacht haben." So Verfahren auch die Völker mit Israel. Sie rufen ihm höhnend zu: ״Euer Gott hat sich von euch entfernt, seine Herrlichkeit thront nicht mehr unter euch." Israel aber erträgt resignirt und gottergeben diese Spottreden, verfügt sich in seine Synagogen und Lehrhäuser, nimmt die Thora zur Hand und liest in derselben die Verheißungen: ״und ich wende mich zu euch, ich breite euch aus und nehme meinen Wohnsitz wieder unter euch, ich wandle unter euch" (3. M. 26, 9—13), die sie besänftigen und ermuthigen. Wenn aber die Zeit der Erlösung herannahen wird, wird Gott der Herr seinem Volke zurufen: ״Ich bewundere eure Treue und seltene Ausdauer." Israel antwortet dann: ״Herr der Welt, hättest Du uns nicht die Thora mit ihren Verheißungen verliehen, wahrlich, wir wären infolge der uns von den Völkern zugefügten Schmach und Schande wankend gemacht worden." Das ist eben der Sinn der Worte: ״Doch erwidere ich dies meinem Herzen und Hoffnung kehrt zu ihm (Gott) zurück". Ebenso hat der Psalmist ausgerufen: ״Hätte mich nicht Deine Thora erfreut und erquickt, wahrlich, ich wäre in meinem Elende zugrunde gegangen." (Psal. 119.) ״So hoffet und vertrauet auf Gott und rufet täglich zweimal inbrünstig aus: Höre Israel, der Ewige, unser Gott, ist ein einig-einziger Gott!" (Midr. Rab. zu Klagt. Absch. 3.) Die Hauptfunctionäre des Gotteshauses, der Synagoge, waren stets und sind es heute noch, der Rabbiner und der Vorbeter. Erfterer wirkte durch gehaltvolle Vorträge und Reden, letzterer durch erhebende Gesänge und Klänge erbauend und anregend, tröstend und besänftigend auf das Gemüth der Anwesenden. Jeder fromme, kenntnisreiche, von der Wichtigkeit und hohen Bedeutung seines heiligen Amtes und Berufes durchdrungene Volkslehrer, Rabbiner, war stets aus allen Kräften bemüht, seine Zuhörer durch belehrende Vorträge und Reden mit den Grundlehren des Judenthums, mit der Ethik der Religion aufs innigste vertraut zu machen, für das Große und Erhabene, für das Ideale und wahrhaft Göttliche zu erwärmen und zu begeistern. In der talmudischen Zeit und lange nachher haben die Rabbinen ihr heiliges Amt sogar unentgeltlich bekleidet. Die Worte der heiligen Schrift: ״Siehe, ich habe euch Gesetze und Rechte gelehrt, wie der Ewige mein Gott mir befohlen", wurden dahin erklärt, sowie ich von Gott umsonst gelernt, so lernt ihr auch von mir unentgeltlich, und so sollt auch ihr ohne Lohn lehren. (Ned. 37. a.) Als jedoch später die rabbinisch-theologischen Studien vernachlässigt wurden, wurde die Besoldung der Rabbinen allgemein üblich, weil sonst nur äußerst selten jemand sich diesem Berufe gewidmet hätte. Diese Neuerung suchte man dadurch zu rechtfertigen, indem man behauptete, dass der Rabbiner nicht für sein Amt, sondern für die Zeit, die dasselbe in Anspruch nimmt und ihm nicht gestattet, sich einem anderen Erwerbe zuzuwenden, besoldet werde. Die Gemeinden haben aber nicht blos ihre Rabbinen, die sie hochschätzten und verehrten und ihren Anordnungen sich bereitwilligft fügten, sondern auch die Jeschibot, talmudische Hochschulen, die von den Rabbinen geleitet wurden, kräftigst unterstützt; und so konnte jeder würdige Rabbiner durch seine Vorträge und Reden sowohl innerhalb als außerhalb des Gottes- Hauses für die Förderung und Verbreitung der Kenntnis der Religionslehre Sorge tragen.*) Wie der Rabbiner als religiöses Oberhaupt, ebenso hatte der Vorbeter als Scheliach Zibbur, Gemeindebote, zur Hebung und Belebung des Gottesdienstes wesentlich beigetragen. Er musste biedern Charakters, streng religiös, fromm, tugendhaft sein, rein und makellos dastehen, Kenntnis der Bibel und des jüdischen Schriftthums besitzen, einer würdigen Familie entstammen, ein angenehmes, wohlklingendes Organ und eine lieb- *) In der modernen Zeit, wo an die Stelle der ״Jeschibot" die theologischen Lehranstalten, Rabbinerseminare, getreten sind, hat der Rabbiner als solcher folgende Pflichten zu erfüllen: Erstens die Pflege der Thora und die Förderung der religiösen Wissenschaft durch einen gründlichen rationellen Religionsunterricht an der Schule, wie durch gottesdienstliche Vorträge in der Synagoge, zweitens die Vollziehung rabbinischer Functionen, drittens die Entscheidung der Gewissensfragen, viertens die Ueberwachung des Cultus und der religiösen Anstalten,! fünftens die Pflege des Armenwesens, und endlich die Förderung des! Familien- und Gemeinde-Friedens rc., um so die Gemeinde nach innen, 1 Wie nach außen würdevoll repräsentiren zu können.

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