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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-09-11 · Heft 23 (11.9.1891) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 23 (11.9.1891)
Date
1891-09-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Tempels in der Tabakgasse ernannte und er dieser Ernennung den Vorzug gab. Auch als Componist hat Friedmann eine vielseitige Thätig׳ keit entwickelt. Er hat ungefähr 70 Stücke componirt. Seine Tempellieder ״Izraelita vallasos enekek“, ein Heft, das 23 Nummern enthält und als Gesangsbuch in den meisten isr. Gemeinden Ungarns eingeführt ist, hat zwei Auflagen erlebt. Zu den Feierlichkeiten im hiesigen großen Tempel aus Anlass der Wiederherstellung der ungarischen Verfassung, der Krönung des apostolischen Königs, der glücklichen Entbindung der Königin in Ofen, der Emancipation der ungarischen Juden, der silbernen Hochzeit Sr. Majestät Franz Joses I., der Vermählung des Kronprinzen Rudolf, des Requiem für den Baron Eötvös, des Requiem für Se. Majestät Ferdinand den Gütigen und anlässlich anderer festlicher Gelegenheiten gab er stets passende Compositionen heraus und das Erträgnis derselben, etwa 1100 fi., hat er den Nothleidenden des Alföld, dem Houvedasyl, dem Eötvösfond, den Ofner Verunglückten, der Stadt Szegedin, dem Rothen-Kreuz und mehreren hiesigen-Humanitätsvereinen zugewendet. Ihre Majestäten der König und die Königin haben mehrere Compositionen Friedmann's angenommen und ihm hiefür die allerhöchste Anerkennung aussprechen lassen. Anlässlich des am 13. November 1875 stattgehabten Jubiläums als Cantor verlieh der König dem Jubilar das goldene Verdienstkreuz. Zehn Jahre später, am 13. Jänner 1883, begierig Friedmann das Jubiläum seiner 25jährigen Amtsthätigkeit als Pester Obercantor. Die Ovationen, die ihm aus diesem Anlasse dargebracht wurden, zeigten am besten, welch' großen Ansehens er sich in allen Kreisen der Gesellschaft erfreute, und mit welcher Verehrung die Eollegeuschaar, deren Geringstem er jederzeit mit Rath und That beistand, zu ihm aufblickte. Mit Rescript vom 12. Jänner 1879 Zahl 5286 wurde Friedmann vom Cultusminister Trefort zum Gesangsprofessor an der königlich ungarischen Landes-Rabbinenschule ernannt, wo er durch ein Decenuium wirkte. Im Jahre 1882 gründete Friedmann den ,.Ungar, israel. Cultusbeamten Verein, dessen Präsident er bis. zu seinem Ende war. Obwohl er hiedurch den Bestrebungen des früher gegründeten ״Oefterr. ungar. Cantoren-Vereines" hinderlich war und nach unserer Ansicht das Gemeinwohl des Cantorenstandes nicht besonders förderte, zeigte sich dennoch gerade bei diesem Anlasse das Gewicht seines Namens, indem die Mehrzahl der ungarischen Cantoren, nur der Persönlichkeit Friedmanns zu Liebe, sich einem Vereitle anschloß, der niemals ihre Interessen ungetheilt verfechten konnte. Ungeachtet dieser vielseitigen Thätigkeit und der damit verbundenen Anstrengungen vergaß er dennoch nicht als Mann in hervorragender socialer Stellung die Pflichten seinen Mit- Menschen gegenüber. Er war ordentliches, unterstützendes und Ehrenmitglied fast aller hiesigen isr. Wohlthätigkeits-Vereine, um deren Aufblühen er sich ebenfalls Verdienste erworben hat. Das Leichenbegängnis Friedmanns hat in einer den reichen Verdiensten des Verstorbenen angemessenen und würdigen Weise Montag den 31. August stattgesundeu. Eine ungeheure Menge von Trauergästen und Zuschauern zeigte von der Popularität und Beliebtheit des Verstorbenen. Der isr. Cultustempel hatte Trauerschmuck angelegt, die Gascandelaber waren mit Flor verhüllt, die Thüren des Gotteshauses waren mit schwarzem Tuch drapirt und die Gitterthüren waren entfernt und durch schwarze Draperien ersetzt worden. Nach Hunderteil und Hunderten zahlte die Menge, welche schon um 8 Uhr Morgens die Tabakgasse occupirt hielt, Fenster und Gewölbethüren waren dicht besetzt und der Andrang war ein so vehementer, dass trotz versuchter Abwehrdie Draperien förmlich in Stücke gerissen wurden. Die Polizei stellte^ den Anordnungen des herbeigeeilten Stadthauptmannes und Polizeirathes Baron Edmund Splenyi gehorchend, die Ordnung schließlich her und die Trauerceremonie konnte,nun ihren Anfang nehmen. " Um 9 Uhr wurde im Trauerhause das Lieblingswerk Friedmann's das ״enosch eck jizdak" vom Cantor Suschny mit dem Chorpersonale erhebend vorgetragen. Hierauf ward der Sarg in bei! vierspännigen Wagen gehoben und umgeben und gefolgt von dem Präsidium der Cultusgemeinde, sowie den Beamten derselben nach dem Cultustempel in der Tabakgasse gebracht. Hier hatten im Vorhofe die Rabbiner der israelitischen Gemeinde Dr. Samuel Kohn, Dr. M. Kahserling und Dr. L. Pollack, sowie die Vertreter der zahlreichen Vereine und Corporationen Aufstellung genommen, denen der Verblichene angehört hatte. Eine Deputation ungarischer Cantoren, bestehend aus den Herren Bachmann und Fried (Pest), Kartschmaroff (Gr. Kanisza), Kurzmann (Komorn), Eduard Weiß (Ofen), Jakob Weiß und Salamon Schreiber (Neupest), Rosenzweig (Nagh-Abony) Mandl (Basa), Schlamm (Agram), Friedwald (Gyöngyös), Eisen; berger (Paks), Schwalb (Szt. Miklos), Weiß (Braila). hatte sich ebenfalls eingesunden. Der Sarg wurde im großen Tempel- Hofe uiedergestellt, und nun executirte der Tempelchor, assistirt von der Trauer-Deputation der Cantoren und unter Mil- Wirkung des Opernsängers Ney, eine der besten und ergreifendsten Compositionen Friedmann's, das ,.adonaj mo odom“, welche kein Auge thränenleer ließ. Nachdem der Trauerchor verklungen war, widmete Rabbiner Dr. Kohn in ungarischer Sprache dem Verblichenen einen ticsempfundenen Nachruf. Er schilderte den Lebenslauf Friedmann's, der eng verknüpft war mit der neuen Aera der Budapester israelitischen Gemeinde, rühmte seine vortrefflichen Eigenschaften und rief dem Manne, ״dessen liedersnßer Mund nun ans ewig geschlossen ist", einen Abschiedsgruß zu. Wiederholt erstickten Thräneu die Worte des trefflichen Kanzelredners, und das laute Schluchzen seiner Zuhörer zeigte, dass er vom Herzen zu Herzen gesprochen. Nach der ersten Trauerrede wurde der Sarg gehoben, und die Anwesenden wetteiferten förmlich bei dem frommen Werke, die Bahre zum Trauerwagen tragen zu helfen. In endlosem Zuge, bei dem die Vereine mit ihren flornmhüllten Fahnen die Vorhut bildeten, während die Familie, die anderen Leidtragenden, zahlreiche Notabilitäten, darunter Vicebürgermeister Gerloczy in Vertretung der Hauptstadt, dem vierspännigen Leichenwagen folgten, gieng es nun durch die Tabakgasse über die Kerepeserstraße nach dem israelitischen Friedhofe, wo die Beisetzung erfolgte. ,In der Leichenhalle recitirte Cantor Suschny tiefergriffen das ״Hazur tomim“, und Obercantor Katschmaroff trug, zu tiefer Wehmuth stimmend, das ״El mole rachamim“ vor. Dr. Kayserling hielt sodann einen mächtigergreifenden Nachruf, in welchem er die hohen Vorzüge des Verstorbenen mit schwungvollen Worten pries. Nach Dr. Kayserling sprach noch Dr. Goldberg, Oberrabbiner von Ofen, namens des durch Friedmann gegründeten isr. Cultusbeamten-Vereines. Nun wurde der Sarg! gehoben und zu Grabe getragen. Vor demselben nahm noch Cantor Suschny, der 41 Jahre an der Seite Friedmann's wirkte und an seinen Bestrebungen redlichen Antheil hatte, im Namen des Chorpersonales, der Beamten, sowie aller Collegen, die herbeigeeilt waren, dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen, und jener, die ihm im Geiste die letzten Abschiedsgrüße senden, in erschütternder Weise Abschied von seinem langjährigen Freunde und Collegen. Er

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