Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 23 (11.9.1891)
- Date
- 1891-09-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Priiiiuincratioiis-Preis. Kür «Zantoreu und Kuttusöeamle in H.-sierreich-Angarn Ganzjährig.fl. 4 — Halbjährig.fl. 2.— Kür ßanloren und ßuNusveamle im Ausland Ganzjährig.8 Mark oder 4 Rubel. Kür private und Instilule Ganzjährig.fl. 6.— Zeitun(. Oeirtral-Orgrazi für die Interessen der Cnntoren und Cultusbeauiten. Erscheint je-en zehnten Tag. —— —— — Begründer: Obercantor Jacob Bauer. |j Hledactron | |! Administration 5!( Wien!! || II. Novaragasse Nr. 27.?! Zn fern t c?! j! werden billigst berechnet. ,[?! Manuscripte werden nicht jj i! retournirt.!! MonnementS׳ und JirsertioiNbeträge sind in Wien zahlbar. Nr. 23 Wien, 11. September 1891. 11. Jahrgang. I Professor Muri? Friedmann Obercantor der Pester isr. Neligionsgemeinde. Eine Zierde und Leuchte unseres Standes, ein gottbegeisterter Zionssänger, der Meister und Führer der Cantoren Ungarns, Professor Moriz Fried mann, Obercantor der israelitischen Religionsgemeinde in Budapest, ist Samstag, den 29. August, im 69. Lebensjahre von hinnen geschieden. In allen Collegenkreisen wird diese Kunde aufrichtige Trauer und tiefe Wehmut Hervorrufen, und mit pietätvollem Gedenken blickt unser geistiges Auge auf das Lebensbild dieses Mannes, der wahrend einer vier Decennien umfassenden cantoralen Wirksamkeit Hervorrngendes geleistet und es stets verstanden hat, die betende Gemeinde zu weihevoller Andacht zu leiten. Friedmann's gottesdienstliche Anschauungen giengen dahin, dass der Cantor nicht so sehr den Sänger, als vielmehr den Baal Tefillali, den Vorbeter, hervortreten lassen müsse, und darum suchte und fand er die andachterregende Wirkung seines Vortrages nicht im kunstvollen, den Ohren schmeichelnden Gesänge, sondern im freien, dem Wortsinn des Gebetes entsprechenden Recitative, das er wie selten Einer beherrschte. Seine imposante Erscheinnng, seine gewaltige, umfangreiche Baritonstimme, sein tiefreligiöser Sinn und sein reiches hebräisches Wissen kamen ihm hiebei außerordentlich zu statten. Auf diesem Gebiete war Friedmann von erziehlicher Bedeutung für die gesummte jüngere Generation, namentlich der ungarischen Eantoren. Und so sehen wir Friedmann in der Metropole Ungarns, in der größten Israelitengemeinde des Landes, eine 34jährige, erfolgreiche Thätigkeit entwickeln, die ihm für alle Zeiten ein Ehrenblatt in der Geschichte des Cantorenstandes sichert. Wenn auch schon sein Vorgänger im Amte den Sulzerischen Reformbestrebungen sich angeschlossen hatte, so war es doch nur Friedmann, der, auf dieser Bahn weiterschreitend, den Gottesdienst in Budapest zu jener Vollkommenheit führte, die ihm einen Weltruf verschaffte. In' dieser ausgezeichneten cantoralen Wirksamkeit darf auch ein weiteres Moment nicht übergangen werden. Friedmann war von echtem, glühendem Patriotismus für sein Vaterland beseelt und in der Bethäligung desselben wurde er der Schöpfer der ungarischen Gesänge im jüdischen Gottesdienste. Hiedurch erwies er sich als das Musterbild eines modernen, den Anfordernngeu der Zeit gerecht werdenden Cantors. Am 12. Juni 1857 hielt Friedmann seinen Probevortrag in dem damals bestandenen Chortempel im Orczy'schen Hanse und wurde am 23. Juni vom Vorstände mit Stimmeneinhelligkeil zum Obercantor der Pester Gemeinde gewählt. Seit dem Bestände des großen Tempels in der Tabakgafse fungirte er als Obercantor an demselben. Seine erste Function daselbst war anlässlich der Feier der Einweihung desselben am 6. September 1859; seine letzten Functionen übte er bei zwei Trauungen in diesem Gotteshause am 19. October 1890. Der Lebenslauf Friedmann's, den wir im Nachfolgenden in kurzen Zügen wiedergeben, führt uns auf den Weg strenger Arbeit und anerkennenswerthen Strebens: Am 7. Mä^z 1823 zu Hrabocz im Zempliner Comitat geboren, erreichte Friedmann ein Alter von 68 Jahren. Als Kind zum Talmudstudium angehalten, überraschte er durch seine klangvolle Stimme und brachte es zuwege, dass er schon in seinem 12. Jahre zum Vorbeten in der Synagoge zugelassen wurde. Nach langen Wanderungen in allen Gegenden Ungarns fand er endlich im Jahre 1844 bei dem Cantor zu Deutsch- Kreuz, Rubin Goldmark, dem Vater des aus dem 1848er Jahre bekannten Dr. Goldmark und des berühmten Componiften Karl Goldmark, eine dauernde Anstellung. Er blieb daselbst durch 4 Jahre als Synagogensänger, zweiter Cantor und Lehrer. 1848 erhielt er in Oedenburg die Stelle des Cantors und Religionslehrers. Er behielt diese Aemter nicht lange, denn er schloß sich den Honved an und machte den Landsturm gegen Jelacic mit. Hierauf gieng er nach Wien, wo er I1,., Jahre an der Seite Professor Sulzer's als Tempelsänger fungirte. 1850 ward er Cantor, Lehrer und Secretär in Fünfhaus bei Wien. In diesem Jahre heirathete er Fräulein Johanna Goldmark, die Tochter des früher erwähnten Camor Goldmark in Deutsch-׳Kreuz, die sich ihm bis an sein Lebensende als treue, aufopferungsvolle Gattin bewährte. Von den Kindern, die dieser Ehe entsprangen, leben noch eine Tochter und drei Söhne. Im Jahre 1857 wurde Friedmann als Cantor für den neuen Tempel in der Leopoldstadt in Wien acceptirl, er trat dieses Amt jedoch nicht an, weil ihn die Pester isr. Religionsgemeinde am 23. Juni 1857 zum Obercantor ihres große