Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 22 (1.9.1891)
- Date
- 1891-09-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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© so ließ er das Badhaus von Grundauf Herrichten und übermittelte dem Hamburger Auswanderungscomite 75. fl. Nun schickt er sich an, die Umzäunung des Friedhofes zu renovieren, und dies alles, ohne irgend ein Heimisches Mitglied zu belästigen vielweniger aber die Gemeindecaffa zu berühren. Und doch arbeitet ihm die Familie Wolf entgegen und erließ gegen ihn die höhnische Parole ertönen: תחת עבד בי ימלוך (Diese Familie scheint mit dem Herrn Experten Wimmer aus Floridsdorf geistesverwandt zu sein.) Wir rufen diesen und ähnlich niederdenkenden Familien sehr kurz zu: כי מרשעים יצא רשע Wir hoffen zuverlässig, dass sich unsere sämmtlichen Mitglieder consequent bleiben und bei den nächsten Wahlen unseren edlen uneigennützigen Gewährsmann Herrn Engelsmann wenigstens in den Ausschuss wählen werden. Körvifch, in Siebenbürgen. Folgender schöner Erfolg eines concurrirenden Cantors dürfte den geehrten Lesekreis .d Bl. interessiren. Ein College in meiner Nähe offerirte sich nach Szt. György, adressirte aber das Offert in Uebereilung irrthümlich an den löblichen Cultusvorstand seiner eigenen Gemeinde. Der Vorsteher, der dieses Offert erhielt, öffnete dasselbe und las die Ueberschrift: Löbliche Cultusgemeinde zu Szt. György u. s. w. und gewann bald die Ueberzeugung, dass dieses Offert in Irrthum au ihn adressirt wurde. Rasch suchte er das Blatt, worin jener Szt. Györgyer Concurs enthalten war, und gewahrte, dass sein Cantor dort einen höheren Gehalt von 150 fl. hätte. Er berief hierauf den Ausschuss, um über dieses Offert zu berathen, und da sich fämmtliche Mitglieder über den Cantor selbst wie über seine Leistungen sehr lobenswerth äußerten, wurde ihm ein neuer Vertrag mit sechsjähriger Verlängerung und mit einer Gehaltserhöhung von 150 fl., ganz im Sinne des Szt. Györgyer Concurses, zugestellt. Der College, ganz überrascht von diesen neuen Vertrage, eilte zu seinem Vorsteher, wo sich die Sache in Witz und Scherz aufklärte. Der Cantor versprach hierauf dem Vorstande, niemals anderweitig zu concurrircn. — Im Anschluffe an diese Begebenheit, die sich factisch jüngst ereignete, kann nicht nachdrücklich genug gewarnt werden, dass wenigstens diejenigen, die sich wenn auch nur mittelmäßig ernährend können׳, die Probefahrten, trotz des billigen Zonentarifes, endlich doch aufgeben möchten. Denn wenn alle die Concurs-Jagdhelden auf ihre vielen Posten zurückblicken, werden sie doch eingestehen muffen: ״Selten kommt was Besseres nach". Grade um diese Jahreszeit zeigt sich deutlich der Unterschied zwischen jenen genügsamen frommen Cantoren, die das Gottesgebot an den Priester« stamm strikte. befolgen: ומפתח אוהל מועד לא תצאו d. h. ״Verlasset ja nicht das Gotteshaus!" und jenen Nimmersatten Nomaden-Cantoren, die, kaum sie sich in einem Ort warm gesessen haben, wieder eine neue Weide auskundschaften. Wrwzkau. Wie die ״Times" mittheilt und wie bereits von uns gemeldet, gehören zu den Ergebnißen der russischen Reise Herrn Arnold White's, des Vertreters des Baron Hirsch, in erster Reihe zwei Zugeständniße des Czären, welche die jüdische Auswanderung aus Rußland in hohem Grade erleichtern sollen. Das erste ist die Abschaffung des gegenwärtigen Paßsystems. Bisher hatte jeder Jude, um einen Paß zu erlangen, 12 Rubel für denselben zu zahlen; zudem war er gezwungen, nach dem im Paß ״eingeschriebenen" Bestimmungsort zu reisen. Diese Vorschrift tritt von nun an außer Kraft und auch die bisher erhobene Gebühr von 12 Rubeln für Ausstellung des Paffes fällt fort. Das andere Zugeständnis betrifft die Erlaubnis zur Bildung von Auswanderungs-Comitos in ganz Rußland. Es unterliegt keinem Zweifel, sagt ein Correspondent der ״Times", dass die Auswanderung der Juden aus Rußland in den nächsten Monaten einen ungeahnten Umfang annehmen wird, und es wäre wünschenswerth, dass England dem von Amerika und Deutschland gegebenen Beispiele folgte und gänzlich mittellosen Ausländern den Eintritt ins Land nicht gestattete. Der Correspondent meint, wenn eine Million oder noch weniger Inden Rußland verlassen haben würden, die Wirkung auf die stnanziellen und commerciellen Verhältniße in Rußland eine solche sein würde, dass man die Verfolgung gegen die übrigen 4 Millionen einstellen würde. Wans. Der berühmte Alterthumsforscher Professor Oppert wurde jüngst zum Präsidenten der französischen Akademie der Wissenschaften ernannt. Als er hierauf den üblichen Besuch bei dem Minister abstattete, begrüßte ihn der Letztere mit den Worten: ״Herr Professor, Sie sind doch gewiss getauft?" Darauf erwiderte Oppert: ״Glauben, Excellenz, dass ich eine solche Charakterlosigkeit begehen könnte, um äußerer Vortheile willen meinen Glauben zu wechseln? Ich bin nicht nur nicht getauft, sondern ich hänge mit aller Liebe und Treue, deren meine Seele fähig ist, an rer Religion meiner Väter." Der Minister bemerkte hierauf, dass er seine Gesinnung sehr hochachte, und dass es ihn innig freue, wenn die Männer der Wissenschaft zugleich ״Männer" seien. Moskau, 14. August. -Der hiesige Ober-Polizei-Präsident hat an die Polizei-Commissäre am 26. v. M. folgenden Erlaß gerichtet: ״Nach Uebereinkunft mit dem Herrn Minister des Innern hinsichtlich der Ausführung des a. h. Ukases betreffs der Ausweisung der jüdischen Handwerker aus Moskau und dem Moskauer Gouvernement sind folgende drei Termine für folgende drei Kategorien bestimmt: Kategorie I, jüdische Hand- Werker, welche in Moskau und dem Moskauer Gouvernement nicht länger als drei Jahre wohnen, unverheiratet oder auch verheiratet, aber kinderlos sind, und solche, welche einen Gesellen halten; Kategorie II, jüdische Handwerker, deren Familien aus vier Mitgliedern bestehen, welche vier Gesellen halten und in und Kraft. Doch diesmal war sein Bitten und Bemühen umsonst. Die Juden mussten das neapolitanische Gebiet verlassen. Noch einmal eilte der 64jährige Greis nach Böhmen, um für seine Glaubensgenossen beim König Ferdinand, Bruder des Kaisers Carl Y., Fürbitte zu leisten. Im December 1541 beschloss der böhmische Landtag, sämmtliche Juden aus Böhmen zu vertreiben. In dem harten Winter gegen Ende des bezeichneten Jahres zündeten Räuberschaaren in verschiedenen Gegenden Böhmens Städte und Dörfer an. Für dies Alles wurden die Juden verantwortlich gemacht. Es wurde eine große Anzahl ihrer verhaftet, die unter den Qualen der Tortur Alles, was die Richter wünschten, aussagten. Auf Grund dieser erpressten Geständniße wurde die Austreibung der Juden beschlossen. Ferdinand bestätigte diesen Beschluss des Landtages und binnen 2 Monaten, also Februar 1542, sollten alle Juden das Königreich Böhmen verlassen. Die verzweifelten Prager Juden begrüßten Loans als rettenden Engel; allein bis er Audienz beim Könige Ferdinand erhalten hatte, war der Termin verstrichen, innerhalb dessen die Juden das Land Böhmen zumerlassen hatten. Prag war keine Gemeinde Mehr; 10 Familien waren nur zurückgeblieben. ׳Unter einem Strome von Thränen, die Knie des Königs umklammernd, flehte der Greis und Lat um Cassirung des Austreibungsbeschlüsses. Es wurde eine Untersuchung' eingeleitetmnb die ^Schuldlosigkeit der Indem klar erwiesen. Der DnswWMbeWsilssWWe^ vom^ Könige d^NÜirt^AsseffDAs Web in ׳Hftag, Os י die MusKM^senen ö7zum bWötzten^Wheile wieder, zurückgekehrt waren. Prag ward von Neuem eine große jüdische Gemeinde. So sehen wir Josef Loans, den bescheidenen Mann, durch eine lange Reihe von Jahren in den Processen wegen Vernichtung der jüdischen Schriften durch die Dominikaner 1509—20, in der lutherischen Reformationsbewegung, in den Zeiten der - Bauernkriege, immer war es Loans, der die Interessen der Juden wacker und erfolgreich verfocht. In einem Alter von 78 Jahren, etwa 1557, hauchte dieser edle Anwalt der Juden sein Leben aus. Die schönste Characteristik von Josef Loans enthält das in hebräischer Sprache abgefasste Memorialbuch der Hanauer Gemeinde, welche in deutscher Uebersetzung so lautet: ״Gott möge gedenken der Seele des Greises, des Fürsten Rabbenu Josef, Sohn des Gerson, seligen Andenkens, auch Joselmann genannt, mit den Seelen Abrahams, Jsaks und Jakobs, weil er weder seine Ehre, noch'sein Geld gescheut und vieleMal ffein Leben ׳in Gefahr gebracht hat, indem er Schütz suchte für die Gesammtheit und die Einzelnen. Länger als 40 Jahre verwendete er sich hesiden^Hösen״der Könige ״und;Fürsten und-hielt mbn-Mnen.-Glaubensgenossen Wstreibuugen, Unterdrüchungen, EKfWuMn^MbWMde^erN^M^^aM^^ MMdse hes .!KaiserffHr^ MhM-er HcherMelh^npchMelohMugen. ^Er^haiWlles. nur