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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-09-01 · Heft 22 (1.9.1891) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 22 (1.9.1891)
Date
1891-09-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 Kleine Chronik. Wien. Anlässlich des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers haben am 18. August in sämmtlichen Synagogen Wiens feierliche Gottesdienste stattgefunden. Im Tempel der türkischen Israeliten Gemeinde wurde der Festgotresdienst bereits Samstag den 15. August abgehalten. Wien. Nach der ״Pos. Zeit." soll Baron Hirsch in neuester Zeit auch Palästina und Syrien in seine Colonisationspläne miteinbezogen haben. Das sei auf englischen Einfluss, speciell auf seinen Abgesandten, den Engländer Mr. White zurückzuführen, welcher sich in seiner Denkschrift für die Ansiedlung russischer Juden in den türkischen Mittelmeerländern, namentlich auch in Syrien und Palästina ausgesprochen hat. Wien. Meyerbeer's Geburtstag fällt nicht, wie kürzlich vom Pariser ״Figaro" verbreitet wurde, auf den 5- September '1794. Von Berlin erfährt man, dass nach Wortlaut des dortigen israelitischen Gemeinderegisters Meyerbeer am 5. September 1791 geboren ist und die für nächsten Monat angesetzten Meyerbeer-Jubiläen keineswegs verfrüht sein werden. Liesing. Mittwoch Vormittags entsendete der Liesinger Vorstand seinen Cantor-Religiouslehrer Herrn Allenberg nebst dem sehr geachteten Mitglied Herrn Josef Grün als Gratulationsdeputation an den wiedergewählteu Bürgermeister Herrn Maresch in Liesing. Landtagsabgeordneter und Bürgermeister Maresch dankte herzlich für den dargebrachten Glückwunsch und schloss mit der im freisinnigsten Geiste ausgeführten Erklärung: ״Ich verschaffe nur dadurch d e m R e ch t e d a s R e ch t, wenn ich keinen Unterschied zwischen Confessi onen mache. Mensch ist Mensch. Dies ist m eine eigene U e b e r z e ug u n g, wie au ch d i e heilige Vors ch r i f t unseres S t a a t s g e s e tz e s. Dies i st a u ch d e r ehrlich redliche Wille meiner Stadtbevölkerung." Unter dem Eindrücke dieser Worte verließ die Deputation ganz vergnügt die Gemeindekanzlei. Korazdowih. Ein -Fräulein St., Inhaberin einer Mehl- Niederlage und Greißlerei, ließ durch den jüdischen Advocaten Herrn Dr. G. eine lässige Schuldnerin vor die Schranken des t k. Bezirksgerichtes in T., dem einzigen altcechischen Reichsrathswahlbezirke Böhmens citieren. Am 27. Juli a. c. fand nun die Gerichtsverhandlung statt, zu welcher sich die Klägerin in Begleitnug ihres Vertreters einfand. Schon im Vorsaale empsieng sie die Geklagte mit den beleidigendsten Zurufen und Schmähungen und setzle ihr echt antisemitisches Benehmen auch im Gerichtssaale in Gegenwart des amtierenden Beamten fort. Herr Dr. G. ersuchte nun den Herrn Adjuncten, die Frau in die gebührenden Schranken zu verweisen, jedoch ohne Erfolg, was Herrn Dr. G. veranlasste, das Amtslokal zu verlassen. Nun stürzte sich die rabiate Schuldnerin mit wahrer Berserkerwuth auf die beklagenstverthe Klägerin, überschüttete dieselbe mit einer Fluth von Schimpfworten und beschuldigte sie der betrügerischen und ausbeuterischen Geschäftsgebahrung. Das Erscheinen eines k. k. Gerichtsrathes, der dann die Verhandlung weiter führte, hatte nichts anderes zur Folge, als dass sich die Geklagte in folgenden Kraftausdrücken: ״Dass Dich und alle Juden der Donner erschlage!" Luft machte, ohne auch hiefür vom Herrn Gerichtsrath zurechtgewiesen zu werden. Notabene ist Fräulein St. eine höchst ehrenwerthe und reelle Handelsfrau. — Für die Wahrheit des hier Erzählten steht der Unterzeichnete mit Namen und Ehre ein. M. F r i e d m a n n, Cantor und Religionslehrer. Mudapesi. In Folge des Zonentarifes sollen sich hier am nächsten Markte Cantoren 6n masse . behufs Erlangung neuer Anstellungen einsinden. Wie wir aber hören, soll die Landeskanzlei diesem Missbrauch mit aller Energie entgegentreten, den Probe-Wettgesang im Orczischen Kaffehaus gerichtlich verbieten lassen und dahin wirken, dass die heimathlichen Posten ausschließlich nur im Concurswege besetzt werden sollen. (Es wäre schon einmal an der Zeit, dass diesem unwürdigen Treiben aus dem ״Chasonimmarkte" in Budapest gesteuert würde. Wir und mit uns alle besser denkenden College» werden der isr. Landeskanzlei zu großem Danke verpflichtet sein. Die Red.) Wunkacs. Die hiesigen jüdischen Kausleute, die fast durch- Wegs Orthodoxe sind, hielten dieser Tage eine Berathuug über den schädigenden Einfluss der Sonntagsruhe aus ihren Handel, welcher nun zwei Tage ruhen muß, wenn die Kaufleute nicht ihren Glaubenssatzungen untreu werden wollen. Es wurde beschlossen, die Comitate Bereg, Ung, Ugocsa und Marmaros in die Action miteinzuziehen und sich dann an die Debrecziner Handels- und Gewerbekammer zu wenden, damit diese bei der Regierung irgend welche Abhilfe erwirken möge. Großen Schaden erleidet auch die Bereger Regalienpachtung. Das Consortium zahlt täglich 310 fl. Pachtzins und hat am vergangenen ersten Ruhesonntag nur eine Einnahme von 85 fl. gehabt. S. Azvür. Seitdem unser Vorsteher seligen Andenkens am 4. Mai a. c. verschieden ist, leitet unser Vorbeter und Matrikensührer, Herr Engelsmann, sämmtliche Cultnsangelegen- Heiken. Er beruft und präsidirt Sitzungen, verfasst selbst Protokolle und erledigt jede Frage zum Wohle und Nutzen der Gemeinde. Seit seiner provisorischen Amtsthätigkeit als Vorsteher hat er wahrhaft Musterhaftes geleistet und unter Anderem auch bei der hiesigen Herrschaft, Baron Raday, erwirkt, dass die Gutsverwaltung zu Gunsten der hiesigen jüdischen Schule jeden Winter 12 Meter Brennholz zur Verfügung stellt. Eben- Carl Y. für ihre abenteuerlichen Pläne, die Herstellung des jüdischen Reiches, zu gewinnen. Er erblickte in diesen Schwärmereien der beiden mysteriösen Persönlichkeiten eine Gefahr für die ohnedies von einer Welt unversöhnlicher Feinde bedrohten Juden in allen christlichen Ländern. Nachdem es ihm nicht gelungen war, Salomo Molchs von seinen Schwärmereien abzubringen, verließ er Regensburg. Molcho's Auftreten war aber blos für seine eigene Person gefährlich, da er als rückfälliger Maranne auf dem Scheiterhaufen büßte. Dieser Mann, der für sein Volk so viel gethan, der sein Leben wiederholt-der größten Gefahr im Interesse seiner Glaubensgenossen ausgesetzt, dessen Leben kam in Gefahr, ward angegriffen von den eigenen Glaubensbrüdern. Die Chronik — das Tagebuch Josef Loans — erzählt darüber folgendes: In der Mitte der böhmischen Juden herrschten nämlich heftige Streitigkeiten, da ihnen unerschwingliche Steuern auferlegt wurden, die dann auf die einzelnen Gemeinden repartirt wurden. Jede dieser Landgemeinden hielt sich für benachtheiligt gegenüber der Landeshauptstadt. In der jüdischen Gemeinde Christ in Portugal geboren und Beamter des königlichen Sekretariates. .Er trat zum Judenthume über, reiste nach.der Türkei, wo er Rubeni in die -Hände fiel und dessen eifrigster Mitarbeiter wurde. Molcho wusste sich Audienz bei dem Papste zu-verschaffen, aber' auch vor König Franz I. von Frankreich und Carl Y. entwickelte ef sein. Programm. Doch th'at seinem agitatorischen Treiben Carl Y. Einhält. Er ließ' Beide verhaften. Molcho wurde zum Scheiterhaufen verurtheilt und starb 1533 in Mantua des Feuertodes. Rubeni wurde in Fesseln nach Spanien geführt und starb hier im Kerker. ׳ Horovitz (sollte es das heutige Horowitz oder Horitz sein?) brach hierüber eine Revolte aus. 400׳ Mitglieder dieser Gemeinde, verstärkt durch Zuzug Angehöriger und Deputationen fremder Gemeinden, zogen nach Prag und bedrohten den dortigen Vorstand. In dieser Bedrängnis ließ der Prager Vorstand 1534 Josef Loans als ״kaiserlichen Befehlshaber und Regierer aller deutschen Juden" nach Prag kommen, er möge die Angelegenheit prüfen und endgiltig entscheiden. Es gelang seinen Bemühungen, einen Vergleich unter den streitenden Parteien zu Stande zu bringen, das hierüber aufgenommene Protokoll wurde von allen Interessenten unterschrieben. Doch auch jetzt war kein Friede, denn die Malcontenten behaupteten, Loans habe sie an den Prager Vorstand verkauft und forderten die Vernichtung . des Protokolles. was Loans nicht zugeben konnte. Seine Wohnung wurde nun bestürmt und er mußte in den Keller flüchten. Josef Loans Leben schwebte in großer Gefahr, denn die wilde. Menge war nahe daran, den Keller zu erbrechen. Es wurde schleunigst die Wache Herbeigerufen, welche die Aufständischen verhaftete. Trotz Loans eifriger Fürbitte wurden die Anführer der Aufständischen hingerichtet.. Niedergeschlagen und traurigen Mulhes verließ er Prag,Z indem er mit blutendem Herzen schrieb, wie. tief traurig es sei, wenn die . Juden, die. überall von Feinden umgeben sind, einander in zügelloser Wüth zerfletschen. _ - _ . . . . . " Abermals erschien Loans 1541' auf dem- Reichstage zu Regensburg und erwirkte die^ Abschaffung der Leibzölle und Judenabzeichen. Auch zu Gunsten der Juden in Neapel, deren Austreibung Carl Y. verfügt hatte, verwendete er sich mit Eifer

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