Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 22 (1.9.1891)
- Date
- 1891-09-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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(sie kostet ca. 400 Mk.), die Präcision und Sicherheit, mit welcher sie arbeitet, die Möglichkeit, dieselbe bequem an jedem Instrumente anzubringen, lässt dies hoffen. Dass bei dem Apparat nicht Elektricitat, sondern Druckluft in Anwendung kommt, dürste als ein praktischer Vorzug bezeichnet werden. Jeder, auch der leichteste Druck auf die Taste wird durch Vermittlung von Pressluft auf die der betreffenden Taste zugetheilie Feder übertragen, welche in ein sehr umfangreiches Liniennetz zwar nicht Notenköpfe, aber ganz deutliche, der Zeitdauer der Töne genau entsprechende, kürzere oder längere Striche, nach Art der Telegraphenschrift schreibt. Verschiedene Farben der Linien für die tieferen und höheren Töne erleichtern die Uebersicht, so dass die Schrift ohne Mühe in unser gewöhnliches Notensystem zu übersetzen ist. Uebrigens ist gerade hier der Ort, wo eine weitere Vereinfachung sehr wünfchenswerth erscheint, auch ohne Zweifel nicht allzuschwer zu erreichen sein wird. Der Apparat schreibt mit solcher Genauigkeit, dass die schnellsten.Läufe, das glissando, der Triller, das zarteste Harpeggio, die vollgriffigsten Accorde getreue Wiedergabe finden. Auch die aufs rascheste, mit Finger- Wechsel ausgeführte Wiederholung eines und desselben Tons gibt er deutlich wieder, der beste Beweis für die Elasticiät und Feinheit seines Mechanismus. Was er nicht vermag, das ist die Wiedergabe des korto - und piano, wie überhaupt aller dynamischen Unterschiede, wofür ja auch unsere Notenschrift noch besonderer Bezeichnungen bedarf. Dagegen gibt er, ohne der Taktstriche zu bedürfen, den Rhythmus aufs bestimmteste an. Auch das staooato und legato, ja selbst die zarten Uebergänge zwischen beiden einander entgegengesetzten Spielarten treten in seiner Schrift zu Tage. Diese Schrift hat sogar vor unserer gewöhnlichen Notenschrift den Vorzug, dass Tempo und Rhythmus — für welche beiden die die letztere theils starr mathematische Normen, theils nur unbestimmte Andeutungen (ritard., aooel., toinxo rnttato 6to.) hat — genau dem Vortrag des Künstlers oder des Componisten entsprechend und also ganz dessen Intentionen gemäß aufgezeichnet werden. Die individuelle Freiheit im Vortrag, welche durch unsere Notenschrift in das Prokrustesbett des Taktes und des streng mathematischen Rhythmus gelegt wird, die Ungezwungenheit und freie Bewegung innerhalb der allgemeineren, Issef Loans Roshrim, kaiserlicher Befehlshaber der deutschen Juden. Von Al. Stein, Cantor und Religionsweiser in Taus. (Fortsetzung und Schluss.) 9. Sollte ein Jude irgend eine unredliche Handlung gegen einen Christen sich zu Schulden kommen lassen, so ist jeder, der hievon Kenntnis hat, verpstichtet, dem Vorsteher. darüber die Anzeige zu erstatten. 10. Die Vorsteher sind verpflichtet, gegen jeden ungebührlichen, ungeziemenden Handel, der zu ihrer Kennttüs gelangt, ״von Amtswegen" einzuschreiten, da das jüdische Gesetz dies vorschreibt. Diese Punkte stellte Josef Loans im Einvernehmen mit den Rabbinen und Vorstehern zusammen, die er zu diesem Zwecke aus allen Gegenden Deutschlands nach Augsburg berief. Kurz vor Schluss des Reichstages, den 17. November * 1530, legte Josef Loans in feierlicher öffentlicher Sitzung seinen! Gesetzentwurf den versammelten Fürsten und Ständen des deutscheu Reiches vor und fand mit demselben ungetheilten Beifall. Alle Fürsten und Stände, geistliche und westliche, versicherten den Verfasser ihrer Gnade und ihres Wohlwollens. Auf seine Einwirkung erwei.terte Kaiser Carl Y. im August 1530 den vom Kaiser Sigismund für die Juden , im Elsass erlassenen "Freiheitsbrief zu Gunsten der Juden des ganzen deutschen Reiches. - Allein schon ein Jahr später, 1531, verfinsterte sich wieder der Horizont der Juden Deutschlands. Wieder waren es die abstrakten rhythmischen Schranken, ohne welche ein wahrhaft künstlerischer, lebendiger Vortrag nicht denkbar ist, bleibt bei der durch den Apparat entstandenen Fixirung unversehrt und vollständig gewahrt. So ist denn der praktische Werth dieses Pianographen ein doppelter. Derselbe kann dem Komponisten nicht blos zum Zweck einer mühelosen Fixierung seiner Inspirationen dienen, sondern auch zum Zweck der präciseren Bezeichnung des für seine Schöpfungen von ihm gewünschten Vortrags, weil ihm jene, die Töne graphisch wiedergebende Schrift eine bessere Garantie für die getreue Reproduktion seiner Werke auch in späteren Zeiten bietet. Es gibt Komponisten, welche im Fixieren ihrer Gedanken eine große Gewandtheit besitzen. Ich erinnere an Mozart, der seine Don Juan-Ouvertüre in sehr kurzer Zeit zu Papier brachte. Anderen fällt dieses Geschäft, sei's aus äußeren, sei's aus inneren Gründen, viel schwerer. So sagt man z. B. von Chopin, dass es ihm meistens einen schmerzlichen Kampf gekostet habe, bis er zu der Arbeit sich entschließen konnte, welche im Niederschreiben der verschiedenen Punkte, Striche, Häkchen, Kreuze .und Bögen rc. besteht, ja dass, was ihm in die Seele klang, 'oft schon verblasste, sobald es an's Tageslicht) d. h. aufs Papier gebracht wurde und er selten mit dem, was er so in Noten vor Augen^ sah, zufrieden war. Es ist wohl anzunehmen, dass die Menschheit um manche köstliche Blüthe, manche goldene Frucht musikalischen Schaffens gekommen ist, aus dem prosaischen Grunde, weil der Komponist im ersten Feuer der Begeisterung nicht im Stande war, seine Eingebungen zu Papier zu bringen und zur Fixierung derselben in der Folgezeit - st ch nicht mehr aufgelegt fühlt. Für solche Fälle bietet nun der neue Notierapparat seine Dienste an. Aber nicht blos für den Komponisten von Fach und Beruf, auch für den Musikfreund, der gern in trauter Dämmerstunde phantasierend sich auf dem Felde der Tasten ergeht, mag der Apparat eine erwünschte Gabe sein, der manchen hübschen musikalischen Einfall am andern Tag ihn auf dem Papier wiederstnden lässt, manche idealere Stimmung ihm im Abdruck zum unverlierbaren Eigenthum macht. Auch blinden Komponisten wird der Apparat sehr willkommen sein. Di׳. A. Schüz. Protestanten, die jetzt die Austreibung der Juden ans Deutschland begehrten. Kaiser Carl Y. weilte in den Niederlanden. Er wurde eben von den Türken bedroht, und es stand zu befürchten, dass er um dss inneren Friedens willen den Drängern nachgeben werde. Trotz der 1522 vom Kaiser Carl Y. hier eingeführten Inquisition unternahm nun Josef Loans die gefahrvolle Reise nach den Niederlanden. Gefoltert, verbrannt, lebendig begraben, oder in Säcke genäht und -ins' Meer geschleudert wurden hier die ,,Ketzer" von den Blutmenschen im Talare. Mitten im Winter begab sich der treue Vertreter seiner Glaubensgenossen in den Rachen des Tigers. Er wurde auch in der Hauptstadt des Landes, in Brüssel, verhaftet und - ins Gefängnis geworfen und schmachtete hier 2 Wochen. Drei Monate, verlebte der jüdische Befehlshaber in tiefer Zurückgezogenheit, 'bis es ihm gelang, beim Kaiser Audienz zu erhalten. Wer aUsharret, wird gekrönt,- und gekrönt ward sein. - Mühen -und seine-Widerwärtigkeiten durch das erhaltene kaiserbliche Wort,, dass .den. Juden in . Deutschland kein Haar ge- . krümmt .werden-.solle. Im Jahre' 1532 ' finden wir ihn abermals auf den: Reichstage in .Regensbürg, wo׳ er. wieder ׳ für die Juden günstigere Gesetze erzielte: Er vevließjedoch Regensburg diesmal gar bald, denn er erhielt die NaMicht',. . dass Salomo Molcho und -David Rübeni*). nach Negens.öurg kommen, um den . Kaiser *) David Rubeni — eigentlich Lein lein — ein kabbalistischer Schwärmer, durchzog Asien und Europa und erzählte, er sei der Bruder desjüdischen Königs im ostjordanifchen Gebiete und von den' 10 verlorenen Stämmen. Sein Haupthelfer war Salomon Molchs, dieser war als