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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-09-01 · Heft 22 (1.9.1891) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 22 (1.9.1891)
Date
1891-09-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Goldklumpen hinzufallen und voll Begeisterung auszurufen: ״Dieses sind deine Gottheiten Israel, die dich aus Egypten geführt", und auf Befehl Gottes ein Heiligthum ״Stiftshütte" errichtet und durch dasselbe die Aufmerksamkeit der Israeliten von dem heidnischen Cultus der Thier vergötternden und Menschen bedrückenden Egypter abwenden und aus das Göttliche, Erhabene und wahrhaft Ideale hinlenken zu können. ״Und sie sollen mir ein Heiligthum machen) und ich werde in ihrer Mitte wohnen", (2. M. 25. 8.) Das Gotteshaus soll nicht nur die Andacht erwecken, sondern den Eintretenden auch lebhaft erinnern, dass er der Sohn des Einig Einzigen sei, der der Vater aller Menschen, der Lenker aller Geschicke ist,׳ daher hier alle gleich seien, die Armen wie die Reichen, die Glückbegünstigten wie die Schwergeprüften. Jeder Mensch, in dessen Herz der Glaube an das Dasein Gottes, des Einigeinzigen, feste Wurzel gefasst, darf hier erscheinen, um seine Herzenswünsche dem großen edlen Menschenvater vorzutragen. ״O Gott, wer darf wohnen in Deinem Zelte, wer sich ergehen auf dem heiligen Berge?" Derjenige, dessen Lebenswandel rein ist und der die Tugend hoch hält. Wer Wahrheit im Herzen trägt, mit seiner Zunge nie verleumdet, nie seinem Nächsten Böses zufügt, nicht Schande häuft auf seinen Nebenmenschen; wer das Verächtliche verachtet und nur diejenigen ehrt, die wahrhaft gottesfürchtig sind; wer sich zum Nachtheil schwört, oder sein Geld nicht auf Zinsen gibt, der unbestechlich für die Unschuld kämpft, wer solches übt, der wankt auf ewig nicht. (Psalm 15.) Nicht nur der Israelit, sondern überhaupt jeder Mensch, möge er welcher Nation oder Confession immer angehören, findet nach der Lehre des Judenthums im israelischen Gottes- Hause, wenn er daselbst sein Herz in inbrünstigen Gebeten ausschüttet, Erhörung und Gewährung. Als Salomo den von ihm Gott zu Ehren erbauten prachtvollen Tempel eingeweiht hatte, rief er in seinem wahrhaft erhebenden und erbauenden Weihgebet aus: ״Auch der Fremde, der Heide, der aus weitem Lande korpmen werde, um in diesem Gotteshause zu beten, möge Erhörung finden." Mit Recht ruft daher der gottbegnadete redegewandte Prophet Jesaias im Namen Gottos aus: ״Auch die Fremden, die Heiden, die zum Ewigen sich gesellen u. s. w. führe ich einst zu meinem heiligen Berge, erfreue sie in meinem Bethause, nehme ihre Opfer wohlgefällig an, denn mein Haus soll das Haus der Andacht aller Völker genannt werden." (Jes. 56. 14. 15.) Ja das Gotteshaus, die dem Gebete und der Lehre gewidmete Stätte, war und ist die mächtigste Säule des Judenthums. Selbst im babylonischen Exil, wo es weder einen ״Tempel" noch einen Opfercultus gegeben, haben ״Versammlungen", die man ״Be Khenischta“ oder ״Beth Hakensetli“ nannte, behufs Abhaltung des Gottesdienstes stattgefunden*). Und nach der Zerstörung des zweiten Tempels trat das Gotteshaus, Synagoge genannt, an die Stelle des dem Opfercultus ge-!weihten Bet hamikdoscli, Tempels, und bildete bis auf die Gegenwart der Mittelpunkt des religiösen Lebens in Israel. Was wäre aus Israel geworden in den finstern Zeiten, der Knechtschaft, in jenen trüben, Küstern, verhängnisvollen Tagen, wo Jnquifitionstribunale florirten , Scheiterhaufen zur Ehre Gottes, ad majorem dei gloriam, angezündet wurden und die , frommen (?) Bekenner der Religion, der Liebe sich ,am Anblick -brennender Ketzer,!ergötzten; wenn nicht bas Gotteshaus, . die ״ *) Während des zweiten Staatslebens war im Tempel zu Jerufalem, und -war in der Quaderhalle ״Lisollotiat hagasit“, eine Synagoge, v-iAch^Mglich^gebetet und.gelehrt.MuMe. Der HgMfuvWyä^rderselben?;hieß^!ada8andalcv1lyKst!7UNdc^das׳!D.berhaupt;L«8o1^:baktzn6s6t^.(1o^kta ‘-?1Suoca 4V'J0m£i 71-1; Sota; 7. 7; 8.) Synagoge den einzigen Rettungsanker, die einzige Zufluchtsstätte gebildet hätte? Draußen im Geräusche der Welt mochte der Feind noch so gewaltig toben, rasen, wüthen und alle Hebel in Bewegung setzen, die geistige und physische Existenz des Judenthums in Frage zu stellen, Israel blieb unerschütterlich, es flüchtete sich in seine Gotteshäuser°und rief mit dem Psalmiften aus: ״Wenn ich dich anrufe, erhöre mich Gott meiner Unschuld. In meiner Noth verschafft Du mir Raum und erhörst mein Gebet". Hier im Gotteshause fanden die Gläubigen stets Trost, Beruhigung, Besänftigung. Ermuthigung und Ermunterung, wenn ihnen draußen von ihren erbitterten, unversöhnlichen, blutgierigen und raubsüchtigen Feinden tausend Leiden, Sorgen, Qualen, Widerwärtigkeiten und Ungemächlichkeiten bereitet wurden. Die göttlichen Verheißungen: ״Ihr werdet dann den Ewigen, euern Gott suchen und auch wieder finden, wenn ihr ihn nämlich von ganzem Herzen und von ganzer Seele verlangen werdet"; ״Wenn du in der Noth sein wirst und dich alles dieses wird betreffen; am Ende der Tage wirft du endlich zu dem Ewigen deinem Gott zurückkehren und seiner Stimme gehorchen, denn der Ewige dein Gott ist ein barmherziger Gott, er wird dir sein Haus nicht entziehen, dich nicht zu Grunde gehen lassen" u. s. w. (5 M. 4. 29—32.) sind buchstäblich in Erfüllung gegangen. So oft sich die Feinde Israels gegenseitig zuriefen: ״Kommt lasst uns fest Zusammenhalten, damit es uns gelinge, dieses uns so sehr verhasste Volk zu vernichten, damit der Name Israel auf dem ganzen großen weiten Erdenrunde nicht mehr vernommen werde", eilten die schwer bedrückten und bedrängten Söhne Judas in ihre Gotteshäuser, lauschten mit gespanntester Aufmerksamkeit den lehrreichen, Trost gewährenden Vorträgen ihrer Lehrer und beteten mit wahrer Andacht und Inbrunst zu Gott dem Himmlischen, der sie stets erhörte und die gefährlichen Pläne ihrer Peiniger und Folterer vereitelte. Mit Recht rief Israel zu allen Zeiten in seinen Gotteshäusern mit dem königlichen Sänger aus: ״Der Ewige ist mein Licht und mein Heil, vor wem soll ich mich fürchten, der Ewige meines Lebens Schutzwehr, vor wem soll ich zagen?" Und weil das Gotteshaus zu allen Zeiten die einzige Zufluchtsstätte unserer Väter war, daher haben unsere Weisen die Synagoge als die schönste und wichtigste Institution des Judenthums gepriesen. Die Worte: ״Und ich werde ihnen sein zum kleinen Heiligthum (Ezech. 11. 16) haben nach der Behauptung des R. Jizchak (Meg. 29.) Bezug auf die Synagogen und Lehrhäuser in Babylonien. Ebenso wird das Wort des Psalmiften: ״Eine Zuflucht warst du uns von Geschlecht zu Geschlecht" (Psalm 90. 2.) auf die Synagogen und Lehrhäufer bezogen, (Jerus. Ber. 5.) Lasser uns aufstehen zu den Weinbergen" (Hoheld. 7. 13.) darunter sind die Synagogen gemeint. (Erub 21.) ״Noch bleibt ein Rest unserem Gotte" (Sach. 9. 7. hat ebenfalls Bezug auf die Synagogen. (Fortsetzung folgt.) Die neueste Notenfchreibmaschine. *) Die Idee eines notenschreibenden Klaviers ist nicht neu. Schon manchem erfinderischen Kopf ist die Herstellung eines Mechanismus gelungen, welcher das auf dem Klavier Borgetragene sofort zu Papier bringt. Doch hat bis jetzt kein derartiger Apparat eine allgemeine Verbreitung finden können. Ob eine solche dem neuesten, von Joseph Föhr erfundenen, von Robert Bosch (Stuttgart) construierten Notirapparat beschieden sein wird? Die verhältnismäßige Einfachheit dieser Maschine *) S. Neue Musik Ztg. No. 13. (Verlag, von Carl Grüninger in j Stuttgart).

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