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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-08-15 · Heft 21 (15.8.1891) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 21 (15.8.1891)
Date
1891-08-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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und Kuppler, habe ich kein Beispiel. gefunden, natürlich muß ,'$§ viele solcher Leute geben, oder wie hätte die Fiction sonst sich verbreiten können? Herr Pobedonoszew sagte mir in einer unserer Besprechungen: ״Der Jude ist ein Parasit, entfernen Sie ihn von demlebenden Organismus, in und an welchem er existirt, und versetzen Sie diesen Parasiten auf einen Felsen, und er wird zu Grunde gehen." Thatsache ist, dass Pobedonoszew sich einen Special-Juden nach seiner Phantasie construirt hat. Er war sehr höflich und. freundlich mir gegenüber, und ich werde ihn sicherlich nicht hinter seinem Rücken beschimpfen, er weiß aber in der That nicht, was er spricht, wenn er die Juden hilflose Parasiten nennt. Ich werde ihm das ins Gesicht sagen, wenn ich eine Gelegenheit dazu habe, denn es ist besser, dies zu thun, als sich in sichere Entfernung zurückzuziehen und dort gehässige Vergleiche zwischen Pobedonoszew und Caligula zu ziehen. In Rußland wurde der Jude gezwungen, Handel zu treiben, und mit seiner Gewandtheit hat er in dem Gewerbe, welches allein er betreiben darf, Erfolg gehabt. Das einzige Mittel, ihn moralisch zu heben und ihn anderen Leuten gleich zu machen, ist, ihn auf das flache Land zurückzuversetzen. Dass er durch Sonnenschein und Arbeit im Schweiße seines Angesichts moralisch gehoben werden kann, zeigt deutlich der Erfolg der Kolonien des Kaisers Nikolaus, welche ich nicht genug rühmen kann. So weit meine'Beobachtungen reichen, hat der russische Jude sammt seinen Kindern nicht genügend zu essen. Niedergeschlagenheit verdüstert das Leben der gesammten jüdischen Bevölkernng. Aber ihr Elend ist bisher im Großen nicht die Quelle von Verbrechen. Ihre gedrückte Existenz, die Unsicherheit der Zukunft und der Mangel, den Tausende von ihnen unter 'dem gegenwärtigen Stand der Dinge leiden, ist ein ausgezeichnetes Kriterium, um das Benehmen und den Charakter der Juden zu beurtheilen, wenn sie jene Anstrengungen und Entbehrungen zu erdulden haben werden, die sich in den ersten Jahren der Ausführung Ihrer Colonisirungspläne nothwendig ergeben werden, wie dies bei jeder andern Colonisirung geschieht, seitdem die Geschichte der Welt begonnen hat. der spanischen Boden betritt, dies mit dem Leben zu büßen habe. Josef Loans scheute diese Lebensgefahr nicht, in Gesellschast des gleichgesinnten R. Moses Kohen aus Frankfurt am 'Main trat er die Reise nach Spanien an. Im Frühlinge 1521 kamen die Beiden, als deutsche Edelleute gekleidet, glücklich nach Madrid. Sie wurden nicht erkannt und waren der einen Gefahr glücklich entronnen. Auf welche Weise es Josef Loans gelang, bei Karl Y. eine Audienz erhalten, lässt sich zur Stunde nicht genau constatieren. Wahrscheinlich dürfte ein Maraune, der einigen Einfluß am Hofe hatte, den Vermittler gemacht haben. Josef Loans erhielt die Audienz und erwirkte sich die Gunst des Enkels, wie er die des Großvaters in reichem Maße besessen. Seine Mission war von Erfolg. Die Dominikaner 'wurden mit ihrem Gesuche wegen Austreibung der Juden abgewiesen, während der junge Kaiser dem Josef Loans die Zusicherung gab, alle Rechte, Privilegien und Schutzbriefe der Juden in Deutschland zu bestätigen. Josef Loans wurde neuerlich - als ״Befehlshaber und Regierer der Juden deutscher Nation" bestätigt. 1530 berief Karl Y. einen Reichstag nach Augsburg, bei welchem auch Josef Loans erschienen war, um für die Interessen seiner Untergebenen das Wort zu erheben. Dieser Reichstag war vielleicht der stürmischeste, denn die Geschichte Deutschlands kennt. Die Fürsten und Städte, die der Lehre Luther's anhiengen, ließen auf diesem Reichstage ein von Melanchton verfasstes Glaubensbekenntnis öffentlich vorlesen — es ist dies die bekannte Augsburger Confession, die Grundlage des neuen Glaubens. Natürlich wurde gegen die katholische Geistlichkeit frisch losgeschimpft, dass sie den Wucher der Juden 'zum Nachtheile des Volkes in hohem Grade unterstützen. Zur Um es kurz zu sagen: wenn Muth, moralischer Muth, Hoffnung, Geduld, Mäßigkeit gute Eigenschaften sind, dann sind die Juden ein tüchtiges Volk. Solch ein Volk ist unter weiser Leitung bestimmt, jede gut organisirte Colonisirung zu einer erfolgreichen zu gestalten, ob dies in Argentinien, in Sibirien oder Süd-Afrika geschehe. Aber die Schwierigkeiten sind zahlreich, und ich glaube nicht, dass Sie gegen dieselben wirksam, ohne die öffentliche und aufrichtige Unterstützung der russischen Regierung ankämpfen können. Ihre erste Absendung muß aus einem Elitecorps bestehen, denn wenn Sie mit der ersten Detachirung keinen Erfolg erzielen, ist der künftige Erfolg unwahrscheinlich. Nichts darf dem Zufall überlassen bleiben. Ich möchte Ihnen rathen, das erste Contingent den Colonien des Kaisers Nikolaus zu entnehmen, wo nicht blos das Land die zu zahlreichen Familien nicht mehr nähren kann, sondern wo auch die Regierung jedem Ackerbauer zehn Deßjadinen (1 Deßjatine gleich 1 09 Hektar) entzogen hat. Auch dort gibt es Noth. Die folgenden vier Punkte, für welche die Unterstützung der russischen Regierung von der größten Bedeutung ist, empfehle ich ihrer Aufmerksamkeit: 1. Um die Emigranten-Abtheilungen zu organisiren, bedürfen Sie localer Hilfe, mit anderen Worten, es müssen Auswanderungs-Comites gebildet werden, welche aus den angesehensten Juden jeder Stadt gebildet sind. Die Aufgaben derselben würden darin bestehen, die Auswanderer auszuwählen, Geld zu vertheilen, die Abreise der Auswanderer zu controlieren und anzuordnen, sich zu Gunsten der Emigranten mit der Regierung in Verbindung zn setzen und ein Verkehrscentrum zwischen Ihnen, der Regierung und den Auswanderern zu bilden. Ein in Petersburg eingesetztes Hauptcomitä soll die ihm unterstehenden Comitös überwachen. Unter den gegenwärtigen Gesetzen organisiren die russischen Juden die Auswanderung entweder im Geheimen oder gar nicht, und wenn die Regierung ihre Bewilligung zur Bildung dieser Comitss nicht gibt, weiß ich nicht, wie Sie ihren Plan mit Erfolg durchführen können. Naturgemäß wird die Regierung wahrscheinlich verlangen, in diesen Comitss vertreten zu sein, und das ist nur Recht, damit die Prüfung dieser Beschwerden wurpe eine Commission eingesetzt. Da kam Josef Loans auf den glücklichen Einfall, allen diesen Verleumdungen durch einen von ihm verfassten aus 12 Punkten bestehenden Gesetzentwurf über den Geschäftsverkehr zwischen Christen und Juden die Spitze abzubrechen, welchen er dem Reichstage unterbreitete. Die Hauptpunkte dieses Gesetzentwurfes sind im Wesentlichen folgende: 1. Auch der versteckte Wucher ist verboten. Wer demnach beim Verkaufe von Waaren auf Credit den Zins auf den Preis derselben schlagen sollte, verfällt der Strafe. 2. Man darf nicht nach kurzen Fristen, viertel- oder halbjährig, die Zinsen zum Capitale schlagen zur Erhebung von Zinseszinsen. 3. Säumige Schuldner dürfen nur in Ausnahmsfällei: bei auswärtigen Gerichten geklagt werden. 4. Verdächtige Gegenstände dürfen Juden von verdächtigen Personen nicht kaufen. 5. Es ist verboten von Kindern oder Dienstboten ohne Vorwissen ihrer Eltern oder Herrschaften zu kaufen. 6. Gegen die Erben kann wegen einer Schuld der verstorbenen Eltern nur mit Zustimmung der jüdifchen Vorsteher eine Klage erhoben werden. 7. Jüdische Schuldner, die sich ihren christlichen Gläubigern durch die Flucht entziehen, verfallen dem höchsten Banne. 8. Der jüdische Vorsteher ist verpflichtet, auch Klagen von Christen gegen Juden anzunehmen, da vor dem Richter kein confessioueller Unterschied gelten darf. Vor dem Gesetze muß volle Gleichheit herrschen. (Fortsetzung folgt.)

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