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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-08-01 · Heft 20 (1.8.1891) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 20 (1.8.1891)
Date
1891-08-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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e blicken und sie in ehelicher Liebe und in häuslichem Glücke finden. Mitunter gibt es aber unglückliche Ehen, die vollzogen zu Haben, Rabbiner und Cantoreu vom Herzen bedauern. Eine solche traurige Trauung fand auch leider zum Unglücke einer neuvermahlten Frau in unserer Synagoge unlängst statt. Ein gewisser Henry Angeli, angeblich Augenarzt in St. Francisco in Californien, unternahm unlängst eine Lustreise nach Europa, um hier alle seine bekannten und unbekannten Verwandten zu besuchen. Und so kam er auch in das Haus eines entfernten Verwandten, des Herrn W., eines der ältesten und angesehensten Mitglieder unserer Gemeinde. Dr. Angeli wurde mit der Tochter des Herrn W. näher bekannt, fand an ihr Gefallen und warb um ihre Hand. Die Tochter, die sich von seinem prahlerischen Aufwande bestechen ließ, erzwang sich die Zustimmung ihrer Eltern, und so wurde das junge Paar verlobt. Nach dem gesetzlichen Aufenthalte von 6 Wochen fand die Trauung am 14. Juli statt. Es fungirten hiebei: Herr Dr. Schmiedel aus Fünfhaus und der Schreiber dieses als hiesiger Cantor. Beide erflehten wir dem Ehepaare den wahren Gottessegen und gaben ihm unsere besten Wünsche zu der überseeischen Reise nach Californien mit. Vor der Abreise sollte aber noch einmal große Wäsche gewaschen werden, und diesen beschäftigten Tag benutzte dieser neuverheiratete Patron dazu, die einbruchssichere Casse seiner Schwiegereltern zu offnen und mit der Gesammthabe flüchtig zu werden. Um seine Abwesenheit zu maskiren, schützte er eine nothwendige Reise nach Wien vor. Der zugefügte Schaden beträgt exclusive der bedeutenden Milgift 6000 fl. Noch am selben Abende, als mau den Schaden entdeckte, wurde bei der Wiener Hauptpolizei die Anzeige erstattet. ^Soeben erhalten wir die Mittheilung, dass Dr. Angeli in London verhaftet wurde. D. R.) In einer vorläufig nicht zu nennenden, böhmischen Gemeinde sollte unlängst ein Cantor, der sich während seiner zehnjährigen unverdrossenen Amtsthätigkeit allgemeiner Beliebheit erfreute, in Folge der Aufsässigkeit eines neuen ״Gabbe" entlassen-, werden. Nur dem Gerechtigkeitssinne des wackeren Vorstandes ist es zu verdanken, dass der Cantor weiter im Amte verblieb. Besagter Gabbe schmuggelte sich nämlich bei der letzten Wahl in den Vorstand ein, begann bald auf alle mögliche Weise den Eantor zu chikamren und an ihn unberechtigte Forderungen zu stellen. So geschah es" auch unlängst, dass er ihm befahl, Samstag zu Mincha vorzubeten, was aber der Cantor mit der Bemerkung zurückwies, dass dieser Gottesdienst die Function des zweiten Cantors sei. Sonntag darauf überreichte schon der ״Gabbe" dem Vorstande eine von seinen Verwandten und ebenbürtigen Freunden Unterzeichnete Entlassungs-Erklärung des Cantors, u. zw. mit der Drohung, wenn dies unausgeführt bliebe, er demissioniren müsse. Als der Vorstand diese Angelegenheit Lerieth, gelangte er zu der Ueberzeugung, dass der Gabbe nur darum den Cantor ans dem Sattel heben wollte, um seinen Neffen, der ebenfalls Cantor ist, an dessen Stelle einsetzen zu können. Das Ende vom Liede war: der Gabbe gieng, und der Cantor blieb. Dieser saubere Gabbe steht keinesfalls vereinzelt da und gehört sicherlich zu der Sorte derer von ״Wimmer", denen es nur darum zu thun ist, ihre Paschalaunen irgend Jemanden fühlen zu lassen und hiebei mit Vorliebe den Cantor sich aussucheu, da dieser in keiner Weise gesetzlich geschützt ist. Dachau. Sonntag den 5. Juli fand das erste Concert des neugegründeteu Chor-Gesangvereines unter Leitung des Chormeisters Obercantor Grünwald und unter Mitwirkung der hiesigen Musikcapelle (Capellmeister Weber) statt. Sämmtliche Nummern des Programmcs wurden mit wohlverdientem Beifall ausgenommen. Hr.-Meferrtfch. Anlässlich der jüngsten Anwesenheit Sr. Eminenz des Bischofs Dr. Bauer von Brünn in unserer Stadt wurde derselbe wie von der städtischen Gemeinde- Vertretung, so auch vom isr. Cultusvorstand und vom Rabbiner begrüßt. Se. Eminenz dankte für den herzlichen Empfang und betonte sein stetes und eifriges Bestreben, den coufessionellen Frieden zu wahren und zu befestigen, gemäß der Lehre der Nächstenliebe, welcher ein Grundsatz der katholischen Religion bildet. ״Halten wir, so schloss er, an unseren Geboten fest, dann wird sich schon in Zukunft das Band finden, das uns vereinen wird." Hedeuöurg, 18. Juli. Die hiesige orthodoxe Gemeinde feierte gestern einen wahren Jubeltag, der in ihrer Geschichte mit goldenen Lettern verzeichnet zu werden verdient. Nach langem Mühen und Ringen ist es ihrer eigenen Kraft, unterstützt durch die munifizente Opferwilligkeit Andersgläubiger, gelungen, ein Gotteshaus auf der Pfarrwiese zu errichten, das anlässlich des gestern stattgehabten feierlichen Weihaktes im Hellen Lichterglanze erstrahlte und sich in seiner erhabenen Einfachheit prächtig präsentirend, den Ruhm des tüchtigen Architekten Herrn Johann Schiller, sowie der Herren Dekorateure, akademischer Maler Rudolf Steiner und Zimmermaler Kraut, für alle Zeiten verkünden wird. Auch die Gläubigen anderer Konfessionen theilten gerne die Freuden der Orthodoxen, denn sie kamen in großer Anzahl herbei, um der feierlichen Ein- Weihung beizuwohnen. Außerdem waren zur Feier auch erschienen: Herr kön. Rath Bürgermeister Fink mit mehreren Mitgliedern des Magistrats, Stadthauptmann Glozer, der Stations-Kom- Mandant GM. Ritter Plentzner v. Scharneck 6u pleine parade, Schulinspector königl. Rath Szabo, die Direktoren Poßvek, Salamin, Kossow und Vertreter der meisten Schulen und Lehranstalten, ferner die Herren Ludwig Friedrich, Präses des Spar- und Darlehen-Vereines, Direktor Steinbrecher als Vertreter der Filiale der österreichisch-ungarischen Bank, die Gemeinde-Repräsentanz der Neologen unter Führung ihres Vorstandes Dr. Winkler, die Vertreter der Presse r:. Die Honneurs machten die mit nationalen Kokarden geschmückten Herren Festordner mit dem verdienstvollen Präses der Gemeinde Herrn Jonas Fuchs an der Spitze. Die Feier nahm folgenden Verlauf: Nach Absingung eines stimmungsvollen Psalms mit Chorbegleitung, vorgetragen vom mit prächtiger Tenorstimme begabten Ober-Cantor Wittmann der Schiff-Synagoge in Wien, entzündete der greise Rabbiner Lazar Alt aus Kobersdorf das ewige Licht, worauf Rabbiner Kuttna aus Eisenstadt die Kanzel betrat und eine tiefe Wirkung übende, gedankenreiche Festpredigt hielt. Sodann wurde die 'Bundeslade geöffnet und mit der aus derselben entnommenen Thora in den Händen flehte Rabbi Kuttna in einem Gebete den Segen des Himmels für unseren geliebten König und Vaterland herab. Die zweite gleichfalls ausgezeichnete Festrede hielt der hiesige Rabbiner Grünwald, der die Nothwendigkekt des neuen Gebethauses betonend, entgegen den von judenfeinlicher Seite verbreiteten irrigen und vorurtheilsvollen Anschauungen, mit vollem Rechte für die Reinheit des patriotischen Gefühls des Judenthums eine Lanze einlegte. Mit der Absingung der ungarischen Hymne; »I8t6u äld meg a magyart•‘ schloss die eben so schöne als erhebende Feier. B—r. Hlittkek, im Juli. Ein selten tragisches Familiendrama spielte sich leider vorige Woche im Hause unseres Cantors Hermann Klein ab. Der Sachverhalt war folgender: Am Vorübende des letzten Wochenfestes eilte unser Vorsteher, Herr Kramer, vor Maariw in das Gotteshaus, um sich mit den schon anwesenden Mitgliedern zu berathen, wem er eigentlich die feiertagsgottesdienstlichen Vorträge verehren sollte, da der Cantor in Folge bedenklicher Erkrankung nicht fuugiren könne. Ein anwesender Corporal, der diese verlegene Verathung anhörte, meldete in stramm-militärischer Haltung dem Vorsteher: ״Mein Name ist Ignatz Schwarz, bin Cantor in Mohol, gegenwärtig in hiesiger Kaserne zur Waffenübung eingerückt und bitte, mir die Vertretung Ihres Cantors über die Feiertage zu übertragen, zumal ich am ersten Feiertage Jahrzeit habe." Nachdem der Herr Corporal-Cantor seine Leistungsfähigkeit in einem freien Recitative lau omus ki eclrje gezeigt hatte,.nahm der Vorsteher dieses Anerbieten freudig an, und Herr Schwarz hat auch factisch an beiden Feiertagen die Vertretung, natürlich mit abgeschnalltem Säbel und im Ornate, zur vollsten Zufriedenheit der Gemeinde ausgeführt. ,Wie man aber so manchen Vorfall erst als bloßen Zufall betrachtet, in welchem aber erst späterhin sich ein entscheidendes Geschick von Gott deutlich offenbart, ebenso war es auch mit der zufälligen Anwesenheit dieses jungen, ledigen Cantors in unserer Synagoge. Denn als unser Cantor seinen Vertreter über die Feiertage als Gast zu sich lud, lernte Letzterer die Tochter seines Gastgebers kennen und wurde von der Liebens- Würdigkeit und den häuslichen Tugenden des Mädchens gefesselt. Beide junge Leute gewannen sich bald lieb, und so wurde verabredet, gleich nach der Waffenübung die Verlobung zu feiern. Zu diesem Behufe war Herr Schwarz auch vorigen Sonntag abends hier cingetroffen. Allein schon beim Eintritte in das *״SST*«■

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