Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 20 (1.8.1891)
- Date
- 1891-08-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/1304829-3453207-3453227--3215-3457547- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- hazzan 1× ep/1004827
OCR text
2an Wissenschaft und gulen Thaten Besten in der Gemeinde. Verständnis der Gebete hat den.Vorzug 3 o r A n neh m l i ch k e i t der S t i m 111 e. / Der Chasan besitze eine deutliche Aussprache, er entweihe auch außerhalb des Gottesdienstes nicht seine Rede und Gesang, sein Wort und Sang sei stets rein und keusch, umsomehr sein Wandel. Ein Cliasan, dessen Ausnahme definitiv ist, ist auch berechtigt, im Alter oder bei sonstiger Verhinderung sich von seinen Sobne vertreten zu lassen, was ihm Niemand wehren kann. Ein Oliasan darf nicht seines Amtes enthoben werden, nur bei schlechtem Betragen durch sündhafte Vergehungen in religiös sittlicher Beziehung." Aus alldem ist ersichtlich, dass der Canto r ein vom jüdischen Religi on sgesetze anerkan nter und unentbehrlicher Religionsdiener ist." Gegenüber einem solchen Gutachten, das übrigens nicht vereinzelt dasteht und auch von anderen hervorragenden rabbiirischen Capacitaten bestätigt wurde, müssen die Enunciationen eines Herrn Wimmer zu voller Bedeutungslosigkeit herabsinken, und wir würden uns, schon in Anbetracht des Umstandes, dass i der Vorstand des österr.-ungar. Cantoren-Vereines bereits die nöthigen Vorstellungen hohenorts gemacht hat, mit der Personlichkeit desselben nicht weiter beschäftigen, wenn er nicht gewissermaßen den Typus der Vorsteher in den kleineren jüdischen Provinzgemeinden repräsentirte. Es ist eine geschichtlich anerkannte Thatsache, dass jede Körperschaft, jede Gemeinde und jedes Staatswesen nur dann gedeihen und zu voller Blüthe sich entwickeln kann, wenn es aus das Wohl aller seiner Glieder bedacht ist und besonders seinen Organen die ihnen zu gebührende Achtung zu verschaffen weiß; nur im Judenthum, trotzdem es eine so harte Schule der Ersahrungen hinter sich hat, will diese Einsicht noch immer nicht allgemein zum Durchbruch kommen. Der Beamte jedweder politischen oder religiösen Gemeinschaft ist, sofern er seine amtlichen Obliegenheiten erfüllt, ein freier Mann, aber der jüdische Gemeindebeamte wird von dem allgewaltigen Herrn Vorsteher, namentlich in den kleinen Landgemeinden, als Knecht betrachtet, an dem das traurige ,,Neseliulloäiui hojinu“ tagtäglich demonstrirt wird. Dies gilt nicht nur vom Cantor sondern von sämmtlichen Beamtenkategorien, und selbst die Herren Rabbiner wissen davon so manches Liedchen zu singen. Der willkürlichen Herrschaft dieser Gemcindepaschas sollte nun durch das neue Gesetz ein Ende bereitet werden, aber mit Händen und Füßen wehren sie sich dagegen, und da das Gesetz den Rabbiner in gewisser Beziehung ihrer Machtsphäre entrückt, so muß wenigstens der Cantor auch fernerhin als Spielball der großherrlichen Launen dienen. Dies ist der Jdeengang von Wimmer und Consorten, und darum darf nach ihrer Ansicht der Cantor nicht als Religionsdiener betrachtet werden, darum hat er keine Wichtigkeit für den Cultus, darum braucht man bei seiner Anstellung weder um Bildung, noch um Staatsangehörigkeit, noch um moralische Qualifikation zu fragen. Jedes beliebige, dahergelaufene Individuum ist ihnen gerade gut genug, um den Gottesdienst zu verrichten. Ja schämt Ihr Euch denn nicht, bei der Behörde solche Ansichten über den jüdischen Cultus zu vertreten? Seht Ihr nicht, dass die Heiligkeit des jüdischen Gottesdienstes in den Koch gezerrt wird, wenn Ihr den Cantor, der den Gottesdienst .versieht, verunglimpft und herabsetzet? Fühlt Ihr denn nicht den Fauftschlag, den Ihr dem Judenthume damit versetzet, dass Ihr ber sein Heiligstes, die Gottesverehrung, so niedrig denket? Aber was kümmert diese Herren die Ehre des Judeuthums, was die Heiligkeit des Gottesdienstes, sie wollen mit Willkür herrschen über eine möglichst große Schaar von Beamten, und darum: ״Zurückmit dem Cantor in die Stellung des U080lludoci! ״ Mit Enthusiasmus ist allerwärts die Bildung der Vereine zur Abwehr des Antisemitismus begrüßt worden, aber was nützen denn alle die Vereine, wenn der Antisemitismus im Judenthume selbst, dieses ßischus in des Wortes vollster Bedeutung, wie es von einem Herrn Wimmer dem gesammten Cantorenstande angethan wurde, ungestört seine Orgien feiert? Freisinnige Priester und Kirchenfürften haben sich an die Spitze gestellt, um den Glaubens- und Nacenhass zu bekämpfen, und so tritt an Euch, ihr Rabbiner, Prediger und Lehrer in Israel, die hohe Aufgabe heran, mit aller Entschiedenheit jener Strömung entgegenzutreten, die einem so wichtigen und so heiligen Berufe die ihm gebührende Anerkennung versagen will. Ein solches Beginnen wird nicht so sehr die Interessen des Cantorenstandes, als vielmehr die Ehre des Judenthums fördern und kräftigen. Das Moschst. Nach seiner Bedeutung und Anwendung in biblischen und nachbiblischen Schriften. XVIII. (Ab. 3, 14.) Rabbi Dossa, Sohn Herkina's, sagte: ״Der Schlaf am Morgen, der Wein am Mittag, das Tändeln mit Kindern und das Verweilen in gemeiner Gesellschaft bringen den Menschen aus der sittlichen Welt". Verschlafe den Morgen deines Lebens nicht; deines Lebens Frühroth aber ist die Jugend und Alles, was du schaffen wirst in späterer Zeit, ist nichts Anderes, als Gestaltung und Vollendung deiner Kindheit, sie ist die Zeit der frischen Kraft. Aber unmöglich ist's, die Ernte zu erzielen, wenn die Aussaat ganz vernachlässigt ist, und nachgetragen kann sie nicht werden. "Was du in der Blüte nicht, empfangen hast, das empfängst du später nicht mehr so, das ziehst du für dich und Andere nicht mehr groß, wie das bekannte Sprichwort lautet: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Nur die Jugendzeit verschlafe nicht, sie ist der erste Abschnitt deines kurzen Lebens. Jetzt ist das Herz so weich, noch so empfänglich, so unendlich ausdehnbar die elastische Kraft des Geistes. Ein Herz früh veredelt und geschmückt, eni Geist früh bereichert und veredelt, schlagen üppig immer neue Keime aus, schönere Blüten fort und fort, reichere Früchte für und für, die Sünde aber am Eingänge des Lebens ist ein gefährliches Gift, das am längsten wirkt. ״O wehe, wehe.über die einzige, die Jugendzeit, die dahingegangen und nimmer wiederkehrt. Die Jugend ist ein Rosenkranz, das Alter ^wohl auch ein Kranz, aber einer aus Dornen". (Sab. 151.) (Ab. 4, 2.) Ben Asai pflegte zu sagen : ״Eile der geringsten Tugend entgegen und stiehe vor jeder Sünde; denn eine Tugend . ziehet eine andere Tugend und eine Sünde ziehet eine andere Sünde nach sich"; denn der Lohn der Tugend ist Tugend, der Lohn der Sünde ist Sünde." Denke über Nichts gering, was in das Gebiet der Tugend gehört; denn aus kleinen Theilen besteht das große Ganze. Und du brauchst der Tugend nicht nachzujagen, sie flieht nicht vor dir, sie bewirbt sich vielmehr um deine thätige Gunst, sie kommt dir so liebevoll entgegen, darum wende dich von ihr nicht ab. Eile ihr freudig entgegen, wenn sie auch gering dir erscheine, sie ist es nicht. Auch die Schuljugend hat schon gewisse Pflichten zu erfüllen, gegen Eltern und Geschwister, gegen Lehrer und Mitschüler, Tugenden der Liebe, der Ehrfurcht, des Gehorsams, der Verträglichkeit, achtet sie niemals gering. Vor der Sünde aber fliehe, vor der kleinen