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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-07-21 · Heft 19 (21.7.1891) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 19 (21.7.1891)
Date
1891-07-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 milienangabe" u. dgl. nicht den Pharaonischen Beschluss 6n miniaturs wieder? Es wird behauptet, dass der Ertrinkungstod der leichteste, der Hungertod hingegen der schwerste sei; da nun Pharao die Kleinen in Israel ertranken ließ, israelitische Cultusgemeinden aber nicht selten den Kleinen der Cultusbeamten die Existenz entziehen, indem sie ihren Vätern die Aufnahme versagen, oder das Weiterverbleiben vereiteln, so war der grausame Beschluss jenes heidnischen Machthabers noch mild und schonend gegen! die Beschlüsse mancher Cultusgemeinde-Vorstände. Wahrlich, darin äußert sich der Fluch der ,תובהר, der durch solche Gemeinden auf den jüdischen Cultusbeamten gewälzt wird: בנים ובנות ״ ,תוליד ולא יהיו לךSöhne und Töchter werden Dir geboren werden; aber Du wirst sie nicht haben dürfen." Und im neuen Testamente steht geschrieben: ״Siehe, es wird die Zeit kommen, in welcher man sagen wird: ״Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren, und die Brüste, die nicht gesäugt haben!" Findet die Anwendung dieses Satzes nicht hier die vollste Berechtigung? Einerseits also sind es die Kinder, andererseits wieder ist es das reifere Alter, wodurch dem jüdischen Functionär der Eintritt in sein Amt erschwert oder versagt wird. לא ישא פנים ״ ,לזקן ונער לא יהןnicht ist Achtung vor dem in seinem Berufe gereiften Manne und nicht Schonung vor der noch nicht reifen Jugend!" Wohin soll das sichren, Cultusgemeinden, Glaubensbrüder? Sträubt sich nicht gegen eine derartige Härte, gegen ein solches religionswidriges Vorgehen unser menschliches Bewusstsein und unsere Menschenwürde? Ein solcher Vorgang muß in jedem wahren Israeliten, ja in jedem Menschenfreunde das Gefühl tiefer Scham Hervorrufen; darin liegt eine Beschimpfung der menschlichen Natur und Würde! ״All unser Thun soll im Namen und zur Ehre Gottes sein!" Ganz besonders aber ist die israelitische Cultusgemeinde dazu berufen, den Namen Gottes durch Tendenz und Gesinnung, durch edle Gedanken und fromme Handlung zu verherrlichen. Cultus heißt ja ״äußerliche Gottesverehrung", und wie könnte Gott äußerlich schöner und würdiger verehrt werden, als durch thatsächliche Beweise, dass wir Alle Kinder eines Vaters, alle Existenzberechtigte ans Erden sind?השמד לך פן תעוב את ׳ הלוי בל ימיך על אדמתך; לא תעזבנו בי אין לו -חלק ונחלה עמך: ״Hüte Dich, dass Du ja nicht verlassest den Lewi alle Deine Tage auf Deinem Erdreiche; verlasse ihn ja nicht, denn er hat keine realen Vesitzthümer bei Dir!" Was aber der biblische Lewite für den Tempeldienst zu Jerusalem, das ist der heutige Religionsdiener in unseren Cultusgemeinden. ובל מעשיך בספר נבתבין Alle Deine Handlungen aber werden in's Buch verzeichnet. Ein Menschenfreund. Die wichtigsten Institutionen -es Iu-enthums nach der Bibel, dem Talmud und den Aussprüchen der Weisen in Israel. Dargestellt von Dr. M. H. Fried län der, Bez. - Rabbiner in Pisek. I. Sie Schute. (Fortsetzung.) Ueberhaupt ist aus zahlreichen talmudischen Stellen klar und deutlich zu entnehmen, dass das Judenthum zumeist und zuvörderst der Prosperität der Schulen seine Existenz, seine unverwüstliche Lebenskraft zu verdanken habe. Einst, so wird im Talmud erzählt, hatte die syrische Regierung dem ihr unterthänigen Israel das Studium der Gotteslehre auf's Strengste untersagt. Da kam Papus b. Jehuda und fand den R. Akiba, wie er umgeben von großen Zuhörermassen, Vorträge hielt, ohne sich um die Negierung und ihre Verordnnllgen viel zu kümmern. Aber Akiba, frug er erstaunt, fürchtest Dil denn nicht diese strenge Regierung? Höre, Papus, entgegnete sanft Akiba, ich will Dir ein Gleichnis erzählen, das hier am Platze sein mag. Einst schlich ein Fuchs langsamen Ganges am Ufer eines Flußes und bemerkte, wie die Fische zu großen Massen zusammengedrängt, in ängstlicher Hast hier und dorthin Schutz suchend, schwammen. Da sprach der Fuchs zu ihnen: ״Warum fliehet ihr denn fo angstvoll herum, und vor wem?" ״Vor den Netzen fliehen wir, welche die Menschen für uns überall ausbreiten." antworteten sie ihm. ״Hört," sprach er, ״so ihr nicht abgeneigt sind, will ich euch einen nicht unannehmbaren Antrag stellen. Kommt nämlich zu mir auf's trockene Land heraus und da wollen wir friedlich und freundlich neben einander wohnen, wie meine Väter friedlich neben euren Vätern wohnten." ״Ei", sagten die Fische, ״mit Unrecht wirst du das schlaueste der Thiere genannt. Du bist vielmehr das einfältigste und thörichtste derselben. Sieh' doch nun an! Hier im Wasser, in dem Elemente, welches unser Leben bedingt, haben wir Grund zur Besorgnis und Furcht, wie erst dort auf dem trockenen Lande, wo uns die Urbedingung zum Leben fehlt? Dort müssten wir sicher dem Tode verfallen." Dieselbe Bewandtnis, sagte N. Akiba, hat es auch mit uns. Siehe, jetzt wo wir in der Hege und Pflege des Studiums der Gotteslehre beflissen sind, von der es heißt ״denn sie ist Dein Leben und die Verlängerung Deiner Tage", sind wir Gefahren preisgegeben, wie wäre unser Leben erst bedroht, wenn wir aus ihr Hinausgiengen und sie gänzlich vernachlässigen würden. (Ber. 61.) An einer anderen Stelle heißt es wieder, Jerusalem wurde nur deshalb zerstört, weil die Kinder daselbst vom Schulbesuche abgehalten worden sind. (Sab. 119.) R. Simon ben Jochai sagte, wenn Du in Palästina Städte ihrem gänzlichen Verfalle entgegengehen siehst, so wisse, dass dies die natürliche Folge der Vernachlässigung der Schulen sei. (Midr. r. zu. Klagel.) In einer Stadt, die der Schule und der Lehrer entbehrt, soll man nicht wohnen. (Sanhed. 17.) Wenn es auch während des zweiten Staatslebens schon überall öffentliche Kinderschulen gegeben, durste der häusliche Unterricht denn doch nicht gänzlich beseitigt werden. Haus und Schule mussten Hand in Hand gehen. Das Hans bildete gleichsam eine Art Vorbereitungsschule. Die Schulpflicht begann (nach Ketub. 50) mit dem sechsten Lebensjahre. In Palästina jedoch, wo die Kinder kräftiger und doch früher eutwickelt waren, begann die Schulpflicht mit dem vollendeten fünften Lebensjahre. (Abot. 5, 25.) Im Elternhause jedoch begann der Vorbereitungsunterricht viel früher. ״Sobald das Kind sprechen konnte, lehrte man es die kurzen Gebetesprüche, als z. B. den ersten Vers des 8611״mg. ji8r06I", um ihm frühzeitig schon die Lehre von der Einheit Gottes einzuschärfen. (Succa 4L.) So war es aber nicht blos in der talmudischen, sondern auch in der nachtalmudischen Zeit. Während die fromm!? Mutter dem zarten Säuglinge schon in der Wiege religiöse Weisen vorsang, um dessen Ohr frühzeitig schon an die Melodien der Synagogengesänge zu gewöhnen, erachtete der Vater es als seine erste Pflicht, dem kaum zu sprechen beginnenden Kinde die Worte: ״Die Lehre, die uns Moses geboten, ist ein Erbgut Jakob's, täglich vorzusprechen. Das Glaubensbekenntnis ״Höre Israel, der Ewige, unser Gott ist ein einig einziger Gott", musste das zarte junge Kind, sowohl des Morgens, nachdem es vom Schlafe erwacht, gewaschen wurde, als des Abends, bevor

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