Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-07-01 · Heft 17 (1.7.1891) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 17 (1.7.1891)
Date
1891-07-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/1304829-3453207-3453224--3190-3457519
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

den jüdischen Gemeinden schon seit Jahrzehnten erfreuen, bildet diese Ausnahmsstellung der Cautorcn eine um so traurigere und entinuthigende Thatsache und wirkt aus den Cantor um so schmerzlicher und deprimirender zurück, da doch derselbe in Bezug auf Amtswürde und Verdienst beiden obbenannten Beamten- «:lassen, die sich schon längst einer definitiven Stellung erfreuen, in keiner Beziehung nachgesetzt zu werden verdient. Bekanntlich bildet doch der Cantor, man kann ohne Ueber- Hebung sagen, den bedeutsamsten Factor des jüdischen Gottes- Lienstes. Ueberdies verficht derselbe in den meisten Fällen, insbesondere in der Provinzgeineinde, nebst dem Cantorale noch andere wichtige Gemeindedienste. Er gehört somit zufolge seiner Thätigkeit und der hiezu nöthigen Vorbildung in die Reihe der intelligenten Beamtenclasse; dessen ungeachtet konnte er sich bis heute nicht jene Stellung erringen, welche er im gleichen Matze zu beanspruchen berechtigt ist, als der Rabbiner und Lehrer. Die Cautorenvereine von hüben und drüben, welche behufs Verbesserung der moralischen und materiellen Stellung des Cantorenamtes gegründet wurden, wirken und arbeiten bereits seit einem Jahrzehnt wacker und rüstig in dieser Tendenz. Die Spitzen dieser Vereine, welche auf der Warte stehen, versäumen keine Gelegenheit, für ihre Amtsgenossen in der edelsten und uneigennützigsten Weise in die Schranken zu treten. Und trotzdem können wir in dieser Richtung bis heute noch kein günstiges Resultat verzeichnen. Ja, wir sind diesem Ziele keine Haarbreite näher gerückt und theilen immer noch, trotz unseres Flehens und Polterns in den Spalten unserer Vereinsorgane, das herbe Loos der Baalspriester in der grauen Vorzeit, indem wir diesbezüglich klagen müssen: "״אין קול אץ עונה ואץ קשב*) Da aber vernuuftsgemätz jede Wirkung ihre Ursache hat und jede Folge auf eiilem Grund beruht, so dürfte nach meinem bescheidenen Dafürhalten, wenn wir die Sache genau auf ihren Grund prüfen wollen, dieser im Schoße unserer Amtsgenosseirschaft sich in Permanenz haltende Uebelstand aus einen Grund zurückzuführen sein. *) In Oesterreich haben sich wohl in Folge des neuen Gemeindegesetzes die Verhältniße ein wenig gebessert und das Wirken des Cantorenvereines ist Hier von greifbaren Erfolgen begleitet. Die Red. Um mich in dieser Angelegenheit in keine Wiederholungen und weitlänsige Auseinandersetzungen zu ergehen, erlaube ich mir die geehrten Amtsbrüder und andere Interessenten der Sache nur auf jenen Artikel aufmerksam zu machen, den ich unter der Aufschrift ״pia desideria1‘ im Jahre 1883, sub numero 20 in der ״Oesterr.-ungar. Cantoren-Zeitung" veröfientlicht habe. Ich habe dortselbst alle nothwendigcn Antecedenzien dargestellt, welche die ersehnte Aera, beziehungsweise die Verbesserung der moralischen Stellung unseres Berufslebens herbeizusühren geeignet sind. Ich halte heute noch an diesem Programme fest und behaupte, dass wir nur in diesem Zeichen und unter diesem Paniere unsere Gleichstellung mit den übrigen Beamten der Gemeinde erreichen könnten. Keszthely, den 18. Juni 1891. Josef Löwmger, Cantor. Dr. Adolph Jellinek's 70. Geburtstag. Entsprechend den hervorragenden Verdiensten, die sich Dr. I e l l i n e k während seiner 34-jährigen seelsorgerischen Thätigkeit in der Wiener Cnltnsgemeinde erworben, und würdig des großen Rufes, den der Jubilar als Kanzelredner, Gelehrter und Schriftsteller in der ganzen gebildeten Welt genießt, wurde dessen 70. Geburtstag — Jellinek wurde geboren am 26. Juni 1821 zu Dreslowitz bei Ungarisch-Brod in Mähren — in solenner Weise begangen..',Die eigentliche Feier war wol erst für Samstag den 27. Juni anberaumt, doch schon am 26. erhielt der Jubilar zahlreiche Festgeschenke, Glückwünsche von Nah und Fern und persönliche Besuche von einzelnen Gratulanten, wie von Deputationen gelehrter und humanitärer Körperschaften. Baron Albert Rothschild sendete eine Glückwunschdepesche aus Paris und entschuldigte sein Fernbleiben, da seine Gemalin, Baronin Bettina Rothschild, erkrankt sei. Zu denjenigen, welche an diesem Tage im Hause Jellinek's vorsprachen, zählten unter Anderen Pfarrer Dr. F o r m e y von der evangelischen Gemeinde und eine Deputation der Baron Hirsch'schen Stiftung, bestehend aus den Neichsraths-Abgeordneten v. G n i e w o s z und Dr. Rapoport, sowie Dr. Fürth. Ein herzlich abgefasstes Glückwunschschreiben kam von Dr. F i s ch h o f ans Emmersdorf. Prachtvolle Blumenspenden mit sinnigen Gratulationen waren eingetroffen von Baronin K ö n i g s w a r t e r, Baronin T e - d e s c o, Wilhelmine v. H o f f m a n n s t h a l, Frau Dr. G r ü n- Zwei Familien. Eine galizische Erzählung von S. HoroWitz. (Nachdruck verboten.) (6. Fortsetzung.) Wohl war ihm die Denkweise Althaus' nicht unbekannt, und er musste sich sagen, dass es einen Kampf geben werde. Er scheute aber nicht denselben, harrte doch des Siegers solch ein Preis, um dessentwillen es sich schon verlohnte, die Kampfarena zu betreten. Er hatte bereits den festen Entschluss gefasst, sich morgen nach dem Landsitze von Regina's Eltern zu begeben, wo sich sein Schicksal entscheiden sollte, und saß jetzt in seinem Zimmer, die wahrscheinlichen Einwendungen des stolzen Aristokraten erwägend, um selbe widerlegen zü können. Da schlug an sein Ohr die aufgeregte Stimme seiner Mutter, er glaubte seinen Namen zu hören und ward aufmerksam. Frau Henriette gerieth in immer größere Affection, er vernahm wohl einen Wortschall, konnte aber den Sinn nicht unterscheiden. Um sich darüber Gewissheit zu verschaffen, welcher Vorfall, womit auch seine Person in Verbindung zu stehen schien, seine Mutter so in Harnisch gebracht haben mag, verließ er sein Gemach, um sich zu seinen Eltern zu begeben, und stieß im Corridor aus den kleinen Meilech. Unwillkürlich brachte er dessen Person mit der heftigen Scene in Zusammenhang, fasste den erschrockenen Gutweil beim Arme und zog ihn in sein ZimM!^"»t- Der unglückliche Vermittler MiWtH, 'ÄllsKdMWt^erbittert über das Scheitern seiner.PLuiLpüain,chmMacheismohÄimsdM, und sein schlottriger Körper begann wie Espenlaub zu zittern. Bald aber merkte er, dass der junge Golder der Jntrigue ferne stehe, und er gewann wieder Muth. Isidor drang in ihn, ihm mitzutheilen, was vorgefallen sei, da er auch seinen Namen nennen hörte und das wie im größten Zorne. R. Meilech erbat sich einige Minuten Zeit, um seine von den Erlebnißen des Tages derontirten Gedanken sammeln zu können, zündete sich seine Pfeife an und begann seinen Bericht. Isidor lauschte der Erzählung und seine Erregung stieg. Wie er vor dem kleinen Vertrauten in das Complot, welches ohne sein Wissen und schließlich doch in seinem Interesse angezettelt war, eingeweiht wurde, übermannte ihn die Entrüstung, und wie zur Bildsäule erstarrt, vernahm er alle Details der kühn angelegten Machination, sowie die Antwort des stolzen Althaus. ׳ - Meilech war bereits zu Ende und Isidor schien noch seinen Worten zu lauschen. Endlich raffte er sich empor, verabschiedete den Erzähler und seine Augen leuchteten zornig. Hastig durchschritt er sein Zimmer, heftig mit seinen Händen gesticulirend, indes; abgebrochene Sätze über seine Lippen kamen. Sein einsamer Zimmermarsch mochte schon eine Viertelstunde gewährt haben, als sich seine Aufregung zu legen begann. Er wurde ruhiger, seine gerunzelte Stirne glättete sich, und die. Worte: ״es bleibt dabei, morgen soll sich mein Schicksal ent- - scheiden!" kam über seineLippen. VIII.! - . Als die ersten herbstlichen Sonnenstrahlen die Spitze der Berge zu vergolden begannen, verließ Isidor sein Lager, auf welchem er die Nacht schlaflos zugebracht hatte. Er sah ange-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.