Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 16 (21.6.1891)
- Date
- 1891-06-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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— e — «amit, der heute noch von den meisten conservativen den ״Chochmas Odom" und ״Chase Odom" perhorrescirenden Rabbinen als unentbehrliches Handbuch mannigfach benützt, gewürdigt und hochgeschätzt wird, hat er sich um die Förderung der religiösen Wissenschaft hohe Verdienste erworben. Er hat auch einen Commentar zur Thora geschrieben. Sein jüngerer Bruder Jehnda, der ihn an Gelehrsamkeit überragt haben soll, was auch aus ׳seinen Responsen ״Sichron Jehuda" ersichtlich ist, wurde von der Toledaner Gemeinde nach dem Tode Ascheri's zum Oberrabbiner ernannt. Offenheit, Charakterfestigkeit, Uneigennützigkeit und Unerschrockenheit waren die trefflichsten Blumen in dem Kranze der Tugend, die sein Haupt schmückten. Er achtete nicht das Ansehen der Reichen und hatte stets den Muth, sich frei, offen und unumwunden auszusprechen und die Schäden der Zeit schonungslos zu geißeln. Als ihm jedoch einst, wahrscheinlich seiner Offenheit und Uuerschrockenheit wegen, in der Gemeinde von mancher Seite Kränkungen zugefügt wurden, fasste er den Entschluss, Toledo zu verlaffen, um nach Sevilla zu übersiedeln. Allein die Toledaner Gemeinde, die die hohe Gelehrsamkeit, wie die trefflichen Tugenden und Eigenschaften ihres religiösen Oberhauptes zu würdigen verstand, gab sich alle erdenkliche Mühe, um den hochver.- dienten Rabbi auch ferner für sich gewinnen zu können. Es wurde ihm sogar bei dieser Gelegenheit der doppelte Gehalt zugesagt. Aus seinen Responsen ״Sichron Jehuda" ist klar ersichtlich, dass er, wie früher sein Vater, als erste rabbinische Autorität gefeiert wurde. * Kleine Chronik. Wie«. Bekanntlich bestehen zwei Ansiedlungspläne für die vertriebenen russischen Juden: jene des Baron Hirsch, welcher seine Stammesgenossen in Argentinien anzusiedeln beabsichtigt, und der Vorschlag eines jüdischen Vereins, welcher Palästina im Auge hat.*) Was das erstere Project anbelangt, so hat Baron Hirsch Herrn Arnold White im Interesse des Planes nach Rußland entsendet. White ist, von einem Dolmetsch begleitet, in Moskau gewesen, um mit eigenen Augen zu sehen und zu ermitteln, wie sich das Project seines humanen Auftraggebers am besten verwirklichen lasse. Nach der Mittheilung des ״Journal de St. Petersbourg" scheint die russische Regierung diesen Plan entschieden zu begünstigen. Auch die anderen Blätter in Rußland sprechen sich hoffnungsvoll darüber aus. ״Nowoje Wremja" wie ״Garaschdanin" versichern Baron Hirsch der weitestgehenden Unterstützung der russischen Regierung und geben dem Wunsche Ausdruck, das Project möge bald verwirklicht werden. Was die Colonisations-Jdee in Palästina anbelangt, so hat ein jüdischer Colonisations-Verein in London bei Lord Salisbury den Beistand der englischen Regierung nachgesucht, um vom Sultan die Erlaubnis zur Ansiedlung russischer und polnischer Juden in Palästina zu erhalten. Lord Salisbury hat durch seinen Privatsecretär Currie mittheilen lassen, dass er den Botschafter der Königin an der Hohen Pforte darüber zu consultiren gedenke, ob die Intervention der englischen Regierung zur Erreichung des betreffenden Zieles beitragen dürfte. Sollte dies der Fall sein, so werde Sir William White ermächtigt werden, die Angelegenheit zur Kenntnis des Sultans zu bringen. Wie«. Anlässlich des Regierungsjubiläums Sr. Majestät der Königs Carol I. von Rumänien haben der Herausgeber unseres Blattes, Obercantor Jacob Bauer und Chordirigent Isidor Löwit ein Ehren Exemplar des von ihnen herausgegebenen Synagogen-Gesangswerkes für sephardische Gemeinden ״Schir Hakawod" höchstdemselben ehrfurchtsvoll übersendet, woraus an beide Herren folgendes Schreiben einlangte: *) Der Verein ״Admath Jeschurun" in Wien versendet gleichfalls einen Aufruf an die israelitischen Glaubensgenossen in Oesterreich, in welchem er unter Hinweis aus die Judenverfolgungen in Rußland zu zahlreichem Beitritt in den Verein, der die Colonisatton Palästinas anstrebt, «uffordert. Bukarest, den 28. Mai (9. Juni). E u e r H o ch w o h l g e b o r e n habe ich die Ehre mitzutheilen, dass Se. Majestät der König Carl I. von Rumänien, mein allergnädigster Herr, die von Ihnen ehrfurchtsvoll erbetene Widmung des ״Schir Hakawod" der türkisch sephardischen Gemeinden anzunehmen geruht haben. Seine Majestät haben den geehrten Verfassern durch diese hohe Gunst den Beweis zu geben beliebt, dass Allerhöchst dieselbe deren ebenso pietätvolles als künstlerisches Bestreben, die litnrgischen Gesänge in ihrer Reinheit zu bewahren, gnädigst würdigen und schätzen. Seine Majestät haben mir bei diesem Anlass den Befehl ertheilt, den beiden Componisten zwei Erinnerungs׳ Medaillen des .diesjährigen Regierungs Jubiläums, als Andenken zukommen zu lassen. Ihnen die baldige Zusendung derselben ankündigend, unterzeichne ich mit'der vorzüglichsten Hochachtung Euer Hochwohlgeboren ergebenster Basco m. p. Stampfen. Sonntag am 7. Juni fand in Stampfen ein erhebendes Fest statt, welches durch die Muuificenz und Herzensgüte des auch in Wien allbekannten Wohlthaters, Herrn Sigmund Geiringer, zu Stande kam, da derselbe das hiesige Gotteshaus, ein alter Bau, vom Grunde renoviren ließ-und keine Kosten sparte, um die innere Einrichtung prachtvoll herzustellen. Was die Einweihung anbelangt, so war selbe für jeden Theilnehmer erhebend und unvergesslich. Schon Freitag Vormittags erhielten per Postanweisung jeder Arme und jede Witwe, und deren gibt es in Stampfen leider die Mehrzahl, von dem edlen Spender je fl. 3.— Sonntag Früh wurden Herr S. Geiringer, welcher sich zwar jeden solennen Empfang verbeten hatte, sammt Gemahlin, seine Brüder und zahlreiche Angehörige der in Wien lebenden Familie und unzählige Gäste in der Bahnstation Neudorf durch ein dreigliedriges Comite im Namen des Vorstandes begrüßt und auf bereitstehenden Wagen, darunter ein geschmackvoll decorirter Blumenwagen für den Spender sammt Gemahlin, nach Stampfen gefahren. .Dort wurden die Gäste durch den Gesammt-Vo! stand, Herrn Leopold Kngler an der Spitze, herzlichst begrüßt, und um 11 Uhr begann die eigentliche Feier. Zn derselben waren erschienen: Der Herr Stuhlrichter mit den Beamten, der hochwürdige Herr Pfarrer sammt den Caplänen, der gesammte Orts-Vorstand, die Beamten der Herr? schuft Graf Karoly, der Schulrath mit dem Lehrkörper der Gemeinde und den katholischen Lehrern, viele Honoratioren der Stadt und Umgebung, von allen umliegenden Dörfern, welche Mitglieder zur Cultusgemeinde sind, Deputationen von Preßbürg, Malaczka und Ungereigen, kurz, es war ein herrlicher Festtag! Durch die mit Fahnen und Reisig geschmückten Straßen bewegte sich der imposante Zug. Voran die Schuljugend, weißgekleidete Mädchen, hierauf die Chuppa, unter derselben der Vorsteher, Herr L. Kugler, der greise ehrwürdige Rabbiner und der Spender, Herr S. Geiringer, jeder eine geschmückte Thora tragend, weiter der Ausschuß, jeder mit der Thora, und hervorragende Gäste. Dann kamen die Damen, die Enkelin des Herrn Rabbiners, Frl. Recha Kohn mit dem vergoldeten Tempelschlüssel auf einem gestickterr Atlas-Polster und die Gemahlin des Spenders, so auch die Frau Rabbiner und alle hervorragenden Damen. Beim Eingang in dem Tempelhofe war ein mächtiger Triumphbogen anfgeführt, mit der Aufschrift ״IstenHosot“. Hier empfing der hiesige Chasen, Herr Körbel, mit den aus-- gezeichnet geschulten Meschorerim aus Preßburg den Zug und ״Halleluja El bekodschau" sehr wirkungsvoll singend, gelangte man zum verschlossenen Eingang des Tempels. Der Vorsteher hielt eine kurze Ansprache, welche mit der Bitte schloss, der Spender wolle mit dem ihm überreichten Schlüssel die Pforte des Tempels öffnen. Nach dieser Ansprache erwiderte Herr S. Geiringer, dass es ihm zur Freude gereiche, in seiner Heimat etwas Gottgefälliges geleistet zu haben, und versicherte, immer in Liebe und Verehrung seines Geburtsortes zu gedenken. Der Cantor stimmte mit den Meschorerim ״Pischü li schare zedek“ an, die Pforten wurden geöffnet, und nun bot sich ein erhebender Anblick jedem Eintretenden dar. Alles bewunderte die innere Ausstattung und Pracht dieses neu geschaffenen herrlichen Gotteshauses. Der edle Spender hat nicht allein mit ganzen Herzen, sondern mit vollen Händen dies Alles gefördert. Nach Absingung des Psalmes ״Mismor schir chanukas“. und dem