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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-06-21 · Heft 16 (21.6.1891) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 16 (21.6.1891)
Date
1891-06-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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auch er der strengsten und starrsten Orthodoxie au und perhorrescirte das Studium der profanen Wissenschaften. Nichtsdestoweniger war sein Charakter rein, edel, bieder und makellos, seine Frömmigkeit ungeheuchelt und uugefrömmelt, was auch aus seinem Testamente klar und deutlich hervorgeht. Wir lassen daher hier einige Stellen aus demselben folgen: .,Sei nicht zankfertig, halte dich fern von Schwüren und Gelöbnißen, von Gelächter und Ausbrüchen des Zornes; sie verwirren des Menschen Sinn. Vermeide lügenhafte Handlungen, sprich den Namen Gottes nicht nnnützerweise aus, auch nicht an schmutzigen Orten. Thue ab die Stützen, welche die Menschen reichen, mache Gold nicht zu deiner Lebenshoffnung; das ist zum Götzendienste der erste Schritt. Vielmehr wandte in Demuth vor deinem Schöpfer und gib, wo es sein Wille ist, dein Geld fort, den Ersatz kann er dir gewähren. Gib leichter Geld als Worte von dir, das böse Wort lege aus die Wage des Verstandes, bevor du es aussprichst. Was man in deiner Gegenwart, wenn auch nicht als Geheimnis, gesprochen, das bleibe bei dir verborgen. Erzählt man dir etwas, so sage nicht, du habest es schon gehört. Nicht wie der Faule sollst du schlafen, stehe aus mit der Sonne und mit dem Gesang der Vögel. Sei kein Schlemmer und kein Sauser, du möchtest deines Schöpfers vergessen. Sieh' nicht auf den, der im Reichtum über dich emporgestiegen, sondern auf die hinter dir Zurückgebliebenen. Aber in dem Dienste und der Furcht Gottes sieh' auf den Größeren, nie auf den Geringeren. Freue dich mit Zurechtweisungen, nimm Rath an und willig die Belehrung; erhebe dich nicht stolz über die Menschen; bleibe der Staub, auf den! alle treten. Rede nicht mit harter Hofsart, bleibe nicht hartnäckig, sondern gottesfürchtig." ״Hebe die Hand nicht auf gegen deinen Nächsten, auch wenn er vor dir deine Eltern lästert. Rede von Niemandem Böses, verspotte und verleumde keinen Menschen, und wenn Jemand Unschickliches gesprochen, so gib ihm keine freche Antwort. Auf der Straße soll man dich nie hören, sondern sprich! anständig. Beschäme Keinen öffentlich, mißbrauche deine Gewalt gegen Niemanden, wer weiß, ob du nicht dereinst machtlos wirst. Nach Ehre jage nicht und stelle dich nicht hin, wo du '! nicht hingehörst. Nie unterlasse dir Freunde zu erwerben und halte auch Einen Feind nicht für zu gering. Gilt es einen treuen Gefährten, so sei nicht lässig, ihn dir anzuschaffen, und sorgfältig bewahre ihn, aber Schmeichelei und Falschheit halte fern von ihm. Strebe nicht nach dem eitlen Ruhm, Recht zu haben gegen einen Weisen, du wirst nicht weiser davon. Werde wegen Kleinigkeiten gegen Niemanden böse, du machst dir unnöthi'g Feinde. Bohre nicht nach fremden Geheimnißen; verweigere aus Eigensinn nichts deinen Mitbürgern, ordne vielmehr ihrem Willen den deinigen unter. Mit schlechten Menschen, mit Jähzornigen und Narren lass' dich nicht ein, du kaufst dabei nichts als Schande; richte deine Rede an keinen Unsinnigen; jedem, der dir zu deinem Brote geholfen, sei aufrichtig und wahr gegen Jedermann, auch gegen Nichtjuden, grüße Jeden zuerst ohne Unterschied des Glaubens; erzürne keinen fremden Glaubensgenossen." ״Reisende, die bei dir einkehren, nimm gütig auf, gib ihnen Zehrung, Geleit und ein freundliches Wort. Gewöhne dich nicht an Gelage außer dem Hause; hüte dich vor Trunkenheit, und du wirst gemeines Betragen und unschickliche Rede nicht zu bereuen haben. Niemals sei zornig gegen deine Frau, und hat die Linke sie fortgewiefen, so soll schnell die Rechte sie wieder herführen. Behandle sie nicht geringschätzig, sondern halte sie in Ehren und du wirst sie von Sünde entfernen. Jage deinen Hausgenossen keine große Furcht ein, es ist daraus schon viel Unheil entstanden n. s. w." (Zur Gesch. u. Lit. S. 149). Ascheri, der in Spanien seiner ungewöhnlichen talmudischen Gelehrsamkeit wegen als erste Autorität anerkannt und geschätzt wurde, hatte in Toledo im Jahre 1327 seine irdische Laufbahn vollendet und viele allgemein geschätzte Schriften hinterlassen. Von seinen acht Söhnen, die alle als große Talmudgelehrte galten, ragten R. Jakob, Verfasser der Turim, und R. Jehuda durch große Gelehrsamkeit hervor. R. Jakob lebte in äußerst drückenden Verhältnißen und hatte trotz seiner immensen, allgemein bewunderten Gelehrsamkeit zu kämpfen und zu ringen, um sein Dasein fristen zu können. Durch die Abfassung und systematische Zusammenstellung seines Ritnalcodex, ״Tor" ge- So verstrich der Nachmittag, der Abend begann bereits! seine Fittiche auszubreiten, und noch immer ließ sich der kleine! Meilech nicht blicken. Herr Golder verhielt sich ganz ruhig und . beobachtete gleichgiltig die Aufregung seiner Frau. Endlich ging! die Thüre auf, und der Heißersehnte erschien. Mit einem Satze! schnellte Madame Golder von ihrem Sitze empor, ihr Gesicht j drückte die größte Spannung aus und sie spitzte die Lippen wie zu einem Fragezeichen. R. Meilech versuchte eine lächelnde? Miene anzunehmen, was ihm aber nicht gelingen wollte, er j machte ein süßsaures Gesicht und senkte statt aller Antwort melancholisch sein Haupt. Frau Golder entfärbte sich, rang nach Athem, dass sie die Worte: ״Also er will nicht" nur mit Mühe Hervorbringen konnte, und ließ sich in den Sessel fallen. Ihr Mann gab kein! Lebenszeichen von sich, nur ein Etwas, wie ein schadenfrohes! Lächeln ob der gescheiterten Pläne seiner Frau glitt über sein! Gesicht. Eine Weile herrschte ein peinliches Schweigen, der arme! Gutweil wusste nicht, was mit seiner Person zu beginnen, und! spielte verlegen mit den Quasten seines Gürtels, die Augen zu s Boden heftend. Frau Henriette richtete langsam ihren Ober-! körper empor, ihr Gesicht war blass und ihr zurückgehaltener! Zorn ob der ihr widerfahrenen Demüthigung, begann sich Lnft j zu machen. j ״Also er will nicht!" wiederholte sie, ״nun, so soll er es! büßen! Er glaubt gar, dass die Familie Golder ohne seine Ahnen gar nicht existiren könne. Schau einer diesen Bettelstolz an! Als würde sich nicht so Mancher, der seinen adeligen Stammbaum auf Jahrhunderte zurückführen kann, es zur Ehre anrechnen, wie wir sein vergilbtes Wappen mit unserem Gelde neu vergolden möchten. Unser Jstdorleben wird der Althaus zum Trotz in ein altes feines Haus hineinheiraten, er aber mit seiner Tochter den Bettelstab ergreifen müssen. Jetzt kenne ich keine Schonung, sein Schicksal ruht in meiner Hand, und wenn er aus derselben keine Wohlthaten empfangen will, so soll er die Folgen verspüren. Er darf mir auf unserem, ja, auf unserem Gute nicht länger bleiben, un׳> Du Mansche hast dafür Sorge zu tragen, dass die gerichtlichen Schritte beschleunigt werden, damit er noch, bevor der erste Schnee fällt, die Stätte seiner stolzen Ahnen räume!" Sie sprach's und verließ hastigen Schrittes das Zimmer. R. Meilech stand noch immer auf derselben Stelle ängstlich um sich schauend. Er spähte nach Herrn Golder, der von ihm keine Notiz zu nehmen schien, begann sich schüchtern zu bewegen, gewann rückwärts schreitend die Thüre und verschwand. Isidor hatte die letzten Tage in fieberhafter Aufregung verlebt. Seit dem Abende, an welchem er Regina seine Liebe gestand und Erwiderung fand, war mit ihm eine sichtbare Um- Wandlung vorgegangen, so dass die Metamorphose auch seiner Umgebung nicht entging. Seine träumerische, melancholische Stimmung schwand, und ein gewisses Selbstbewusstsein trat an deren Stelle. Wurde er von den Seinen um den Grund seines veränderten Wesens befragt, so spielte ein triumphirendes Lächeln um seine Lippen und beobachtete sonst Stillschweigen. Aber kein Freund von Geheimniskrämerei, wollte er ans seiner Liebe kein Hehl machen, und er war entschlossen, um die Hand seiner Auserkorenen bei deren Eltern anzuhalten. (Schluss folgt.)

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