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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-06-21 · Heft 16 (21.6.1891) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 16 (21.6.1891)
Date
1891-06-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7י Vortrage von ״Hanossen teschna“ hnirbe der weitere Text dieses Kaiser-Gebetes, in der Hymne des Kaiserliedes gesungen. Rührend war es, als nun der 80jährige Rabbiner, eine wahrhast ehrwürdige Erscheinung, der nahezu 40 Jadre in. der Gemeinde wirkt, die prachtvoll ausgestattete Kanzel bestieg und in begeisterten Worten eine Rede hielt. Er dankte aus vollem Herzen dem edlen Spender und Wohlthäter und betonte, dass schon sein in diesem Jahre verstorbener Vater, der allgemein geachtete Kaufmann und Beschützer der Armen, Herr Eduard Geiringer sel., dies schöne Werk auszuführeu Willens war und es nun dessen Sohn zur Erinnerung an seine Heimgegangenen Eltern erfüllte. Er dankte den Herrschaften und hochwürdigen Gästen, die durch ihre Theilnahme dies Fest nicht nur berherrlichten, sondern den Beweis gaben, dass keine Zwietracht unter den verschiedenen Confessionen herrscht und brüderlich wir ausrusen können ,.Halaii aw echod leclmloira1‘. Mit dem Segen für das erlauchte Königspaar und das ganze Herrscherhaus, für das Vaterland und Comitat, für alle Festtheilnehmer schloß der ehrwürdige Greis diese stimmungsvolle Rede, und Allen wird cs unvergesslich bleiben, als der hochwürdige Herr Dechant ihm herzlich, dankte Nach Absingung des ״Adoii Olam“ hielt die Fest- und Schlussrede Herr Vorsteher L. Kugle:׳, und auf seine Bitte zeichneten sich sowohl der edle Spender als auch Herr Rabbiner, Pfarrer und Stnhlrichter, sowie alle hervorragenden Festgäste in das anfliegende, prachtvoll ausgestattete Gedenkbuch ein. Mit diesem Acte schloß die denkwürdige und für alle Theilnehmer sehr erhebende Feier, der ganze übrige Tag wurde in fröhlicher Stimmung verbracht. Zum Gelingen dieses schönen Festes haben in erster Linie beigetragen der rührige und verständige Vorsteher, Herr Leopold Kngler, ein hier sehr geachteter Kaufmann, dann die Herren Beiräthe, S. L. Schönfeld, Bitz, Reich, Schröfl und Max Löbt, sowie die leider viel zu früh Heimgegangene edle Seele, Neb Schamschen Bitz, dessen auch der Rabbiner in seiner Rede erwähnte n. A. m. Stampfen hat jetzt ein Pracht-Gotteshaus, und möge der gütige Gott die Segenswünsche, die dem edlen Spender, Herrn S. Gciringer, von allen Seiten zugekommen, sich immer an ihm und seiner Familie erfüllen. - Karlsbad. Unsere Synagoge bietet gegenwärtig regelmäßig am Freitag-Abend und am Samstag-Vormittag ein Bild, welches vielleicht wenige Synagogen Oesterreichs aufzuweisen haben. Kaum werden die Thüren des Gotteshauses geöffnet, so strömen Männer und Frauen, Juden und Christen, Deutsche, Engländer und Amerikaner, kurz jeder der nur Kenntnis von dem Gottesdienste hat, in das Gebäude, und wenn die ersten Töne der Orgel erklingen, dann sind gewöhnlich alle Männer- und Frauengallerien bis auf den letzten Sitz vergeben. An den verflossenen Schewnes-Feiertagen herrschte ein derartiges Gedränge, dass einzelne Damen im Chorraume uutergebracht werden mussten. Der Karlsbader Tempel kann aber auch mit Recht nach jeder Richtung hin als Muster eines Gotteshauses dienen. Unser verehrter Rabbiner, Herr Dr. Ziegler, ist ein Prediger, wie man ihn nicht besser finden kann, und wenn eine Predigt von ihm angefagt' ist, dann füllt sich der Tempel erst recht, während ich in manchen anderen Tempeln die Erfahrung machte, dass sich viele Tempelbesucher vor Beginn der Predigt gewöhnlich entfernen. Dr. Ziegler weiß, wie er zu seinen Zuhörern sprechen muß, und macht daher auf den Geist und auf das Gemüth einen tiefgreifenden Eindruck. Ebenso vortrefflich als Herr Dr. Ziegler als Rabbiner, wirkt unser Chasen Herr Tiger. Aeußerst anspruchslos und bescheiden in seinem Auftreten, besitzt er eine angenehme Stimme, so dass die Zuhörer seinem Vortrage gerne lauschen. Die hiesige Gemeinde weiß aber auch die Verdienste ihrer Angestellten zu schätzen und hat häufig Gelegenheit genommen, ihre Erkenntlichkeit zu bezeugen. Nicht unerwähnt will ich aber auch den Chor lassen. Unter der Leitung des trefflichen Dirigenten, Herrn Sonneberg, hat sich hier ein Chor gebildet, welcher einer Stadt wie Karlsbad würdig ist. An 40 junge Damen, den besten Kreisen der Stadt angehörig, widmen sich selbstverständlich ohne Zahlung dem edlen Dienste, und es ist dadurch möglich, die schwierigsten Gesänge aufzuführen. L. K. Komorrr. Der Bischof der reformirten Kirche Helvetischer Confesfion von Komorn, Gabriel Pap, hat an die Bevölkerung einen Aufruf zur Veranstaltung von Sammlungen für die aus Rußland vertriebenen Juden erlassen, welcher nach Ton und Inhalt großes Aufsehen erregt. Der Bischof schreibt unter Andern:: ״Die jüdische sowie die christliche Religion lehren, dass wir Kinder Eines Vaters, die Kinder und Geschöpfe Gottes und mithin Brüder, Gleiche sind. Brüder sind aber einander Liebe schuldig, und wer da hasst, statt zu lieben, wer das Verderben desjenigen anstrebt, dem er brüderliche Liebe schuldet, der drückt der eigenen Stirn das schmachvolle Kainszeichen auf, der kann kein guter Jude, kein guter Christ sein, denn er tritt die Hauptlehren und Gebote Leider ans göttlicher Offenbarung beruhenden Religionen mit Füßen. Diese Lehren und Gebote treten jene mit Füßen, die in unserer Zeit, welche das Jahrhundert der Aufklärung genannt wird, die Judenverfolgungen in Rußland insceniren, in's Werk gesetzt haben und mit wilder Atrocität, die ihre menschliche Verworfenheit beweist, die Verfolgung der Juden fortsetzen. Es ist, als wären die finsteren Geister des Mittelalters aus dem Grabe emporgestiegen, in dem wir sie für immer begraben wähnten. Hunderttausende werden lediglich deshalb verfolgt, weil sie nicht in einem uns demselben Gotteshause zu dem Einen Gott, dem gemeinsamen Vater beten, der nicht ans den Ritus acbtet, sondern auf das Herz und die Seele, der die edlen Gefühle und die Bereitwilligkeit, Gutes zu thun, belohnt, und der es nicht den sterblichen Menschen anheimgegeben, sondern es sich Vorbehalten hat, über die Empffndungen der Herzen und Gedanken der Seele zu richten. Das menschliehe Gefühl bäumt sich auf beim Lesen jener Leiden, Qualen und grausamen Verfolgungen, welche die Juden Rußlands ihres Glaubens wegen erdulden müssen. Als Mensch denke ich schmerzerfüllten Herzens an das Elend, in welches die russischen Inden durch die herzlose Grausamkeit ihrer Brüder, ihrer eigenen Landsleute gestürzt wurden; als Christ fühle ich die Schamröthe bei dem Gedanken in's Anlitz steigen, dass Leute, die sich Christen nennen, ein so unmenschliches, gegen das die Liebe gebietende Grundgesetz des Christenthums verstoßendes Verfahren gegen die Bekenner jener Religion befolgen, in deren Schoß die Wiege des Christenthums stand, und welche auch wir, als auf Gottes Offenbarung beruhend, anerkennen müssen, bezüglich welcher auch Jesus der Herr erklärt hat, er komme nicht, ihre Gesetze abzuschaffen, sondern dieselben zu erfüllen." Der Bischof ladet dann in seinem Schreiben die Bürger der Stadt ein, für bie ohne ihr Verschulden heimatlosen russischenJudenGelder zu sammeln. Wudapest. An der hiesigen Universität sollten mehrere Candidaten von verschiedenen Facultäten promovirt werden. Die Leitung des Promotionsactes fiel dem Decan der theologischen Facultät zu. Unter den Candidaten befand sich auch der Rabbiner von Szolnok, E. Friedlieber. Als man zur Leistung des Gelobnißes gelangte, wobei die Candidaten die Hand auf das mit einem Crncifix geschmückte Universitäts-Scepter zu legen haben, erklärte Friedlieber, dass er auf diese Weise das Gelöbnis nicht leisten könne; er habe gegen die Formel nichts einzuwenden, wolle dieselbe auch nachsprechen, und, als stünde er vor Gericht, die Hand auf's Her; legen. Der Decan erklärte jedoch, dass eine solche Ablegung des Gelöbnißes den Gesetzen der Universität widerspreche, der Candidat könne daher nicht promovirt werden. Auch der Rector verweigerte demselben die Ausfolgung des Doctordiploms. Friedlieber berief sich auf mehrere Präcedenzfälle aus dem vorigen Jahrhundert, welche in der Geschickte der Universität von Panter angeführt werden. Er will sich morgen zum Unterrichtsminister begeben, um den Fall vorzutragen. (K. k. priv. Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft.)Der im Abgeordnetenhause eingebrachte Gesetzentwurf betreffend die Leistung von Beiträgen aus Staatsmitteln an die Donau-Dampsschiffahrts-Gesellschast lautet: Artikel!. Die Regierung wird ermächtigt, der Ersten k. k. priv. Donau-Dampfschiffahris-Gesellschaft auf die Dauer der Jahre 1891 bis einschließlich 1900 die nächst chenden jährlichen Beitragsleistungen zuzusichern: a) eine weder verzinsliche noch rückzahlbare Subvention von 250,000 fl. ö. W. in Noten: d) einen unverzinslichen und rückzahlbaren Zuschuss von 250,000 fl. ö. W. in Noten. - Artikel II. Die nach Maßgabe des Artikels I der Ersten k. k. priv. Donau-Dampfschiffahrts- Gesellschaft aus Staatsmitteln zu zahlenden Beiträge sind alljährlich in den Staatsvoranschlag einzustellen. Für das Jahr 1891 wird der Regierung zur Zahlung dieser Beiträge ein Credit von 5! 0,000 fl. eingeräumt. — Artikel III. Mit dem Vollzüge dieses Gesetzes, welches mit dem Tage seiner Kundmachung in Wirksamkeit tritt, werden Meine Minister des Handels und der Finanzen beauftragt. — In dem Motivenberichte wird die Subvention damit begründet, dass die Ausrechterhaltung des Schifffahrtsbetriebes auf der oberen Donau für Gegenden, welche keine Bahn besitzen, unentbehrlich ist, dieser Betrieb aber für die Gesellschaft ein passiver ist. Der Zuschuss soll zur Ergänzung des Schiffsparkes dienen

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