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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-04-26 · Heft 12 (26.4.1891) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 12 (26.4.1891)
Date
1891-04-26
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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© aus, besagt: Sind mit dem im Anhänge bei der Städtegruppe angcgebenen Orte andere Orte zu einer Ortsgemeinde verbunden, so wählen Die Wahlberechtigten der ganzen Ortsgemeinde in der Claffe der Städte.^ Dies treffe jedoch bei Straßnitz nicht zu. Die Jsraeliten-Ge- Uleinde Straßnitz ist eine selbstständige politische Gemeinde, welche mit der Stadlgemeinde nicht in eine Ortsgemeinde verbunden ist. Beide Gemeinden bestehen bis jetzt als selbstständige politische Gemeinden neben einander, jede mit ihrer eigenen Vertretung und ihrem Vorstande; jede mitihrerVerwaltung, ihrem eigenen Vermögen und Steuer-Conlingent. Bei der Wahl der Stadtvertretunz betheiligten sich blvs Bürger der Stadtgemeiude, bei den Gemeindewahlen in der Jsratliteu-Gemeinde die dortigen Bürger. Nach der Intention und dem Wortlaute des Gesetzes ist die Israeliten Gemeinde Straßnitz zur Wahl eines Abgeordneten mit den Städten nicht berechtigt, sondern mit den mährischen Landgemeinden in der Gruppe Ungarisch-Hradisch und Hollefchau. Dagegen führt die Gegenschrift der Statthalterei aus: Bei der Einführung der Neichsrathswahlen ist die Grundlage der Zugehörigkeit der Jsraelitengemeinde Straßnitz zum Wahlbezirke der Städte nicht geändert worden, während bei einzelnen anderen Judengemeiiideu eine solche Ausscheidung thatsächlich stattgesuuden hat. Der Beschwerdeführer selbst hat den legalen Bestand der Zsraelitengemeinde Straßuitz als selbstständige politische Gemeinde nicht angesochten; cs könne somit nach Ansicht der Statthalterci die separate Ausfertigung der Wählerlisten dieser Gemeinde und die Behautlung dcrselbeu als Wahlort nach den Bestimmungen der Neichsraths-Wahlordunng nicht beanstandet werden. — Das Urtheil dürste in den nächsten Tagen gefällt werden. WeuördsHsrv. .Wenn sich der Mittelstand nur ein wenig anstrengen wollte, brauchten wir Reiche gar nichts zu geben, * sagte einst ein begüterter Jude, an den mau um eine seinen Verhältnißen entsprechende Beisteuer zur Erhaltung der Gemeinde herangetreten ist. Mit jenen Worten war seine Ueberzeugung ausgedrückt, dass, da wo eS um Förderung humauitäter Znstutiouen und Cultuszwecke sich handelt, der Mittelstand sich stets in die vorderste Reihe stellt. Diese Erfahrung macht man zumal in den jüdischen Gemeinden auf dem Lande. Die meisten derselben sind aus die Beiträge der Mi'ttelclaffe angewiesen, viele Gemeinden sind seit der Freizügigkeit von den Neichen, welche nach der Hauptstadt gravierten, verlassen worden, es bleiben somit nur zurück die dem Mittelstände Angehörigen und die Armen. Zn eiuzclncu Gemeinden jedoch vermochten sich von ihrer Scholle die Reichen nicht zu trennen, rinerseits weil sie anderwärts ihre materiellen Jutensfeu nicht so gewahrt wissen, anderseits weil sie eingedenk des Ausspruches Casars: ,Ich bin lieber der Erste in einem Dorfe, als der zweite in Nom^ und kraft ihrer Vermögensverhältniße in ihrer Heimat in socialer Beziehung eine größere Nolle zu spielen, der Meinung sind. Auch nuse'-e Cultusgemeinte kann sich rühmen, in ihrer Mitte einige Wohlhabende zu besitzen, diele können sich jedoch weniger rühmen, jüdncheu Gemeindezwecken solche Opfer zu bringen, wie es ihre Wohlhabeuheit erheischte. Um so auffälliger tragen sie diese nach außenhin znr Schau. Zch will dafür einen Beweis erbringen, der auf die Begeisteruug so eines reichen Juden fürs Judeuthnm und ans seine Auffassung von dem Bcgriss Nächstenliebe ein ganz cigenthümlicheS Schlaglicht wirft. Herr Z o n a s B e 1 g m a n n, wohlbestallter Lederfabrikaut, hat 25.000 fl. zum Ausbau eines Waisenhauses und zu dessen innerer Einrichtungvotirt, ohne dabei die ausdrückliche Bestimmung getroffen zu haben, dass auch in jenem Asyl Waisenkinder jüdischer Constffion Aufnahme flndeu sollten. So anuelkeunenswert der Gedanke ist, dass der Stifter jenes humanen Werkes s-.ine Nächstenliebe aus christliche Waisiukinder erstreckt, so hätte er als Jude in erster Reihe auf jüdische Waisen nicht vergtffen dürfet«, er hätte, falls in ihm wegen Unterbringnug derselben rituelle Bedenken aufgestigen wären, zum mindestens eine jener Schöpfung verhältnismäßig adäquate Stiftung zur Versorgung jüdischer Waisenkinder gleichzeitig creiereu müssen. Freilich bei Opfer- Willigkeit für jüdische Gemeiudezwecke, bei Gründung humanitärer Schöpfungen ausschließlich für uothleidende Juden oder hilfsbedürftige jüdische Kinder kann man weniger auf ein Ehrenbürgerrecht prätendieren oder auf eine Auszeichnung hoffen. Voll und ganz musste daher das neue Waisenhaus jeder jüdischen Nuance entkleidet, es musste vergessen werden, dass vor nicht allzulanger Zeit die Juden in der Bcseda da» consilium abeundi erhalten haben, dass zu öffentlichen Unterhaltungen Merendas und Neunionen die Juden nicht geladen wurden und erst in letzter Zeit Herr Bergmann, der Waifenwohlthäter, in dieselben gnädiglich anfgenommen wurde. Die' armen jüdischen Waisenkinder, die Unglücklich genug, Leu sorgsamen Var er, die liebende Mutter verloren zu haben, werden mit eine.,. Thränenblick aus das zwischen dem k. k. Bezirksgerichte und der Mädchen-Volksschnle gelegene Haus sich fragen: WaS haben wir denn so Schweres verschuldet, dass uns nufer Glanbensbruder nicht auch in sein fühlendes Herz eingeschlossen hat? aus wen sollten wir uns verlassen, wenn uns unsere Glanbensgeiiossen verlassen? Es wird wohl noch viel Wasser in die Cidlina fließen, bevor ein christlicher Bewohner Nenbidschoms ein humanitäres Wekk für Juden stiften wird, und Herr Jonas Bergmann wird mit der Errichtung des Waisenhauses den Antisemitismus ans dem Weichbilde unserer Stadt ebensowenig zu bannen im Stande sein, als er sich damit auch kaum ein bleibendes Denkmal im Herzen der christlichen Bewohner unserer Stadt sichern wird. Die edelsten Werke der Juden werden ja bekanntlich von ihren nichtjüdischen Mitbürgern vergesse», dagegen wird für das Vergehen eines einzelnen unserer Glanbensgenossen die gesammte Judenheit verantwortlich gemacht. Vom Standpunkte ans beurthcilt, dass der Jude im Wohlthun keinen confessionellen Unterschied machen soll, dass die Nächstenliebe sich auf alle seine Mitmenschen zu erstrecken habe, hat Jonas Bergmann jedenfalls ein gutes Werk gestiftet, insofern aber, als er der jüdischen Waisenkinder nneingedenk war, hat er demselben den Stempel der Halbheit anfgeprägt. Mag auch der Name des Stifters ans jenem Orphelinat mit goldenen Settern prangen, so wird dieser gewiss nie ans Dankbarkeit rechnen können, nicht einmal eine Messe wird für ihn einst gelesen werden. -— n. — Audapest. (Zwei ungarische Erzbischöfe gegen. den Antisemitismus.) Jene illnstre Gesellschaft, welche vor Jahren in Ungarn an der Spitze der sogenannten antisemitifchen Bewegung stand, ist längst durch den öffentlichen Ekel hinweggefegt worden und wagt jetzt kaum mehr ein Lebenszeichen von sich zu geben. Nur ein Repräsentant ist iioch verbliebe««, das ist der Pater Komlossy, der auch Mitglied des Abgeordnetenhauses ist, rvoselbst er als .Wilder* eine von aller Welt ignorirte Stellung einnimmt. Neuestens hat der brave Manu aber doch wieder das Bedürfnis empsnudeii, von sich reden zu machen. Er pilgerte nach Nom, wo er angeblich durch dem Papst empfangen worden sein sott. Heimgekehrt, suchte er da» durch diesen Empfang gewonnene Prestige sofort zu frnctificiren und berief eine Versammlung der katholischen Lehrer Ungarns ein, die unter seinem Präsidium berathen sollte —- in welchem Geiste und zu welchem Zwecke, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden. Lehrer haben .sichnun allerdings nicht gem ldet, dagegen meldeten sich in der Sache zum. Worte — ein Cardinal und ein Erzbischof. D״r Cardinal ist der geniale Dr. Haynald von Kaloesa, der Stolz und der Liebling aller ungarischen Katholiken. In einem Hirtenschreiben verbot der greise Kirchenfürst den Lehrern der Diöcese die Theilnahme an der durch Komlossy einbernfeneu Versammlung, wobei er seine Meinung über den Herrn Einberuser klar und deutlich, ganz unverblümt aus> sprach. Wenige Tage nach Veröffentlichung dieses Hirtenbriefes erschien ein weiterer Hirtenbrief, der den sittenstrengen Erzbischof von Erlau, Dr. Samassa, zuin Verfasser hat. Bei dem Umstande, dass Dr. Samassa gegenwärtig dein Grauer Bisthum als Stell« verteter vorsteht und aller Voraussicht nach zum Fnrstprimas von Ungarn auserkoren ist, gewinnen seine Worte eine ganz besondere Bedeutung. Dr. Samassa sagt, er theile in jedem Belange die׳ Meinung des Erzbischofs von Kaloesa und verbiete gleich diesem die Theilnahme an dieser Versammlung. Die Begründung dieses Verbotes ist für den letzten geistlichen Apostel des Antisemitismus noch welliger schmeichelhaft, alv die, mit welcher Dr. Haynald sein Verbot begleitete. Aus dem Gesagten ist zu ersehen, dass gerade die leitenden Geister des ungarischen Klerus rücksichtslos gegen jede neue Regung des Antisemitismns auftretea und namentlich den Hetzeaplänen bas Handwerk zu legen entschlossen sind. Das wäre schon an und für sich erfreulich, eS ist das aber auch politisch von Wichtigkeit darum, weil gerade jene׳ Kitcheufürsten sich so energisch anssprechen, welchen ganz Ungarn dir höchste Verehrung entzegenbringt und deren Wort bei Hoch und Niedrig, bediiigttngsloseil Respekt genießt. Dr. Haynald ist ein Manu, dessen Ruf ein enropäischel ist; er ist einer der hervorragendsten Gelehrten und jedenfalls der erste Kirchenredner Ungarns; Dr. Samassa war auf die Fürsprache Deak's zum Bischof berufen worden und er gilt als ein persönlicher Freund des gegenwärlizen Ministerpräsidenten. ' Grasen Szapaty. So ist der Erzbischof sofort nach der Ernennung Szapary's dem Club der liberalen Reichstagsabgeordneten als Mitglied beigetreten. Von dein Verdict solcher Männer wird der unglückliche Komlossy sich rvohl nicht so bald erholen. Nudapefl. Ludwig Kossnth hat sich einem Mitarbeiter dts- ,Pesti 91^16* gegenüber eingcheiid über de» Antisemitlsmlls ausgesprechen. ,Wenn Sie/ sagt Kossnth, ,während der Reise durch Jtaliew

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